Campbeltowning (4)

Wie wäre es mit einem Ausflug ans Meer? In das schöne Städtchen Campbeltown? Immerhin war dort erst vor Kurzem das Malt Festival. Das feiern wir gleich mit.

Springbank 2007 – Cadenhead

Ein Single Cask Springbank von einem unabhängigen Abfüller. Kaum noch denkbar. Hier ganz konkret ein 14 Jahre altes Bottling aus einem Bourbon Barrel. 2022 von Springbank in der Authentic Collection zum Sommer abgefüllt. 198 Flaschen mit 54,9% gab es. Link zur Whiskybase

Nase: Ein Kiesweg, von der Sonne erhitzt. Er wird mit Zitronensaft beträufelt. Dabei steigt dezenter Rauch auf. Danach bleiben noch Orangenblüten und Zitrusöle. Das ist alles ganz sauber und klar. Destialltgetrieben, sagt man glaube ich. Großartig.

Mund: Mineralisch, zitronig, sehr klar und absolut geraderaus. Eine dezente Süße, ein paar grüne Fruchtnoten. Aber alles nur flankierend. Ansonsten ist er exakt, wie ein Schnitt mit einem Laser.

Abgang: Ein wenig mehr Tiefe kommt dazu. Erdige Noten ergäzen den leichten Rauch und die Mineralität. Es bleibt dabei zitronig frisch und sehr lebendig.

Fazit: Man mag es unterkomplex nennen, ich finde es großartig. Das ist so exakt, so definiert. Ich kann mich daran genauso erfreuen wie an einer Aromentiefe mit dutzenden unterschiedlichen Nuancen. Manchmal vielleicht sogar noch mehr. 91/100

Springbank 1989 – Murray McDavid

Ein 10 Jahre alter Springbank, abgefüllt von Murray McDavid. Für die Namensweihe der RNLB “Ernest & Mary Shaw”, dem Campbeltown Lifeboat. Wie die normalen 10-jährigen auch mit 46% in die Flasche gebracht. Was für Fässer involviert waren und wieviele Flaschen es gab – keine Ahnung. Link zur Whiskybase

Nase: Eine frisch geöffnete Packung Haribo Gummibärchen. Vanille und Gebäck, ein Hauch von Rauch und ein Kiesweg. Äpfel und leicht vergorene Fruchtnoten sind auch vorhanden.

Mund: Old-style Bourbon in Kombination mit Seife. Dazu eine leichte Schärfe. Von der Schönheit der Nase ist da nicht mehr viel übrig. Wenn man es schafft die Seife wegzudrücken, dann sind die Gummibärchen wieder da.

Abgang: Die Seife ist auch im Abgang. Dazu kommen Bitterstoffe und eine gewisse Trockenheit. Das hilft ein wenig. Zitrone ist auch da zur Unterstützung.

Fazit: Das ist wirklich schade. Die Nase hat viel versprochen. Die Seife ist leider schlimm. Dass es mein Sample war kann ich mir nicht vorstellen. Ist zwar möglich aber sehr unwahrscheinlich. 72/100

Kilkerran 12-year-old (Jan 2023)

Der Einsteiger von Glengyle hat mir bisher fast immer gut geschmeckt. Deshalb freue ich mich auch über jedes neue Batch, dass bei mir Einzug erhält. Die Daten beim Batch aus dem Januar: 70% Bourbon Casks, 30% Sherry Casks und wie immer 46%. Link zur Whiskybase

Nase: Funkyfruchtig. Schwer zu beschreiben. Ich versuche es mal: Ein Plunder gefüllt mit Gartenfrüchten, die vorher in Longrow Peated und Salmiaki gekocht wurden. Gegessen wird das Ganze an der Tankstelle. Dazwischen gibt es nassen Tabak, Kamille und getrocknete Früchte.

Mund: Salzig und mineralisch, mit einigem an Zitrone. Dann kommen die Früchte von eben wieder. Der Plunder ist jetzt weg. Ein Blend aus Milchkaffee und ein Getreidekaffee. Nach einigem Kauen wird es sehr süß. Puderzuckersüß.

Abgang: Nicht übermässig lang hat er aber doch noch einiges zu bieten. Die Kamille ist zurück und bekommt einen metallischen Unterton. Zitrone und milde Bitterstoffe. Auch die Mineralität ist noch da.

Fazit: Das ist ein gigantischer Standard. Ich kann es nicht anders sagen. Wenn man mit der Nase was anfangen kann vor allem. Das ist schon unglaublich wie viel da los ist. Das es nur 46% sind ist hier ausnahmsweise mal wirklich egal. 88/100

Glen Scotia 11-year-old

Die aktuelle Abfüllung zum Campbeltown Malts Festival. 11 Jahre alt, 54,7% stark und mit einem Finish in White Port Fässern. Insgesamt gibt es 24000 Flaschen davon. Link zur Whiskybase

Nase: Gebäck, Vanille, Orange, Erdbeeren, Karamell. Dazu Tabak, etwas Erde. Eine gewisse Säure liegt in der Luft.

Mund: Leicht salzig und auch wieder rauchig. Dann kommen Pfeffer Noten, Vielleicht sogar etwas Ingwer. Die Süße spielt gut gegen die rauchigen Noten und der Säure. Zu den Erdbeeren kommen Äpfel.

Abgang: Zu den rauchigen und erdigen Noten kommen wieder Früchte dazu. Diese bringen auch wieder Säure mit. Außerdem gibt es schöne Bitterstoffe in Richtung Kaffee. In der Länge wird er trocken und irgendwie leicht käsig.

Fazit: Ein schönes Festivalbottling. Sogar immer noch verfügbar. Bei der Menge an Flaschen nicht verwunderlich. Das Experiment White Port ist gelungen. Auch wenn dieser hier weniger Campbeltown Funk hat als andere Glen Scotia. 86/100

Glen Scotia 10-year-old

Wenn wir schon drüber sind, ich hab glaube ich noch ein Sample vom Malt Festival. Die 2021er Abfüllung war 10 Jahre alt, aus First Fill Bourbon und erhielt ein Finish in Bordeaux Red Wine. Wie viele Flaschen es von den 56,1%tigen Malts gibt weiß ich nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Süßlich und leicht seifig. Dazu schön viel Vanille, Erdbeere und eine ganze Menge an Funk. Das ist wie wenn man einen Erdbeer-Vanilleshake in einer Autowerkstatt trinkt.

Mund: Hier dominiert nun der Funk. Es ist aber auch die Frucht wieder da. Zusammen mit etwas Würze. Ein Schwarztee mit Zitrone. Daneben liegt ein Stück dunkle Schokolade und ein paar rote Beeren.

Abgang: Das transportiert er auch gut in den Abgang. Das mit dem Tee ist ungewöhnlich aber sehr lecker. Die länge ist eher mittel und am langen Ende sind da vor allem noch die Erdbeeren.

Fazit: Auch schön. Ich denke das hat ein paar gespaltene Meinungen hervorgerufen. Ich bin auf der “pro”-Seite. 87/100

Glen Scotia 2008

Ein Malts Festival Sample hab ich noch. Von der ersten dieser Abfüllungen, wenn ich das recht sehe. 2018 wurde dieser 10 Jährige abgefüllt. 2400 Flaschen mit 57,8% haben insgesamt das Finish mit Ruby Port Fässern erhalten. Link zur Whiskybase

Nase: Jod, Bandagen, Salzkruste auf Lavasteinen. Dahinter dann Honig und Johannisbeeren, die auf ein schönes Stück Fleisch als Marinade augetragen werden.

Mund: Salzig und zitronig, weiterhin rauchig und medizinisch, aber nicht mehr so intensiv. Tabak, etwas Metall. Das Fleischstück wurde noch mit Espresso bestreut. Wunderbar kaubar.

Abgang: Intensive Bitterstoffe. Tee, Zitrusschalen. Auch wieder Salz. Verbrannte Kräuter. Der Torf ist jetzt in Richtung junge, bittere Torfnote. Mit der Zeit wird er trocken.

Fazit: Wirklich faszinierend. Wenn man in der Base liest, dann gibt es zwei Fraktionen: “Der ist total torfig, fast Islay Style” und “der hat ja quasi gar keinen Torf und Rauch”. Also mein Sample war aus dem ersten Batch, das kann ich in aller Deutlichkeit sagen. Nase und Taste waren dabei ziemlich großartig. Der Abgang fällt etwas ab. Insgesamt auch sehr schön. 87/100

Sechs Versuche, fünf Treffer

Falls noch jemand den 2019er Glen Scotia zum Festival daheim hat: Ich hätte großes Interesse an einem Sample. Lücken schließen und so. Man muss zugeben, die Experimente, die da jedes Jahr angeboten werden, sind ein großer Tribut an die Fans. Ich bin außerdem ziemlich begeistert welche Bandbreite Glen Scotia hier anbieten kann.

Was die Springbank angeht: Ich hoffe wirklich der Murray McDavid bleibt eine Ausnahme. Sowas muss ich nicht nochmal haben. Da ist dann lieber das geniale Single Cask der Lichtblick und die Orientierung für die Zukunft.

Und ich weiß: Kilkerran ist nicht für jede Person was. Ich liebe was sie da als Standard abfüllen. In dieser Liga spielen nur wenige bei ihren Einsteigern!

Mehr zu: Glen Scotia, Kilkerran (Glengyle), Springbank, Campbeltowning Beiträge: 1, 2 und 3
Bilder: Titel: Lirazelf, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und privat überlassen (danke Alex) oder gekauft