Phantastische Laphroaig: Jung und alt

Auch wenn ich in letzter Zeit vielleicht ein wenig oft auf Islay verweile: Eine Runde muss aktuell noch sein. Denn es begab sich, dass Christian und ich unabhängig voneinander zwei über 30 Jahre alte Laphi erstanden haben. Das war eine tolle Gelegenheit sie gegeneinander zu probieren und außerdem auch gleich noch ein paar “Youngster” dagegen zu halten.

Laphroaig 2006 Jack Wieber’s Whisky World

Als erstes eine Abfüllung von einem deutschen unabhängigen Abfüller. In der mittlerweile beendeten Reihe Passenger Liners kam dieses Bottling auf den Markt. Nur 7 Jahre alt und 54,9% stark. Das Bourbon Cask gab dabei nur 120 Flaschen her. Link zur Whiskybase

Nase: Raue See wirft sich mir entgegen, während ich in eine Zitrone beiße. Süßlicher Rauch steigt auf. Deichgras weht im Wind.

Mund: Eine fast teerige Masse umschließt kurz die Geschmacksknopsen. Als es sich wieder öffnet sind da Salzzitronen in einem Pappkarton. Bananenblätter trocknen über einer rauchenden Glut.

Abgang: Im Abgang finde ich wieder das Salz, die Gischt und die Zitronen. Vielleicht mit einer Spur Ingwer. Es kommen Bitterstoffe hervorgekrochen und bringen Jod und Phenole mit.

Fazit: Ein junger und sehr lebendiger Malt, der sehr klar definiert ist. Spirit driven, wie man sagt. Für das junge Alter ist er dennoch komplex genug und die länge ist fast schon erstaunlich ausgeprägt. Am richtigen Tag ist das genau mein Ding! 90/100

Laphroaig Cask Strength 10-years-old Batch 003

Es geht weiter mit dem dritten Batch aus der Cask Strength 10 Reihe. Diese Originalabfüllungen kommt jedes Jahr mit einer begrenzten Anzahl an Flaschen auf den Markt. Genaueres erfährt man dabei nur selten. Dieser hier ist 2011 abgefüllt und 55,3% stark. Link zur Whiskybase

Nase: Salzig und maritim, rauchig und auch torfig. Da ist Seetang, ein wenig Vanille und Frucht. Aber alles sehr hintergründig. Wir stehen am Hafen würde ich sagen und es werden Waren verladen.

Mund: Wunderbar torfig und salzig. Das extrem ausgeprägt und füllt den Mund über und über. Dazu kommen Früchte mit BBQ-Sauce mariniert.

Abgang: Hinten raus wird es sehr trocken und salzig. Bitterstoffe finden die passenden Rezeptoren auf der Zunge und die archetypischen Jodnoten sind zu finden.

Fazit: Sehr lecker, genau das was ich von einem CS10 erwarte. Es fehlt ein wenig das allerletzte “Wow”. Das müssen diese Bottlings aber vielleicht auch gar nicht haben? 89/100

Laphroaig Cask Strength 10-years-old Batch 004

Mit der Abfüllung aus 2012 geht es gleich weiter. Der vierte Batch ist 58,3% stark. Zur Anzahl Flaschen und den Fässern schweigt man sich traditionell aus. Link zur Whiskybase

Nase: Salzig und gleichzeitig karamellig. Phenole, Jod, Bandagen, Medizin und Torf sind am Start, aber auch einige maritime Noten sind zu finden.

Mund: Damit geht es dann auch gleich weiter: im Mund angekommen wird es erstmal salzig. Dann kommen Früchte vom Grill. Trockenes Holz und angebranntes Holz. Der Torf und etwas Jod sind auch wieder da. Viel Volumen, viel Aroma und einfach nur viel ganz insgesamt.

Abgang: Nach dem Schlucken wird es noch intensiver. Kräuterbitter trifft Seesalz trifft Islay-Peat. Dazu gibts ein Honigbrot. Fantastisch und mächtig.

Fazit: Da haben Geruchs- und Geschmackssinn viel zu tun und zumindest bei mir auch jede Menge Spaß. Eine tolles 10CS-Bottling! Gerade im direkten Vergleich ist dieses Quäntchen Unterschied dann eben zu erkennen. Einzeln verkostet… 90/100

Laphroaig Cask Strength 10-years-old Batch 012

Ein letzter CS10 für heute: Die Abfüllung aus 2020. Das zweite Jahr mit einem grünen Streifen. Ich hab mal gelesen ab Batch 011 wurde die Flaschenzahl deutlich erhöht und es ist nur noch Spirit der nach der Übernahme durch Beam/Suntory gebrannt wurde. Lt. Base sind es Bourbon Casks gewesen. Normalerweise ist aber schon noch etwas Sherry mit am Start. Auf jeden Fall hat er 60,1%. Das ist schonmal eine Ansage. Link zur Whiskybase

Nase: Seetang, Torf, salziges Popcorn, Bandagen und ein wunderbar verkohltes Stück Fleisch vom Grill. Für Leute die wissen was ein “röscher Bauch” ist und für die schwarz die richtige Farbe für Grillgut ist 😉

Mund: Ketchup zum Fleisch. Torf und auch Holz, sowie Seetang. Insgesamt eine gute Balance. Nach einiger Zeit kommt er mir erdig vor. Fast schon ein Waldboden. Getränkt mit Sherry.

Abgang: Es bleiben dann noch Kohle, Sherry und Torf. Bandagen kommen wieder und es gibt Äpfel vom Grill. Der erdige Eindruck kommt wieder, mit Lakritze und erneut Sherry.

Fazit: Ziemlich gut, fürs oberen Ende reicht es für mich nicht ganz. Das hier keine Sherryfässer am Start waren, das kann ich irgendwie nicht glauben. 89/100

Laphroaig 1990 Malts of Scotland

Was macht man als Whiskyclub zum 30jährigen bestehen? Genau man bringt einen 30 Jahre alten Laphi raus. Abgefüllt durch Malts of Scotland für den Nürnberger Highland Circle. Beeindruckend. 212 Flaschen gibt es mit fassstarken 53,2% Link zur Whiskybase

Nase: Uraltes bröseliges Salzkaramell dazu Seetang, Erde und Humus. Nach 30 Minuten im Glas: Süßes Konfekt, bunte Lakritze, Vanille, Apfel und auch ein Tag am Strand. Das ist ziemlich geil.

Mund: Gischt und Seeluft und Seetang und leichter entfernter Rauch. Dazu salzige Zitronen, vor allem nachdem er atmen durfte.

Abgang: Wieder Zitronen, wunderbarste Zitronen. Rauch und Seetang sind wieder da und mit Sauerstoff kommen viele Bitterstoffe.

Fazit: Lecker. Die Nase nach 30 Minuten ist eine Wucht. Auch der Abgang hat wirklich viel Schönes. Ich bin sehr froh, dass wir den Tipp bekommen haben ihn atmen zu lassen. Sonst wäre es eine Enttäuschung gewesen. 89/100

Islay Single Malt Scotch Whisky 1989 Phil & Simon Thompson

Wenn du denkst du füllst etwas beeindruckendes ab, was machen dann die Thompson Brüder? Eins mehr. Ziemlich zeitgleich aber wahrscheinlich wirklich absolut unabhängig voneinander haben sie einen 31-jährigen Laphi abgefüllt. Genauer ein Islay Fass unbekannter Herkunft aus dem Jahr 1989. Bzw. die Herkunft ist ihnen schon bekannt, sie durften sie nur noch preisgeben. Sie haben dafür kurzerhand auf dem Label einen Modellbausatz der Destillerie abgedruckt. Und wenn man dort war oder Bildvergleiche macht (siehe auch das Beitragsbild oben) … nun es ist eindeutig. Da ist Laphroaig abgebildet. Der Inhalt der Flasche ist 31 Jahr alt, stammt aus einem Refill Barrel und ist 51,9% stark. Es gibt 259 Flaschen (bzw. gab, eine hab ich aufgemacht ;-)). Link zur Whiskybase

Nase: Bandagen, Phenole und Ananas. Nach einiger Zeit Toffee und Fudge. Wieder etwas später dann deutlich mehr Früchte. Grüne Bananen, gelbe Pflaumen, unreife Mango.

Mund: Salzig und maritim, wieder die Toffees dazu. Wenn man ihn lange kreisen lässt, dann kommen Nüsse dazu und es wird fasst schon ein Mr. Tom Riegel. Dann ändert er sich nochmal und die Mango wird reif. Dazu gibt es Vanille.

Abgang: Bitterstoffe, Bitterstoffe, Bitterstoffe. Und das ist nichts schlechtes. Wie bei den besten Cocktailbitter und Amaro entfaltet sich dadurch eine eigene Geschmackswelt. Untermalt durch getrocknete gelbe Früchte und einer anschwellenden Trockenheit.

Fazit: Das ist eine Wucht. Auch hier braucht es etwas Zeit, bis sich alle Aromen entfalten. Warum auch nicht. Wenn wir dem Whisky 31 Jahre im Fass gönnen, dann können wir auch noch 20 Minuten im Glas abwarten, oder? 90/100

Unterschiedlich und gut…

… nicht jedoch unterschiedlich gut. Das ein extrem hohes Niveau und manchmal passt kaum ein Blatt Papier zwischen die 89 und die 90. Toll das alles probieren zu dürfen und die klare Abgrenzung zwischen den jungen Wilden und den würdig gealterten Laphroaig zu sehen.

Was mir dabei aber in den Sinn kam: Vielleicht verstehe ich 30 Jahre alte Laphroaig auch (noch?) nicht. Es gibt viele Liebhaber und Connaisseure, die diese Bottlings mit noch ein paar Punkten mehr versehen und auch einen Abstand zu den Youngstern sehen. Da geht es mir subjektiv anders. Beides hat aber seine Berechtigung und ist in meinen Augen hier einfach nur großartig.

Bilder: Eigene Anfertigung | Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft