
Ben Nevises
In Fort William gibt es eine der ältesten Destillerien in Schottland. Benannt nach dem höchsten Berg im Land, dem Ben Nevis. Mittlerweile in der Hand des Konzern zu dem auch die japanische Nikka Brennerei gehört. Heute habe ich eine schöne Vertikale davon am Start und am Ende sogar noch einen Dram aus der Zeit vor den Besitzern aus Fernost.
Ben Nevis 2012 Error 504 – Phil & Simon Thompson
72 Flaschen wurden befüllt nach fast zwei Jahren Finish in einem Ex-Stout Barrel. 51,6% hatte der Spirit da noch. Abgefüllt wurde von den Thompson Brüdern dann in der Error-Reihe, wie immer, wenn dann nur eine kleine Menge Flaschen dabei raus kommt. Link zur Whiskybase
Nase: Mineralisch, leicht säuerlich und fruchtig. Sauerteigbrot. Vor allem Krume. Ein paar Erdnüsse sind auch da.
Mund: Milder Pfeffer, prickelnd zitrussäuerlich, Fruchtschalen, leicht gesüßter Jogurt, helle Schokolade, grüne Früchte.
Abgang: Trocken, leicht bitter und metallisch. Zitrone, grüne Trauben, helles Brot, grüne Melone, Milchkaffee.
Fazit: Grundsätzlich sind Stout-Finishes nicht unbedingt mein Fall. Die Komplexität ist allerdings schon spannend. Das Finish hat gute Arbeit geleistet. 84/100
Ben Nevis 2010 – Phil & Simon Thompson
Vierzehn Jahr in einem Bourbon Hogshead. Danach ging es mit 51,3% in 417 Flaschen. Auch der ist von von den Thompsons abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Süß, mit einem Touch Erdnüsse. Dann Kakaobutter und jede Menge helle Früchte. Die offiziellen Notes sagen Brie, das kann ich gut mitgehen. Unser lokaler Käsehändler hat einen Büffelcamenbert, das würde hier gut passen.
Mund: Gewachste Früchte, knackige Säure, deutliche Süße. Vielleicht sogar ein paar Parafine aber auf jeden Fall jede Menge blankes Destillat, dass dem Alter entsprechend gut gereift ist.
Abgang: Mild und süß. Leicht fruchtig aber auch malzig. Viel Honig und Puderzucker, ein wenig linst die Gerste noch durch. Außerdem schöne Bitterstoffe die eine gute Balance bieten.
Fazit: Das ist mein Ding. Lecker, hinreichend komplex, vom Destillat getrieben – und fair im Preis. So soll das sein. Leider allerdings schon ausverkauft, davon hätte ich mir vielleicht eine Flasche für später weggestellt. 88/100
Ben Nevis 1997 – Whisky Fässle
Was sagt uns die Ente auf dem Label? Richtig, die Abfüllung stammt aus Besigheim vom Whisky Fässle. In diesem Fall ein 23-jähriger Ben Nevis aus einem Hogshead. Über die Flaschenanzahl hab ich nicht gefunden, aber das er 49,2% hat. Link zur Whiskybase
Nase: Plunder mit Fruchtpüree, jede Menge grüne und gelbe Früchte. Süße Vanillenoten, dazu eine leicht angebrannter Blätterteig. Dann kommt noch frisches Toastbrot, dass gerade in Milch eingelegt wird, bereit für French Toast.
Mund: Unglaublich weich trifft er auf die Zunge. Dann sind da verschieden Schichten an Früchten und unterschiedlichen Süßen. Als Konter gibt es noch fruchtige Bitterstoffe. Die braucht es aber auch.
Abgang: Am Ende dominierst die Süße. Etwas Butter, minimale Früchte und nahezu keine Bitterstoffe. Das ist fast ein wenig schade, denn bis hier hin war das nahe am Traumstoff. Ich hätte mir hier noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Die kriege ich aber leider nicht.
Fazit: Tolles Destillat, tolles Fass. Es hat nur der allerletzte Kick gefehlt. Zum Ausgabepreis war er wahrscheinlich eine gute Idee. Zu heutigen Preisen für mich aber nicht mehr. 89/100
Ben Nevis 1996 – The Whisky Jury
Apropos 23 Jahre in einem Hogshead. Auch der hier war in einem solchen. Refill, um genau zu sein. Die Whisky Jury hat sich allerdings ein Fass aus dem noch etwas berühmteren Jahrgang 1996 gesichert. Abgefüllt wurden 260 Flaschen mit 51,6%. Link zur Whiskybase
Nase: Erstmal sehr verhalten. Ein Hauch Brot, etwas Süße. Das wars. Ich lasse ihn mal ein paar Minuten stehen. Ein wenig weiter auf geht er, aber das ist immer noch sehr mild. Alkohol ist da keiner präsent. Dezente Vanille, etwas Früchte.
Mund: Jetzt kommt deutlich mehr Volumen raus. Aber das schreit einen immer noch nicht an. Das ist einfach nur weil die Nase so extrem zurückhaltend war. Da sind jede Menge Früchte, vor allem asiatische, aber auch ein paar aus den europäischen Gärten. Dazu etwas Heu, Tabak und Sahne. Alles zusammen in Molekularküchenform auf einem metallenen Löffel gebracht.
Abgang: Hm… das immer noch subtil. Aber jetzt hat er sich oder ich mich langsam eingeschwungen. Ein Haferkeks getränkt in Sirup und Fruchtsaft. Etwas Spice, Ingwer, Zitronensaft, ein Hauch Pfeffer. Die Länge ist ziemlich beeindruckend.
Fazit: Ein toller Whisky, der so für mich aber nicht funktionieren kann. Ich bin ein Nosing-Mensch. Der ganze Spaß beginnt mit meinem Geruchssinn. Das funktioniert hier nicht. Technisch gesehen kann ich aber nicht ignorieren, dass hier sensationelles Destillat und Fass aufeinander trafen. 87/100
Ben Nevis 1996 – Phil & Simon Thompson
Etwas mehr Geduld mit dem 1996er hatten die Brüder aus Dornoch. Nach 28 Jahren wurde das Refill Sherry Butt in 594 Flaschen gebracht. Das Bild von Masataka Taketsuru, dem Gründer der Nikka Destillerie, wird mit 47,8% Alkohol ausgeschenkt. Link zur Whiskybase
Nase: Vanilleplunder im Blätterteig. Dazu jede Menge Früchte. Pfirsich, Zitrone, Orange. Weiße Schokolade, Milchschokolade.
Mund: Unglaublich weich und samtig. Etwas Zitruswürze, Sonnenblumenöl und jede Menge Früchte. Sowohl vom Destillat, als auch vom Sherryfass. Das bringt auch Holz und Tanine mit. Aber gut gealtert und vollkommen unstressig.
Abgang: Süß und leicht würzig. Etwas Leder, schwarzer Tee und Tabak. Immer noch schön fruchtig. Jetzt kommen Rosinen und getrocknete Pflaumen dazu. Dazu noch ein paar andere Bitterstoffe. Milchkaffee-Level. Die Länge ist genial. Da kann man schön lange mit dem nächsten Schluck warten.
Fazit: Einer der besten 1996er die ich bisher hatte. Großartiges Bottling. Vor allem die Länge ist der Hammer. 91/100
Ben Nevis 1970 – Acla da Fans
43 Jahre im Bourbon Hogshead. Verrückt. Acla da Fans hat ihm dann zwei Bottlings gegönnt, erstmal in normalen 70cl Flaschen, später diese 35cl Flaschen mit dem Retro-Ski-Motiv. Irgendwie passend zum Berg, der gerne auch mal schneebedeckt ist und natürlich noch mehr zur Schweiz, wo der Abfüller ansäßig ist. Bevor ich es vergesse: 44,7% hatte er dann noch. Link zur Whiskybase
Nase: Old-style Sherry. Antiquariat, Ledertasche, Tabak, ein paar getrocknete Früchte und Blumen. Dazu kommen Limetten, Mangos, Sägemehl, Mandeln, Räucherwerk und Honig. Die Tiefe ist unglaublich.
Mund: Werthers Echte, Toffees ein Parfum dass aus den 1970ern sein könnte, Marzipan mit Rosenwasser. Viele Früchte dazu. Auch Trockenfrüchte.
Abgang: Weinbergpfirsich, Mango, etwas altes Holz, damit auch Bitterstoffe. Die Blumen kommen nochmal rum.
Fazit: Auch sehr lecker. Unglaublich gut gereift. Persönlich habe ich lieber weniger parfümierte und blumige Elemente. Aber das ist hier wirklich stimmig, deswegen komme ich schon auf 90/100. Aber eben nicht noch mehr.
Re-hyped
In meiner kleinen persönlichen Whiskyblase gab es schon mal eine kurze Zeit in der Ben Nevis wirklich viel Zuspruch hatte. Vor allem die 1996/97er. Das ist dann relativ bald abgeflacht, ich kann gar nicht sagen warum. Aber ich kann, nein ich muss sogar sagen, dieser Flight hat schon das Feuer neu entfacht. So macht das Spaß.
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Bilder: Titel: Von George Hodan unter CC0 Public Domain Lizenz | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft
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