Blends in nicely (3)

Bei Blends hat man eine Möglichkeit, die einem bei Single Malts heute oft verwehrt bleibt: Man kann relativ leicht sehr weit zurück in der Zeit reisen. Abfüllungen aus den 50er oder 60er Jahren sind noch erhältlich, wenn auch nicht in rauen Mengen. Und sie sind noch deutlich bezahlbarer als ihre Single Malt Pendants. Diese Gelegenheit nutze ich heute und habe sowohl sehr aktuelle als auch sehr alte Blends und Blended Malts im Glas.

Campbeltown Loch Blended Malt Whisky

Eine Flasche Campbeltown Loch Blended Malt von Springbank

Ein Blend aus dem Hause Springbank um den es viel Wirbel gab. Im Zuge der aktuellen “Preisanpassung” bei Springbankprodukten ist auch dieser Blend, ohne Inhalts- und Altersangabe plötzlich recht teuer geworden. Zumindest dafür hat sich der Preis aber wieder etwas normalisiert nach ein paar Wochen. In der Flasche ist irgendwas von Springbank mit 46%. Link zur Whiskybase

Nase: Immer wieder wechseln die Aromen, als wollten die Inhaltsstoffe sich nicht so recht verbinden. Von dreckig bis torfig, über zitronig und mineralisch bis hin zu süß und floral. Dazwischen zeigt sich die Jugend durch noch nicht ganz so gut integrierteren Alkohol.

Mund: Prickelnd würzig, mit Pfeffer und Zitrone. Etwas Chili dazwischen. Dann kommen Honignoten, Vanille und wieder eine gewisse Dreckigkeit.

Abgang: Bitterstoffe und Birne sind das Wesentliche was bleibt. Es gibt so ein herzhafte Birnentarte. Wenn man die ordentlich anbrennen lässt, ich glaub da kommt genau das dabei raus.

Fazit: Ein sehr ordentlicher Whisky. Über den Kampf, den er teilweise mit sich selbst ausficht, muss man aber drüber trinken. Nicht verkopfen, das ist nur ein NAS-Blend. Einfach als netten Dram genießen. 85/100

Old Mull Fine Scotch Whisky – John Hopkins & Co Ltd

Eine Flasche Old Mull Fine Scotch Whisky

Ein St Magdalene Blend. Klar bin ich da sofort am Start. Diese Flasche dürfte in den frühen 60ern oder wahscheinlicher in den 50ern abgefüllt worden sein. Es sind keinerlei Informationen zum Alkoholgehalt, nichtmal zur Flaschengröße darauf zu finden. Aber ein kleiner dezenter Hinweis auf meine Lieblingsdestillerie. Link zur Whiskybase

Nase: Alles was die Tankstelle so zu bieten hat. Diesel, Russ, Öllappen, Metall. Und dazwischen frisch gemähtes, dampfendes Gras. Dazu noch eine ultrasalzige Bouillon. Das ist alles irgendwo zwischen dreckig und gärend. Irre.

Mund: Es wird etwas zahmer. Die Aromen sind alle noch da, die Geschmacksnerven im Mund können aber scheinbar deutlich besser damit umgehen. Ein kleiner Spritzer Zitrone und etwas Vanille kommen durch. Dazu noch Malz und orientalische Gewürze. Nach einiger Zeit auch noch Apfel.

Abgang: Trocken fruchtig und mit einer gewissen Honigsüße werden die Aromen aus der Nase nun endgültig vertrieben. Das Gärige ist aber immer noch da.

Fazit: Mit der Nase kann man glaube ich Menschen davonjagen. Ich finds spannend. Der Zusammenhang zu St. Magdalene ist für mich unverkennbar. Für eine Topbewertung würde ich mir noch mehr frische Elemente wünschen, die dreckigen Noten ermüden einen mit der Zeit. Im Taste und Finish ist er schön rund. 89/100

Blended Scotch Whisky 2016 – Phil & Simon Thompson

Eine Flasche Blended Scotch Whisky 2016 von Phil & Simon Thompson

Ein Blend von unseren Freunden aus Dornoch. Eigentlich sollte man eine der Destillerien ja am Bild erkennen. Da steht auch ein Straßenschild. Ich würde vom Gebäude her sagen das ist eine Graindestillerie. Aber ehrlich gesagt hab ich die Rätselei irgendwann aufgegeben. Drin in der Flasche ist ein Blend, als sowohl Grain als auch Malt. Er ist 5 Jahre alt und wurde mit 46% in Trinkstärke abgefüllt. Gereift wurden die 621 Flaschen in Refill und 1st Fill Sherry. Link zur Whiskybase

Nase: Würzige Sherrynote mit Ingwer, Leder und Tabak. Dazu eine dezente Süße und ein paar Trockenfrüchte.

Mund: Ähnlich wie in der Nase geht es beim Taste weiter. Dazu kommt eine frische Säure und die Früchte sind eher gekocht.

Abgang: Natürlich ist der bei dem Alter und den 46% kein Star im Abgang. Relativ kurz, relativ wenig Tiefe. Die Aromen bleiben stringent. Hier muss man nachnehmen, wenn man wieder mehr Intensität haben will.

Fazit: Wunderschön orchestriert und preislich attraktiv. Eine Flasche für eine schöne Runde mit Freunden. Dabei ist er aber, auch wenn die Farbe das vielleicht erstmal suggeriert, keine flüssige Nachspeise. Diese würzige Seite von Sherrylagerungen ist eine angenehme Überraschung. 86/100

Park Gate

Eine Flasche Park Gate von Stock

Aus heutiger Sicht ist das hier kein Whisky. Ein Blend der mit Neutralalkohol verschnitten wurde darf sich nach heutigen Regularien nicht Whisky genannt werden. In den 1960ern durfte Stock in Italien ihn noch als Blend bezeichnen. 40% und 75cl, mehr weiß man nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Malz und Gerste, ein wenig Sirup. Dazu etwas Zitrus und eine hoch stehende Wiese. Apfel und Vanille.

Mund: Weich und leicht mineralisch. Dazu Ingwer und wieder Malz und Vanille. Ganz entfernt steht irgendwo eine Tankstelle hinter der Wiese.

Abgang: Malzbonbons, Röstmalz, Getreidekaffee. Die Länge ist erstaunlich für nur 40%. Etwas Salz, Zitrus und ein wärmendes Gefühl bleiben.

Fazit: Der reißt keine Bäume aus, ist aber ein schöner Einsteiger. Für mich ist das der so genannte “Kalibrirwhisky”. Vor jedem Review ein paar Tropfen in ein Glas, damit kann ich feststellen ob meine Sensorik heute in Ordnung ist. 84/100

Flaming Heart 5th Edition – Compass Box

Eine Flasche Flaming Heart 5th Edition

Die fünfte Abfüllung des Compass Box Blend “Flaming Heart”. Abgefüllt zum 15ten Jubiläum des Unternehmens. Mit 48,9% wurden über 12000 Faschen mit Caol Ila, Clynelish, Teaninich und Dailuaine abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Zitrusfrüchte, Wachs und ein sanfter Rauch steigen auf. Dazu kalte Asche, eine Wildkräuterwiese. Honig und Orangenmarmelade.

Mund: Vor allem mit viel Asche und wenig Rauch wie auch Torf. Dazu wieder Honig und es kommt geröstete Gerste dazu. Kaffee, maritime Noten und würzige, leicht scharfe Noten binden alles ab.

Abgang: Honig und Kräuter, eine Lichtung im Wald. Viel Wachs, Bienenwachs. Auch Kies und Salz. Der Clynelish schlägt voll durch. Kohlen und Asche sind kaum noch präsent.

Fazit: Ein sehr schöner Vertreter seiner Zunft. Gute Tiefe, die Aromen greifen die meiste Zeit wunderbar ineinander. Da kann man sich nicht beschweren. 89/100

High Five – Alba Import

Eine Flasche High Five von Alba Import

Ein Blended Malt aus Macallan, Highland Park, Glenrothes, Tamdhu und Bunnahabhain gereift in einem (?) Sherry Cask. Die jüngsten Inhaltsstoffe sind 15 Jahre alt und der Alkoholgehalt liegt bei 43,1%. Link zur Whiskybase

Nase: Kakao Nibs, Rosenwasser, Kräuterlimonade und Eichenwürze. Zitrusfrüchte und trockener Rauch kommen hinterher. Der Sherry ist da, aber eher zurückhaltend.

Mund: Ziemlich flach verbinden sich leicht metallische Noten, Ingwer, Rauch und trockenen Sherry.

Abgang: Trocken mit Zitrus und ein wenig Rauch. Papier, Eiche und Bleistiftspäne sind auch dabei. Dazu etwas Rosinen, dunkle Schokolade, Tabak und mitteltrockener Sherry.

Fazit: Ordentlich. Das waren vermutlich einige ziemlich ausgelutschte Fässer, die über den Blend gerettet werden sollten. Mission geglückt würde ich sagen, aber ein Highlight wurde dadurch nicht daraus. 83/100

Erwartungskonform?

Vieles war sehr solide bis gut. Die älteren Sachen haben einen deutlich anderen Stil. Das ist soweit zu erwarten gewesen und hat sich auch erfüllt. Dennoch hab ich mich z.B. über den unerwartete Stil des Thompson Blend sehr gefreut. Ich hab zwischendrin auch gegrübelt ob ich bei den letzten beiden durch das Wissen über die Destillerien anders wahrnehme oder gar bewerte. Es gab also doch ein paar Überraschungen.

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Bilder: Titel: https://blendingrooms.ie/ Bildrechte unklar | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft