Sommer in der Speyside

Es ist warm, es ist Sommer, Zeit für einen Abstecher in die Speyside. Es gibt so eine leichte Tendenz im Sommer eher die fruchtigen und süßen Whisky zu mögen und dem kann ich mich auch nicht ganz entziehen. Quasi ein Urlaub vom Torf und Rauch.

Craigellachie 2013 North Star Spirits

Eine Flasche Craigellachie 2013

Ein sehr aktuelles Bottling von NSS, das meine Aufmerksamkeit durch eine wirklich coole Aktion auf sich gezogen hat. Der unabhängige Abfüller hat 102 Flaschen dieses Bottlings für Charity-Aktion zugunsten der Flutopfer in Bad Neuenahr/Ahrweiler zu Verfügung gestellt. Aller Gewinn daran wird gespendet. Finde ich klasse und hab mir deshalb auch sofort eine Flasche geholt. Insgesamt gibt es 267 Flaschen mit 58,8%. Die Reifung erfolgte zumindest am Ende der 8 Jahre in einem PX Hogshead. Link zur Whiskybase

Nase: Angebranntes Gebäck, ich würde sagen Blätter. Mit Äpfeln und abgelöscht mit Vanillesauce. Etwas Zitronenabrieb oben drüber.

Mund: Sehr würzig, pfeffrig mit “Zitronenschärfe”. Leicht bitter und auch süß. Aber nicht übertrieben. PX hätte ich nicht erraten.

Abgang: Würzig, vor allem in Richtung herbstlich oder weihnachtliche Gewürze. Bitter, süß und trocken. Ausgekohltes Fass kommt mir auch in den Sinn.

Fazit: Lecker trinkig und gut eingepreist. Macht mir Spaß. 86/100

Craigellachie 23-year-old

Eine Flasche Craigellachie 23

Da bleibe ich doch spontan gleich bei der Destille und wechsle zu einem Original Bottling. 23 Jahre alt, aus einem Batch von 1200 Flaschen. Der Inhalt wurde auf Trinkstärke reduziert (46%). Die Reifung erfolgte in American Oak Casks. Link zur Whiskybase

Nase: Das beginnt vielversprechend. Wachs und Zitrusöl, etwas feuchtes Gras und Grasnarbe. Abgebrochene Äste von Laubbäumen. Irgendwann kommen dann auch noch Fruchtnoten heraus. Doch auch hier bleibt es eher “herb”: Grapefruit, Limette und grüne Äpfel. Nur ein Hauch Süße zieht immer mal wieder durch. Vielleicht etwas Honig und auch etwas Vanille.

Mund: Ähnlich wie in der Nase finde ich wachs und grasige, erdige Noten. Dazu etwas Kaffee, eine leichte fruchtig-seifige Note dazwischen und eine schöne pfeffrige Würze. Sehr lecker.

Abgang: Leicht mineralische aber vorallem wachsige und erdige Anklänge. Hinten raus dann jede Menge Bitterstoffe und zwischendurch blitzt immer wieder eine frische und fruchtige Note durch. Saftige Orangen und Mandarinen. In der länge wird es dann unglaublich trocken.

Fazit: Ganz fantastisch gereifter Malt mit viel Anspruch. Für den darf, nein muss man sich Zeit nehmen. Enthusiasten stolpern vielleicht über die reduzierte Stärke, ich empfehle dennoch zu probieren. Das ist ein Hammer Malt. 90/100

Benrinnes 1996 Hunter Laing

Eine Flasche Benrinnes 1996. Im Hintergrund zeichnet sich unscharf ein Baum und ein Haus ab.

Ein zweites Paar habe ich am Start: Zwei unabhängige Benrinnes. Der erste von Hunter Laing in Schottland abgefüllt in der Old Malt Cask Reihe. Diese sind (fast) immer auf 50% eingepegelt. 24 Jahre befand sich die Abfüllung in einem Refill Hogshead und hatte einen Umfang von 316 Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Ein frischer Käsekuchen. Malz, Hefe und Hafer. Etwas Zitrone, Honig und duftende Blüten. Ein Hauch Lavendel auf einem Gurkensalat.

Mund: Biscotti, Aprikosenschnaps und ein nasser Kiesweg. Nasses Laub, Waldboden und Pilze. Krasser Kontrast, um ehrlich zu sein.

Abgang: Salzzitronen, Leder, komplexe Bitterstoffe, die aber nicht überhand nehmen. Dann wird es wieder sehr salzig und es gibt noch mal diesen Fruchteinschlag aus dem Mund.

Fazit: Ein wunderbar trinkiger Malt, mit ein vielen Ecken und Kanten zum Erkunden. Vielen Dank an meine liebe Tastingrunde, die mir die Flasche als Mitbringwhisky geschenkt haben. Den habt ihr sehr gut ausgewählt! 87/100

Benrinnes 2000 Maltbarn

Eine Flasche Benrinnes 2000, weitere Flaschen im Hintergrund

Nur 41 Flaschen! EINUNDVIERZIG! So macht der Martin das. Notes from the Editor heißt die Maltbarn Serie in der speziell Fastreste oder Ähnliches abgefüllt werden. In diesem Fall ein Benrinnes mit 54,8% nach 20 Jahren in einem Bourbon und einem Sherryfass. Link zur Whiskybase

Nase: Anfangs muss sich erstmal der Alkoholdunst legen. Dann kommen süßliche florale Noten. Rosen und Lavendel. Blick auf eine Wildwiese vom Kiesweg aus. In der Hand ein Honigbrot.

Mund: Kokosraspeln, würzige Noten. Auch wieder Brot und Getreide. So ganz leicht feuchtes Schwarzbrot. Dazu sehr fruchtige Orange.

Abgang: Eine intensive Honigsüße wird hart gekontert durch Bitterstoffe und einer speichelanregenden Trockenheit. Leichter Milchkaffee. Ein Schwarzbrot mit Frischkäse und Agavendicksaft.

Fazit: Feine Sache. Hohe Intensität und damit nichts für schwache Nerven. Obwohl er recht “weich” ist für die Alkoholstärke. Ich weiß das widerspricht sich ein wenig, aber das ist in diesem Fall durch fordernde Aromen und gut eingebundenen Alkohol möglich. 88/100

Tormore 1995 Le Gus’t

Eine Flasche Tormore 1995

Von diesem Tormore habe ich bereits das Schwesterfass verkosten dürfen. Das war wirklich sehr gut. Die Erwartungen sind also hoch! 24 Jahre alt, aus einem Hogshead. Nur 71 Flaschen mit 55,8% kamen dabei raus. Link zur Whiskybase

Nase: Helle Früchte und Butter. Dann helle Früchte in Butter geschwenkt. Die Nase kommt mir am Anfang etwas verschlossen vor. Nach einiger Zeit auch ein paar getrocknete Früchte, vor allem Richtung Südfrüchte.

Mund: Ganz leicht seifig, viele Früchte und extrem fordernd im Mund. Der Alkohol packt an, geht über in Früchte, dann Gewürze und immer so rund. Frische Kräuter sind auch am Start.

Abgang: Zitrus mit leicht betäubenden Tendenzen. Auch Salz ist am Start. Es gibt wieder angeschwitzte Früchte. Sehr lecker.

Fazit: Ich kann es nicht anders sagen: Ich mag diese 1995er Tormore. Sehr lecker. In den Nuancen link und rechts gibt es vielleicht noch bessere, aber das ist jammern auf sehr hohem Niveau. Der hier profitiert stark davon, wenn man ihm etwas Zeit im Glas lässt. 89/100

Glenallachie 2008

Eine Flasche Glenallachie 2008

Dieser Glenallachie aus der Cuvée Cask Series wurde exklusiv für Kirsch Whisky Import abgefüllt. 4761 Flaschen gibt es und diese stammen aus einem Cuvée von PX und Pinot Noir Casks. 12 Jahre alt und 53,9% ist das Ergebnis. Link zur Whiskybase

Nase: Leichte Kaugumminoten, etwas Dill, im ersten Moment etwas ungewöhnlich. Aber dann kommen schnell die erwarteten roten Früchte, getrockneten Früchte. Reif, überreif, frisch. Ziemlich lecker.

Mund: Fein säuerlich und würzig im ersten Moment. Mit ein wenig Ingwer. Leicht parfümiert. Dann gehts wieder rund in die Sherrynotes. Hubba-Bubba-Traube-Cassis. Gibts sowas?

Abgang: Wunderschön trocken, wieder fein säuerlich. Leichte Vanillenoten, zusammen mit dunklen Früchten, wieder Cassis.

Fazit: Einer zum Spaß haben, wenn man ein Sherrybrett oder etwas Vergleichbares haben will. Und ich glaube tatsächlich der Cuvée mit dem Rotweinfass gibt hier den Ausschlag für eine Komposition mit eigener Berechtigung. Lecker! 88/100

Sommer ist was man selbst draus macht

Ich glaube es gibt gute Argumente für die süßen Sherry Abfüllungen im Sommer. Pralle, überreife Früchte, die volle Süße. Da denkt man an die Obsternte und die Kuchen die es dann gibt. Auch die Bourbon-Abfüllungen passen gut dazu, mit ihrer Frische, dem etwas leichteren Gebäck und den eher gelben Früchten. Alle so wie es schmeckt, würde ich sagen.
Mit meiner Auswahl für heute bin ich auf jeden Fall zufrieden. Das ist wiedermal ein schöner Querschnitt. Ganz besonders gefreut hat mich der 23 Jahre alte Craigellachie. Bei solchen reduzierten Original Bottlings bin nicht auch immer skeptisch. In diesem Fall somit definitiv positiv überrascht.

Bilder: Freundliche Überlassung der Whiskybase und eigene Anfertigung | Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft