(Spring) Bankraub

Für so manche Springbank hat man mittlerweile das Gefühl eine Bank ausrauben zu müssen. Oder zumindest den Collegefonds der Kinder und Enkelkinder auflösen zu müssen. Da sind die regelmässig veröffentlichen Cask Strength 12 fast schon eine Wohltat. Aber auch hier: Die Preise ziehen an und die Flipper kaufen den Markt leer, um Margen auf dem Sekundärmarkt zu machen.
Deshalb ist es mir eine Freude heute, dank fleissiger Flaschenteilungen, einige CS12 und ein paar solcher Bankraubflaschen verkosten zu können. Dabei hat mich Daniel kräftig unterstützt. Der Springbankfan meiner Wahl hat damit auch den ein oder anderen Beitrag zu den Notes unten geliefert. Wie man vielleicht liest: Wir hatten Spaß. Für mich das Wichtigste beim Whiskyhobby. 🙂

Springbank 12-year-old Cask Strength Batch 14

Batch 14 aus dem Januar 2017 kommt 70% Sherry und 30 Bourbon Fässern. Er ist 54,8% stark. Zur Anzahl der Flaschen hab ich spontan nicht gefunden. Link zur Whiskybase

Nase: Lack und Heidelbeeren, auch Leder, aber nicht Sattel, sondern Hose. Mit der Zeit relativ viel Peat, erdig mit Tabak, auch ein wenig Gummi, eine Mischung aus alten Apfellakritzgummibärchen

Mund: Würzig, mit etwas Zitrusfrüchten, Aprikose, auch einiges an Torf. Natürlich weder von Charakter noch Menge wie Islay Abfüllungen. Rote Früchte, Milchkaffee und etwas Lakritze runden den Geschmack ab und geben Tiefe.

Abgang: Apfelschorle die zu lange gestanden hat. Dazu ordentlich Bitterstoffe. Auch hier kommt mit der Zeit der Torf stark durch. Kakao und Kaffee, mit der Zeit ziemlich trocken.

Fazit: Die Farbe kann man dem Geruch nicht absprechen. Daniel möchte kein zweites Glas bestellen (wir haben auch keines mehr). Der Abgang ist etwas seltsam gewesen, muss ich zugeben. 86/100 von mir und 87/100 von Daniel.

Springbank 12-year-old Cask Strength Batch 15

Batch 15 stammt aus dem Juli des gleichen Jahres. Auch das Rezept ist mit 70/30 das gleiche. Die Alkoholstärke liegt bei 56,5%. Erneut keine Info über die Anzahl der Flaschen.  Link zur Whiskybase

Nase: Frische Äpfel, getrocknete Aprikosen, Salz, ein wenig Honig. Nicht zu ausdrucksstark auf den ersten Riecher. Der Farbtopf mit dem Lack ist dennoch auch hier vorhanden. Wenn das verflogen ist kommt nach einiger Zeit deutlich mehr Sherry raus.

Mund: Bleistiftspäne, Pfeffer und Meerrettich geben einen ersten ordentlichen Punch. Dazu kommt dann eine sehr ölige Textur, fast schon wie ein Schluck “Extra Vergine”, direkt aus der Flasche. Dazu kommt noch maritimes Salz und auch älterer Sherry kommt mir in den Sinn.

Abgang: Hinten raus trocken bis sehr trocken. Das wird schön gekontert von Süße und auch immer wieder salzigen Noten. Er hat auch etwas leicht buttriges.

Fazit: 88/100 von mir und 89 von Daniel. So lass ich mir das gefallen. Davon kann man ein zwei Gläser mit Freunden und Freuden trinken.

Springbank 12-year-old Cask Strength Batch 18

Ein letzter Springbank 12 CS für diese Runde. Man muss es ja nicht übertreiben mit den ähnlichen Abfüllungen. Weitere heben wir uns für spätere Tastings auf. Der 18te Batch wurde im Dezember 2018 abgefüllt und hat 54,8%. Diesmal sind es 50% Bourbon und 50% Sherry Cask.  Link zur Whiskybase

Nase: Mehr Bourbon heißt weniger Farbe, auch im Geruch. Mineralisch und wachsig mit dezenten Aprikosen. Das fängt gut an.

Mund: Salzig, mineralisch geht es weiter. Da ist auch Pfeffer. Daniel fehlt der Alkoholkick am Gaumen, das Zahnfleisch wird dennoch langsam taub. Die Früchte sind auch wieder da. Apfel, klein geschnippelt, eingelegt in Pfefferwasser.

Abgang: Leichter Milchkaffee kommt zu den bekannten Aromen. Dunkle Schokolade, die sich trocken im Mund ausbreitet bis sie sich zu trockenem Staub auflöst.

Fazit: Ein Springbank 10 mit etwas mehr Karacho, der streckenweise vielleicht etwas runder daher kommt. Wir mochten ihn, deshalb 88/100 von beiden.

Springbank 1995 Svenska Eldvatten

So, genug CS12. Jetzt drehen wir mal ein wenig an der Reife-Uhr. 22 Jahre alt, 1995 destilliert und in einem Refill Sherry Hogshead gelagert. 2018 hat ihn dann der schwedische Abfüller Svenska Eldvatten in 137 Flaschen gebracht. Dabei hatte er noch gute 44%. Link zur Whiskybase

Nase: Eingelegte Paprika. Und Whisky (sagt Steffi). Da sind auch Gürkchen, Mini-Mais, irgendwo dahinter kommt noch ein wenig Springbank. Das ist lustig, Mixed Pickels mit Whisky. Vielleicht ein neuer Verkaufsschlager?

Mund: Das ist einiges an Holz, das alter lügt nicht. Es ist aber (noch) nicht unangenehm. Allerdings war es nicht verkehrt den aus dem Fass zu nehmen, würde ich sagen. Dazu gibt es dunkle Schokolade mit Hagelsalz darin. Es ist auch Springbank-mineralisch und kann auch ein wenig Tankstelle: Öle und Treibstoffe.

Abgang: Im Abgang gibt er nochmal Gas: Uralter Sherry, schön trocken. Das Holz ist jetzt altes Holz, ganz wunderbar integriert. Ölige und mineralische Noten sind da und irgendwann kommt unendlich viel Kaffee und Kaffeelikör.

Fazit: Ist ok (Steffi), sehr lecker (Daniel), ich fand ihn auch sehr gut. Wenn auch ein wenig speziell. Auf eine Art die mich sowohl reizt als auch ein wenig abschreckt. Für einmal im Glas aber auf jeden Fall ein Abenteuer wert! 89/100

Springbank 1996 Glen Scoma

Stell dir vor, du betreibst den ältesten deutschen Whiskyladen und -vertrieb, hast dein 40-jähriges Jubiläum. Was bietet man da so an? Nun bei Scoma gab es einen 23 Jahre alten Springbank aus dem Sherry Butt. Kann man mal machen würde ich sagen. 561 Flaschen dieser Abfüllung gibt es in 0,5l Flaschen. Sie ist 54,5% stark und war von 1996 bis 2019 im Fass Link zur Whiskybase

Nase: Alte Hölzer, alte Bücher, ein Glas Sherry auf dem staubigen getäfelten Tisch. Das Einsteigen in einen Oldtimer, das Lederlenkrad wird gerade abgerieben. Die feuchte Lederabdeckung eines alten Cabrios die aus dem Kofferraum geholt wird. Und Daniel weiß wovon er spricht, wenn er etwas so beschreibt.

Mund: Es wird sehr würzig. Rinderboullion, Sushireis, salzig, pfeffrig. Dazu wieder die Sherryaromen, die versuchen sich Platz zu machen. Immer wieder blitzt ein Springbank durch. Mineralisch, wachsig, mit einem Hauch Frucht. Bis die Gewürzlawine wieder vorbei rauscht.

Abgang: Nach dem schlucken wird es erstmal wieder etwas ruhiger. Himbeerbonbon vom Jahrmarkt schreibt jemand in der Base. Diesem Bild kann ich gut folgen. Dann kommt aber auch wieder die Würze. Sojasauce und sogar Fischsauce, ist da. Insgesamt werden die Schleimhäute erst süßlich ummantelt bis es dann ziemlich trocken wird.

Fazit: Ein tolles Jubi-Bottling. Ich bin begeistert und sage an dieser Stelle nochmal nachträglich alles Gute und vielen Dank für die Verdienste am Whisky in Deutschland an Scoma! 90/100 Von Daniel gibts eine 89. Die Schärfe bzw. Würze ist aus seiner Sicht einen ein Tick zu viel.

Springbank 28-years-old Springbank Society Tasting

Einen noch. Einen noch auch um die Dankesworte gleich weiter zu führen. Nicht nur hatte ich viel Spaß mit Daniel bei unserem gemeinsamen Tasting, er hat mir noch dazu sein Society Tasting Pack überlassen. Einfach so, weil er denkt ich könne mehr damit anfangen. Mein Herz hüpft gleich wieder etwas höher dabei. Unglaublich großzügig, denn hier geht es nicht um irgendwelche Samples. Nummer 1 ist ein 28 Jahre alter Springbank aus dem Bourbon Hogshead mit 47,2%. Das Bottling/Sample hat es noch nicht in die Base geschafft.

Nase: Initial sehr kräftig mit überraschend viel Torf und Rauch. Die Fruchtnoten klingen auch schon an, aber werden erstmal zur Seite gedrängt. Es dauert aber nicht lange, dann kommen diese in den Vordergrund. Es hat schnell etwas von Chardonnay, destilliertem Chardonnay. Mit einer tollen Fruchtnote, mineralischem Kern und auch etwas “Krisp”. Grüne Äpfel, Vanilleschote und maritime Einflüsse. Dann kommen wieder etwas intensivere fast kräutrige Noten. Kampfer, Orangenblüten. Die Nase ist ein Knaller!

Mund: Old-style Getreide und Wachsnoten, die man vielleicht von vergangenen Bottlings kennt. Ingesamt sehr weich und rund. Der Torf ist nur ein Begleiter, eine Randnotiz. Die Hauptrolle spielt das Getreide, ein paar gute Fruchtnoten und eine schöne Sabayone.

Abgang: Eine dezente Rauchnote und etwas Zitrus geben sich die Klinke in die Hand. Langsam kriechen sanfte Bitterstoffe die Zunge hinauf und bringen eine absolut cleane salzige und mineralische Note nach vorne. Salzzitronen, Kiesstaub und ein Spritzer Grapefruit. Ab und zu gibt es wieder ein wenig grünen Apfel und auch einen Klecks dunkle Schokolade. Das ganze Spiel bleibt gefühlt ewig, was für mich sicher kein Schaden ist.

Fazit: Ich bin absolut überzeugt von diesem Bottling. Und ich bin mir sicher es wird einige geben, die enttäuscht sind. Der Grund dafür wird der Geschmack sein. Das ist weit weniger Ausdrucksstark als man vielleicht hofft und dieser old-style Bourbon Cask Geschmack ist nicht jedermanns Sache. Für mich ist einfach toll, denn das sauber, ehrlich, vom Destillat getrieben. Fantastisch. 92/100

Ich freue mich auf mehr…

.Generell freue ich mich immer Springbank verkosten zu dürfen. Auch heute war wieder viel Tolles dabei. Dazu kommt noch, dass wir noch einige Cask Strength 12 vor uns haben und auch noch weitere Springbank Leckereien. Gute Gründe um erneut gemeinsam zur Tat zu schreiten. Drauf freue ich mich nochmal mehr. Den obligatorischen Schluß-Rant zu Preisen und Flippern spare ich mir deshalb. 😉

Bilder: Ian Macilwain (www.broombank.co.uk) – Peter Currie, Springbank Distillery, CC BY-SA 3.0, sowie freundliche Überlassung von Nosferatu und der Whiskybase | Samples: Privat und offiziell gekauft