Massenmarkt vs. Small Batch vs. Einhorn. Drei von einer [Destille]: Laphroaig.

Würde man mich nach meiner Lieblingsdestille fragen, ich vermute Laphroaig käme mir als erstes in den Sinn. Das hat verschiedene Gründe. Klar bin ich vom Profil überzeugt. Das ist wohl die Grundvoraussetzung. Der Laphi 10 war darüber hinaus mein erster Single Malt. Gekauft für eine Pokerrunde vor über 10 Jahren, war es der Stein der alles in Rollen brachte. 2015 kam dann als bisheriger Höhepunkt der Besuch der Destille, inklusive eigener Abfüllung. Von einem der Whiskys dieser Tour habe ich ja schon berichtet.
Heute möchte ich einen weiteren davon reviewen, begleitet von einem absoluten Standard und einer unabhängigen Abfüllung.

Laphroiag Quater Cask, Original Bottling, keine Altersangabe, nicht kühlfiltriert, gefärbt, 48%
Bei den Quater Casks verwendet Laphroiag einen kleinen Trick um die Alterung zu Beschleunigen. Nach der Reiffung für 5-11 Jahre in normalen Bourbon Fässern kommt das Destillat für weitere 8-14 Monate in ein kleineres Fass (sog. Quater Cask). In diesen hat der Whisky deutlich mehr Kontakt zum Holz und man kann die Reiffung anschieben. Das Ergebnis ist ein bezahlbarer und überdurchschnittlich guter Whisky. Leider fehlt ihm damit die Altersangabe. Zusätzlich wird der Whisky gefärbt, damit er als Standardprodukt immer die gleiche Farbe hat. Das halte was ich für unnötig und es trübt das sehr gute Gesamtbild etwas.
Farbe: Gold
Nase: Torf, medizinisch, dezente Süße, etwas Rauch, ganz wenig Vanille und etwas Banane
Mund: cremig/ölig, sehr rund, weich und ausgewogen. Man sucht etwas vergeblich nach den Kanten
Abgang: gute Länge, vor allem Torf und etwas Hansaplast im Wechsel mit der Süße (Toffee)
Mit Wasser: Der ist so balanciert, da macht die Zugabe von Wasser keinen Sinn. 
Seit vielen Jahren ein Standard im Portfolio von Laphroiag mit absoluter Daseinsberechtigung. Ein leckerer Whisky, über den man nicht zu viel nachdenken muss. Der auch in einem Cocktail (z.B. Blood and Sand) Platz hat, den man aber jederzeit auch pur trinken kann. Die Fasstärke verleiht ihm die Fähigkeiten die Aromen zu platzieren während der “Reifungstrick” ihm eine Runde Ausgewogenheit gibt. 85/100

Chieftains Small Batch, Fässer 8601/8604, 14 Jahre, nicht kühlfiltriert, nicht gefärbt, 44,3%
Beim Besuch der Destille meinte unsere Führerin, dass nur wenige Fässer an unabhängige Abfüller gehen. Sie brauchen des Whisky selbst, so ihre Aussage. Hier haben wir sogar zwei dieser wenigen Fässer in einem Whisky. Ian Mcleod ist nicht nur das Familienunternehmen hinter Destillen wie Glengoyne oder Tamdhu, sondern auch unabhängiger Abfüller unter Labels wie Dun Bheagan oder wie hier Chieftain’s. Der Anspruch bei letzterem ist, Malts würdig einem König (oder eben schottisch Chieftain) auf den Markt zu bringen. Hohe Erwartungen müssen also erfüllt werden!
Farbe: Gelbgold
Nase: Untypsich metallisch/mineralisch, Torf, dezent medizinisch
Mund: auch unterwartet: grüne Trauben, wenig Torf, leicht süß
Abgang: Speck, Kalk, Süße präsenter
Mit Wasser: trockener,  er wird etwas “weinig”
Ein ungewöhnlicher Laphroiag der aber schon Spaß macht. Ich hätte mir gewünscht er wäre etwas stärker abgefüllt worden, das hätte den Aromen doch noch mal gut getan. Das war sicher auch geplant. Kann aber z.B. sein, dass eines der Fässer schon ganz nah an der 40%-Grenze war und man nur noch durch das zweiten Fass die (gelungene) Rettung schaffte. 86/100

Original Bottling, Fass 2533, Bourbon Hogshead, 7 Jahre, handabgefüllt, gar nicht filtriert, nicht gefärbt, 55,6%
250 Milliliter aus drei ausgewählten Fässern selbst abfüllen zu dürfen war natürlich ein Erlebnis für sich. Die Auswahl selbst war die berühmte Qual der Wahl. Ich kann mich aber noch gut erinnern, dass in unserer Gruppe von rund 10 Leuten nur wenige sich für Fass 2533 entschieden haben. Nachdem ich ihn jetzt noch mal genießen konnte weiß ich auch warum.
Farbe: Weißgold
Nase: Speck, dezente Vanille, präsenter Torf und als Überraschung Fichtennadeln
Mund: Von allem sehr Viel: Süße, Lagerfeuer, Torf, Verbände, Hansaplast und ein einsamer Apfel
Abgang: fantastische Länge, Süße ist immer noch da, Rauch tritt in den Vordergrund, etwas Speck und jetzt als Gast getrocknete Tomaten
Mit Wasser: Ändert in diesem Fall nichts am Erlebnis. Vielleicht war ich aber auch zu vorsichtig mit der Pipette, da ich nichts kaputt machen wollte.
Ein komplexes Monster. Dabei erfüllt es die Erwartungen gemäß Destillenprofil mit medizinischen, torfigen und rauchigen Aromen. Gleichzeitig ist da aber auch viel zu entdecken, was man vielleicht nicht erwartet hätte. Eines ist der Whisky aber sicher nicht: Perfekt ausbalanciert. Mit dem Feuer an Aromen und der dichten Süße muss man erst mal umgehen. 91/100

Fazit 
Wen wundert es, mein persönliches Einhorn schneidet am besten ab. Aber dabei ist mir auch absolut klar: Das wäre bei vielen anderen Tastern wohl nicht so. Die Ausgewogenheit eines Quater Cask sucht man beim Einzelfass vergeblich. Die Weißweinaromen aus dem Small Batch (vielen Dank an Alexander für Gelegenheit den Whisky zu tasten) wiederum würden sicherlich Fans als auch Unverständnis finden. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Qualität bei allem dreien unbestritten hoch ist. Ich freu mich schon darauf viele weitere Laphis zu erkunden.

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