Maltbarn Outturn Tasting

Maltbarn ist ein kleiner Abfüller aus Deutschland. Bisher wurden rund 150 eigene Bottlings auf den Markt gebracht. Darunter viele sehr gute Abfüllungen. Beim aktuellen Outturn ergab sich die Gelegenheit viele davon zu verkosten. Sechs von neun sind hier im Review zu finden. Zwei weitere wandern in spätere Reviews.

Glen Elgin 1995 Maltbarn

Ein 25 jähriger Glen Elgin aus dem Bourbonfass. 16,8 Flaschen mit 49,5%. Was hier schief gegangen ist weiß ich nicht. Die Engel waren wirklich durstig. Sowas als Bottling rauszubringen finde ich ja immer schwierig. Das Fass abzufüllen war aber wahrscheinlich auch eine sehr bittere Erfahrung. Was macht man dann damit… Ich bin auf jeden Fall dankbar, dass ich davon ein Sample hatte. Link zur Whiskybase

Nase: Zitrusfrüchte, eine Schicht Parfüm und Blumen, Gurke und Apfel. Das ist eher speziell, aber mehr als spannend.

Mund: Apfelkuchen mit Mürbteig. Darauf eine Salzkruste. Dann ein säuerlicher Tabak (gibt es sowas?), Allspice, Zimt, Nelke und Muskat.

Abgang: Kurz süß, das wird zu einem Salzkaramell. Äpfel kommen dazu. Etwas grasiges und grünes trtt hervor. Milchschokolade rundet das ganze ab.

Fazit: Sehr speziell, aber da mal den Kopf reinhalten zu dürfen ist ein Privileg. Ich finde, wie Martin auch, die Engel haben einen guten Geschmack. Und verdammt… 16,8 Flaschen. Verrückt. 90/100

Highland Malt 1987 Maltbarn

Ein undisclosed Highland Malt. Die Destillerie ist nicht bekannt oder, viel wahrscheinlicher, darf nicht genannt werden. Der Inhalt der Flasche ist auf jeden Fall 32 Jahre alt, im Sherryfass gereift und mit 49,9% in 159 Flaschen abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Kirschen, edle Hölzer, Orange, vielleicht etwas Menthol. Insgesamt sehr stimmig und rund.

Mund: Schwer zu greifen. Relativ bitter schon im Mund. Dann wärmend und prickelnd. Ein paar Nüsse, eine Physalis und auch Himbeeren. Dunkles Holz.

Abgang: Schöne Säure, mit Kaffee- und Schokoladennoten. Auch wieder Kirschen und Himbeeren.

Fazit: Lecker. Aber nicht 280€ lecker. Spontan stellt sich mir die Frage, ob er undisclosed ist um ein Mysterium zu erzeugen. Aber das war nur ein kurzer Gedanke. Könnte irgendwie ein Dalmore sein… 87/100

Speyside 1973 Maltbarn

Noch ein unbekannter Single Malt. Beeindruckende 46 Jahre, zuletzt in einem Sherryfass und mit 49,7% abgefüllt. Auch hier sind nur wenige Flaschen (68) auf den Markt gekommen. Ob der Angels Share hoch war oder das Fass geteilt wurde weiß ich nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Marzipan, schwere Holztöne. Eine Schwarzwälder Kirschtorte, die gerade direkt aus dem Kühlschrank geholt wurde. Auf der Anrichte steht noch der Rest Kirschwasser vom Tränken des Bodens. Ein Hauch Grapefruitschale. Oder doch eine Orange, die schon leicht drüber ist.

Mund: Eine cremige Textur legt sich um die Schleimhäute. Dann kommt eine grasige Note. Ansonsten sehr stimmig. Eine Süßspeise, die mit Zitrusschale abgerundet wurde. Stellenweise dabei sogar leicht seifig, aber noch nicht unangenehm.

Abgang: Canoli, dazu Limetten-Sorbet. Er wird leicht bitter. Zartbitterschokolade, kühlschrankkalt. Die überreifen Orangen sind zurück. Er schließt mit einer Mandelmilch oder eher einer Mandellotion.

Fazit: Sehr lecker, das Alter macht demütig, aber over the top ist er nicht. 89/100

Rhuvaal 2010 Maltbarn

Rhuvaal, so heißt ein Leuchtturm an der Nordspitze von Islay. Die nächstgelegene Destillerie ist Bunnahabhain, deshalb gehen wir mal davon aus, dass es sich hier um einen peated Bunna handelt. Neun Jahre im Sherryfass wurden 68 Flaschen mit 54,6% abgefüllt. Wenig Flaschen scheint das “Motto” dieses Outturns zu sein. Link zur Whiskybase

Nase: Big Peat! Seetang, frisch geschnittene Äpfel, Gischt. Die Nase im Wind.

Mund: Zuerst süß, dann etwas Birne, Salz, Gischt, Meer. Dann wieder süß, auch zeitweise sehr würzig. Ein ständiger Wechsel.

Abgang: Nussig und irgendwie schnell weg. Dann noch mal Kohlestaub und eine ordentliche Süße.

Fazit: Sehr lecker. Das Sherryfass ist vor allem durch die Süße präsent. Ich wünsche mir aber irgendwie noch was dreckiges und kantiges dazu. 86/100

Caol Ila 1999 Maltbarn

Ein CI in seinen frühen Zwanzigern. 118 Flaschen aus einem Sherryfass wurden mit 48,9% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Etwas Grünes, Moos vielleicht. Dann Torf, Seetang und Zitronen. Klassik Caol Ila. Dazu kommt noch Pappkarton.

Mund: Kurz süß, dann Kieselsteine und Zitronenlimo, danach wieder Peat

Abgang: Auch hier relativ süß. Dann Salzgebäck mit Wiesenkräutern. Wo ist eigentlich das Sherryfass abgeblieben? Nicht das ich es vermissen würde, aber es steht immerhin auf der Flasche.

Fazit: “Nicht Fettercairn-Level aber irgendwie geht mir was gegen den Strich bei dem” – Christian. Mir geht es nicht so. Ich finde den lecker. 86/100

Octomore 2010/2011 Maltbarn

Ein Vatting aus zwei Teilfässern Octormore. Ca. 20 Liter aus einem Bourbonfass und ca. 10 Liter aus einem Weinfass. Natürlich nur ein Experiment und auch als solches bezeichnet. Die Menge die dabei raus kam ist auch entsprechend klein: 42 Flaschen mit 58,3%. Link zur Whiskybase

Nase: Lapsang im Kuhstall. Ein frisch angefachtes Feuer, nach einigen Minuten kommt das Weinfass. Ich würde sagen Sauterne. Jemand hat eine Box Fishermens Friends aufgemacht. Ein Hauch Vanille. Stachelbeeren. Mit Wasser flacher, mentholiger.

Mund: Ein Zwicken in der Zunge, dann ein fruchtiger Wein zu einem Fisch-BBQ. Wir prosten uns zu. Süßer Rauch steigt auf.

Abgang: Extrem süß im ersten Eindruck. Später dann auch Sushi. Ein Obstsalat, der mit trockenem Wein angemacht wurde. Verschiedene Nüsse. Mit Wasser leicht metallisch.

Fazit: Ein wilder Ritt, aber ich mag den sehr. Tolles Experiment, besser als der letzte experimentelle Octomore den ich hatte. Viel besser. 90/100

So einen Outturn muss man auch erst mal abliefern

Wow. Hohe Qualität, außergewöhnliche Bottlings, was will man mehr? Über die Flaschenzahl und die Preise könnte man natürlich streiten. Aber ich glaube das ist für Martin, der hinter Maltbarn als Ein-Mann-Betrieb steht, auch nicht ganz einfach gewesen.

Ich habe mich immer sehr gefreut ihn an seinem Stand in Limburg zu treffen. War der Stress auch noch so groß, er hatte immer ein nettes Wort und ein Lächeln auf den Lippen. Das klappt dieses Jahr leider nicht im “Live”, aber ich hab ihn beim Schreiben vor dem geistigen Auge gehabt. Well done!

Bilder: Eigene Anfertigung (Christian), Samples: Privat gekauft