Ardbeg Committee Releases

Regelmäßig bringt Ardbeg eine exklusive Abfüllung raus, regelmäßig kloppen sich die ca. 120.000 Committee-Mitglieder um ein paar Tausend Flaschen, von denen dann sehr zuverlässig in großer Zahl wieder auf dem Sekundärmarkt auftaucht, zu horrenden Preisen versteht sich. Sehr zuverlässig flammen mit jedem Release dann auch wieder die Diskussionen um die sinkende Qualität des Trinkstoffes auf, und da es über Umwege einige Samples zu mir geschafft haben, werde ich mir nun ein eigenes Bild über den Hype machen.

Der Distillery Manager wird nach dreizehn Jahre verabschiedet und darf in Piratenlook auf’s Label einer ihm gewidmeten Abfüllung. Was trinken Piraten? Richtig – Rum! Äh – Rye? What? Das Marketing-Tamtam drumrum strotzt nur so von abgedroschenen Piratenfloskeln, und dann eine Vollreifung in Rye-Casks? Man muss ja nicht alles verstehen.

Ardbeg Arrrrrrrdbeg!

Eine Flasche Arrrrrrrdbeg! aus dem Jahr 2020

Rye Cask bis 05.08.2020 / 51,8%Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Salzige Asche und gepökelter Räucherschinken, aber nicht dominant. Schnell findet man auch die Süße von Honig und Karamell, dazu fruchtige Anklänge von Birne und Gummibärchenalarm. Mit etwas gutem Willen kommt auch ein würziger Rye daher. (81)

Taste: Süß mit Banane und würzigem Malz. Erst Asche, dann Kohle; erst Salz, dann Zartbitterschokolade. Das Ganze wird von bitterem Eichenholz getragen. (81)

Finish: Kohlestaub und Bleistiftspäne verteilen sich im Mundraum. Metallische und bittere Eindrücke drängen sich auf. Eine Disharmonie aus Eichenholz und Malz. (78)

Fazit: Von vorne bis hinten noch sehr jung und für einen Ardbeg außerdem sehr dünn. Was Dreizehnjähriges wäre doch passender gewesen. Ich bleibe achselzuckend zurück.

Zwischen den ganzen Ardbeg-Sonderabfüllungen genießt der Supernova noch einen ganz guten Ruf, auch bei den Genießern, nicht nur den Flippern. Hier die Auflage aus 2019:

Ardbeg Supernova SN2019

Bourbon Casks bis 17.07.2019 / 53,8%Vol. / Link zur Whiskybase

Eine Flasche Ardbeg Supernova aus dem Jahr 2019

Nose: Dichter Torfrauch mit geräuchertem Schinken verweben sich mit süßen Zitrusfacetten und Nüssen. Was eingangs Karamell ist, wandelt sich mit der Zeit in Zartbitterschokolade. Pfeffriges Eichenholz ist mit Kohlestaub belegt, ergänzt sich gut mit harzigen Honignoten. Gewürzt wird mit Vanille und Anis, Salz und Mineralien. (87)

Taste: Süße Vanille, Malz und ein Holzkohlescheit aus dem Lagerfeuer entern die Szene. Die Strukturen sind wachsig, sehr mineralisch und metallisch. Sandelholz und Anklänge von Zitrus bereichern, mit der Zeit entwickeln sich immer neue Aromen. (87)

Finish: Eine dicke Ascheschicht und Schwefel sind präsent. Ansonsten einige Wiederholungen, allzu lang ist er nicht. Süße und fleischige Akzente begleiten hinaus. (83)

Fazit: Hier gibt’s einiges zu entdecken, die Aromen sind kraftvoll und meistens gut aufeinander abgestimmt. Stellenweise ist er mir zu aschebetont und jung, er wirkt aber insgesamt reifer als der Pirat.

Da ist er ja, der Rum. Ardbeg hatte ihn schon zwei Jahre vor dem Piraten in der Sonderabfüllung „Drum“ und hinter einem Wortspiel versteckt. Wie (fast) üblich ohne Altersangabe.

Ardbeg Drum

Eine Flasche Ardbeg Drum Comittee Release

Bourbon Casks, Finish in Rum Casks bis 20.11.2018 / 52,0%Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Zarter Rauch verbindet sich mit Banane und Limetten, mit ein wenig Wartezeit ist der Grundcharakter sehr tropisch und süß. Salzige Trauben-Nuss-Schokolade mit Vanille und einem Hauch Lavendel. (85)

Taste: Auch hier merkt man die Handschrift, die Viskosität, des Rums deutlich. Zusammen mit der typischen Süße Ardbegs, dem sanften Ascheteppich und sehr würzigem Eichenholz ergibt das ein passables, leider nicht immer stimmiges Bild. Wirkt nicht so lebendig wie in der Nase. (84)

Finish: Glühende Asche und Karamell beim Schlucken, dann folgen trockenes Eichenholz mit Anklängen von Schwefel und Pfeffer. Bitter und jugendlich metallisch ist er auch, die Früchte sind nur in Ansätzen vorhanden. (79)

Fazit: Der Rum versteckt sich keineswegs, was sowohl zu positiven als auch negativen Momenten führt. So richtig harmonisch wird das Ganze nicht, generell finde ich allerdings nicht, dass Rum und Ardbeg-Spirit zusammenpassen. Bin trotzdem gespannt, ob es nochmal ein Karibik-Experiment geben wird.

Schottischer Wassergeist schlägt russischen Geheimdienst. Wenn es nach Dr. Lumsden gegangen wäre, würde die nächste Abfüllung den Beinamen „KGB“ tragen, da Eichenholz vom Ufer des Schwarzen Meeres verwendet wurde (Quelle). Aus Gründen hatte der Mutterkonzern jedoch was dagegen und so musste ein Fabelwesen – Kelpie – als Namenspatron herhalten. Für die finale Mischung wurden zu 40-45% ca. 10 Jahre in Eichenfässern aus der Adygeischen Republik gereifter Whisky verwendet, der Rest besteht im Prinzip aus dem Ardbeg Ten (Quelle).

Ardbeg Kelpie

Eine Flasche Ardbeg Kelpie Committee

Virgin Russian Oak Casks / 51,7%Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Vanille. Sehr süß, eingangs noch nach Karamell und Rosinen, im weiteren Verlauf dann Richtung Ananas und Birne mit ein paar Halmen Zitronengras und einer Prise Hefe. Das Eichenholz wirkt verkohlt und rustikal, Kiefernrinde und harzige, fast schon honigartige, Elemente machen den Dram reichhaltig. Die Asche breitet sich dezent darunter aus, Noten von Fischöl und Salz versetzen ans Meer. (88)

Taste: Stark verkohltes Eichenholz mischt sich mit kalter Asche und etwas Ananas. Die Süße marschiert Richtung Ricola und braunem Kandis. Salz und Öl fehlen keineswegs, in der Kopfnote findet sich Vanille. Mokka und Gewürze runden ab, wobei er insgesamt nicht die Komplexität der Nase erreicht. (85)

Finish: Asche, Kohlestaub und rohes Eichenholz verbinden sich hier hervorragend und kreieren ein erdiges Profil. Ebenso passen die fleischigen und salzigen Komponenten gut mit den Zitrustönen zusammen. Neben der Kohle verweilen auch Karamell und Gewürze sehr lange. (86)

Fazit: Endlich mal einer, der nicht jung rüberkommt. Die frischen Eichenfässer waren eine gute Wahl, allerdings bin ich kein Fan dieser Ricola-Aromen, die meiner Erfahrung nach oft mit Virgin Oak Fässern einhergehen. Würde mich nicht wundern, wenn die russische Eiche auch beim An Oa mitgewirkt hat.

Zum Vergleich noch ein Blick in die oftmals beschworenen ‘guten, alten Zeiten’, hierfür bietet sich der Rollercoaster, in 2010 unter die Anhängerschaft gebracht, an. Diese Abfüllung besteht aus verschiedenen Fassarten, welche in den Jahren 1997 bis 2006 befüllt worden sind.

Ardbeg Rollercoaster

Bis 10.12.2009 / 57,3%Vol. / Link zur Whiskybase

Eine Flasche Ardbeg Rollercoaster aus dem Jahr 2009

Nose: Fängt typisch an mit Vanille, Asche à la Räucherschinken und Süße, welche nach Karamell, Datteln und Honig gerät. Das Eichenholz bringt leckere Gewürze mit, nach einigen Minuten wird der Grundcharakter sehr wachsig, ölig und salzig. (87)

Taste: Ein Antritt wie eine kalte Lagerfeuerstelle, Holzsplitter stecken zwischen den Zähnen, Kräuter wurden verbrannt und eine Zigarre ausgedrückt. Anklänge von herben Zitrusnoten vermischen sich mit der Süße, dahinter lauern Kakao und Karamell. Die Gewürze und das Salz lassen sich auch hier blicken. (86)

Finish: Zuerst ist da nur Asche. Und dann die Süße und mit ihr verkohltes Eichenholz und Heidekraut. Im Unterton finde ich Salz, Kakao und eine Spur Schwefel. (84)

Fazit: Wenn man jetzt mal den Abschluss ausklammert, dann ist das ein wirklich sehr ausgewogener Ardbeg, der vielleicht etwas mehr durch Intensität als Komplexität punktet, aber nichtsdestotrotz weder zu jung noch zu aufgesetzt wirkt.

Abgesehen von einigen interessanten Ansätzen, habe ich jetzt nichts im Glas gefunden, was mir bei Ardbeg’s Standardrange fehlen würde. Die Standards waren früher wohl allerdings auch hochwertiger. Als Genießer investiert man sein Geld besser anderweitig, marketingtechnisch macht LVMH allerdings viel richtig (auch wenn die kommende Edition wohl Ardcore heißen soll (Quelle)).

Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase | Samples: Privat gekauft