Campbeltown von der See aus

Campbeltowning

Seit dem ich vor einem Jahr mal den Witz mit diesem Springbankraub gemacht hab ist alles eskaliert. Mal sehen ob ich nochmal selbst Springbankflaschen kaufen werde. Für jetzt bediene ich mich mal aus Samples und den Beständen. Heute aus allen drei Destillerien in der einst größten Whiskymetropole Schottlands.

Springbank 10-year-old Herbst 2021

Eine Flasche Springbank 10-year-old aus dem Herbst 2021

Wir beginnen mit einem von mir und vielen die ich kenne geliebten Standard. 10 Jahre alt mit 46%, breit verfügbar und günstig und mittlerweile erstaunlich schwer zu kriegen oder erstaunlich teuer. Link zur Whiskybase

Nase: Wachs, Vanille und Zitronen gehen über in eine dreckige Rauchnote. Ein Vanillegebäck das leicht verkohlt den zweiten Tag in der Auslage einer Tankstelle liegt.

Mund: Saure Limonade mit einer dreckigen Torfnote. Asche und Kräuter. Cremig und gleichzeitig dreckig. Spannend. Die Vanille wird auch wieder mehr. Zwischendurch gibt es auch einen Schwung Salz.

Abgang: Etwas Metall, angebrannte Kräuter. Zitrusfrüchte und eine hohe Mineralität. Die Balance, auch wenn es sich vielleicht nicht danach anhört, ist jetzt am höchsten.

Fazit: Wie immer lecker, in weiten Zügen aber ein wenig schwächer als vergangene Abfüllungen. Ich wünschte andere Destillerien würden auf diesem Niveau schwächeln. 87/100

Springbank 12-year-old Batch 22

Eine Flasche Springbank 12-year-old Batch 22

Noch ein Klassiker. Die fassstarke 12-jährige Variante kommt in offiziell benannten Batches raus. Hier handelt es sich um die 22te Installation aus dem Jahr 2021. Er ist 55,4% stark und kommt 50:50 aus Bourbon- und Sherryreifung. Eine Anzahl an Flaschen ist nicht bekannt. Link zur Whiskybase

Nase: Vergorene Früchte, Salz und eine hohe Mineralität. Etwas Rauch und eine ordentliche Menge an Campbeltownfunk.

Mund: Würzig und anpackend geht es los. Die Fassstärke ist gut erkennbar, dabei aber nicht drüber. Süßlich geht es weiter mit ein paar Trockenfrüchten. Auch der Funk ist wieder da, aber zurückhaltender.

Abgang: Mineralisch, würzig und dreckig, mit ein paar Einschlägen in Richtung (salzigen) Käse. Auch Früchte und Vanille sind da. Die Früchte passen gut zum Käse.

Fazit: Ein schöner Vertreter der Familie “12CS”. Der Funk könnte einem zu viel werden. Dann Empfehle ich einen Gang zum Kühlschrank. Da passt ganz sicher etwas Käse dazu. 87/100

Glen Scotia 14-year-old

Eine Flasche Glen Scotia 14-year-old

Ähnlich dem Feis Ile Festival gibt es auch in Campbeltown jedes Jahr eine Whiskysause. Im Jahr 2020 hat Glen Scotia dafür einen 14 Jahre alten Whisky in Fassstärke (52,8%) aus American Oak und Tawny Port abgefüllt. 15000 Flaschen gab es insgesamt.  Link zur Whiskybase

Nase: Rote Früchte aller Art. Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren, Kirschen. Alles mit Schokolade überzogen und dazu eine wunderbar dreckige Note. Zwischen leichtem Rauch und Schwefel und Grillgut auf dem Torffeuer.

Mund: Präsenter Alkohol begrüßt mich. Aber er ist alles gerade noch im grünen Bereich. Dann kann man den Portwein gut erkennen. Die roten Früchte dürfen auch wieder von der Partie sein. Dazu Salz und auch Torf und Rauch. Zwischenzeitlich hab ich scheinbar einen auch einen Abstecher ins Schwimmbad gemacht.

Abgang: Die Beeren sind wieder wunderbar präsent. Diesmal ist ein wenig Hagebutte mit dabei. Dazu kommen auch noch Bitterstoffe. Die dünne Linie zum Schwefel wird erneut aufgezeigt, aber nicht überschritten. Die Länge passt gut. Er wird dann auch noch mal ordentlich wärmend.

Fazit: Zu jedem Zeitpunkt „on the edge“. Sehr mutig sowas abzufüllen. Finde ich aber wirklich klasse. Ich glaube dass hat die Community auch gut honoriert! 88/100

Glen Scotia 1992

Eine Flasche Glen Scotia 1992 von Cadenhead

Die erste unabhängige Abfüllung der Session. Von Cadenhead wurde dieser Glen Scotia 2018 in 228 Flaschen gebracht. In einem Bourbon Hogshead 26 Jahre gereift hatte er da noch 47,3% Link zur Whiskybase

Nase: Zitrusnoten und Tankstelle gehen dann vor allem ins Süßliche. Das Erde, Kräuter, Gräser. Und wieder zurück zur Frucht. Mit Wasser kommt etwas Gebäck dazu.

Mund: Grasig und auch erdig. Dann kommen wieder Früchte, vor allem Zitrus. Nur ein Hauch Vanille.

Abgang: Trocken und herb. Mit Kohlen und Zesten. Die Erde kommt wieder durch, die grasige Seit wurden den Bittstoffen geopfert.

Fazit: Nicht schlecht, aber für mich auch kein Highlight. Das Profil erinnert stark an einen Lowlander, allerdings können die jenes deutlich besser bedienen. 85/10

Kilkerran 12-year-old (Januar 2022)

Eine Flasche Kilkerran 12-year-old aus dem Jahr 2022

Ein Bottling zu dem ich immer wieder gerne zurückkehre. Dieses mal ist es die Auflage aus dem Januar 2022. Wie immer mit 46% abgefüllt. Die Fässer waren zu 70% Bourbon und zu 30% Sherry. Link zur Whiskybase

Nase: Eine faszinierende Mischung. Auf der einen Seite Honig, Klee oder einer Wildwiese. Auf der anderen Seite Gummiabrieb und Diesel. Außerdem ein mineralischer Einschlag mit ein wenig Zitrone on Top.

Mund: Etwas saure Schärfe, Ingwer, Zitrone. Darunter ein Mürbeteig. Ein Destillat aus Klee, gibt es sowas? Dazu trinkbares Benzin. Klingt verrückt, ist aber nichts Schlechtes.

Abgang: Klee und Kamillentee, ein Milchkaffee oder eher eine würzige Latte. Dann kommt etwas Zitrone und auch wieder eine schöne Mineralität. Im Wechsel dazu gibt es wieder etwas Tankstelle.

Fazit: Ein wirklich guter Standard. War schon vorher gut, ist er noch immer. Bleibt er hoffentlich auch immer. Leider ist er auch im Zuge der Campbeltown-Teuerung im Preis gestiegen. 86/100

Kilkerran 16-year-old (2021)

Eine Flasche Kilkerran 16 aus dem Jahr 2021

Der große Bruder, der seit einigen wenigen Jahren aufgelegt wird. 46%, 75% Bourbon Cask und 25% Sherry Cask. Abgefüllt wurde dieser hier im September 2021. Link zur Whiskybase

Nase: Erdig und malzig, dämpfig. Dazu ein wenig Zitrone und Honig. Auch eine nasse Blumenwiese kann ich vernehmen.

Mund: Damit geht es auch weiter. Erstaunlicherweise zwickt er auch ein wenig in der Zunge, trotz Trinkstärke. Dann kommt ein wenig Funk. Mit ganz wenig Torf und auch Mineralität.

Abgang: Kräuter und Heuboden, salzig und mineralisch. Ein paar Bitterstoffe dazu und auch Zitronen. Vanille ist auch dabei und mit der Zeit kommt Wachs und Honig dazu. Dann wird er auch trocken.

Fazit: Auch hier ist wieder wirklich gute Qualität am Start. Für das höhere Alter würde ich mir deutlich mehr Komplexität und Tiefe wünschen. So bleibt er einfach auf dem gleichen Niveau wie der 12er. 86/100

Solider Trinkstoff

Mehr als solide wahrscheinlich. Und für das Segment, in dem all diese Bottlings sein sollten (mit Ausnahme des Cadenhead vielleicht), ist das auch ein Traum. Leider hat der Sekundärmarkt und der Hype es zunehmend schwer gemacht diese Bottlings zu vernünftigen Preisen zu erstehen. Bin ja mal gespannt wann die Leute die den Stoff in ihrem Keller horten es aufgeben. Trinken wird das in der Geschwindigkeit wohl kaum jemand.

Mehr zu: Glen Scotia, Glengyle, Springbank
Bilder: Titel: Dunnock_D on flickr.com (CC BY-NC 2.0) | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und beim Händler gekauft