Die Lücken schließen (Teil 10)
Es ist Zeit die weißen Flecken auf meiner Whiskylandkarte wieder ein Stück zu füllen. Wie immer wenn ich das mache geht es um Whisky bei denen ich bisher weniger als fünf Reviews der jew. Destillerie veröffentlicht habe.
Knockdhu 12-year-old – Loch Fyne Whiskies
Ein Sample, dass ich vor Ort bei Loch Fyne in die Hand gedrückt bekam. Ein Knockdhu, 12 Jahre als und aus einem Ximénez-Spínola PX Sherry Cask. 401 Halbliter-Flaschen mit 61,1% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Sonnenblumenöl, sehr grasig, weißer Pfeffer, Kampfer, Menthol. Sherry kommt durch aber nicht zu intensiv.
Mund: Wieder der weiße Pfeffer, ölig, würzig, fast schon Weihrauch. Die sehr knappen offziellen Notes sprechen von indischen Gewürzen. Vielleicht ist es da.
Abgang: Viele Bitterstoffe, leicht wärmend, Gewürzwein, viele Kräuter, in Weinbrand marinierte Pfirsiche und Rosinen
Fazit: Sehr lecker. Erstaunlich viel Tiefgang für das Alter. Ein Dram den ich mir selbst nicht ausgesucht hätte, deshalb danke an Stevie, der das für mich übernommen hat. 86/100 Ob ich persönlich dafür 120 Pfund für eine 0,5l Flasche zahlen würde… naja das muss jede*r selber wissen.
Auchroisk 2013 – Claxton’s
Elf Jahre in einem 1st Fill Oloroso Sherry Hogshead. Abgefüllt von Claxton’s in der Exploration Series, für die 50% „Trinkstärke“ üblich sind. Link zur Whiskybase
Nase: Der Alkohol sticht erstmal etwas. Dann kommen cremige, überreife Fruchtnoten, die direkt in dunkle Trockenfrüchte übergehen.
Mund: Deutliche Süße, dann Tabak, dann Pfeffer und Zitronen. Dann wieder süß, sogar noch süßer. Schwarzer Tee mit Dattelsirup. Zware Tabak. Espressobohnen. Jetzt kommt die Zitrone wieder.
Abgang: Die Kaffenote wird noch intensiver, wird durch dunkle Schokolade unterstrichen. In den schwarzen Tee haben wir jetzt Früchtetee geschüttet.
Fazit: Hallo ich bin dein Fass und ich dominiere deinen Malt. Das ist schon ganz schön heftig. Ich bin mir nicht sicher ob ich davon wirklich mehr brauche. Auchroisk habe ich damit auf jeden nicht weiter erkundet. Aber, wer auf starke Sherryfässer steht, kriegt hier die volle Dröhnung. 83/100
Holyrood „Noir“ Premier Cru Yeast
Alleinstellungsmerkmale sind wichtig. Deswegen experimentiert man in Holyrood mit Pinnacle M und Maurivin Weinhefe. Die Reifung erfolgt in Bourbonfässern, das Finish in „korrespondierenden“ Chardonnay und anderen Weißweinfässern stattfinden. Link zur Whiskybase
Nase: Das Glas steht ca. 30cm entfernt und Alkohol und Lösungsmittel wabern zu mir rüber. Ziehe ich das Glas zur Nase wird es deutlich angenehmer. Sehr viele Früchte, ein ganzer mitteleuropäischer Obsthain. Darunter liegt Hefe (Inception?!), Pfeffer, Säure und florale Noten. Das könnte gefühlt auch ein Gin sein.
Mund: Weich und samtig. Apfelstücke die in Kuchenteig gedrückt werden. Bitterstoffe kommen hervor. Apfelschalen, Zitrusschalen.
Abgang: Metallisch, minerlisch und bitter. Malz und Zitrone. In der Länge bleibt vor allem Säure stehen.
Fazit: Wenn man das Experiment im Kopf hat, dann versteht man diesen Whisky glaube ich ganz gut. Methodisch kann ich das gut nachvollziehen, denn diesen Versuch konnte man schon mit recht jungem Whisky wagen und damit eine Geschichte erzählen. Im Sinne von „will ich davon mehr trinken?“ muss ich allerdings sagen: eher nicht. 81/100
Allt-a-bhainne 2000 Old Gods – Signatory Vintage for whic.de
Ein 25 Jahre gereifter Allt-a-Bhaine, das kriegt man auch nicht jeden Tag ins Glas. Abgefüllt für whic.de in der Old Gods Serie. Er trägt den Namen „Thor’s Trials I – Drinking the Sea“. 298 Flaschen mit 52,4% wurden aus einem Sherry Butt abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Gediegene Sherrynoten. Leder, Tabak oder eher ein geöffneter Humidor. Antiquariat und Holzpolitur. Rosinen, Kirschen und dunkle Schokolade. Alles was man so sucht.
Mund: Würzig und trocken. Aufgespritteter Wein mit Chili, Ingwer und Zimt. Dunkle Schokolade bringt Bitterstoffe und Cremigkeit. Dezent metallisch geht es weiter.
Abgang: Honig, Karamell und dunkle Schokolade. Immer noch würzig, jetzt aber stärker in Richtung Fass und Eiche. In den offiziellen Notes steht grüner Pfeffer. Das kann ich gut nachempfinden.
Fazit: Das ist ein tolles Fass gewesen. Thors Mühen waren es scheinbar wert. 90/100 Für _noch_ mehr Punkte bin ich zu sehr über den Taste gestolpert. Einerseits aufregend, weil teilweise unerwartet, anderseits wünscht man sich bei lange gereiften Whisky ja doch ein rundes, stimmiges Bild.
Kingsbarns 08-year-old – Phil & Simon Thompson
Aus der Runde der Myster Malts von PST, wie sie abgekürzt heißen. Acht Jahre alt, 1st Fill Bourbon Barrel, 301 Flaschen und 46,3%. Letzteres gilt natürlich für alle Bottlings aus Batch 5, denn sonst wäre die Überraschung ja keine mehr. Link zur Whiskybase
Nase: Haribo Tropi Frutty, dazu eine Vanille-Latte. Getrocknete und kandierte Kräuter. Das geht dann über in Gartenfrüchte. Nice.
Mund: Fruchtig, frisch, sehr „lebendig“. Milchkaffee, leichtes Gebäck, mit Zucker abgestreut. Auch wieder was mit Kräutern.
Abgang: Vanillezucker, süße Kekse. Gutes Volumen, trotz der Trinkstärke. Bißchen Getreide, ein paar sehr leichte Bitterstoffe.
Fazit: Sehr interessant. Das einzige Review in der Base kommt zu dem Schluß, dass Taste und Abgang die Jugend offenbaren. Auch wenn ich grundsätzlich zustimme, die Nase ist das Highlight, aber ich finde das ingesamt ein sehr schönes Bottling. 86/100
Lindores Abbey 2021 – Phil & Simon Thompson
Als Abschluss gibt es noch einen Abstecher nach Fife in den Lowlands. Dort hat man 2017 auf dem Grund und den Mauern der historischen Abtei die Destillerie eröffnet. Auf dem geschichtsträchtigen Boden wurde auch dieser Whisky gebrannt und dann von Phil & Simon auf einem Oloroso STR (also eigentlich dechar/rechar weil STR müsste ein Weinfass sein?) abgefüllt. 299 Flaschen mit 55,9% gab es. Link zur Whiskybase
Nase: Malz, Bier, Brot, Nüsse, Kaffee, Tabak, Eukalyptus, Leder, Salz, Trockenfrüchte, Gummibärchen, Mon Chéri, Schleiflack, verkohltes Holz. Und das Ganze mit ordentlich Druck. Da ist nix mit „langsam ran tasten“. Aber das ist schon alles sehr geil.
Mund: Verbranntes Karamell, Haselnüsse, eine deutliche Säure, Pfeffer, dann rote Früchte. Wieder der Tabak und der Kaffee. Leicht betäubend auf der Mundschleimhaut.
Abgang: Mentholige Frische, dann eine Fruchtsaftinfusion, die gut vom Säure und Trockenheit gekontert wird. Die würzigen Noten werden weniger und geben den Raum für mehr Bitterstoffe.
Fazit: Druckreifung ergibt in diesem Fall Druckwhisky. Das ist geiles Zeug – auch wenn ich hier meiner Linie nicht treu bleibe und mal etwas Liebe, was vom Fass dominiert wird. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, wie es so schön heißt. Ob der Preis für einen 5-jährigen Whisky gerechtfertigt ist muss jede*r selbst entscheiden. Man kann aber 80€ deutlich schlechter in Whisky anlegen. Sehr deutlich. 89/100 Wasser macht ihn cremiger und runder. Gibt mehr Süße, nimmt aber ein paar Aromen raus.
Alte Götter in alten Abteien
…das scheint das Rezept zu sein, um mich von Sherryfässern zu überzeugen. Auf jeden Fall war das ein schöner Flight. Im oberen Drittel war ich absolut positiv überrascht. Klar sind die Fässer hier dominant. Trotzdem freue ich mich jetzt noch einen Tick mehr auf den nächsten Lindores und Allt-a-bhainne.
Mehr zu: Allt-a-bhainne, Auchroisk, Holyrood, Kingsbarns, Knockdhu, The Lindore Distiling Co. Ltd., Lücken schließen (Teil 9)
Bilder: Titel: LindoresAbbeyDistillery, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und kostenlos von Loch Fyne (Knockdhu), Kirsch Whisky Import (Auchroisk) und whic.de (Allt-a-Bhain, Holyrood) zur Verfügung gestellt.






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