Aus den Weinbergen Islays

Scotch und Rotwein – da fallen mir spontan eine handvoll Destillerien ein, welche bei der Lagerung mehr oder weniger regelmäßig auf ehemalige Rotweinfässer zurückgreifen. Aber kaum eine praktiziert dies, auch bedingt durch Mark Reyniers guten Beziehungen zu einigen Weingütern, so intensiv und experimentell wie Bruichladdich. Bei deren Wahlspruch „We believe terroir matters“ bin mir nicht ganz sicher, ob hier ausschließlich die Anbaubedingungen von Gerste gemeint sind. Zeit, ein paar Abfüllungen genauer unter die Lupe zu nehmen, Rotweinreifungen haben ja nicht unbedingt den Ruf, Tiefe zu versprechen.

Das französiche Vosne-Romanée ist wohl eine der Top-Adresse für Rotwein. Angebaut wird fast ausschließlich Pinot noir, eine anspruchsvolle Rebsorte, die mit vollmundigem und aromatisch finessenreichem Stil belohnen kann. Der 2006er Micro Provenance von Bruichladdich hat 12 Jahre in so einem Weinfass verbracht. Auf dem Etikett wird die Gerstensorte „Optic“ angegeben, eine ertragreiche Züchtung mit hoher Keimungsrate beim Mälzen. Link zur Whiskybase.

Bruichladdich 2006 Micro Provenance Cask 501

Vosne-Romanée Cask 25.05.2006 – 16.10.2018 / 63,9%Vol.

Nase: Die Aromen drängen geradezu aus dem Glas, allen voran Karamell und Rosinen. Ein Sammelsurium an roten und dunklen Früchten und Beeren auf saftig-schokoladigem Biskuitteig. Dazu salziges Eichenholz und Vanille mit feiner Nussigkeit und frischen Zitrusnoten. (88)

Mund: Würziger und rotfruchtiger Antritt mit trockenem Eichenholz und leicht getorftem Gerstenmalz. Der Rotwein bringt neben getrockneten Beeren auch samtige Tannine mit, welche sich wunderbar in einem nachhaltigen Teppich aus Asche, salziger Nelke und Kakao einfügen. Klebriges Karamell und nussiger Zimt runden das Ganze ab. (89)

Nachklang: Adstringent und facettenreich würzig mit samtig-wachsiger Konsistenz. Erdige Lagerfeuerasche und Eichenholzstaub, ergänzt von Schießpulver- und Schwefelnuancen, welche allerdings nicht unbedingt stören. Hier sind die rotweintypischen Früchte weniger eminent, werden aber von einem angenehm herben Orangenton begleitet. Im Ausklang bereichern Haselnuss-Kakao-Creme und Rosinen. (87)

Fazit: Der hohe Alkoholgehalt lässt aufdringliche Akzente befüchten, aber bis auf einige Spitzen beim Verriechen verbleibt der Alkohol gut eingebunden, sodass eine Wasserzugabe nicht vonnöten ist. Als überaus positiv nehme ich jedoch die Qualität des Rotweineinflusses und dessen Integrationsfähigkeit wahr, vor allem im Vergleich zu anderen Rotwein-Whiskies, die ich in der Vergangenheit probieren konnte. Harmoniert wunderbar mit dem Bruichladdich-Charakter und belegt, dass sich ein Investment in Qualität auszahlt.

Mit dem Port Charlotte PAC: 01 folgt als nächstes ein Wein-Finish, der Malt wurde nach 6 bzw. 7 Jahren in 1st-Fill American Whiskey Casks für mindestens 2 weitere Jahre in 1st- und 2nd-Fill Rotweinfässer aus Pauillac im Bordeaux transferiert. Die vorrangig angebaute Rebsorte in diesem Gebiet ist Cabernet Sauvignon, was beispielsweise Aromen von schwarzer Johannisbeere erwarten ließe, da im Bordeaux jedoch nur selten sortenrein ausgebaut wird, könnten auch etwa Merlot oder Cabernet Franc beteiligt sein. Zumindest freue ich mich auf körperreiche und fruchtige Einflüsse. Verwendet wurde hier übrigens die Gerstensorte „Concerto“, eine eher auf Ertrag und Verarbeitungsfähigkeit als Geschmack optimierte Art, welche in den letzten Jahren sukzessive von der noch ertragreicheren „Laureate“ zurückgedrängt wird. Link zur Whiskybase.

Port Charlotte PAC: 01

6 bzw. 7 yrs 1st-Fill American Whiskey Casks, 2 yrs 1st– & 2nd-Fill Pauillac-Finish bis 24.02.2021 / 56,1%Vol.

Nase: An die kräftigen Noten von Asche und geräuchertem Malz gewöhnt man sich recht schnell, aber mit dem eminenten Alkohol des schlichtweg noch recht jungen Destillats hat meine Nase doch ein wenig zu kämpfen. Dahinter finden sich, neben Salz und eichenholzgetriebener Würze nach Nelke sowie Zimt und Pfeffer, jedoch auch eher leichte Elemente, wie fruchtige Beeren und frischen Zitrustöne. Dazu reichlich körniger Blütenhonig, Apfel und Nüsse mit Karamell. Gelegentlich macht sich der Bordeaux bemerkbar und schafft es, als Bindemittel der einzelnen Noten zu fungieren, dadurch wird zusätzliches Volumen kreiert, wie ich finde. (86)

Mund: Klebriges Karamell und stark getorftes Gerstenmalz mit dreckigen Gewürzen versperren allem anderen erstmal den Weg. Dann liegen plötzlich samtige Tannine am Gaumen auf und mit im Schlepptau noch andere deutlich rotfruchtige und beerige Aromen, die auf das Weinfinish hinweisen. Eichenholz mit leichten Röstaromen und grüner Paprika, weshalb ich klar auf einen deutlichen Anteil an Cabernet Sauvignon tippe. (86)

Nachklang: Dunkel und erdig mit sanften Gewürzen. Der Rauch immer noch stark vorhanden, ein feiner Ascheteppich wird ausgelegt und Ruß großzügig darübergesteut. Leichte Süße und trockenes Eichenholz. Es tritt der gleiche Schwefelanflug wie beim 2006er Vosne-Romanée auf, leider insgesamt etwas jugendlich. (83)

Fazit: Ein Satz, der mir in letzter Zeit viel zu oft in den Sinn gekommen ist: Mit ein paar Jahren mehr im Eichenkäfig hätte der wesentlich besser werden können. Der Wirkungskreis des Weines ist klein aber fein, er kann mit dem wuchtigen Destillat gerade so mithalten.

Wer „B“ und „P“ sagt, muss auch „O“ sagen und darum habe ich mir auch einen weinfassgelagerten Octomore herausgesucht, den OC1 von Speciality Drinks. Erneut geht die Reise nach Frankreich, diesmal ins Anbaugebiet Côte-Rôtie am Ufer der Rhône. Die vorherrschende Rebsorte ist Syrah, die hier komplexe, ausdrucksstarke, in jedem Fall elegante Weine hervorbringt. Welche Wirkung wird sich im Zusammenspiel mit dem flüssig gewordenen Lagerfeuer aus dem Hause Bruichladdich entfalten können? Link zur Whiskybase.

Octomore OC1 SMS Elements of Islay

Côte-Rôtie La Mouline Wine Casks bis 2015 / 65,4%Vol

Nase: Gesalzener Speck aus dem Kamin, darunter glimmende Holzscheite in warmer Asche. Viel reifer und eleganter als der PAC, mit seidig-öligem Pfeffertouch und saftigem Biskuit. Mit dem Eichenholz werden auch die Vanille und fleischige Weinnoten prägnanter, wobei letztere in verspielte Akzente nach frischem Beerenmix und Veilchen ausufern. Weiterhin Zwetschge und Zitrusfrucht, sowie Zimt und Marzipan mit schokoladigen Äpfeln. (89)

Mund: Angenehmer Antritt, die Asche ist nachhaltig aber nicht übermächtig und lässt Raum für Salz, Karamell und fruchtige Anklänge von samtwürzigem Rotwein und Zitrus. Leicht metallisch, erdig und ölig in der Textur. Kakaopulver und Gerstenmalz. (89)

Nachklang: Wärmend, aber nicht ganz so lang, wie man es erwarten mag. Körnige Asche mit metallischem und mineralischem Belag auf der Zunge, der an trockenes Kakaopulver erinnert. Schwarze Johannisbeere mit Salz und Räucherspeck – eine gelungene Kombi. Würziges Eichenholz und harzige Kiefernnadeln, zum Schluss noch einige Haselnüsse. (87)

Fazit: Den Unterschied zum vorigen Cabernet-Finish fällt deutlicher aus, als ich im Vorfeld geschätzt hatte, der Syrah ist einfach viel weicher und geschmeidiger. Zusammen mit dem Octomore, den ich jetzt nicht unbedingt als „gezähmt“ bezeichnen würde, eher als „besonnen“, ergibt das ein stimmiges Ergebnis. Die Zugabe von Wasser hilft beim Öffnen.

Aus Neugierde und zum Vergleich habe ich mir noch den 2008er Bunnahabhain Mòine dazugeholt, der komplett in Rotweinfässern aus dem Bordeaux reifte. Link zur Whiskybase.

Bunnahabhain 2008 Mòine

Bordeaux Red Wine Casks 18.12.2008 – 26.02.2018 / 58,1%Vol.

Nase: Ok, hier habe ich die grüne Paprika sofort in der Nase. Die typisch schwere Frucht des Weines nach Pflaume und Kirsche ist ebenfalls da und verbindet sich mit Tanninen ganz wunderbar mit der öligen Holzasche des Bunnas. Lediglich der Alkohol ragt jugendlich heraus, dafür aber mit karamelliger Note. Blütenhonig mit Anflügen von Rost und Ruß. Salziger Balsamico und Nüsse gehen eine würzige Beziehung zu Blaubeermarmelade und schwarzer Johannisbeere ein, darüber schweben Noten von Orange und Limette. (88)

Mund: Durchaus würzig und mächtig, viel Asche und Ruß bestimmen vorerst das Geschehen. Es dauert einen Moment, bis die Jugend beiseite tritt, doch dann wirkt er reifer. Samtige Tannine leiten den kernigen Rotweineinfluss ein und münden, begleitet von Röstaromen, in dunkle Kirschen und noch dunklere Johannisbeeren. Ein gezeitengegerbtes Eichenholzbrett wird mit Salz, Honig und Karamell eingerieben. (87)

Nachklang: Sehr salzig und maritim, Asche und erdiger Ruß dürfen nicht fehlen. Das Fassholz kann mit würzigen Elementen und ein bisschen Karamell und Vanille auf sich aufmerksam machen. Konstante Hinweise auf Kirsche und Haselnuss, mit Blütenhonig und Orange klingt er aus. (88)

Fazit: Auch 2008 war ein guter Jahrgang^^ Bei einem ähnlichen Alter wie der PAC von Bruichladdich, habe ich den Eindruck, dass das Destillat von Bunna besser auf den Bordeaux zugeschnitten ist, allerdings kann das auch im Unterschied zwischen Finish und Vollreifung begründet sein.

Terroir – die Herkunft der Gerste hat im Endprodukt im Prinzip keinerlei Auswirkung auf den Geschmack. Wohl aber, wenn es darum geht, regionale Wirtschaft zu unterstützen und die Umwelt durch kurze Transportwege nicht unnötig zu belasten. Beim Wein sieht es da bekanntermaßen ganz anders aus, weshalb ich denke, dass man mit einem auf das Destillat abgestimmten Fassmanagement (und natürlich ausreichend Reifezeit) auch mit Weinfässern starke Ergebnisse erzielen kann. Und je transparenter zum Schluss die Infos auf dem Flaschenetikett sind, desto besser kann man als Enthusiast dann auch den Whisky verstehen.

An dieser Stelle vielen Dank an Tobias, für die Gelegenheit, auf keinehalbendrinks.de mit einem Beitrag mitwirken zu dürfen.

Samples: Privat gekauft