Diverse Süßweinreifungen
Um Wein mit einer hohen Restsüße herzustellen, gibt es im Wesentlichen zwei Methoden: Beim Aufspriten bzw. der Fortifikation wird die alkoholische Gärung durch Zugabe von Alkohol – meist Weinbrand – abgebrochen, bevor die Hefepilze den Zucker vollständig vergären konnten. Bei der zweiten Methode werden Weinbeeren mit einer so hohen Zuckerkonzentration verwendet, dass die Weinhefen nicht allen Zucker verbrauchen können, weil sie vorher schon einen so hohen Alkoholgehalt erzeugen, dass sie selbst inaktiv werden. Ob Eiswein, Madeira oder Port – für die unterschiedlichen Likörweine gelten in der Regel festgeschriebene Rahmenbedingungen hinsichtlich Anbauregion, Rebsorten und Herstellungsverfahren.
Obwohl ich es gerne süß mag, tue ich mir mit Whiskys aus Süßweinfässern schwer. Aber da ich privat einige Samples geschenkt bekommen habe, starte ich einen kleinen Abstecher abseits meines üblichen Beuteschemas, vielleicht spricht mich ja doch der eine oder andere Dram an.
Glendronach 12 Jahre – Sauternes Finish
Finish in Sauternes Wine Barrels bis 2014 / 46%Vol. / Link zur Whiskybase
Sauternes ist ein edelsüßer Wein aus dem Südwesten Frankreichs, lediglich drei weiße Rebsorten dürfen für seine Herstellung verwendet werden. Glendronach hatte einige Jahre vor diesem 12er auch eine 14-jährige Version mit Sauternes-Finish herausgebracht, die mir damals gut geschmeckt hat.
Nose: Süßer Traubensirup und Honig tropfen auf helles Eichenholz. Recht bald kriechen Zimtschnecken hervor und laben sich an Datteln und Vollmilchschokolade. Später tauchen noch leichtere Früchte auf, wie Banane, Ananas und Apfel. (82)
Taste: Der Traubensirup liegt schwer auf der Zunge, das würzige Eichenholz und Süßgebäck tun es ihm gleich. Scharfe Haselnüsse und dunkle Tannine steigern die Intensität des Malts. Erneut Milchschokolade, diesmal in Begleitung von Mandeln und Malz. (81)
Finish: Die schmackhafte Eiche bestimmt den Ausklang, hauptsächlich durch trockene Gewürze und polierte Nüsse. Wachsige Süße legt sich zart obendrauf. Der Sauternes deutet sich an, frisches Heu mit Klee und Kornblumen fallen allerdings mehr ins Auge. (83)
Fazit: Lässt sich insgesamt gut trinken, jedoch fehlt über weite Strecken das gewisse Etwas, das einen Malt interessant machen kann. Hinzu kommt, dass der dem Finish vorangehende Bourbonfasseinfluss gelegentlich durch künstliche Akzente negativ auffällt. Ich kann nachvollziehen, weshalb ein Finish als notwendig erachtet worden ist. Ein stückweit konnte der Sauternes retten.
Glencadam 2014 TCaH – Cask 800203
Sauternes Wine Barrique 16.03.2011 bis 16.10.2025 / 53,6%Vol. / Link zur Whiskybase
Gleich noch eine Sauternes-Reifung hinterher. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob es sich um eine Vollreifung oder ein Finish handelt, das Etikett ist diesbezüglich nicht eindeutig. Jedenfalls ergab das Fass eine Ausbeute von 210 Flaschen.
Nose: Beginnt cremig-süß, eine Mischung aus Vanillesauce, Karamell und intensivem Shortbread. Aber es hält sich auch sofort eine solide, schokoladig-würzige Eichenholzwand im Hintergrund auf. Umami-Töne, Nüsse und Holzrauch treten auf den Plan und trotzdem hat der Malt auch stets eine frische Komponente à la Gletschereis-Bonbon mit Nektarine und Ananas. (86)
Taste: Prickelnde Gewürze, dicht gefolgt von etwas fluffigem Karamell. Ein großer Anteil fällt auf Gerstenähren und Holzrauch, wobei sich auch die Umami-Elemente nicht zurückhalten. Ein voluminöser Malt, der sich tendenziell mehr auf der trockenen als auf der süßen Seite des Spektrums aufhält. (86)
Finish: Eingangs kommen die weißen Trauben, aus denen der Sauternes gekeltert wurde, richtig schön zur Geltung. Das fleischige Aroma übertrumpft jetzt allerdings die Gerste und die Eiche, es wird schwefelig. Ein wenig später können Mandeln und Honig dagegenhalten. (84)
Fazit: Der Sauternes drückt dem Whisky seinen Stempel auf, ohne den Brennerei-Stil zu übertünchen, das ist erwähnenswert und angenehm. Beides passt nicht perfekt zusammen, aber das Ergebnis lebt von dieser kantigen Dynamik, die einen eindrucksvollen, charakterstarken Dram schafft.
Slyrs Amontillado Cask Finish
neue amerikanische Weißeiche, Finish im Amontilladofass / 46%Vol. / Link zur Whiskybase
Okay, das ist jetzt das trojanische Pferd in der Reihe. Nicht, weil es der einzige deutsche Whisky in dem Beitrag ist. Sondern, weil ein Amontillado wie die meisten Sherrys eigentlich trocken ist. Aber manchmal wird er nach dem Aufspriten zusätzlich auch noch gesüßt. Und ich glaube, dass das auch hier der Fall war.
Nose: Da ist der Gerstler daheim. Das amerikanische Holz ist genauso präsent, wie ich es von Slyrs gewohnt bin, gehobelte Eiche mit Vanillebiskuit. Einmal mit Karamell, pardon – Amontillado – drübergebügelt und fertig ist die Soße. Honigweich und krisp wie Kellogg’s Smacks. Langsam dringt ein Hauch von Traube-Nuss- Schokolade durch. (81)
Taste: Toffeeflauschig, aber auch ein bisschen dünn. Man kann förmlich sehen, wie Honig und Karamell auf der Alkoholwelle reiten. Auch Virgin Oak und Malz können kein Volumen generieren. Trotzdem wird es öliger und Tabak gesellt sich zum Duo aus Bitterschokolade und Traube. (78)
Finish: Das frische Eichenholz kommt wieder mehr zum Tragen, glücklicherweise, denn es bietet eine gute Grundlage für das vorhandene Bisschen an Traubenfrucht. Mandeln sind für den finalen Ausklang zuständig. (78)
Fazit: Erstaunlich süß für einen Amontillado, erstaunlich trinkbar für einen Slyrs. Immer noch zu jung und von den Obst-Brennblasen gehandicapt, aber das Finish kann das teilweise ein bisschen kompensieren. Der Amontillado kleistert einem allerdings auch die Geschmacksknospen zu. In seiner Struktur erinnert dieser Slyrs etwas an den Port Cask Finish.
Ardnamurchan 2018 AD/Sauternes Cask Release
3 Jahre Bourbon & 3,5 Jahre Sauternes Barrique bis 05.08.2025 / 50%Vol. / Link zur Whiskybase
Ein sechseinhalb Jahre alter, peated Ardnamurchan, auf den Sauternes für etwas mehr als die Hälfte der Zeit seinen Einfluss ausüben konnte. Zuvor war das Ganze in insgesamt 29 Bourbonfässern.
Nose: Der fluffige Rauch passt ganz gut zur fluffigen Süße des Sauternes. Es ist schön anzusehen, wie sich Salz und Vanillesauce, sowie Speck und Karamell miteinander verbinden. Die Frucht äußert sich in überreifer Form von Banane, Ananas und Marillenknödel mit Zimt. Auch Apfel und grüner Tee mit Bergamotte schauen vorbei. Der Rauch wird immer nussiger und öliger. (87)
Taste: Rauch und Asche sind kalt, fettig, körnig und von frischen Zitrustönen durchzogen. An den sehr erdigen, würzigen Noten vorbei kommen der cremige Sauternes und flüssiger Honig durch. Gegen das schwere, nussig-ölige Profil haben die Früchte, abgesehen von der Banane, nur wenig Chancen. (85)
Finish: Zum ersten Mal vernehme ich die Eiche, sehr würzig und harmonisch auf den aschigen Lagerfeuerrauch eingestellt. Nussig, fettig und leicht grün. Die überreifen Früchte sind wieder zurück, zusammen mit dem Honig scheinen sie sich im Smoker wohl gefühlt zu haben. (87)
Fazit: Gefällt mir immer besser, was da aus dem Hause Ardnamurchan kommt. Das ölige Destillat kann dem Sauternes gut Paroli bieten, dennoch finde ich, dass der Sauternes zu viel Süße beigetragen hat – maximal zwei Jahre Finish hätten gereicht. Diese Abfüllung ist mir insgesamt auch noch zu jung, der Rauch sollte schon an die zehn Jahre Zeit bekommen, sich abzubauen, dann lässt er den anderen Aromen auch mehr Raum.
Ardbeg Galileo
Marsala Finish bis 2012 / 49%Vol. / Link zur Whiskybase
Dieser Ardbeg wurde 1999 gebrannt und wurde zuerst in Bourbonfässern gereift, bevor er ein Marsala-Finish erhielt. Bei Marsala handelt es sich um einen sizilianischen Dessertwein, bei dem sowohl weiße, als auch rote Rebsorten Verwendung finden.
Nose: Der ist fruchtiger als er süß ist, das gefällt mir. Mango, Pfirsich, Banane, Zitrone – alles was gelbfleischig ist, ist hier vereint, und Rosinen. Etwas Karamell, Honig und Vanillebiskuit ist dann doch dabei. Der sanfte Rauch besteht aus Heftpflastern, Milchreis, Salz und einer Scheibe Räucherschinken. (85)
Taste: Banane mit kraftvollem Auftakt. Der Rauch äußert sich ansprechend würzig und ist mit Honig, Kohle und intensiven Heftpflastern durchwirkt. Seidig und gleichzeitig erdig, da sind gereifte Tannine am Werk. Der Marsala ist nicht so gut integriert. Zitronen und Salz erobern die Höhen. (84)
Finish: Kohle, Asche und Eichenholz eröffnen einen erdigen Ausklang. Auch Gewürze und viel Salz haben Platz. Die Zitrone bringt noch einen Frischekick unter. (85)
Fazit: Ein klassischer Ardbeg. Potential ist durchaus vorhanden, aber je länger er Sauerstoff ausgesetzt ist, desto deutlicher wird, dass der Marsala zu süß ist und sich nicht unbedingt mit dem Ardbeg verträgt. Ist also eher ein Dram für nebenbei, zu viel Aufmerksamkeit verdirbt ihn.
Staoisha 2013 TCaH – Cask 709
dest. am 24.10.2013, 5-monatiges 1st Fill Malaga Finish bis 09.02.2024 / 57,2%Vol. / Link zur Whiskybase
Nochmal was von The Caskhound, einen rauchigen Bunnahabhain aus dem Einzelfass. In der Serie Animals of Scotland hat es ein putziger Papageientaucher auf das Etikett geschafft. Malaga wird in der Region Andalusien produziert, nur zwei weiße Rebsorten dürfen hierbei beteiligt sein.
Nose: Zu Beginn sind die speckige, rußige Asche und die Karamell-Süßwein-Mischung noch relativ dicht gedrängt, erst mit ein wenig Wartezeit werden andere Aromen konkreter. Das Destillat ist reich an Zitronennoten und einer Spur Banane, während der Malaga eher rote Beeren beizutragen hat. In kleinen Mengen wird das von dunkler Schokolade, Pappe und Cannabis ergänzt. (82)
Taste: Der wirkt eher wie acht Jahre als zehn. Sprittig und kräftig, da ist einiges an Pfeffer und aschigem Rauch unterwegs. Die Zitrustöne sind schärfer, als ob Diesel mit hineingeraten ist. Und aus der Pappe wird ein starker, medizinischer Einschlag. Vom Malaga bleiben höchstens Anflüge von Honig. (77)
Finish: Pfeffriges, erdiges Eichenholz in Kombination mit metallischer, grasiger Jugend. Mandeln und Schießpulver. Es wird salzig. Schade, dass gerade dann die Zitronen fehlen. Lediglich ein wenig Süße ist noch zu verzeichnen. (79)
Fazit: Vom Malaga ist da eher wenig mit rübergeschwappt, zumindest ist das junge Destillat deutlich tonangebend. Erinnert an den 10-jährigen Lagavulin, nur mit wesentlich mehr Muckis. In der Nase ist er noch am ansprechendsten, weil vielseitigsten, aber auch arg nervös.
Süßwein in Maßen kann funktionieren. Vorausgesetzt, er harmoniert bis zu einem gewissen Grad mit dem Charakter des jeweiligen Brandes, mit dem er vermählt wird, und, vorausgesetzt, seine Qualität stimmt, bedeutet, er kann mehr leisten als ein bloßes Süßungsmittel. Gefühlt fluten die Brennereien und Abfüller den Markt mit „exotischen“ Süßweinreifungen und nur selten gelingen diese Experimente, so auch in dieser kleinen Stichprobe. Ich finde, die klassischen Bourbon- und Oloroso Sherry-Reifungen haben klar die Nase vorne.
Mehr zu: Ardbeg, Ardnamurchan, Bunnahabhain, Glencadam, Glendronach, Deutschland
Samples privat gekauft (Glendronach) oder geschenkt bekommen (Rest) | Bilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase






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