Springbank (oder so ähnlich)

Man kann ja kaum genug Springbank Sessions machen. Das sagt uns auch der Markt. Kaum eine Marke ist so over-hyped aktuell wie Springbank. Dafür gibt es sicher gute und schlechte Gründe. Zu den guten Gründen zählt die hohe und konstante Qualität und die Vielfalt durch die drei unterschiedlichen Destillate Hazelburn, Longrow und eben Springbank. Zu den schlechten zählen Flipper und das die Flaschen einfach nicht mehr geöffnet werden sondern nur noch im Keller behalten werden um sie kurze Zeit später wieder in den er- bis überhitzten Markt zu geben.

Dazu vielleicht später nochmal mehr, jetzt geht es erstmal zum schönen Teil: Rann an die Geschmacksknospen!

Hazelburn 2001 Virtual Open Day 2020

Wenn man sich nicht zu echten Whiskyfestival treffen kann, dann muss es eben virtuell sein. So hat auch das Campbeltown Open Day in 2020 eine Virtualisierung erfahren. Dieser 18 Jahre Hazelburn wurde dafür abgefüllt. 792 Flaschen aus Fresh Bourbon Barrels sind mit 47,4% abgefüllt werden. Link zur Whiskybase

Nase: Viel Vanille, etwas Holz und Pappkarton. Auch einiges an Zitrusfrüchten und grünen Äpfeln. Dazwischen sind es noch mal tropische Anklänge. Dann auch noch einige spezielle Töne. Vielleicht ein wenig Motorenöl und Streusalz. Ein klein wenig Rauch?

Mund: Eine wunderbare Kombination aus mineralischen Noten und jeder Menge Zitrus. Dazu ein schönes Zwicken in der Zunge mit Pfeffer und Ingwer. Beim dritten oder vierten Schluck habe ich auch ein paar schokoladige Anklänge bemerkt.

Abgang: Süß und salzig mit einem kleinen Twist geht es dem Ende entgegen. Lang und trocken mit einem ganzen Schwung Bitterstoffe. Limetten und guter Mezcal dazu. Dann kommen die Äpfel wieder.

Fazit: Mag ich sehr. Ein schöner Festivaldram. Trinkig, da geht auch ein zweites Glas. Und man kann schön drüber philosophieren oder es auch lassen und ihn einfach genießen. Wunderbar. 89/100

Longrow 10-year-old

Einen Single Cask Longrow kann sich nicht jeder einfach so abfüllen lassen. Die hanseatische Weinhandelsgesellschaft als Generalimporteur für Springbank in Deutschland hat hier natürlich eine gewisse Priorität. Ein Glück für uns, damit kann man sowas probieren. Dieser 10-jährige kam 2018 in die Flasche aus einem Re-charred Sherry Butt. 306 Flaschen mit 56,9% kamen dabei raus. Link zur Whiskybase

Nase: Eine krasse Kombination aus Pappe, Kalk und Gummi. Einige rauchige Noten dazu. Kalter Rauch. Ein wenig Speck und mariniert mit roten Früchten. Immer wieder kommen auch dunkle und gelbe Früchte hervor. Pflaumenmus auf bruzelnden Rippchen und Pfirsichspalten aus der Pfanne in Butter geschwenkt. Auch Holz lässt sich finden. Pinie vor allem. Ganz leicht kommen manchmal würzige Tabaknoten und ein ganz klein wenig Schwefel. Nur eine Nuance unter den vielen Aromen.

Mund: Gummibänder und Gummiabrieb. Dazu eine gewisse Dreckigkeit. Leicht betäubend nimmt er Fahrt auf. Zwischen Gewürzen, Früchten und Rauch. Zimt, Beeren, Asche, Lakritze.

Abgang: Rote Früchte, Johannisbeeren, Himbeeren. Gepaart mit einigem an Rauch und Asche. Die Fruchtigkeit ist immer noch beeindruckend. Zum Schluss wird er eher trocken und auch leicht bitter. Dazu auch noch Säure und der Gummi den man von Port Charlotte kennt. Tabak und Butter sind auch mit am Start. Ein paar Kupferpfennige.

Fazit: Ich mochte den sehr. Er ist immer wieder kurz vor “das ist mir zu viel”. Aber dann kommt wieder ein “oh was ist denn das?”. Fantastisches Zeug! Ich bin froh, dass sowas abgefüllt wird! 89/100

Longrow 21-year-old (2020)

Ein 21 Jahre alter Longrow…. das kommt nicht oft um die Ecke. 2016 gab es ein Open Day Bottling, 2019 dann die erste “normale” Abfüllung. Deutlich davor gab es auch schon mal ein paar wenige. Diese Abfüllung besteht zu 95% aus Sherry Casks und 5% aus Bourbon Casks. Anzahl der Flaschen ist leider nicht bekannt. Er wurde mit 46% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Eine richtig fette Kohlewolke macht den Start. Durch diese kämpfen sich immer wieder Fruchtaromen durch. Eher helle Früchte. Allen voran Orange. Auch deutlich metallische Noten finde ich.

Mund: Metall trifft Fleisch, trifft Kohle. Dazwischen immer wieder ein nasser Waldboden auf dem Pilze wachsen. Er ist außerdem wunderbar salzig.

Abgang: Fleischig, erdig und salzig. Bitterstoffe sind präsent. Leichte Süße, von der Art “medium rare Steak”. Darauf liegt ein Orangenfilet und sautierte Pilze werden gereicht. Ein paar Spritzer Schokoladensauce darüber. Das Ganze unter dem Eindruck von einer Kombination aus Kohlen- und Torfrauch über dem das Fleisch zubereitet wurde.

Fazit: Oha. Der hat meinen Speichelfluss extrem angeregt. Vor allem der Abgang hat mich wirklich gefesselt. Das ist so ein Malt bei dem ich mich frage ob ich bereit wäre das Geld für eine ganze Flasche auszugeben. Sehr speziell und ich hab große Freude daran. Aber er ist, wegen der langen Lagerung sicher zu Recht, relativ preisintensiv. 90/100

Springbank 10-year-old Local Barley

Das neuste Kind des Springbank-Hype. Vollkommen überhitzter Markt trifft auf 8500 Flaschen. Davon sind jetzt ca. 8000 irgendwo im Keller und werden die nächsten Jahre durch die Mühlen der Auktionen gedreht. Das ist eigentlich ein Special Release um als Sammler die Reihe voll zu haben oder ihn einfach zu trinken. Ich meine das ist ein 10-jähriger… Weitere Daten: 55,6% und zumindest ein Teil der Fässer waren Oloroso Sherry Casks. Macht ihn auch schön dunkel. Farbtrinken und so. Link zur Whiskybase

Nase: Würzige Eichenaromen treffen auf leichte Tabaknoten. Dazu etwas Staub und Muff. Der Sherry ist auch erkennbar aber nicht übermässig dominant. Was nach einiger Zeit dafür brutal reinhaut sind erdige Noten in Richtung Bauernhof. Gleichzeitig blitzen ein paar rote Früchte auf.

Mund: Ein schönes Zwicken in der Zunge begrüßt mich im Mundraum. Das geht dann Richtung Zitrus und geht dann über zu Ingwer. Gleichzeitig kommt Mineralität und ein wenig Torf. Er ist auch “ausreichend” süß. Grüße vom Oloroso Cask

Abgang: Würzig geht es dahin. Etwas Ingwer und scharfe Kräuter. Das legt sich wieder und wird dann honigsüß mit einer schönen Zitrusnote. Dazu eine leichte Mineralität und auch Springbank Peat. Leider sind da auch ein paar Bleistiftspäne, die passen nicht ganz so gut rein.

Fazit: Ein absolut trinkbarer Springbank, der manchmal seinen Ursprung eher schon zu sehr betont. Die Olorosofässer haben aus meiner Sicht weniger mitzureden als man vorher vermutet hätte. Ich wäre zufrieden mit einer offenen Flasche zum UVP. Muss ich aber nicht haben, vor allem nicht mit dem Hype. 87/100

Springbank 1997 Private Bottling

Wenn man Glück und das notwendige Kleingeld hat, dann kan man sich auch private Fässer von Springbank füllen lassen. Von diesen erreichen dann meistens auch ein paar Flaschen den Markt über private Verkäufe oder Auktionen. So auch diese Abfüllung aus dem Jahr 1997. Abgefüllt nach 21 Jahren für U. & T. Brass, aus einem Sherry Butt. Das ist ein stolzes Alter für einen Springer. Nur wenige werden länger im Fass gehalten. Insgesamt 196 Flaschen mit 55,6%. Link zur Whiskybase

Nase: Metallisch, ein frisch polierter Kupferkessel. Dazu warme Autoreifen und Holzrauch. Das geht dann über in Holzplanken mit Nägeln drin. Erkennbar sind auch Schwefel bzw. Schwarzpulver. Als weitere Beigabe des Sherry Butt gibt es auch noch Rosinen, trockenes Laub, Tabak und Leder, 

Mund: Eine sehr würzige und fruchtige Kombination. Quasi Juicy Fruit und Big Red zusammen. Dazu ist für Fans ist das ausserdem der Schwefelhimmel. Aus meiner Sicht schon die positive Variante von schwefeligen Malts, aber das kann auch schnell zuviel werden. Außerdem finde ich noch salziges Lakritz und muffiges, leicht angefaultes Holz.

Abgang: Hier wird es schnell trocken, holzig und bitter. Dazu hat er auch noch viel Säure. Nach einiger Zeit ist es quasi eine Sherryreduktion und damit wird er auch sehr süß. 

Fazit: Ist schon gut. Aber nicht gut genug für einen Spitzenplatz. Gerade unter den Springbank Private Bottlings da draussen gibt es Vertreter die mir noch deutlich besser schmecken. Vor allem im Abgang wären vielleicht zwei bis drei Jahre weniger eine gute Idee gewesen? 87/100

Springbank 2000 Private Bottling

Ok, zum Abschluss noch ein Private Bottling. Vielleicht geht es hier ja noch mal Richtung Sterne. Wobei privat hier relativ ist. Hinter “Starkicker” steht der österreichische Importeur und Vertrieb “Straight Whisky”. Zur Abfüllung: Nach 17 Jahren musste diese Vollreifung (!) aus dem Port Cask raus aus dem Fass. Der Alkoholgehalt drohte unter die 40,0% zu sinken. Spannend was da in die 269 Flaschen ging. Ist es trotz “Alarmstufe Rot” gut? Link zur Whiskybase

Nase: Ja, da ist das Portfass. Cassis, Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeeren. Das Ganze dann mit Sirup gebunden und Vanille bestreut. Ein leichter mineralischer Unterton ist auch noch da.

Mund: Ein Mix aus Springbank Mineralität und der Portweinreifung. Abgeschmeckt mit einem Spritzer Zitrone. Die dunklen Früchte sind wieder da. Dazu ein wenig Pfeifentabak.

Abgang: Die Säure aus dem Mund geht über in leicht ranzige Butter. Das geht wiederum schnell über in in Nüsse und Süße. Erdige Noten sind darunter gemischt. Es kommen auch noch mal die Kerne aus den Früchten in der Nase. Der Rest der im Passiertuch bleibt.

Fazit: Komisch, wenn man ranzige Butter nicht als Fehlnote sieht. Das ist hier aber so. Allerdings werde ich auch kein Freund von Portreifungen über ein Jahrzehnt hinweg. Das habe ich in diesem Bottling feststellen müssen. Ich bin mir aber sicher der hat seine Fans und das ist gut so. 86/100

Überraschende Highlights?

Es ist schön für mich zu sehen, welche Juwelen ausgerechnet die Nicht-Springbank-Springbanks sind. Insgesamt ist die Qualität wieder echt hoch. Bei den private Bottlings gehen die Meinungen wohl auseinander. Wenngleich sie beide wirklich klasse sind, da muss man aus meiner Sicht zum Teil schon spezielle “Neigungen” haben, damit man da mehr Drams haben will.

Ein Satz noch zum Local Barley: Bitte. BITTE. Wenn ihr die Dinger nicht kauft, um eure Local Barley Sammlung vollständig zu halten: Macht sie auf. Dafür ist der Inhalt da. Das ist kein OMGDERGEILSTESTOFFALLERZEITEN-Whisky. Nichts rechtfertigt, dass man eine Woche nach dem er in den Handel geht das doppelte und dreifache zahlt. Das ist ein Whisky zum Trinken mit Freunden und Spaß dran haben. Macht das!

Bilder: Von Ian Macilwain (www.broombank.co.uk) – Peter Currie, Springbank Distillery, CC BY-SA 3.0, sowie eigene Anfertigung und freundliche Überlassung von BlakeLuces und seshiro
Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft