Altes Zeug VI
Es war mal wieder an der Zeit für einen zusammengewürfelten Haufen alter Samples. Startschuss auf Islay, dann geht es über die Lowlands und Speyside in die südlichen Highlands. Der Kreis schließt sich auf Islay.
Bowmore 1968 DT – Cask 1429
Eichenfass 02.1968 bis 07.2005 / 42,8%Vol. / Link zur Whiskybase
Ein ‚Rare Auld‘ in der Tat von Duncan Taylor. 37 Jahre gereift und dann in Fassstärke abgefüllt. Von den ursprünglich 182 Flaschen dürfte nicht mehr viel übrig sein.
Nose: Megafruits! Mango-Maracuja vom Feinsten, flankiert von Melone, Banane und Sternfrucht. Orangenfilets in sämigem Honig und Kirschkuchen mit Haselnüssen – alle Früchte sind klar und intensiv mit der richtigen Balance aus Süße und Säure. An der Eiche haftet dezenter Holzstaub. (92)
Taste: Ein fruchtiges Potpourri serviert auf würzigem Eichenholz. Ziemlich tropisch, vor allem das Mango-Maracuja-Püree sticht heraus. Die Nusskomponente geht ein wenig in Richtung Nougat, was hervorragend zu Tabak und den salzigen Ascheresten passt. (92)
Finish: Überraschend dicht am Eichenholz dran, erst nach vielen Gewürzen und diversen Nüssen schaut auch die gelbgrüne Frucht auf einen Sprung vorbei, die Mandarine auch länger. Die Asche ist extrem samtig und staubig. (91)
Fazit: Multivitaminsaft auf Steroide. Trägt ganz klar die Handschrift von Morrison, eine Frucht, wie es nur Bowmores aus der zweiten Hälfte der 60er und den 70ern vermögen.
Rosebank 15 Jahre
Eichenfässer / 50%Vol. / Link zur Whiskybase
Eine Keramik aus den 80ern mit Inhalt aus den 70ern oder früher. Diese Originalabfüllung wurde von Zenith Import in Italien in den Verkehr gebracht.
Nose: Leicht und süß, neben blumigem Honig zählt Ananas zu den Aromen der ersten Minuten. Viele wachsige Elemente, auch einige würzige. Eine Zimtschnecke kriecht auf leisen Sohle heran. Kandierte Zitrusfrüchte und Apfel entfalten sich mit einem Hauch von Kräuter. (88)
Taste: Der zeigt gleich, dass er ordentlich fruchtig ist, erst geht es in eine sehr gelbe, später in eine grünliche Richtung, á la Pfirsich und Melone. Gleichzeitig ist er aber auch ziemlich würzig, pfeffriges Eichenholz und süßes Malz zeichnen sich hierfür verantwortlich. Außerdem hat er eine fettige Peat-Note, wie ich sie sonst nur vom Nachbarn St. Magdalene kenne. Erneut wurde etwas kandiert, vielleicht Nüsse. (89)
Finish: Aufgrund der fettigen Asche und der Gewürze sehr lang. Das süße Gerstenmalz ist auf bestem Weg, sich in Marzipan zu verwandeln; Mandeln sind da in jedem Fall im Spiel. Dann wird es auch noch so richtig kerzenwachsig. (89)
Fazit: Einer dieser Malts, die zwei sehr unterschiedliche Gesichter haben und ich muss gestehen, dass ich ihn in der Nase als fast ein wenig zu brav empfunden habe; da ist er den Rosebank der 90er vielleicht ein bisschen zu ähnlich gewesen. Aber er hat dann doch noch ein Feuerwerk gezündet und gezeigt, dass er mehr Old School unterwegs ist.

Strathisla 1970 GM
40 Jahre im Eichenfass bis 2011 / 43%Vol. / Link zur Whiskybase
Was feines von Gordon & MacPhail: ein langzeitgereifter Sherryfass-Strathisla. Normalerweise bin ich kein Farbtrinker, aber diese dunkle Suppe lässt mein Herz höher schlagen.
Nose: Kupferpfennige sitzen im Ledersessel. Durch Schokolade und Nusscreme sehr reich und dick. Die Frucht gibt sich überraschen gelb, Zitrone und Banane etwa, leicht tropisch. Nur eine einzelne Rosine in einem Hauch von Asche. Gewürze gelangen an die Oberfläche. Eine Umaminote entsteht. (92)
Taste: Ölig und einfach genial. Es beginnt mit Lederpolitur, Edelholz und Nussaufstrich. Die gelben Früchte weisen eine gewisse Säure auf, wie bei Mango und Maracuja. Später kommt auch Birnenkompott dazu. Das ganze wird von Eiche und Nelke unterstrichen. (93)
Finish: Kaffeeschokolade, Karamell und Haselnussgalore, intensiv und fett. Maracuja und Mango tun sich mit dem Kupfer zusammen. Die Vanille und Schuhcreme sind vom Feinsten. Sanfte Trockenheit und sanfte Gewürze. (93)
Fazit: Endlos gut. Genuss pur. Hier kommt vieles zusammen – das richtige Fass, das richtige Destillat, die richtige Reifezeit… dickes Lob an G&M.
Glengoyne 1972 JW – Cask 4201
37 Jahre im Eichenfass / 51,2%Vol. / Link zur Whiskybase
Zurück zum fassstarken Einzelfass. Mit nur 120 Flaschen wandelt diese schicke Ding an der Grenze zur Kleinstauflage – ein toller Fang von Jack Wieber.
Nose: Initial etwas bourbony, klebstoffig, aber das verfliegt recht schnell und Shortbread und Kokos übernehmen. Von Beginn an ist eine frische, lebendige Frucht deutlich vorhanden, für mich jedoch schwer zu greifen. Es sind definitiv tropische Elemente (Maracuja!), Garten- & Zitrusfrüchte sowie einzwei Steinobst-Vertreter im Mix, ein schönes Potpourri. Erst cremiges Marzipan, dann auch Bienenwachs und flüssige Zartbitterschokolade dringen sukzessive an die Oberfläche und unterstreichen dabei den moderat öligen Charakter des Malts. (92)
Taste: Auch hier erst mal bourbony unterwegs, allerdings mit wesentlich mehr Kokosnuss. Die reichhaltige, gelbe Frucht, die von einer Mango-Bienenwachs-Kombi dominiert wird, wird außerdem von Gerstenmalz und würzigem Eichenholz flankiert. Mandeln, Tabak und Möbelpolitur stimmen einen Dreiklang an. Die Tannine zeigen sich erdig und gut dosiert. (91)
Finish: Schmackhaft und langanhaltend – morsches Holz, verfeinert mit erdigen Gewürzen und grasigen Nüssen. Obendrüber liegen Überbleibsel vom Fruchtmix, immer noch klar und lebendig. (91)
Fazit: Glengoyne funktioniert auch ohne Sherry. Zugegeben, mit 37 Jahren sollte eigentlich jeder vernünftig gelagerte Whisky gute Ergebnisse erzielen. Die Frucht ist jedenfalls fantastisch und drumrum ist auch alles in bester Ordnung. Ein Dram, der Gemütlichkeit transportiert.

Port Ellen 1982 OB – Cask 2039
28 Jahre im Eichenfass bis 2010 / 57,5%Vol. / Link zur Whiskybase
Old Bothwell war ein schottischer Abfüller, der hauptsächlich Port Ellen unter’s Volk gebracht hat. Nummer 2039 war für den deutschen Markt. 2013 sind ihnen dann die Fässer ausgegangen.
Nose: Der Rauch ist stabil und mit Mineralien, Salzen sowie Räucherschinken angereichert. Die PE-Zitrone ist eher reif, wird dann aber von einer cremigen Welle aus Pfirsich, Nektarine und Mango überrollt. Daraus entwickelt sich ein Mix aus Dosen- und Grillobst, mal mit Puderzucker, mal mit Wachs und Zimt. Aus dem Rauch wird Kohle, was das Stichwort für Eiche und öliger Haselnussaufstrich zu sein scheint. (91)
Taste: Mehr Ruß als Asche, viel mehr Ruß. Bekommt dadurch einen sehr würzigen Einschlag, aber da steckt auch die Eiche dahinter. Die Zitrone benötigt deswegen etwas Zeit, zeigt sich aber standesgemäß klar und im Verbund mit Salzlake. Bandagen – speckig, iodiert und dieselgetränkt – agieren unter einem metallischen Klang. Die Nektarine und die anderen gelben Früchte erhalten Besuch von Vanille. (90)
Finish: Die Asche hat aufgeholt und bietet dem Ruß Paroli. Stets würzig und auch salzig, ziemlich salzig um genau zu sein. Das Eichenholz sendet trockene und nussig-grasige Signale aus. Ein bisschen Tabak und nur Nuancen von der Zitrone. (90)
Fazit: Reiht sich gut in die Riege der späten Port Ellen ein – nicht immer geradlinig, aber wuchtig wenn man ihn lässt. Hat so manche Überraschung parat, sobald man glaubt, ihn verstanden zu haben. Vor allem am gelben Obst lässt sich sein hohes Alter gut ablesen.
Durch die Bank hervorragende Malts und die Gelegenheit, so rare Tropfen probieren zu können, macht mich glücklich.
Mehr zu: Bowmore, Glengoyne, Port Ellen, Rosebank, Strathisla
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Samples privat gekauft | Titelbild eigenangefertigt, Flaschenbilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase



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