Immer mehr Speyside im Glas (Teil 20)
Heute gibt es 3-2-1, erstmal drei Aultmore, dann zwei Benrinnes und am Ende einen Glenburgie. Ohne großen Grund, einfach weil es so in die Reihenfolge der Reviews gepasst hat. Darf auch mal sein.
Aultmore 2011 Allfather Trilogy II – Signatory Vintage for whic.de
Aus der Allfahter Reihe der Old Gods Serie von Whic kommt „Hanging from the World Tree“. Ein 14 Jahre alter Aultmore aus dem 1st Fill PX. 341 Flaschen mit fast 62% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Da schreit alles nach PX. Oder fast schon Cream Sherry. Deutlich Süße weht einem entgegen. Gezuckerte Fruchtnoten. Für mich erstmal viel versprechend und einladend.
Mund: Ölige Textur. Erste Assoziation geht in Richtung Dattelsirup. Dann kommt Feige, dann wird es etwas künstlich-alkoholisch
Abgang: Erstaunlich kurz für die Alkoholstärke. Leicht balsamisch mit einem alkoholischen Nachgang. Insgesamt weiterhin erwartbar süß.
Fazit: An Ende vielleicht ein wenig hinter den Erwartungen. Der zweite Teil einer Trilogie tut sich ja oft schwer, vielleicht ist das auch hier so. 84/100 Vielen Dank an den lieben Floh, der dieses Sample für dieses Blog einem Review unterzogen hat!
Aultmore 2012 – Whiskybase
Anlässlich 260.000 Flaschen in der großen Whiskydatenbank hat man einen 13-jährigen Aultmore abgefüllt. 294 Flaschen mit 62,3% wurden aus einem Hogshead abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Erstaunlich wenig alkoholische Dämpfe. Laktische, leicht käsige Einschläge. Dazu Zitrone und Limette. Leicht mineralisch, frisch gemähtes Gras. Etwas Nougat, wenn ich ein Nasenloch abdecke. Mit mehr Luft sind Haselnuss und Vanille dominant.
Mund: Getrocknete Zitronen, Pfeffer. Sehr weich und samtig. Der Alkohol ist unglaublich gut eingebettet. Dann geht es über in Vanillesirup, saure Kaffeenoten. Wieder die grasigen Noten. Der Käse geht jetzt in Richtung Feta.
Abgang: Tolle Röstaromen, vor allem Kaffee. Leicht salzig und süß. Gut strukturierte Bitterstoffe, sehr trockene, dunkle Schokolade. Eine frische Note, Richtung Menthol, lässt zum ersten mal die über 60% erahnen. Dann kommen die Limetten noch mal. Jetzt vor allem Abrieb.
Fazit: Fühlt sich jetzt nicht unbedingt wie ein Jubiläumsbottling an. Aber die Qualität des Spirits und ein paar Eckpunkte bei Struktur, Porfil und Integration von Alkohol machen sehr viel Freude. Solide. 85/100
Aultmore 2014 – Phil & Simon Thompson
Und der dritte direkte Vergleichskandidat. Bourbon Hogshead, 11 Jahre, 300 Flaschen 56,1%. So wurde er von den Thompsons abgefüllt. Kein spezieller Anlass. Link zur Whiskybase
Nase: Deutliche Süße, einiges an Vanille. Ich würde sagen Vanillepudding. Mentholfrische bis hin zu Pfeffer. Dahinter liegen saftige, leicht gärende Früchte.
Mund: Knackige Säure, weißer Pfeffer, frische Fruchtnoten. Die offiziellen Notes sagen Kiwi und Erdbeere. Warum nicht, damit kann man arbeiten. Dann kommt auch die Vanille wieder, jetzt sehr pur.
Abgang: Trocken, fast schon Quarkqualität. Leicht betäubend auf der Zunge. Dann kommen Honig, Vanille, Zitrone. Sehr würzig und lange sehr voluminös.
Fazit: Trinkiger als der Vergleichskandidat. Aber irgendwie langweiliger. Das ergibt dann wahrscheinlich die gleichen Punkte. Aber von dem her würde ich wahrscheinlcih an einem gemütlichen Abend eher ein zweites Glas trinken. 85/100
Benrinnes 1997 – Phil & Simon Thompson
27 Jahre im Refill Hogshead, das ist mal eine Ansage. 170 Flaschen mit 51,9% konnten die Thompson-Brüder in die Flaschen bringen. Link zur Whiskybase
Nase: Honigwaben, Butterkekse, Honigwaffeln, Karamell. Zarte Nussnoten, eine ebenso fragile Würze, die sich aber mit mehr Sauerstoff immer stärker durchsetzt. Dazu kommt noch Zitronenabrieb, getrocknete Zitrone, ein Hauch Vanille und etwas Rosinen. Irgendwas in mir sagt „Strudel“.
Mund: Intensive Würze und Bitterstoffe. Dunkler Tabak, Schwarztee, zerriebene Fruchtkerne. Gelbe Pflaumen und Weinbergpfirsiche strengen sich dagegen an.
Abgang: Die Bitterstoffe bleiben, dazu kommt jetzt wieder die Süße aus der Nase. Wenn man tief einatmet kommt noch Menthol dazu. Gute Balance, satte Länge. Wenn man ihn schön lange kaut, dann kommt langsam das Holz durch und man merkt wie die fast 30 Jahre gearbeitet haben.
Fazit: Was ein feines Tröpfchen. Ich vermute jede Person, die ein Fass so lange liegen lässt, wünscht sich einen solchen Ausgang. Toll! 90/100
Benrinnes 13-year-old „Evening Blaze“ – Brave New Spirits
Der zweite Benrinnes stammt von Brave New Spirits, die seit 2015 als unabhängige Abfüller aggieren. Aus der Reihe TheWhiskyHeroes kommt der Evening Blaze. 312 Flaschen mit 54,9% wurden aus dem 1st Fill Oloroso abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Würzige Noten von Tabak und Pfeffer. Dagegen steht ein leicht verbrannter Apfelstrudel. Ein paar Trockenfrüchte und Nüsse sind auch noch da. Der Alkohol allerdings auch. Der ist mir ein wenig zu präsent.
Mund: Schwefel (mittel), saure Butter, rote und dunkle Früchte, Haselnuss und Tabak,
Abgang: Bitter und süß, leicht metallisch, schwefelig und salzig. Ansonsten keine Tiefe mehr.
Fazit: Puh. Also ich glaub nicht dass wir Freund werden. Das ist nah an der Fehlnote und das einzige was ihn irgendwie rettet ist, dass Benrinnes und Sherry gut funktionieren. Die nussige Note und die Früchte passen einfach. 82/100
Glenburgie 2015 – Claxton’s
In ihrer Explorations Series will Claxton’s vor allem Fässer erkunden. Die eher jungen Malts werden dabei vollgereift (hier in einem 1st Fill Tawny Port Barrique) und mit 50% abgefüllt. Der Glenburgie hier hat 9 Jahre Reifung erhalten. Link zur Whiskybase
Nase: Honig, Wachs und Kräuter. Etwas Holz und vielleicht auch Tabak. Holt mich ingesamt aber nicht besonders gut ab.
Mund: Cremig und leicht pfeffrig. Weniger süß als befürchtet, aber schon prägnant. Vanille, Kräuter, Trockenfrüchte und jede Menge Nüsse.
Abgang: Bitter, leicht metallisch und kühlend mit Eukalyptus. Beeren und Süße sind auch noch da, genauso wie die Nüsse.
Fazit: Sind nur 9 Jahre, insofern muss man jetzt auch nicht zu viel erwarten. Ich hatte eher Befürchtungen durch die Vollreifung in süßem Port. Hat mich persönlich aber nicht abgeholt, ist qualitativ aber wirklich gut. 84/100. Preislich ist er auch okayisch eingeordnet.
Ein unfairer Vergleich?
Würde man die sechs Drams wirklich miteinander vergleichen, so hätte der 27-jährige Benrinnes natürlich einen unfairen Vorteil. Doppelte, fast dreifache, Reifezeit – wie soll man das kompensieren. Auf der anderen Seite ist das ja auch kein Garant für ein tolles Bottling. Es erhöht eher sogar das Risiko, dass man zu lange wartet. Insgesamt kann man in diesem Flight festhalten: Der Markt bietet wieder spannende Sachen in einem erträglichen Preissegment. Nur den speziellen Serien würde ich vielleicht nur hinterherlaufen, wenn es genau mein Thema ist.
Mehr zu: Aultmore, Benrinnes, Glenburgie, Immer mehr Speyside (19)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und kostenlos von whic.de (Aultmore Allfather, Benrinnes BNSp) und Kirsch Whisky Import (Glenburgie) zur Verfügung gestellt






Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.