Drei von einer Destille: Clynelish (+ Bonus)

Drei mal habe ich heute einen Clynelish abgefüllt von Signatory Vintage im Glas. Drei mal Refill Sherry Butt. Schöner Vergleich. Zum Kontrast dann noch eine nackte Abfüllung, bei der man den Ursprung offiziell nicht weiß. Mal sehen, was wir hier lernen können.

Clynelish 1995 Signatory Vintage (Cask 8686)

Nach 20 Jahren wurde dieser Clynelish aus einem Refill Sherry Butt abgefüllt in die bekannten Signatory Vintage “Vasen”. 626 davon mit 53,2% kamen auf den Markt. Link zur Whiskybase

Nase: Cremige Sherrynoten. Viel Rosinen, dunkle und rote Früchte. Datteln und Pflaumen. Eine ganz milde Zedernote. Vielleicht ein wenig Coca Cola. Demerara Zucker und Zuckersirup. Dann ein Wechseln in Richtung Wachs und Äpfel mit einem Hauch Vanille.

Mund: Ein leicht pfeffriger aber auch süßer Antritt. Ein Schwung Bitternoten. Verbrannter Kaffee, schokolierte Espressobohnen. Schwarzkirschen und Orangen. Zimt ist auch dabei.

Abgang: Erneut recht süß mit viel Schokolade, einer leichten Minz- oder Mentholnote. Ich bin auch irgendwie an “Mon Cherri” erinnert. Rosinen, etwas Tabak, Orangen und Blutorangen. Die Bitterstoffe werden hintenraus leicht unangenehm. Die liegen gefühlt bei mir auf den falschen Rezeptoren. Ich weiß gar nicht wie ich das sinnvolle beschreiben soll.

Fazit: Hat viel Schönes. Leider wird es zum Schluss etwas schlechter. Ich hätte mir auch mehr Destilleriecharakter gewünscht. Bis auf die Nase ist das kaum noch zu erkennen. 86/100

Clynelish 1996 Signatory Vintage

Für das Whiskyforum fassstark.de als Teilfass abgefüllt kommt dieser Clynelish daher. 22 Jahre alt, aus einem Refill Sherry Butt und 53,4% stark. Die 234 Flaschen waren schnell ausverkauft. Leider auch an Menschen die ihn heute im Sekundärmarkt verkaufen. Link zur Whiskybase

Nase: Reife Trauben und Rosinen, angetrocknete Orangen, Leder, Tabak… hallo Sherryfass! Nach einiger Zeit versteckt sich das Fass wieder. Honig und Malz kommen hervor. Etwas laktisches, vielleicht sogar Milch? Ja, Milch mit Honig und auch Müsli dazu. Vanille blitzt auch immer wieder mal durch.

Mund: Süße, aber auch eine deutliche Adstringenz. Pfeffer und Chili. Orangen und Menthol. Die Textur ist cremig bis ölig.

Abgang: Wärmend und pfeffrig läuft er den Rachen hinunter. Leicht bitter, mit einer kräftigen Eichenwürze. Später deutlich bitter. Dazu Honigsirup. Das breitet sich dann auch im Mund aus. Ein paar erdige Note und trockenes Laub runden das ganze ab. Dann wird er auch trocken. Das passt sehr gut.

Fazit: Gefällt mir ganz wunderbar. In Nase und Abgang ist geprägt vom Sherryfass, im Mund hingegen ist es eher das Destillat. Was ich ein wenig vermisse ist die wachsige Note, die Fans bei Clynelish so sehr lieben. Dennoch wirklich lecker. 89/100

Clynelish 1995 Signatory Vintage (Cask 11232)

Noch mal ein 1995er aus dem Sherry Butt. Spannend, was machen drei Jahre mehr aus? Gut das Fass an sich ist sowieso einzigartig, aber trotzdem. Diesmal sind es 566 Flaschen mit 51,8%. Link zur Whiskybase

Nase: Eine eher feinere Sherrynase mit Rosinen und ein paar Eichennoten. Karamell und Marzipan sind auch zu finden. Ein paar Datteln und auch Aprikosen und Erdbeeren. Mit der Zeit finde ich auch etwas erdiges

Mund: Aprikosen und süße Trauben. Könnte auch ein Fruchtlikör sein. Doch dann kommt ein wachsiger und mineralischer Film dazu. Den kennt man wohl am besten von einem Clynelish.

Abgang: Sehr trocken und leicht säuerlich endet er. Vor allem Schokolade Rosinen und Orangen bleiben in Erinnerung. Die mineralische Komponenten ist auch noch da. Da kommt auch noch ein wenig Ingwer hinterher.

Fazit: Vielschichtig und fruchtig. Der Brennereicharakter ist noch da. Das Fass ist merkbar aber nicht vollkommen dominant. Das ist ein klasse Sherry-Clynelish würde ich sagen. 89/100

Candlekitty 2000 Whiskysponge

Der gute Angus released mittlerweile deutlich mehr Bottlings. Darunter einige, bei denen er den Namen der Brennerei nicht nennen darf oder will. Aber er macht sich dann einen Spaß daraus Rätsel und Spuren auf der Flasche und in den Texten zu hinterlassen, mit denen man wohl auf die Brennerei kommen kann. Was haben wir hier: Apfel im Gesicht, Schnurrbartwachs auf der Kaimauer. Dort liegt auch eine Katze. Ein Anzug, eine Melone (Hut) und ein roter Schlipps. Highlands. Ok ich hab keine Ahnung aber Apfel, Wachs, Katze und Highlands sind entweder Brora oder Clynelish. Nachdem ersteres mit einem Vintage 2000 nicht möglich ist… Die weiteren Daten: 19 Jahre, Refill Hogsheads, 48,5%, 762 Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Gewachste Äpfel, Heidelbeeren, Schwarzbeeren, Limette, Brombeeren, Margarithas mit einer fetten Salzkruste. Muschelkalk und Paraffine. Vielleicht auch ein wenig Vanille. Ja ich glaube schon.

Mund: Salzig und frisch. Limette und Zitrone, zusammen mit Muscheln, Olivenöl und Wachs. Ein paar wenige Bitternoten. Die Margaritha ist zurück. Mit der Zeit wird er richtig dick im Mund, fasst zähflüssig. Etwas krass fruchtiges drängt sich dann hindurch. Melone, Papaya, Ananas, Guave. All sowas. Angemacht mit Mandelsirup. Na daher kommt die Zähflüssigkeit.

Abgang: Kurz ein Touch Brot. Dann bittere Noten, Wachs und Zitrone. Malz schleicht sich rein. Auch wieder etwas aus dem Meer. Salzmakrele vielleicht. Mit einer Honig-Apfel-Marinade abgeschmeckt. Leider nur mittellang.

Fazit: Ja wie geil. Ich bin hin und weg. Einziger Vorwurf: Der Abgang könnte länger sein. Muss man immer nachtrinken… das endet doch nie gut 😉 90/100

Wachsfetisch

Ich muss zugeben ein guter Clynelish mit den wachsigen Noten. Das hat schon was. Auch mit einem entsprechenden Sherryfass kann ich mich durchaus anfreunden. Aber am besten gefiel mir das ganze hier beim Mysterymalt. Könnte natürlich auch was ganz anderes sein. Das ist mir aber egal ich finde ihn vor allem lecker!

Bilder: Titel Andrew Wood / Clynelish Distillery / CC BY-SA 2.0 und eigene Anfertigung, Samples: Eigene Flaschen und privat gekaufte Samples