Octomore hoch drei

Heute bin ich mal unartig und nehm’ dem Tobias einige Octomore vorweg, die er hier bis dato noch nicht vorgestellt hat. Die Brennerei Bruichladdich verwendet für diese Spielart ihres Whiskys extrem ‘getorftes’ Gerstenmalz, auf jeder Ausgabe wird der Phenolgehalt in ppm – parts per million angegeben und erfreut Rauchfetischisten weltweit. Phenole sind nämlich chemische Verbindungen, die für den rauchigen Geschmack des Whiskys mitverantwortlich sind. Diese aromatischen Teilchen lagern sich am Malz an, wenn dieses durch die bei der Verbrennung von Torf entstehende Hitze getrocknet wird.

Noch kurz die Nomenklatur der ‘originalen’ Octomore erklärt: Seit 2008 werden viele Octomore im Rahmen von ‘Editionen’ herausgegeben, begonnen hatte es konsequenterweise mit Edition ’01.’, in 2021 wurde Nummer ’12.’ auf den Markt geworfen. Innerhalb jeder Edition gibt es dann noch bis zu vier Batches, welche mit den Ziffern 1 bis 4 gekennzeichnet werden. Diese Ziffern haben folgende Bedeutung:

  • 1: Die verwendete Gerste wurde zu 100% in Schottland angebaut.
  • 2: Es wurde mit nicht alltäglichen Fassarten experimentiert; für den Travel Retail bestimmt.
  • 3: Die verwendete Gerste wurde zu 100% auf Islay angebaut.
  • 4: Zur Fassreifung wurden frische, zuvor unbelegte Eichenfässer (Virgin Oak) genutzt.

Für jedes Batch wurden entsprechende Fässer ausgewählt, der Inhalt in großen Behältern vermählt und dann in ‘Batchstärke’ abgefüllt, für gewöhnlich einige bis viele Tausend Flaschen je Batch.

Hier nun die Fassexperimente der Editionen 06. bis 08.:

Eine Flasche Octomore Edition 06.2

Octomore Edition 06.2

Eau-de-Vie Limousin Oak Casks of Aquitaine 5 Jahre bis 2013 / 58,2%Vol. / Link zur Whiskybase

Fünf Jahre durfte dieser Whisky in Eichenfässern aus Aquitanien, einer Region in Süd-West-Frankreich, reifen. Eau de Vie bedeutet – wie Whisky – im Übrigen ‘Lebenswasser’ und bezeichnet einen Brand aus vergorenen Früchten. Der Phenolgehalt wird mit 167ppm beziffert, das Batch war 18.000 Flaschen stark.

Nose: Der Rauch ist nicht mega intensiv, aber doch sehr dicht, schwer und cremig. Vom Charakter her speckig mit gelegentlichen organischen Noten vom Bauernhof, die da nicht so gut reinpassen und auch nicht wirklich meins sind. Dahinter zeigen sich immer wieder mal Ansätze von Komplexität; fruchtige Süße von Beeren, Orangen und Aprikosen; pfeffrige Eiche mit Tabak; Banane usw… (83)

Taste: Druckvoll rauscht der Rauch daher, Salz und rußigen Teer im Gepäck, gepaart mit bitzelnder Eichenholzwürze. Metallische Süße von roten Beeren macht sich breit, Iod ebenso. Er wirkt cremig und erdig-bitter, wie Kakao mit Kaffeepulver. (81)

Finish: Spätestens jetzt haben sich die rußigen Rauch- und Aschekomponenten derart festgesetzt, dass sie auch von einer Flasche Mundwasser nicht mehr vertrieben werden können. Pfeffriges, grünes Eichenholz und erdige Tannine kommen noch, sonst kaum Abwechslung. Vielleicht ein paar gesalzene Nüsse. (81)

Fazit: Viel unausgereiftes Stückwerk. Der Nase wird’s immerhin nicht langweilig und auch der Alkohol scheint vorerst nicht zu eminent, aber je länger man sich damit beschäftigt, desto deutlicher wird die geringe Reifezeit und die damit einhergehende Unausgeglichenheit des Malts. Teils kommt der Obstler durch.

Eine Flasche Octomore Edition 07.2

Octomore Edition 07.2

American Oak & Rhône Syrah Wine Casks 5 Jahre bis 2015 / 58,5%Vol. / Link zur Whiskybase

An der französischen Rhône ist Syrah die vorwiegend angebaute Rebsorte, ausdrucksstarke und geschmeidige Weine sind das Ergebnis. Ebensolche Fässer wurden für dieses Batch verwendet. Mit 208 ppm war das Malz ungefähr viermal so ‘rauchig’, wie beim durchschnittlichen Ardbeg. Allerdings bedeutet das nicht, dass dieser Octomore auch viermal so rauchig schmeckt. Denn durch die Weiterverarbeitung des Malzes – dem Mahlen, Maischen, Vergären, Brennen und Lagern – gehen viele Phenole verloren. Bedingt durch die hohen Siedepunkte der Phenole bleibt allein bei der Destillation ein beträchtlicher Anteil auf der Strecke. Bis zu einem gewissen Grad kann der Master Distiller dies beeinflussen und da ein Octomore ja auch rauchig sein soll, denke ich, dass einem nach nur fünf Jahren Reifezeit noch ordentlich ‘peat’ um die Ohren fliegt.

Nose: Und so ist es: Rauch und speckige Asche drücken, vom Alkohol getrieben, aus dem Glas heraus. Eine spritzige Zitrusnote schwingt konstant mit. Sobald er sich beruhigt hat, wird’s runder; Iod und salzige Austern, Blütenhonig und fruchtige Hinweise auf den Rotwein. Würzige, sämige Wildsauce bringt noch etwas Reife rein. (84)

Taste: Prickelnde Asche und frische Zitrusfrüchte gehen über in sanfte Gewürze und rote Früchte. Beginnt wirklich sehr intensiv, fast schon glühend, und wird dann immer gesetzter, samtiger. Zwischen Salz und erdigem Kakao spürt man allerdings die Jugend. (84)

Finish: Einige, nein, viele verkohlte Eichenholzscheite und Zündhölzer aus dem Lagerfeuer. Erde und reichlich lauwarme Asche kleben noch dran. Würzig, bitter und salzig klingt der junge Bursche aus, aber gaaaaanz langsam. Das Aschebett erlebt noch den ganzen nächsten Tag. (82)

Fazit: Sooooo rauchig kommt er letztendlich dann auch nicht rüber, aber dennoch eine gewaltige, ungestüme Erscheinung, der man halt die Wildheit der Jugend generell anmerkt. Eine Handvoll harmonischer Momente haben sich aber eingeschlichen.

Eine Flasche Octomore Edition 08.2

Octomore Edition 08.2

verschiedene Süßweinfässer von 2008 bis 2017 / 58,4%Vol. / Link zur Whiskybase

Es wurde ausschließlich Gerste verwendet, die in 2007 in Schottland geerntet worden ist. Durch Räuchern des Malzes wurden 167ppm erreicht. Für die ersten sechs Jahre reifte der Whisky entweder in einem französischen Second Fill Mourvedrefass oder in einem Sauternesfass oder in einem österreichischen Süßweinfass. Anschließend wurden diese Malts miteinander vermählt und für weitere zwei Jahre in italienischen First Fill Amaronefässern ausgebaut. Auf diese Weise kamen insgesamt 36.000 Flaschen zustande.

Nose: Ein Festtagsessen mit erdigen Gewürzen, Orange und Wild. Die Süße hat einen sehr eigenen Charakter, mal beerig und fruchtig, mal wie Honig und Kandis. Mineralischer Rauch, Salz und Räucherspeck sind natürlich auch mit von der Partie. (86)

Taste: Ganz dick Holzkohle, da ist im ersten Moment kaum ein Durchkommen bei all der rußigen Asche. Salz und erdige Gewürze machen ordentlich Rabbatz. Die Süße des Sauternes, die Frucht des Amarone und die Wildnote des Mourvedre kommen durch. (85)

Finish: Süßlich und würzig, salzig und ausgesprochen trocken. Das erkaltende Lagerfeuer schlägt nochmal voll zu, diesmal mit einigen Streichhölzern bespickt. Hintenraus wirkt er doch etwas jung und herb. (83)

Fazit: Im Vergleich zu den beiden 5-jährigen Vorgängereditionen kommt die zusätzliche Reifezeit sehr gut zur Geltung, die Eiche hat wesentlich mehr zu bieten. Die mitwirkenden Süßweine machen insgesamt eine gute Figur

Hm, mit fünf Jahren wirkt auch ein rauchgeschwängerter Octomore noch ziemlich jung und unausgereift. Acht Jahre stehen ihm schon besser zu Gesicht. Aber bei diesen Abfüllungen steht nun mal die Sensation ‘Rauch’ im Fokus. Man sollte sich bewusst sein, dass ein Octomore einem erstmal 24 Stunden lang nachhängt. Diese drei Vertreter wären ohne die Fassexperimente doch ziemlich langweilig gewesen, vermute ich. Aber persönlicher Geschmack spielt bei solchen Extremen eben auch eine Rolle.

Samples privat gekauft | Bilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase