The Cairn, Juli 2024

Newcomer (F)

Während meines Schottlandurlaubes konnte ich Drams von Aberargie, Bonnington und Cairn eintüten, womit wieder ein Fünferpack für meine Reise durch Schottlands neue Brennereien vollständig war. Zusammen mit Dalmunach und der Glasgow Distillery sind drei Lowlander und zwei Speysider am Start.

auf dem Etikett wird eine Whiskyflasche per Guillotine geköpft - ein dezenter Hinweis von Phil und Simon, wie ihrer Meinung nach mit solchen Vagabunden zu verfahren ist

Dalmunach 2016 PST

Refill Barrel von 17.02.2016 bis 04.2024 / 49,1%Vol. / Link zur Whiskybase

Dalmunach wurde ab 2013 auf dem Gelände der ehemaligen Imperial-Brennerei errichtet. Die Produktionskapazität von 10 Mio. Liter Reinalkohol pro Jahr macht sie zu einer der größten Whiskydestillerien Schottlands. Der Großteil davon wandert in die Blends von Pernod Ricard, doch gelegentlich tauchen bei unabhängigen Abfüllern Fässer auf, so wie dieses Refill Barrel von den Thompson-Brothers. Eine der 340 Flaschen hatte Tobias geteilt.

Nose: Zweifellos fruchtig, aber auch immer noch hefeteigig, wie ich es von anderen jüngeren Malts kenne. Auch Süße ist vorhanden, sodass die Nase hauptsächlich helle, heimische Früchte birgt. Streuobstwiese mit Bienenkästen, gewissermaßen. Mit etwas Abstand folgen noch Zitrusfrüchte, teils kandiert, Holz und Banane. (81)

Taste: Ziemlich malzig und erneut Hefeteig, der Alkohol ist jetzt nicht so gut eingebunden. Das Fassholz bringt Gewürze und Tannine. In der tendenziell trockenen und herben Umgebung blitzen ab und zu Zitrusfrüchte auf, doch auch Nüsse und Ingwer fühlen sich wohl. (79)

Finish: Dicht Gerstenmalz erst mal, sonst nichts. Später kommt mit Vanille und Mandeln, sowie Wachs und Anflügen von Früchten doch noch ein bisschen Abwechselung rein. Insgesamt zu herb. (78)

Fazit: Die eine oder andere solide Veranlagung ist vorhanden, abholen kann dieser Malt mich jedoch absolut nicht. Acht Jahre in einem Refillfass sind schlichtweg zu wenig Zeit, um einen adäquaten Reifegrad zu erreichen.

für diesen Whisky wird nur Gerste verwendet, die auf dem umliegenden Feldern wächst

Aberargie Inaugural Release

1st Fill Bourbon Barrels & Sherry Casks bis 2025 / 48,2%Vol. / Link zur Whiskybase

Ein bisschen der Gegensatz zu Dalmunach. Die Farmbrennerei Aberargie wurde im Perthshire von der Familie Morrison (Morrison-Mackay & ehem. Morrison Bowmore) erbaut. „Nur“ 0,75 Mio. Liter Jahreskapazität, die fast komplett als Single Malt abgefüllt werden. Wobei aktuell das meiste noch in Fässern lagert, denn erst in 2025 kam das Debütalbum heraus. Dieses stammt fiftyfifty aus Bourbon- und Sherryfässern, es wurde zu 48% Laureate plus 52% Golden Promise verwendet. Das Destillat ist maximal acht Jahre alt, denn erst seit November 2017 wird bei Aberargie gebrannt.

Nose: Beide Fassarten sind vom Start weg vertreten, die amerikanische Eiche mit Biskuit und der trockenfruchtige Sherry. Die Süße kommt mir relativ dicht und reichhaltig vor, aber ohne dass der Whisky davon total überlagert wäre. Rote Beeren und Apfel mit Honig sind jetzt die Hauptaromen. Ein wenig Limette schiebt sich dazwischen, eine wichtige Erfrischung. (83)

Taste: Bringt mir zu viel Alkohol auf die Zunge. Der Sherry hat außer getrockneten Datteln und Honig wenig zu bieten. Bisschen helles Eichenholz noch. (79)

Finish: Die Eiche wird ein gutes Stück trockener, der Sherry ziemlich dünn. In der Folge schwärmen Datteln, Honig und Tannine aus. Immerhin wärmt er. (80)

Fazit: Wie viele Erstlingswerke ist auch dieses fassgetrieben, wobei die Qualität der Sherryfässer nicht sonderlich gut ist. Das Destillat selbst spielt aufgrund der zu kurzen Lagerzeit nur eine Nebenrolle, bislang sagt es mir aber nicht zu.

Whiskybrennereien, die aktuell in der schottischen Hauptstadt operieren: Bonnington, Holyrood, Port of Leith

Bonnington 2020 Inaugural Release – Cask 03

Full Term Ruby Port von 24.03.2020 bis 20.10.2023 / 52,3%Vol. / Link zur Whiskybase

Bonnington ist eine der drei in Edinburgh ansässigen Brennereien. Sie befindet sich im Stadtteil Leith und destilliert seit 2020. Für die allererste Edition wurde ein Ex-Portwein-Fass ausgewählt. Die Auflage beträgt 502 Flaschen in Fassstärke, mein Dram stammt aus Flasche Nr. 130.

Nose: Die rötlichen Früchte und frischen Rosinen des Ports sind sofort prominent und extrem einladend. Zartbitterschokolade passt da gut dazu. Durch Karamell und Honig insgesamt ein ziemlich süßer Malt. Ein wenig Zimt klopft an. (82)

Taste: Auch hier dominiert der frische Port und erzeugt ein öliges, weiches Mundgefühl, wobei jetzt auch die Eiche mehr von ihren Gewürzen und holzigen Tanninen zeigt. Einige Zitrusfrüchte sind gut integriert. Man merkt jedoch, dass der klebrige Port einen jungen Brand zu überdecken versucht. (80)

Finish: Schokoladige Tannine treffen auf Eichenholz und interessante fleischige Eindrücke. Der Spirit scheint recht gewichtig zu sein, wohl aber auch fruchtig. (81)

Fazit: Da gab es in den letzten Jahren bessere Erstlinge, allerdings auch schon schwächere. Bin gespannt auf ein älteres Bottling, bei dem das Destillat mehr mitzureden hat.

der Name kommt von Carn - damit werden herumliegende Steinhaufen bezeichnet, die zum Beispiel zahlreich im nahegelegenen Nationalpark Cairngorms zu finden sind

The Cairn 3 Jahre – First Peek

1st Fill Sherry Hogsheads bis 26.11.2025 / 57%Vol. / Link zur Whiskybase

In den Außenbezirken der Speyside liegt die Brennerei The Cairn. Sie gehört dem unabhängigen Abfüller Gordon & MacPhail, der auch Benromach im Portfolio hat. Eigentlich hätte der erste Malt erst in 2034 im Alter von 12 Jahren abgefüllt werden sollen, doch um sich das Recht zu sichern, The Cairn als Markenname zu verwenden, war G&M gezwungen, diese dreijährige Abfüllung auf den Markt zu werfen. Der Dram stammt aus Flasche Nr. 586 von 1.000 und wurde in der Dornoch Castle Bar gezapft.

Nose: Der Sherry ist heftiger, als es die Farbe vermuten lässt. Dunkle Datteln, schwarze Johannisbeeren, saftiger Pflaumensirup und so. Die Qualität ist in Ordnung, aber nicht vollends überzeugend. Doch das Bienenwachs und die Gewürze können das halbwegs kompensieren. Gelegentlich Vanillesauce und Karamell. (82)

Taste: Jung und alkoholisch, wenig Tiefe. Der Sherry zeigt sein hässliches Gesicht, klebrig und bitter wie die Haut von getrockneten Datteln. Insgesamt treiben sich einige Tannine herum, mal eichig, mal schokoladig, mal ledrig. Das ist mir zu einseitig, da können auch die zugegebenermaßen ansprechenden Gewürze und Tabak wenig dran ändern. (79)

Finish: Der Alkohol wärmt. Schokoladige Bitterstoffe mit Beeren und Eiche breiten sich aus. Auch Leder und Gewürze nehmen viel Raum ein. Durch den süßlichen Sherry ziemlich klebrig und honigartig. (80)

Fazit: Nix für mich, aber er wird seine Fans finden. Der billige Sherry macht aus meiner Sicht viel kaputt. Er unterdrückt den Charakter des Destillats, welcher für mich das spannendste an einem so jungen Whisky gewesen wäre. Das Fassholz wiederum ist für mich der Star hier.

vom ersten Batch gab es insgesamt 750 Flaschen

Glasgow 1770 Original Cask Strength – Batch 01

1st Fill Bourbon Casks, Finish in Virgin Oak Casks / 61,3%Vol. / Link zur Whiskybase

Der Name deutet es an: diese Brennerei liegt in Glasgow. Produziert wird seit 2015, die Aufmachung ist hip und von der Firma gibt es auch Rum, Gin und Wodka zu kaufen. Diese fassstarke Abfüllung trägt den Beinamen ‚Fresh and Fruity‘, es erfolgte ein sechsmonatiges Finish in frischen Eichenfässern von der Kelvin Cooperage in Kentucky.

Nose: Intensive Banane, aber eher von der künstlichen Sorte. Ananas und Apfel ragen ebenfalls hervor. Eiche, Malz und Kokos münden in Würze und Zartbitterschokolade. Karamell in größeren Mengen, ab und zu Bienenwachs. New make kommt durch, hat was von Turkish Delight. (79)

Taste: Die frischen Eichenfässer machen sich nochmal mehr bemerkbar als in der Nase. Lebendige gemahlene Gewürze, Nüsse und grasige Mandeln sind das Resultat. Die Bitterstoffe sind präsent, aber nicht aufdringlich und außerdem schön schokoladig. Flüssiger Honig, von brauchbarer Qualität, verleiht dem Malt eine ordentliche Dichte. Äpfel. Viele Äpfel. (78)

Finish: Noch harsch und metallisch jung mit etwas zu viel Turkisch Delight. Das Holz bringt fette Gewürze und Kokosnuss. Wieder der Honig und die Äpfel. Trotz des Holzes ziemlich süß. Die Mandeln passen da super rein. (79)

Fazit: Puh, der ist zu jung, auf fünf Jahre würde ich ihn maximal schätzen. Die Fässer haben zwar bereits einigen Einfluss auf den Spirit genommen, das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das Produkt weit davon entfernt ist, reif zu sein. Immerhin, der Spirit scheint Potential zu haben, jedoch resoniert der Stil und auch das Fassmanagement von der Glasgow Brennerei überhaupt nicht mit mir. Ich empfehle auf jeden Fall Wasserzugabe.

Diese Runde war überschaubar erfolgreich. Bei den dreijährigen Tropfen war das auch nicht anders zu erwarten, doch es hat sich wieder mal gezeigt, dass Malts auch mit acht Jahren selten bereits trinkreif sind. Daran ändern auch die ganzen 1st Fill Fässer nichts. Ich hab das Gefühl, dass ich mich wiederhole. Immerhin ist bei dem einen oder anderen Destillat langfristiges Potenzial zu erahnen. Den Schnellschuss von Cairn kann ich aufgrund des rechtlichen Kladderadatz nachvollziehen und hoffe, sie warten jetzt acht Jahre bis zum nächsten Ding.

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Samples privat gekauft | Bilder eigenangefertigt (Titelbild) bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase