Feis Ile 2021

Die Rahmendaten zum Festival 2022 wurden diese Woche vorgestellt. Das ist doch eine gute Gelegenheit um nochmal über 2021 zu sprechen. Dieses Jahr war Feis Ile, das alljährliche Whiskyfestival auf Islay, wieder mal pandemiegeprägt. Dennoch gab es Abfüllungen zum Festival und diese wollen probiert werden. Den Kilchoman hatte ich ja vor einigen Wochen schon vorgestellt. Hier nur der Rest, soweit ich die ergattern konnte.

Ardbeg Scorch

Eine Flasche Ardbeg Scorch

Bei Ardbeg konnte man das Release gar normal über Händler beziehen, wobei normal ist relativ, denn schnell stellten sich hier Zweitmarktpreise ein. Und das obwohl es vom Whisky aus den von Drachen ausgekohlten Fässern wohl mehr als genug gab. Wie üblich hat die Abfüllung 46%. Das wars dann auch schon mit dem was man weiß.  Link zur Whiskybase

Nase: Von Anfang an Kohle, hier ist also drin war drauf steht. Dann setzt Zitrone ein und Tor. Später dann süße helle Früchte.

Mund: Sehr würzig, vor allem für eine Abfüllung in Trinkstärke. Außerdem ist er zitronig, süß und hat alles was das Lagerfeuer so hergibt. 

Abgang: Auch hier ist wieder Kohle am Start. Kaminfeuer und Asche werden langsam zu kaltem Rauch. Bitterstoffe kommen hervor. Er wird trocken, bleibt aber nicht besonders lang. 

Fazit: Kann man als rauchigen Whisky gemütlich vor sich hin trinken. Bin mir nicht sicher er dafür richtig bepreist ist. 84/100

Laphroaig Cairdeas 2021

Eine Flasche Laphroaig Cairdeas 2021

Wenn man viele Freunde hat, dann braucht man viel Whisky für sie. Solide 32000 Flaschen wartet Laphi in diesem Jahr für sie auf. Alles im PX gefinished und mit 58,9% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Klare Sherrynote sind sofort präsent. Dunkle Früchte, Tabak, Trockenobst. Dann kommt natürlich einiges an Rauch, Torf und auch Jod. Soweit so erwartbar. Spannend finde ich zum einen den metallischen Unterton und zum anderen die erdige Präsenz.

Mund: Erstmal wird es deutlich süß. Dann umspielt eine schöne Säure den Torf- und Sherryreigen. Brombeeren, dunkle Kirschen, Heidelbeeren sind da. Pfeifentabak, Metall und Rauch sind weiterhin da, werden aber weniger.

Abgang: Fruchtig trocken, mit Bitterstoffen Richtung Kaffee und dunkler Schokolade endet es. Die fruchtige Säure ist auch immer wieder erkennbar. Wenn man ihn noch ein wenig “nachkaut”, dann wird er Rauch sehr dominant.

Fazit: Leckerer, gelungener Cairdeas. Ich finde der ist genau was er sein sollte. Ein Dram zum Teilen mit Freunden. Er ist allerdings kein Überflieger und vielleicht ein wenig zu sehr durch die Fässer betont um ein überdurchschnittlicher Laphroaig zu sein. 88/100

Bunnahabhain 2001 Feis Ile 2021

Eine Flasche Bunna Feis Ile 2021

Die mittlere von drei Bunna-Specials vom Festival. Die Luxusvariante hab ich nicht versucht zu bekommen. Der war mir auch als Flaschenteilung dann doch ein wenig zu luxuriös. Dieser hier war 19 Jahre in Fässern (1333 Flaschen), ist 53,6& stark und hatte ein Marsala Finish. Link zur Whiskybase

Nase: Saure und überreife Früchte geben sich die Klinke und die Hand mit etwas Schießpulver. Dann kommen Nüsse und Süßwein durch und kämpfen sich gegen den Alkohol durch. Kommt mir ein wenig wie aufgespritteter Marsala oder Muscat vor.

Mund: Süßlich und alkoholisch macht er sich im Mund breit. Die Bitterstoffe beginnen sich jetzt schon zu entfalten. Die überreifen Früchte schwimmen jetzt in einem Würzsud. Nüsse sind auch wieder da.

Abgang: Prickelnd bis betäubend ist der erste Eindruck im Abgang. Dann kommen die Bitterstoffe immer stärker raus. Kaffee und Röstaromen dominieren. Immer wieder blitzt ein wenig Frucht durch, jetzt endgültig vergoren. Eine Ahnung von Nüssen bleibt.

Fazit: Kann man trinken, ist in manchen Situationen vielleicht genau der richtige Dram. Insgesamt aber für ältere der beiden “regulären” Feis Ile Bunna eher enttäuschend. 84/100

Bunnahabhain 2013 Mòine Feis Ile 2021

Eine Flasche Bunna Moine Feis Ile 2021

Hier der getorfte “kleine” Bruder. Sieben Jahre jung mit einem Outturn von 5166 Flaschen. 59,5% stark wurde der Mòine in Bordeaux Fässern veredelt. Link zur Whiskybase

Nase: Viel Fruchtiges passiert da zu Beginn. Da sind dunkle Beeren, Brombeere, Heidelbeere, schwarze Johannisbeere. Alles schön reif und saftig, dazwischen sind aber auch ein grünere und unreife Exemplare. Ungefähr im selben Verhältnis sind da auch Trockenfrüchte. Außerdem ist ein Prise Vanille zu erkennen. Der Rauch, der zu einem Mòine ja dazugehört, ist auch immer vorhanden. Manchmal schleicht er sich zwischen den Früchten durch, ein anderes Mal tritt er mit breiter Brust auf den Plan.

Mund: Im Wesentlichen zuerst süß und fruchtig, geht er dann über ins Rauchige mit etwas Gummiabrieb dazwischen. Dann kommt Getreidekaffee und etwas Baumsaft. Die Beeren sind jetzt schon nicht mehr identifizierbar.

Abgang: Die Bitterstoffe dominieren den Mundraum, zusammen mit dem Rest einer Marmelade. Ich würde sagen ein sehr dunkel geröstetes Brot, darauf Waldbeermarmelade (zuckerreduziert). Das Kaffee dazu hat auch einen Tick zu viel Röstung erhalten. Rauch und Holz spiegeln sich auch eher dort wieder, weniger in eigener Präsenz.

Fazit: Für einen Mòine fast schon zahm, was die Raucharomen angeht. Da kenn ich ganz andere Kaliber. Allerdings ist er auf der Fassseite gesegnet. Das Bordeauxfass hat viel mitgegeben und dabei nicht übertrieben. So funktioniert das gut! 88/100

Caol Ila 12-year-old Feis Ile 2021

Eine Flasche Caol Ila Feis Ile 2021

Bei Diageo, also Lagavulin und Caol Ila, hat sich dieses Jahr wieder das gleiche Problem eingestellt wie letztes Jahr: Es scheint unmöglich die Feis Ile Abfüllungen woanders zu verkaufen als in UK. Trotz Onlinehandel und auch entgegen dem, dass andere Destillerien, ob Konzerne oder Familienbetriebe es dennoch schaffen. Bestimmt übersehe ich aber aber einfach nur irgendwas. Auf jeden Fall wurde es damit deutlich schwieriger an die Flaschen zu kommen und auch Samples waren eher rar. Zum Glück gibt es nette Gleichgesinnte, die einem da großzügig aushelfen. Vielen Dank! Die Festivalabfüllung Caol Ila war 12 Jahre im Fass. Einen Teil davon in Refill American Oak und einen Teil in stark ausgekohlten Moscatelfässern. Insgesamt 3696 Flaschen mit 57% sind so abgefüllt worden. Link zur Whiskybase

Nase: Jede Menge Seetang und Meerwasser gepaart mit ein paar hellen Früchten und Zitronen. Kalk und Asche kommen dazu. Dann drängt sich irgendwann Torf und Wurzeln nach vorne und auch etwas mehr Süße. Wenn man das Glas schräg mit der Kante vor der Nase auf und ab bewegt, dann kommen Blüten und eine extreme Fruchtsüße dazu.

Mund: Sehr würzig bis scharf. Mit Chili, Ingwer, Salz und Pfeffer. Dazu ein Kohleklumpen, der zum Glück mit den Früchten gekontert wird. Sonst wäre das zu arg. Auch das Fass echt intensiv vorhanden, für dieses Alter sehr ungewöhnlich.

Abgang: Salz, Zitronen, dann Grapefruit, auch Torf und Kohle, die Früchte des Moscatel. Das Fass ist auch hier extrem präsent.

Fazit: Nicht verkehrt. Spannend, die Fasseinflüsse so zu sehen. Ich finde für ein FI Bottling eigentlich besonders cool. Den Fans etwas zum Experimentieren, Diskutieren und Spaß haben geben. 87/100 (Über den Preis darf ich dabei allerdings nicht nachdenken.)

Lagavulin 13-year-old Feis Ile 2021

Eine Flasche Lagavulin Feis Ile 2021

Ein 13 Jahre alter Lagavulin in Fassstärke (56,1%) ist natürlich eine interessante Sache. Jedes Jahr kommt ein 12 Jahre alter in der Special Release von Diageo raus, was macht wohl das eine Jahr mehr aus? 6000 Flaschen gibt es und wie der Caol Ila gab es ein “High Char” Finish. In diesem Fall Port Casks. Link zur Whiskybase

Nase: Hm. Was ist denn da los. Ich riech irgendwie relativ wenig. Ganz entfernt ist da ein wenig Cassis. Aber sonst… Lagavulin müsste mich doch anschreien. Ich gebe ihm ein paar Minuten und Umdrehungen im Glas. Langsam wird es. Er beisst ein wenig, dann wird er süßlich. Vanille, Gischt und ein Fisch vom Grill mit Zitrone drauf. Ein paar helle Früchte sind auch da. Die Cassisnote ist jetzt weg, hab ich mir vielleicht nur eingebildet. Kein Rauch, kein Torf, kein Jod.

Mund: Sehr würzig, leicht nussig und auch fruchtig. Ich tue mich anfangs etwas schwer das genauer festzumachen. Nach einiger Zeit legt es sich und ich identifiziere vor allem Ingwer, Brombeeren und Haselnuss (wobei nicht in Richtung Hanuta, wenn ihr wisst was ich meine).

Abgang: Wärmend, bittersweet und leicht rauchig. Eine Ahnung von Lagavulin kommt durch.

Fazit: Ganz ehrlich: Für einen Laga vollkommen enttäuschend. Ansonsten hätte ich das für einen soliden fassstarken Standard gehalten. Mit dem Wissen was ich hier im Glas hatte geht das leider nicht Da bleib ich doch lieber bei den Special Releases! 81/100

Eher so mittel…

Ich meine die ganze Situation ist nicht besonders toll, wieso sollten es dann die Abfüllungen sein? Mein Highlight zu Feis Ile dieses Jahr war der Kilchoman. Die Bowmore habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen. Für Bruichladdlich gibt es bei Gelegenheit noch einen eigenen Beitrag. Der Rest war nicht so wie man es sonst gewohnt ist und dabei auch noch viel zu teuer. In manchen Punkten kann man 2021 einfach nur abhaken.

Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase | Samples: Eigene Flaschen und kostenlose Überlassung (danke nochmal D., das war mehr als nett!!)