Relicts of Imperial

Ein Beispiel für schlechtes Timing: 1897 gegründet, in 1898 mit der Produktion begonnen und bereits im Jahr darauf eingemottet, dem Pattinson-Crash zum Opfer gefallen. Ein Jahr nach dem Ende des ersten Weltkrieges wurde ein Neustart versucht, jedoch mit wenig Erfolg, denn ein Besitzerwechsel in 1925 führte unmittelbar zur erneuten Schließung. In der Folgezeit waren lediglich die Maltings in Betrieb, bis endlich in 1955 die Whiskyherstellung wiederaufgenommen wurde. Dieses Mal immerhin für 30 Jahre, doch recht bald wurde offensichtlich, dass Imperial mit den etablierten Konkurrenten nicht gleichziehen können würde und so fiel der Brennerei die Rolle des Arbeitspferdes für die Blendindustrie zu. Das Destillat war dafür wohl gut geeignet und so war Imperial Zutat für Blends wie Ballantine’s, Teacher’s oder Black Bottle. Nach der Whiskykrise in den 80ern öffnete Imperial in 1991 auf’s Neue seine Tore, erneut nur für kurze Zeit, denn schon 1998 wurde die Distillerie, wie sich herausstellen sollte zum letzten Mal, eingemottet und für später geschlossen erklärt.

Trivia: Die an den Ufern des River Spey gelegene Imperial-Brennerei lag wohl auf der Wanderroute laichwilliger Kröten zu einem nahen Teich, sodass im Frühling zahlreiche dieser Amphibien durch das Stillhouse hüpften.

Die klobige Box des 21-jährigen Imperial von Elixir Distillers
Eine Flasche vom 21-jährigen Imperial, abgefüllt von Elixir Distillers

Imperial 21 Jahre ElD

Fünf Bourbon Casks aus 1995-1998 bis 2020 / 47,5%Vol. / Link zur Whiskybase

Hier hat der unabhängige Abfüller Elixir Distillers mehrere Fässer aus den Jahren 1995 bis 1998 miteinander vermählt, die Bestandteile sind also mindestens 21 Jahre alt. Es wird nicht explizit aufgeführt, dass es sich um einen Fassstärkewhisky handelt, aber der krumme Alkoholgehalt soll das anscheinend suggerieren.

Nose: Die Fässer haben Eindruck beim leichten, floralen Destillat von Imperial hinterlassen, ohne diesen jedoch zu unterdrücken. Neben der feinwürzigen amerikanischen Eiche kommt die typische Bourbonfrucht durch, allen voran Apfel und Birne. Aber auch mit Zitrus aromatisierte Zuckerwatte und Mandelmus sowie Banane und Honig. (88)

Taste: Cremiger Antritt mit Vanille, Zitrusfrüchten und einiges an Gerstenmalz. Die Gewürze sind recht kräftig, dennoch zeigen sie das hohe Alter gut auf. Trotz Apfel und Pfirsich wirkt er weniger fruchtig als vorhin. Der Honig kann nicht ganz verbergen, dass sich eine Kleinigkeit an nussiger Bitterkeit heranpirscht. (85)

Finish: Das Holz macht jetzt eine weniger gute Figur, denn die Gewürze werden von einigen bis vielen Zündhölzern begleitet. Der Rest passt, Vanille und reichlich Mandeln tun dem Gaumen nur Gutes. Honig und Malz bilden einen versöhnlichen Abschluss. (85)

Fazit: Mit ein paar Tropfen Wasser hat er mir besser gefallen, weil balancierter. Der an sich frische Malt wird durch gelegentliche Bitterelemente aus der Bahn geworfen. Hinzu kommt, dass der Alkohol nicht immer optimal eingebunden ist und je nach Stimmung prickelnd bis störend wirkt. Nicht ganz das, was man bei dem Preis erwartet.

Eine Flasche Imperial aus dem Fass mit der Nummer 20155.

Imperial 1995 MBl Cask 20155

Bourbon Cask 10.1995 bis 11.2016 / 48,9%Vol. / Link zur Whiskybase

Aus der The Maltman-Serie vom Abfüller Meadowside Blending stammt dieser 21-jährige Imperial. 298 Flaschen ergab das Einzelfass.

Nose: Vom ersten Moment an eine eindeutige Bourbonfassreifung, simpel und wohltuend: Vanille, viel angestaubtes Bienenwachs und malziges Gebäck. Später wird es frisch und fruchtig mit Apfel, Banane und Trester. Dann und wann etwas Koriander aus der Gewürzecke. (87)

Taste: Genauso schön geht es weiter: Vanille, Malz und Kokosnuss. Zudem samtig würzig und ausgesprochen staubig, man bekommt den Eindruck, der schlummert schon seit den 80ern in der Flasche. Die Frucht wirkt jetzt ein wenig voluminöser, dank Aprikose. Schokolade, Wachs und Lederpolitur sind bereichernde Details. (87)

Finish: Politur und Wachs bleiben dann auch, mischen sich unter’s Gerstenmalz, sorgen für ein angenehmes Mundgefühl. Haselnuss und Eichenholz in Begleitung von Zündhölzern; diesmal passt es besser. Kaum Frucht. (87)

Fazit: Wie ein warmes Willkommen, meist schnörkellos, aber natürlich und ausgewogen. Nicht nur der fortgeschrittene Reifegrad, sondern der gesamte Auftritt liefern ein rundum angenehmes Trinkerlebnis ab.

Eine Flasche Imperial aus dem Fass 50272 von Signatory Vintage. Der Dekanter-Style sorgt für den hohen Wiedererkennungswert der Serie.

Imperial 1995 SV Cask 50272

Bourbon Hogshead 18.09.1995 bis 20.10.2020 / 56,9%Vol. / Link zur Whiskybase

Noch ein 1995er Imperial, diesmal aus der Cask Strength Collection von Signatory Vintage, auf den deutschen Markt gebracht von Kirsch Import. 185 Flaschen in Fassstärke betrug der Output.

Nose: Astreine Bourbonnase – neben Vanille und Honig finden sich reife Äpfel und Birnen, auch einige gezuckerte Zitrusnoten. Sogar Rosinen sind im Früchtemix. Nach einer Viertelstunde steigen dicke Wachsplättchen empor, das Eichenholz steuert Gewürze bei. (89)

Taste: Aus leichter Schärfe wird ein Prickeln, welches stetig auf die Zunge trommelt. Aromen nach Gerstenmalz dominieren, Ingwer und Nüsse mit etwas Abstand dahinter. Einzig am würzigen Eichenholz, welches gemahlene Nelke, Sandelholz und Kakaopulver transportiert, wird das Vierteljahrhundert deutlich. (82)

Finish: Trocken; mit dem Eichenholz kommen auch unzählige Gewürze und Kakao. Blanchierte Mandeln kündigen die stille Rückkehr des Bourboneinflusses an. Später hat das Wachs nochmal einen schönen Auftritt. (86)

Fazit: Da darf ruhig ordentlich Wasser ran, dann ist er weniger heftig und hat mehr Facetten zu bieten. Insgesamt ist er schwierig zu bewerten, allein in der Nase zeigt er sich altersgemäß und überzeugt.

Die Miniaturversion des 1991er Imperial aus dem Fass MoS 15030

Imperial 1991 MoS Cask 15030

Bourbon Barrel bis 2015 / 48,2%Vol. / Link zur Whiskybase

Eine Abfüllung von Malts of Scotland, gebrannt im Jahr der letzten Wiedereröffnung. Neben den 96 Miniaturen gab es noch 168 Stück der großen Version.

Nose: Vanille und süßes Gebäck verbreiten eine unkomplizierte und gefällige Stimmung. Dem folgen aromatisches Bienenwachs und einige Salzkristalle. Aus der anfänglichen Backpflaume schälen sich ein Apfel und später ein Pfirsich heraus. (86)

Taste: Plötzlich ist auch das Eichenholz da, würzig und mit viel Vanille. Honig in verschiedenen Variationen. Mandeln – sowohl blanchierte als auch gesalzene – können nicht ganz verhindern, dass der Dram recht einfach gestrickt wirkt. (84)

Finish: Ein Dreiklang aus Honig, Mandeln und Eichenholz, wobei dieser doch etwas stumpf klingt bzw. scheppert. Dann greift Wachs ins Geschehen ein und gestaltet den nussig-würzigen Ausklang doch sehr angenehm. (85)

Fazit: Nicht mehr als ein solider Alltagswhisky. Rund, keine Fehlnoten und der Alkohol ist gut integriert. Halt nur nicht ganz das, was man sich nach weit über zwanzig Jahren Reifezeit erhofft, aber vor dem Hintergrund einer geschlossenen Brennerei lässt sich auch das gut verkaufen.

Noch eine Flasche Imperial von Signatory Vintage, eine alte Abfüllung aus der Zeit vor der Jahrtausendwende.

Imperial 1976 SV Cask 7574

Oak Cask 08.10.1976 bis 08.03.1998 / 43,0%Vol. / Link zur Whiskybase

Zu guter Letzt eine Abfüllung aus der Zeit vor der Schließung in den 80ern. Bereits damals konnte sich Signatory Vintage Fässer sichern. Mit 740 Flaschen war die Ausbeute aus einem einzelnen Fass, auch wenn auf Trinkstärke herunterverdünnt, gar nicht wenig.

Nose: Lindenblütenhonig – süß, sämig und aromatisch. Wachsig wird er mit der Zeit, und grasig grün. Verstaubte Gewürze und Rauchreste. Gelbe (Zitrus-)Früchte sind in mein Frühstücksknuspermüsli gefallen. (87)

Taste: Der Honig steht einem auch hier zur Seite. Gerstenmalz und Eichenholz zeichnen ein unkompliziertes Profil, während subtil Asche ausgestreut wird. Salz, feinsinnige Tannine und Nüsse können doch noch für ein wenig Komplexität sorgen. (85)

Finish: Das Eichenholz leitet einen mehr als soliden Abschied ein. Leicht trocken und würzig, kann es außerdem mit Nüssen und angenehmen Bitterstoffen bereichern. Wachs und Heu. Nicht intensiv, aber langanhaltend. (86)

Fazit: Ganz anderer Stil als die vorherigen 90er. Der Einfluss vom Fassholz ist unauffälliger und fügt sich bescheiden ein, sodass der Spirit mit seinem Old-School-Flair mehr herausgehoben wird. Sowohl die 21 Jahre im Fass, als auch die 24 Jahre in der Flasche kommen zur Geltung.

Tatsächlich war die Brennerei weit über die Hälfte ihrer Zeit inaktiv. Hierfür war neben dem unglücklichen Timing wohl auch die schiere Größe der Blennblasen verantwortlich, die dazu führte, dass die Destillationsprozesse unflexibel und aufwändig waren. Die zwei, ab 1965 insgesamt vier Pot Stills fassten ein Volumen von 36.000 Litern, in dieser Größenordnung fallen mir spontan nur die Wash Stills von Caol Ila und Glenallachie ein.

Schließlich entschloss sich Pernod Ricard gegen die Renovierung der inzwischen heruntergekommenen Gebäude – die Stills war da sogar schon teilweise gestohlen worden – und für den Abriss von Imperial. Platz sollte geschaffen werden für den Destilleriekomplex, der mittlerweile unter dem Namen Dalmunach bekannt ist. Seit Oktober 2014 wird an dieser Stelle wieder Whisky produziert. Was wohl die Kröten dazu sagen?

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Samples privat gekauft | Bilder eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase