Unabhängige Speysider

Nein, die Speyside trennt sich nicht von Schottland. Aber auch in dieser Woche bleiben wir in der Speyside. Im Gegensatz zum Glenfarclageddon (TM by Angus) von letzter Woche wird es diese Woche aber unabhängig. Unabhängig abgefüllt, um genau zu sein. Sechs verschienede Destillerien mit Einzelfassabfüllungen oder Small Batches. So mag ich das! Auch wenn “Peak-Indie” laut Fachpresse mittlerweile vorbei ist.

Mortlach 2003 Cadenhead

Ein weiteres Exemplar einer scheidenden Generation: Ein Cadenhead Small Batch Bottling. Wobei das Batch in diesem Fall besonders Small ist. Nur ein einzelnes Bourbon Hogshead ergab nach 15 Jahren 276 Flaschen mit 54,3%. Link zur Whiskybase

Nase: Zitronenzesten und Mezcal. Kochschinken mit Salzkruste. Maggiekraut dazwischen. Im Hintergrund ist noch etwas Erdiges und Getreide. Mit den Alkoholdämpfen ist es dann sowas wie leckerer Vodka. Fantastisch.

Mund: Zwickt kurz in der Zunge. Ingwer, packender, fast scharfer Limoncello. Das geht über in wunderbare Zitrusnoten. Das wird kombiniert mit Brot. Frisches und weiches Brot.

Abgang: Haselnüsse und auch Haselnussschnapps. Etwas Malz und ein paar grüne Früchte. Die offiziellen Notes sagen Kiwi und Lychee. Das könnte passen. Brot uns Zitronen sind auch noch da. Süß- und Salzig-Rezeptoren werden gedrückt. Bitternoten untermalen nur hintergründig.

Fazit: Was kann man da nicht mögen? Eine volle Wucht in vielen Belangen. Die fassstärke steht ihm gut, ohne zu überwältigen. Die Aromenkompositon gefällt mir auch richtig gut. 89/100

Glenburgie 1993 Cadenhead

Der Oldie in dieser Session. Ein 24 Jahre alter Glenburgie aus dem Weinfass. Clairet um genau zu sein. Das Finish darin, wenn man es bei so einer Zeitspanne noch so nennen kann, erfolgte ab 2008. 216 Flaschen mit 53,0% wurden dann 2017 entnommen. Link zur Whiskybase

Nase: Einige Weinnoten und brauner Zucker. Dazu eine Nuance Vanille. Eine paar gelbe Früchte zeigen sich auf dem Weg zum Mund und deuten an was da kommt.

Mund: Gelbe Früchte, Papaya, Mango, Ananas, Pfirsich, jede Menge Honig. Aber auch Orange. Vielleicht ein paar Bitterstoffe und auf jeden Fall Salz. Krass! Das ist mal eine Fruchtbombe im Mundraum.

Abgang: Salzig, bitter mit Taninen vom Weinfass. Dazu ein paar “Restfrüchte”. Das ist viel leiser als vorher.

Fazit: Absolut geile Geschichte im Mund. Das Drumherum ist in Ordnung und geschmacklich bin ich hin und weg! 88/100

Glentauchers 2010 Cadenhead

Ein Small Batch Bottling aus drei Borubon Hogsheads und einem Sherry Hogshead der weltberühmten Destillerie Glentauchers. Ok das stimmt so nicht. Der Whisky wird von den Eigentümern Pernod Ricard vor allem für Blends verwendet. Unabhängige Abfüllungen machen es aber immer wieder mal möglich ihn auch “nackt” zu probieren. In diesem Fall ist er neun Jahre alt und 55,1% stark. Er entstammt der Cadenhead Small Batch Reihe. Hab ich der hier schon mal hinter geweint? Noch nicht oft genug! Link zur Whiskybase

Nase: In Alkohol eingelegte, dunkle Kirschen brechen aus einem Gebäck herraus. Daneben liegt auch noch ein Stollen mit vielen Rosinen drin. Erdbeersahne dazu. Das klingt alles ziemlich süß, das ist es aber nicht. Eher eine leichte Säure liegt darunter. Zum Trinken gibt es einen trockenen Sherry dazu. Eine leichte Prise Leder und Tabak ist auch noch zu bemerken.

Mund: Würzig und schokoladig geht es weiter. Die Früchte sind auch wieder da, sie werden aber etwas heller. Pfirsiche in einem Mürbteigkuchen. Darüber ein Klecks Vanillepudding.

Abgang: Die Sherryseite ist wieder prägnanter. Dazu eine Scheibe Schwarzbrot mit einigem an Gewürzen und einer weißen Schokocreme drauf. Ein richtig guter Pflaumenwein dazu. Jetzt wird er dann doch noch sehr süß. Zum Schluß gibt es auch noch ein leichtes bitter-saures Prickeln auf der Zunge.

Fazit: Sehr lecker. Der Alkohol ist zwar die ganze Zeit über präsent und wärmend ohne Ende, da merkt man die Jugend und die Fassstärke. Dennoch ist er ausdrucksstark und gut durchgereift. Eine prima Süßspeisen- und Würzkombination. Lecker! 88/100

Linkwood 2008 Maltbarn

Ich bin ja meistens ein Fan von Martins Abfüllungen. Als dann letztes Jahr ein Linkwood rauskam, da musste ich natürlich zuschlagen. Linkwood und Maltbarn, da kann nichts schief gehen, oder? 143 Flaschen aus einem Sherry Caks gibt es. 12 Jahre alt und 52,9% stark ist er. Link zur Whiskybase

Nase: Ein durchgezogenese Apfelmus und auch eine künstliche Apfelnote. Hubba Bubba Style. Süßlicher Blumenduft kommt dazu. Rosenblätter und Kräuterblüten.

Mund: Süß und salziges Karamell mit Zitronenschale dazwischen. Dazu wieder die Äpfel und auch Honig und Kräuter.

Abgang: Eine bittersüße Melange von Äpfel, Apfelgehäuse, Sirup und Honig. Gepaart mit einer Holzwürze und Kräutern. Darunter ist auch ein wenig Zitronensaft oder Limo gemixt.

Fazit: Der ist gefährlich trinkig und macht mir sehr viel Spaß. Ist kein Komplexitätsmonster oder so, aber man kann ihn wirklich mit freude trinken und mit Freunden teilen. 86/100

Mannochmore 2010 Malts of Scotland

Mannochmore… eine der vielen Diageo Destillerien. Für mich relatives Neuland. Ziemlich jung ist er (9 Jahre) und aus einem Bourbon Hogshead. 299 Flaschen mit 55,6% sind dabei rausgekommen. Link zur Whiskybase

Nase: Käsekuchen mit Salz. Darauf eine Limettenglasur. Dazu ein wenig Kalkstaub und ein nasser Kiesweg. Eine gewisse Note von gewachsten Früchten.

Mund: Leichte Bitternoten bei einer cremigen Textur. Limetten und Zitronen, oder wie Serge sagt: Limoncello. Das kann ich mitgehen. Vielleicht ein paar Ingwernoten.

Abgang: Eine würzige Minznote mit einer Vanillenote und Reste des Limonchello. Der Ingwer wird dann zum Sirup. Der Käsekuchen ist auch noch da.

Fazit: Das ist ein leckerer Malt. Den würde ich auch öfter trinken. Und selbst wenn da junge Noten (Käsekuchen!) sind, das ist sehr lecker, sehr balanciert und auch immer interessant. Schön! 87/100

Glenallachie 1996 Signatory Vintage

Eine Seltenheit. Ein Glenallachie aus zwei Bourbon Hogsheads. Danke an Signatory sowas füllt nicht jeder ab. Raus kamen 449 Flaschen mit 54,8%. Stolze 21 Jahre war der Whisky in den Fässern. Link zur Whiskybase

Nase: Unreife Bananen und Zwiebeln in Honig angeschwitzt. Klingt komisch, ich weiß. Vanilleblüten und ein gedeckter Obstkuchen.

Mund: Würzig, fast eine Boullion. Dann kommen Früchte. Auch grasige und leicht phenolige Noten sind zu finden. Kräutrig und salzig. Auch Vanille ist wieder da.

Abgang: Kräuterhonig und einige Bitterstoffe. Das geht Richtung Espresso und dunkle Schokolade. Dann gibt es Früchte: Aprikosen und gelbe Nimm Zwei.

Fazit: Eher eine Achterbahnfahrt. Allerdings eine gute. Ich mag die verrückten und ungewöhnlichen Aromen. Irgendwie will ich jetzt mehr GlenAllachie aus dem Bourbonfass. 89/100

Kein Überflieger dabei…

…und dennoch ein mehr als guter Flight. Vielleicht bin ich mit den Punkten auch zu gnädig gewesen, aber ich fand hier wirklich viele tolle Abfüllungen. Insofern für mich alles sehr verdient.

Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung von matts | Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft