Noch mehr Speyside im Glas

Teil drei der unendlichen Reise durch die Destillerien der Speyside. Heute finden wir uns in Elgin, Dufftown, Ballindaloch, Craigellachie, Buckie und Easter Elchies ein. Da ist vom Mauerblümchen bis zum Hypebeast alles dabei.

Linkwood 1992 Cadenhead

Mal wieder einer aus der Small Batch Reihe. Diesen Abfüllungen werde ich in jedem Post hinterherweinen, bis sie vom unabhängigen Abfüller wieder aufgelegt wird 😉 Linkwood selbst ist im Eigentum von Diageo und füllt selbst nur wenige Single Malts ab. Dieser unabhängige Vertreter war 23 Jahre in Bourbon Hogsheads und wurde dann mit 55,3% in 492 Flaschen gebracht. Meine konkrete Flasche war ein Casks End. D.h. es hat nicht mehr für eine voll 0,7er Bottle gereicht, sondern nur für 1-3 dieser 0,2l Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Leichte Vanille entwickelt sich in Richtung saurer Butter. Darauf ein milder Honig. Nasses Gras und Holz kommen noch dazu. Sehr zurückhaltend sind auch noch Früchte zu finden. Angebrannter Zucker bringt leichte Röstaromen.

Mund: Eine würzige Note kontrastiert von sauren Zitronen und Äpfeln. Die Honig-Butter-Melange ist richtig dickflüssig zurück und bringt Süße. Die Hölzer werden jetzt eher trocken und bitter.

Abgang: Auch wieder leicht würzig, pfeffrig. Mit einem Hauch Vanille und Röstaromen. Die Früchte sind jetzt stärker ausgeprägt. Birne und Zitrone vor allem. Dann werden die Bitterstoffe stärker und übernimmt zusammen mit der Säure das Ruder.

Fazit: Sehr gut trinkbar und auch lecker. Keine große Klaviatur aber ich hatte meine Freude damit. 86/100

Craigellachie 2007 Whiskybroker

Der unabhängige Abfüller und Fasshändler Whiskybroker brachte diesen Craigellachie Ende 2019 raus. Die Reifung erfolgte in einem Bourbon Hogshead, mit einem Finish in einem Oloroso Hogshead. Abgefüllt wurde mit 50% und der Outturn betrug 327 Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Aprikosen, vergoren und fermentiert. Dazu Malz und Kräutersud mit Süßholz. Vanille blitzt immer wieder durch die starken Aromen. Meistens in Kombination mit einem Gebäckstück. Apfelkerngehäuse und Apfelkerne.

Mund: Süßlich und salzig. Sherrynoten kommen auf. Nach ein paar Umdrehungen im Mund wird er trocken. Die Aprikosen sind wieder da. Der Schnapps ist jetzt fertig. Die kräutrige Note ist jetzt deutlich zahmer als in der Nase. Die Textur ist ölig. Wenn man die ganze Zunge bedeckt, dann ist eine leichte schärfe zu spüren. Ingwer vielleicht.

Abgang: Zuerst kommt eine schöne Frucht. Aprikosen und Pfirsich vor allem. Dann deutliche Bitternoten. Danach kommt die Süße zurück. Ein milder Ingwersirup oder -likör. In der Länge besteht eine schöne Balance aus Bitterstoffen und Süße.

Fazit: Ich kann mir vorstellen, dass es die Nase für manche eher anstrengend ist. Ich finde mich auch in dieser wieder. Aber es lohnt sich auf jeden Fall die Nase hinter sich zu lassen und einen Schluck zu nehmen. Ein fantastisch komplexer, fruchtiger Whisky. Eine toller Fund für unter 50€. 87/100

Mortlach 1997 Signatory Vintage

Aus der Un-chillfiltered Collection des unabhängigen Abfüllers Signatory Vintage stammt dieser Mortlach. Zwei Hogsheads wurden bei diesem 18 Jahre alten Whisky zusammen gebracht. Er wurde dann in Trinkstärke mit 46% in eine unbekannte Anzahlen Flaschen gebracht. Link zur Whiskybase

Nase: Einiges an Honig un Vanille. Früchte und Gemüse aus dem Garten. Ein Malzkaffee mit ganz viel Milch. Oder eher ein sehr dünn aufgebrühter Malzkaffee.

Mund: Süß und salzig mit Zitrus und ein wenig Malz und Honig. Das kann einem schon gefallen.

Abgang: Sehr viel Holz. Zu viel. Trockenes Getreide. Eine starke Süße. Den dünnen Malzkaffee hat jetzt jemand anbrennen lassen.

Fazit: Würde ich jetzt nicht als typischen Mortlach bezeichnen. Da fehlt mir ein wenig das Fleisch. In vielen Punkten trinkig, aber leider auch mit Fehlern. 82/100

Tomintoul 1967 Malts of Scotland

Ok, zugegeben: Der gehört eigentlich eher in ein Old & Rare Tasting. Aber das hat sich so ergeben. Ein Fass, dass die Engel fast leer getrunken haben. Nur 69 350ml Flaschen konnten aus dem Bourbon Hogshead gerettet werden. 47,5% hat der 44 Jahre alte Single Malt zu diesem Zeitpunkt noch. Link zur Whiskybase

Nase: Einige Früchte. Da sind Banane, Mandarinen, Äpfel, helle Beeren. Umspült wird das ganze von Minze, Rosinen, Vanille. Es ist aber auch Holz zu vernehmen und Honig. Und eine Bienenwachspolitur. Oh wow.

Mund: Quitten, ausgelutschte Minze. Ein Schwung Puffer mal zwischenrein. Espresso Corretto. Dann wird es würzig. Majoran, Anis und Süßholz.

Abgang: Eine leichte Süße, die Minze wird weiter ausgelutscht. Die Bitterstoffe vom Kaffee werden intensiver. Da sind die Quitten wieder und auch Zitrone kommt dazu. Wenn man kräftig durchatmet ist da auch noch ordentlich Holz.

Fazit: Die Nase und der Mund sind sehr gut. Dabei braucht er allerdings ein paar Versuche, bis sich das richtige Gefühl zu der Würze einstellt. Dann ist er schon klasse. Den Abgang hätte ich mir füllige, voluminöser gewünscht. Das fehlt mir dann auch ehrlich gesagt für eine Wertung am oberen Rand. 89/100

Macallan Classic Cut

Der erste Macallan hier im Blog. Die heilige Kuh des exklusiven Whisky. Eine der Destillerien mit dem größten Hypefaktor, Preissteigerungspotential und den häufigsten Trades in Auktionen. Mal sehen was sie für mich tun kann. Dieser hier eine Variante ohne Altersangabe in 58,4% Fassstärke. 90000 (!) Flaschen gibt es davon. Die waren vorher alle in “Sherry Seasoned Casks from Jerez”. Die Ehrlichkeit rechne ich gleich mal hoch an. Sie geben zu, dass die Fässer nur mit Sherry “ausgeschwaschen” wurden! Link zur Whiskybase

Nase: Geriffelte Paprikachips, Gewürzketchup. Dann formt sich das langsam zu einer Sherry-Kirschnase. Trocken, mit etwas Nuss und Holz. Mit einem anstregenden Stich darunter. Den rechne ich mal den eher jungen Beigaben zu.

Mund: Süß-sauer geht der Sherry-Ritt weiter. Da sind viele schöne Noten dabei. Die Kirschen wieder, auch dunkle Hölzer, etwas Rosinen. Aber es kommen immer wieder unangenehme Bittersten dazu. Mal will sie zuerst Richtung Kaffee und Schokolade interpretieren, aber dann werden sie zu aufdringlich. Ausserdem hat jemand einen wirklich billigen Blechlöffel im Kaffee stehen lassen. Puh.

Abgang: Eine Kirschcola mit einer Ingwerscheibe drin. Dazu ein paar Tropfen Bitter. Was vielleicht wie ein leckerer Cocktail klingt ist für mich irgendwie gar nicht mal sooo gut.

Fazit: Tja. Ich vermute mal als langjährig gereifte, unbezahlbare Variante wäre der so richtig gut gewesen. So ist er einfach nur ok, mit eine paar anstrengenden Noten. Und dafür wahrscheinlich deutlich zu teuer. Dennoch danke für die Offenheit bezüglich der Fässer. Das macht bestimmt nicht jede Destillerie. 83/100

Inchgower 2001 Meadowside Blending

Ein Maltman Bottling des Indie Meadowside Blending. Dieser Inchgower war 18 Jahre im Fass. Mindestens zuletzt war das ein Sherry Butt. Die 482 Flaschen daraus haben 50,1%. Link zur Whiskybase

Nase: Diese Nase ist verrückt. Man kriegt natürlich auch was man erwartet. Eine Sherryklaviatur mit süßen dunklen Früchten. Pflaumen, dunkle Kirschen, Johannisbeeren, Datteln. Leder, Tabak, Tee und Kaffee. Aber damit nicht genug, aber da ist noch mehr. Südfrüchte. Viele davon. Mango, Papaya, Ananas. Fantastisch.

Mund: Die Früchte wurden jetzt zu einem Smoothie verarbeitet. Eine große Prise Salz mit rein. Wenn man etwas wartet, ihn kreisen lässt, dann kommen Gewürze raus. Gepackt in eine dunkle Schokolade. So eine fürchterlich überteuerte mit hübscher Verpackung.

Abgang: Bitterstoffe sind das was im Wesentlichen bleibt. Mit Cola und Sherry als Beigeschmack. Die dunklen Früchte sind auch noch da. Genauso wie einige Kräuter. Salzige Schokolade und Karamell gibt es auch. Oh dann doch noch mal Tabak. Ich nehm das mit den Bitterstoffen zurück. Das ist fast so wie bei der Nase…

Fazit: Wahrscheinlich hab ich ungefähr 100 Aromen vergessen oder nicht erkannt. Das ist schon wirklich krass. Ich hatte Spaß. Was für ein Ritt. Natürlich vergräbt hier ein Fass den Whisky. Dennoch ist es beeindruckend und ich glaube gerade die wechselnden Aromen deuten doch darauf hin, dass der Malt mitspielen darf. 90/100
P.S.: Normalerweise lasse ich mich ja nicht zur Farbe des Whisky aus. Aber das hier ist wirklich mal wieder Cola im Glas. Die Optik aus der hohe Sekundärmarktpreise gemacht werden 😉

Hype um Mauerblümchen

Ich bin ja froh, dass der Macallan mich nicht total aus den Socken gehauen hat. Das hätte wahrscheinlich teure Folgen. Es ist viel mehr eine positive Überraschung, dass bei den aktuellen Bottlings die unbekannteren Destillerien “gewinnen”. Dennoch treibt es dann natürlich die Preise nach oben, wenn mal bekannt wird was man hier für ein Juwel findet. Der Inchgower hat im Sekundärmarkt schon schindelerregende Preishöhen erreicht. Bei der Rarität in diesem Flight war ich auch sehr zufrieden. Auch der war sehr lecker. Und Linkwood bleibt für mich eine verlässliche Bank.

Bilder: Freundliche Bereitstellung von “aspa” (danke!) und eigene Anfertigung
Samples: Offizielles Sample, privat gekauft, getauscht und eigene Flaschen