Compass Box 20th Anniversary

Die Blending Company Compass Box mit Gründer John Glaser steht für aussergewöhnliche Kompositionen und Design. Gleichzeitig auch noch für Transparenz. Seit Jahren kämpft Glaser für das Recht mehr Informationen auf der Flasche. Anteile der Komponenten im Blend zum Beispiel. Dafür hat John auch schon des öfteren Ärger mit der Scotch Whisky Association bekommen, da er z.T. auch das Alter der Blendkomponenten angeben hat. All das hält ihn allerdings nicht davon ab sondern spornt ihn eher an und führt zu Produkte wie dem 3year Deluxe. Einem an sich sehr alten Whisky der aber 1% 3-jährigen Clynelish enthält. Link

In 2020 wird die Unternehmung schon 20 Jahre alt und blickt dabei auf eine Erfolgsgeschichte und viele Anekdoten zurück. Diese teilte Glaser im Livestream mit Royal Mile Whisky mit der Welt. Dank meiner Aufmerksamkeit und Christians Liebe zu Compass Box konnten wir eines der wenigen passendes Tastingset erstehen und am Livestream teilnehmen. Danke Christian, dass ich dabei sein durfte!

Der Abend war ganz wunderbar kurzweilig und es lohnt sich meiner Meinung nach sogar ohne das Set die Veranstaltung noch anzuschauen: Link

Insgesamt war das ein sehr cooler Livestream. Wir haben viel gelacht und gelernt. Als kleinen Highlight auch ein die Aussprache einiger Namen: Craigälackie, ElGin, CameronbriG, Port DAndAs… hätte ich intuitiv alles anders ausgesprochen. Dazu gab es auch noch nette Stories. Z.B. die erste Flasche hat Glaser damals auf dem Parkplatz von McDonalds geöffnet. Oder auch interessante unternehmerische Dinge: Aysla Batch 1 hat 40 Pfund gekostet. Batch 4 kostet heute 70 Pfund. Das entspricht genau der Inflation. Royal Mile Whisky durfte dieses sehr besondere Tasting übrigens ausrichten, da sie damals der erste Händler waren die ihren ersten Whisky gekauft haben. Toll das John so etwas auch 20 Jahre später noch honoriert.

Dem kann ich nur mit einem Review anschließen und damit Compass Box einen verdienten Platz hier im Blog einräumen.

Die Screenshots hier im Beitrag sind leider etwas unscharf. War im Stream auch so. Wenn man sie groß klickt sind sie durchaus lesbar.

Das Tastingset zum Jubiläum

Asyla bottled 2001 Compass Box

Der erste seiner Art. Asyla genannt aus 47% Cambus, 28% Linkwood und 25% Cameronbridge. Allesamt aus Bourbon Barrels mit bis zu 21 Jahren Lagerung. 43% haben die 1600 Flaschen. Für John Glaser wäre das sein “Desert Island Whisky”. Der Whisky den er für immer trinken könnte, wenn er nur einen mitnehmen dürfte. Der Name kommt von einem klassischen Stück, Asyla von Adés. Der Plural von Asylum. Was Glaser mit einem persönlichen Heiligtum assoziiert. Link zur Whiskybase

Nase: Ein wunderschöner Käsekuchen mit Zitronenabrieb. Einiges an Eiche findet sich auch. Dazu noch Kräuter und Vanille.

Mund: Sehr cremig und elegant. Trinkbar mit einer guten Fruchtigkeit zu einer Malznote. Eher zurükhaltend kommen dazu noch Pfirsiche und auch Sahne.

Abgang: Hinten raus passiert nicht mehr viel. Die Reflektionen von Nase und Mund sind noch da. Dazu leichte Bitterstoffe, er ist auch ganz leicht salzig.

Fazit: Absolut nicht schlecht. Ein Whisky den man einer großen Gesellschaft so nebenher servieren kann. Ohne großes Tamtam darum zu machen. Zugänglich und gut trinkbar. Tobias 84/100 – Christian 87/100

Das Rezept des ersten Asyla

Eleuthera bottled 2002 Compass Box

Eleuthera ist ein Blended Malt aus Clynelish und Caol Ila, 12-14 Jahre alt. Abgefüllt in 2002 mit 46%. Ursprünglich war geplant auch noch Linkwood rein zu blenden. Da der Caol Ila aber nicht so viel Whisky enthielt wie geplant hat Glaser das Rezept geändert. Der Name kommt von Island of Eleuthera, auf dem Glaser immer wieder Urlaub gemacht hat. Dort hat er beschlossen Compass Box zu gründen. Das Wort an sich heißt Freiheit und das bedeutete für Glaser auch die Gründung eines eigenen Unternehmens. Link zur Whiskybase

Nase: Ein Gruß aus dem Maschinenraume weht uns entgegen. Er ist leicht torfig und riecht irgendwie auch sehr nach “Meer”. Wenn man Geduld hat. Ein wenig wartet. Dann kommt nach einiger Zeit etwas Zitrus und auch etwas Wachs. Spannend wie sich hier zu Beginn der Caol Ila so stark durchsetzt, wo er doch den weit kleineren Teil ausmacht.

Mund: Wenn er auf die Zunge trifft, dann kommt ein leichtes Prickeln. In diesem Moment tritt der Caol Ila zurück in den Hintergrund. Der Zitrusanteil wird höher. Dazu etwas Kekse, Bienenwachs und Blüten. Er hat eingesamt eine wirklich schöne weiche Textur.

Abgang: Eine leichte Spur Bleistiftspäne ist im Abgang das Erste. Dann werden die Clynelish Notes noch stärker, dazu wird er salzig und hinten raus kommt etwas Chili.

Fazit: Ein wenig zu dünn für meinen Geschmack. Während die Aromen aber wirklich toll sind. Das ist mal wieder ein Whisky bei dem ich mir Fassstärke wünschen würde. 85/100 – Christian 87/100

Das Rezept des 2002er Eleuthera

The Spice Tree Inaugral Batch Limited Edition Compass Box

Ein Blend aus einem Highland Malt Blend und Glen Elgin. Soweit so unspannend. Das wirklich spannende dabei ist die Reifung mit so genannten “Interstaves”. D.h. das Fass wurde zerlegt und mit den Staves aus einem anderen Fass wieder zusammengesetzt. Das Verfahren ist von der Scotch Whisky Association gleich mal kassiert und verboten worden. Die folgenden Auflagen des Spice Tree wurden dann wieder konventionell hergestellt. 4150 Flaschen mit 46% gibt es vom Inaugral Batch. Link zur Whiskybase

Nase: Sehr würzig, wie der Name schon sagt. Das geht bis hin zur Nelke. Die Basis ist eine Sherry-Eiche-Kombination mit einem Schwung Orange. Glaser spricht von Traubeneiche (Sessile Oak). Kann ich nicht aus Erfahrung sagen. Aber so Eichenscheite, die an der Luft trocknen, da gehe ich mit.

Mund: Im Mund ist er immer noch würzig, aber dennoch etwas zamer. Da ist Ingwer, Vanille und Eichenwürze. Aber auch etwas fruchtiges. Nektarinen würde ich sagen. Und etwas Wachs. Da war wohl wieder ein Clynelish im Spiel.

Abgang: Den Abgang prägen eine deutliche Süße und auch sehr viel Vanille. Ansonsten ist er eher weihnachtlich und gut trinkbar.

Fazit: Einer für den Advent. So in der Mitte von Spekulatius zum Adventsessen. Ich würde dann aber auch gerne etwas mehr Umdrehungen haben. Danke. 85/100 – Christian 88/100

Das Rezept des Inaugral Spice Tree

The Double Single 18-year-old Compass Box

Wenn man nach der fassstarken Abfüllung ruft… hier ist sie. Der zweite Double Single der abgefüllt wurde. Und zwar zum 10ten Jubiläum von Compass Box. Wie passend ihn im Tasting für das 20. zu trinken. Wie Glaser sagt ist das der “perfect match” zwischen Single Malt und Single Grain. Glen Elgin und Post Dundas. 53,3%, 876 Flaschen und in American Oak gereift. Link zur Whiskybase

Nase: Im ersten Moment finde ich ihn schwierig zugänglich. Es dauert bis ich mich in die Aromen hinein arbeiten kann. Dann kommt aber etwas Menthol und Salbei, Orange, Grapefruit.

Mund: Ab dem ersten Schluck ist er sehr salzig und auch zitronig. Eine wunderbare Kombination. Dazu auch wieder das Menthol. Das sind wenige Aromen die aber gut zusammenspielen.

Abgang: Am Gaumen abwärts ist er würzig und süß. Da sind kaum Bitterstoffe. Dafür Ingwer und Pfeffer. Das Salz ist wieder da. Diesmal mit Orange.

Fazit: Entgegen meinem allerersten Eindruck finde ich diesen Blended Malt dann doch gut zugänglich. Er kann auch absolut für sich stehen. Die überschwängliche Freude manch anderer Enthusiasten teile ich aber nicht. Tobias 86/100 – Christian 88/100

Das Rezept des Double Single

The Last Vatted Grain Compass Box

Die letzte Abfüllung die unter dem Namen “Vatted” tragen durfte wurde (zusammen mit dem Last Vatted Malt) am 22.11.2011 abgefüllt wurden. Mehr dazu hier, eine sehr lesenswerte Anekdote Link. Vom Malt gibt es 1323 Flaschen, vom Grain nur 297 Flaschen, welche Glaser mit 46% abfüllen lassen. Die Abfüllung besteht aus Cameronbrigde, 14-years-old, Vintage 1997 (35%), Invergordon, 42-years-old, Vintage 1965 (31%), Port Dundas, 20-years-old, Vintage 1991 (20%) und Carsebridge, 29-years-old, Vintage 1979 (14%). Heutzutage müsste er als Blended Graind verkauft werden. Link zur Whiskybase

Nase: Vor allem erstmal Vanille und Kokos. Letzteres drängt sich schnell brutal in den Vordergrund. Nach einiger Zeit wird daraus ein Kuchen mit Kokosstreuseln mit einem Löffel Jogurth dazu. Kokosjogurth natürlich.

Mund: Natürlich habe ich bei dieser Dominantz erwartet das es mit Kokos weiter geht. Dem ist aber nicht so. Wir haben Vanilleplunder, Rumaroma und Karamelltoffee. Dazu auch noch eine leichte Würze und getoastetes Holz.

Abgang: Leicht bitter und salzig mit ein paar Zitronen und Zitrusschalen. Dazu ein Schluck Milchkaffee zum Kuchenstück. Vanille kommt auch noch mal nach.

Fazit: Absolut lecker. Schöne Komposition mit unterschiedlichen Schichten. Der Kokosstart ist vielleicht einen Tick zu viel. Außerdem wünsche ich mir hier auch Fassstärke. Tobias 87/100 – Christian 90/100

Das Rezept des Last Vatted Grain

The General 33-year-old Compass Box

Der mächtige General in seiner Uniform

Das Highlight des Tastings? Sehr wahrscheinlich. Die Komponenten sind jeweils mindestens 40 und 33 Jahre alt. Aus Bourbon und Sherry Casks, man munkelt Macallan und Rosebank? Oder doch auch ein Grain? Wahrscheinlich alles falsch ist aber eigentlich auch egal, keiner hat eine Ahnung was genau drin ist. Es hieß: Die Fässer so nehmen oder es lassen. Besonders ist aber noch: Sie haben die beiden aussergewöhnlichen Fässer wirklich geblendet – denn Compass Box ist eine Blending Company! 1698 Flaschen wurden abgefüllt und 53,4% ist er stark. Link zur Whiskybase

Nase: Ich gehe durch die Tür eines Antiquitätenladen. Er führt hauptsächlich Bücher. Da stehen ein paar Ledersessel. Wenn man den Staub wegwischt, dann kommen ein paar fruchtigere Noten. Kirschen vor allem. Mit Schokolade überzogen. Dazwischen poliert jemand die Möbel. Jetzt kommt noch Marzipan und ein paar Kokosspäne. Das ist ziemlich beeindruckend… und wir sind erst bei der Nase!

Mund: Ein noch warmer Toast mit Marmelade. Kirsche und Erdbeere. Dazu ein milder Schinken. Auf dem Tisch stehen wilde, getrocknete Kräuter und Blumen. Dazu auch getrocknete Waldbeeren. Auch hier wieder eine fantstische Komposition.

Abgang: Der Schinken und das Heidekraut sind weiterhin da. Dazu ein wenig Honig und auch Rosinen. Irgendwo zwischendrin steht eine Zeder. Auf dem Herd hat jemand Zucker anbrennen lassen. Wirklich schön. Hinten raus wird er dann trocken und auch noch leicht würzig mit etwas Pfeffer. Klasse.

Fazit: Ja was soll ich jetzt noch sagen. Das ist einfach großartig. Eine schöne Komposition. Oder irgendwie vielleicht auch drei unterschiedliche Kompositionen. Alle drei können für sich alleine stehen: Geruch, Geschmack und Abgang. Dennoch sind die drei nicht so weit voneinander entfernt das keine Verbindung mehr da wäre. Tobias 91/100 – Christian 92/100

Das Rezept des General

Rogues’ Banquet Compass Box

Auf dem Label dieser Abfüllung finden sich Figuren, “Rogues”, von bisherigen Abfüllungen. Was eine Reminizenz an 20 Jahre Compass Box. Er besteht aus Miltonduff, Clynelish, North British und Clynelish. 98% davon sind 25 Jahre alt. Er ist 46% stark und es gibt über 5000 Flaschen davon. Link zur Whiskybase

Nase: Ein Kuchenbuffet. Da ist eine Schwarzwälderkirsch, Brownies mit weichem Kern, da sind aber auch trockene Kuchen, Zitronenkuchen etc. Einer für Konditorei-Enthusiasten.

Mund: Ok hier ändert sich das ganze. Salz, heller Toast, Wachs, ein paar Pfefferkörner, geröstete Nüsse. Das ist quasi ein Bruch im Vergleich zur Nase.

Abgang: Hier wird es etwas konsistenzer. Salz, etwas Schinken. Einer mit Zitronenabrib drauf. Es ist auch Käse auf dem Tisch. Es sind auch noch einige Streucher und Kräuter zu erkennen.

Fazit: Man kann sich dem Banquet nicht entziehen. Das es allerdings mit dem Nachtisch beginnt ist in dem Sinn ungewöhnlich. Vielleicht macht das die Räuber aus. Tobias 87/100 – Christian 87/100

Das Rezept des Rogues Banquet

Flaming Heart 4th Edition Compass Box

Das brennende Herz in der Flasche

Ein Compass Box Tasting kann natürlich nicht auskommen ohne einen Flaming Heart. Die ikonische Abfüllung mit der für mich die Reise mit CB damals wirklich losging. Dieser hier ist die vierte Abfüllung und 48,9% und es gibt 9147 Flaschen davon. Dies Komposition: 44,2% Peat Monster (40% Laphroaig, 26% Ardmore, 20% Ledaig, 13% Caol Ila) – First Fill Bourbon Barrel, 26,0% Clynelish – First Fill Bourbon Barrel, 23,9% Highland Malt Blend (60% Clynelish, 20% Dailuaine, 20% Teaninich) – Heavy Toast Custom French Oak Cask, 03,6% Highland Malt Blend – First Fill Bourbon Barrel, 01,7% Laphroaig – First Fill Bourbon Barrel, 00,6% Aceo malt Blend – First Fill Sherry Butt. Noch Fragen? Link zur Whiskybase

Nase: Eine ordentliche Prise Peat begrüsst mich. Danach kommt das Clynelish Wachs. Gefolgt von Vanille und Nimm Zwei Zitrone. Eine schöne Kombination.

Mund: Die schöne fruchtige Seite führt uns weiter. Vielleicht sogar ein Chutney. Mit einer erdigen Komponente, viel Gummi und auch ordentlich Salz. Klingt vielleicht nach einer heftigen Aromenkombination, sie ist aber stimmig und sehr lecker.

Abgang: Mit dem Salz geht es weiter. Ein Tag am Meer geht zu Ende. Am Lagerfeuer gibt es eine leckere salzige Muschelsuppe. Kandierte Äpfel am Stock, mit Zimt bestreut, gibt es als Nachtisch.

Fazit: Zugänglich, lecker, trinkbar. I like. Was ich in diesem Fall vor allem noch mal unterstreichen möchte sind die schönen Übergänge. Mit Frucht geht es von der Nase in den Mund, mit Salz geht es dann in den über in den Abgang. Das ist eine Komposition und nicht einfach nur ein Blend. Tobias 88/100 – Christian 91/100

Phenomenology Compass Box

Der Zugenbrecher in der Flasche

Eine limitierte Edition aus 2017. Drin ist Glenlossie, Tamdhu, Caol Ila, Talisker und Highland Park. 46% stark ist er und es gibt 7908 Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Süßer Honig verbindet sich mit Wachs. Da ist doch gar kein Clynelish drin, oder? Dazu Zitrus und Kräuter, Heidekraut. Salziges Gebäck kommt auch dazu.

Mund: Wieder Honig und Wachs. Dazu Malz, Zitrus und Ingwer. Das Gebäck ist jetzt eher was mit Zucker. Dazu Lavendel, eine mineralische Komponente und auch ein paar erdige Noten.

Abgang: Ich wiederhole mich: Honig und Wachs. Dazu Rosenwasser, ein guter Schwung Bitterstoffe, Vanillegebäck und … Flachs?

Fazit: Ziemlich lecker und sehr sehr trinkig. Gefährlich trinkig. Auf der anderen Seite wirklich ziemlich Rund. Wenn man zu lange nachdenkt vielleicht zu rund. Wer will das schon lange drüber nachdenken. Lieber noch mal nippen. 😉 Tobias 86/100 – Christian 87/100

Hedonism The Muse Compass Box

Die Inspiration in der Flasche

Eine Homage an alle Frauen in der eher von Männern dominierten Whiskywelt. Gleichzeitig auch an das erste eigene Bottling, auf dem zum ersten mal überhaupt eine Frau auf einem Whiskylabel zu sehen war. Der Inhalt der Flasche, um mal wieder weg vom Design zu kommen: 27.2% Invergordon Distillery (refill American Standard Barrel), 20.4% North British Distillery (re-charred Barrel), 16.0% Strathclyde Distillery (refill Hogshead), 15.7% North British Distillery (first fill Bourbon Barrel), 13.8% Unknown (butt; unbekannte, pre-blended grain Whiskies), 3.6% Port Dundas Distillery (re-charred Barrel), 3.3% Port Dundas Distillery (Hogshead). So viel zur Transparenz! 53,5% ist er stark und es gibt 3060 Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Vanille und Honig. Kräuter, Marzipan, Mandeln. Zitronen und Limetten. Einmal quer durchs Sägewerk. Von den Baumstämmen bis zum Sägemehl.

Mund: Der Antritt ist sehr mild, trotz der Fassstärke. Die Aromen sind im Bereich von Vanille und Holzwürze, ein kleiner Ingwer-“Zing“, Wachs, Marzipan, leichte gelbe Früchte.

Abgang: Im Einklang mit dem vorherigen Eindrücken. Es schleicht aber langsam alles raus. Die Länge ist nicht beeindruckend.

Fazit: Absolut brauchbar. Zeitweise ein Tick zu viel Holz für mich und vom Abgang hätte ich mir mehr gewünscht. Sonst wäre er wirklich top. Tobias 87/100 – Christian 90/100

Tobias & The Angel Compass Box

Ein Gemälde oder ein Whisky?

Ein Whisky mit meinem Namen drauf. Der muss doch gut sein, oder? Die weniger subjektiven Infos: Ein Blend aus Caol Ila und Clynelish. Das Alter ist unbekannt. Glaser sagt aber es sei unwahrscheinlich, dass er noch mal so alte Fässer dieser Destillerien kriegt. Das Design ist bisher in der Compass Box Welt einzigartig. Der Ausgabepreis auch. Er war der höchste aller bisherigen Bottlings. Der Name und das verwendete Bild stammen von einem Gemälde von Andrea del Verrocchio aus dem 15. Jahrhundert. Das Zusammenspiel von Tobias und seinem Engel von del Verrocchio und da Vinci bei diesem Bild, das soll im Whisky durch Caol Ila und Clynelish wiedergespiegelt werden. Insgesamt existieren mehr 2600 Flaschen dieser Abfüllung mit 47,6%. Link zur Whiskybase

Nase: Auch ohne die Ansage zu den Fässern hätten wahrscheinlich viele Kenner die typischen Profile zugeordnet. Da ist Wachs, Zitrus, Honig und auch Rauch und eine Meeresprise. Leichte Vanillearomen kommen dazu.

Mund: Weiße Früchte mit einer gewachsten Haut. Dazu wird schön langsam die maritime Seite immer deutlicher. Langsam steigt Rauch auf und nasses Holz liegt am Strand.

Abgang: Recht harmonisch und balanicert faded er raus. Die Zitrusseite kommt noch mal deutlicher herraus. Dazu eine Ahnung von Torf. Es bleibt ein leicht saures, kalkiges und wachsiges Mundgefühl. Bis man dann erneut ansetzt.

Fazit: Fantastisch harmonisch und auch gleichzeitig komplex. Die Profile sind klar erkennbar. Das ist großes Kino und handwerklich fantastisch geblendet. Für eine Bewertung in den Sternen hat er mich, bis auf die Nase, zu wenig mit einen “awwww” versehen. Tobias 90/100 – Christian 90/100

Episch!

Was soll man noch sagen. Ein episches Tasting. Unglaublich viele Infos. Maximale Transparenz. Ein Whisky-Nerd ist glücklich. Das Sahnehäubchen sind dann noch die Limited Editions die ich zusätzlich verkosten konnte.
Ich hab mit einem Danke an Christian angefangen, dass kann ich nur wiederholen. Dazu auch noch eines an John Glaser für seine Vision und Umsetzung, eine würdige Ergänzung des Whiskyuniversums. Auch Royal Mile Whisky gebührt ein kleiner Dank. Für den Glauben an Compass Box bis zur Veranstaltung des Tastings 20 Jahre später.

Ergänzung Christian:
Meiner absoluter Lieblingsabfüller. Hier passen Story, Design und Inhalt absolut zusammen. Tobias lacht mich zwar immer aus wenn ich ich von den schönen Flaschen schwärme, aber im Gegensatz zu vielen anderen Abfüllern und Destillen ist der Inhalt hier eben auch wirklich top und diese kleine Auswahl bestätigt es. Zwischen lecker trinkig bis episch war alles dabei. Das Live Tasting mit John war eines meiner absoluten Highlights dieses Jahr. Leider ohne Interaktion, dafür aber mit viel Spaß, Sachverstand und schönen Geschichten. Da trinke ich gerne auf die nächsten 20 Jahre!

Tradition ist nur die Hälfte der Geschichte. Ein weiterer Teil findet sich auch im Yearbook.

Bilder: Eigene Anfertigung und Screenshots aus dem Onlinetasting | Samples: Originalsamples und eigene Flaschen (Tobias, Christian, gemeinschaftlich)