Alan Jamieson, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Wax on, wax off III – Die letzte Entscheidung

Wenn meine wieder entdeckte Liebe für Clynelish so weiter geht, dann müssen sie noch ein paar Karate Kid Filme drehen. Sonst muss ich mir neue Beitragstitel einfallen lassen. Aber Spaß beiseite, ich freue mich gleich nochmal einen ganzen Schwung verblogen zu können. Es geht vom Valuemonster bist hin zu einem Vierteljahrhundert-Bottling. Das schöne dabei: es sind alles aktuelle Abfüllungen. Quasi ein Status quo der (vielleicht) verfügbaren Clynelish.

Clynelish 2016 – Signatory Vintage

Mit der 100 Proof Serie hat Signatory die Whiskywelt aufgerüttelt. Plötzlich ist wieder „günstiger“ Stoff auf dem Markt. Alle in hoher Alkoholstärke (57,1%), grob 10 Jahre alt und nicht über 50€. Sehr gute Vorraussetzungen. Bei diesem Clynelish wissen wir außerdem, dass er in einem (?) Refill Oloroso Sherry & New Wood Hogshead gereift wurde. Link zur Whiskybase

Nase: Wachs, zerriebene Beeren, Sägespäne. Orange, Alkoholdunst, Lavendel. Da ist schon einiges vorhanden, ein guter Einstieg.

Mund: Weich und sehr stoffig. Danach wird es würzig und leicht sauer. Jetzt ist kein Wachs mehr da, dafür werden die Früchte intensiver.

Abgang: Würzig bis pfeffrig. Zitronenabrieb. Leicht laktisch, säuerliche Butter. Dazu Brot mit heller weicher Kruste. Das ganze ist ein ein Wachspapier eingeschlagen und auf Holz gelegt. Nur wenig Bitterstoffe.

Fazit: Das P/L-Verhältinis stimmt ganz wunderbar. Zerkopfen darf man den aber nicht. Ich mag es aber, wenn ein Whisky spot on genau das ist was er sein will. 85/100

Clynelish 2013 – James Eadie

James Eadie ist in den Kampf um die Kunden gleich mit eingestiegen. Auch hier findet man plötzlich preislich deutlich attraktivere Bottlings. Zwar nicht mit so exakt gleichen Daten, aber in einem ähnlichen Spektrum. Hier 12 Jahre in dechar/rechar gereift und fast 1000 Flaschen abgefüllt. Sind also mehrere Fässer gewesen. Link zur Whiskybase

Nase: Grüne Äpfel, Vanille und Zitronenschalen. Dann hier und da ein paar Sprinkler Wachs und Kiesstaub. Da steht schon ziemlich deutlich Clynelish drauf.

Mund: Honig, Vanille, sehr fruchtig mit Birne, Pfirsich und Aprikose. Zitrusschalen, Bienenwachs, etwas Röstaromen und eine metallische Note. Würde schon fast sagen Kupfer.

Abgang: Süße, Honig und Weingummi. Wärme, dezente Bitterstoffe in Richtung verbranntem Holt, Zitrusschalen, Pfeffer. Das Wachs ist jetzt verschwunden.

Fazit: Wieder ein P/L-Sieger. 75€ war glaube ich der UVP. Er ist deutlich tiefer in den Clynelish-Ecke, dafür nicht ganz so trinkig. Ein brauchbarer trade-off. Wir steigern uns damit auf 86/100

Clynelish 2013 – Phil & Simon Thompson

Nachdem Clynelish nur einen schottischen Steinwurf von Dornoch entfernt ist, schaffen es die beiden Brüder natürlich auch von dort Fässer zu sourcen. Hier zwei Dechar Hogsheads, French und American Oak, die zusammen 613 Flaschen mit 49,1% ergaben. Link zur Whiskybase

Nase: Schlagsahne, Kirsche, Marzipan. Ein wenig Süßholz und Nelken. Dazu Apfelringe und Eichenwürze und Kohle. Spannend.

Mund: Erst süß, dann pfeffrig. Malzig, beschwipst fruchtig. Mit der Zeit kommt dann langsam ein Schwung Honig und Bienenwachs durch.

Abgang: Gut wärmend und würzig. Pfeffer, Ingwer und Chili. Soviel Alkohol hat er doch gar nicht. Zitronenstäbchen, Honig und Wachspapier bleiben am langen Ende.

Fazit: Die Würze lenkt einen hier ordentlich ab. Man muss sich zum Clynelish durcharbeiten. Das macht aber durchaus Spaß. 86/100

Clynelish 2013 – Phil & Simon Thompson

Machen wir ein Trippel aus den 2013er Bottlings. Nochmal ein PST, diesmal noch eine der Jubiläumsabfüllungen des Dornoch Castle Hotel. Ein Single Cask Rejuvenated Hungarian Oak Barrique. 344 Flaschen mit 50,5% wurden released. Link zur Whiskybase

Nase: Eichenwürze und Vanille. Dahinter Wachs und Honig. Möbelpolitur auf Apfel. Auch Zitrusschalen und vielleicht etwas Kohlenstaub?

Mund: Komplexe Süße aus Trockenfrüchten, Honig, Malzsirup, Gummibärchen und Demerara. Aber er ist nicht zu süß dabei. Verrückt. Das geht dann über in verschiedene Zitrusfrüchte und helle Trockenfrüchte. Dazu kommen noch erdige Noten.

Abgang: Die Süße trägt ihn auch raus. Dazu wieder der Apfel, Honigwaben, Milchkaffee, mineralische Noten und er wird gleichzeitig cremig und trocken.

Fazit: Oh der ist lecker. Schöne Kombination aus ganz klar das Profil der Destillerie und einem Plus durch das Fass. 88/100

Clynelish 2001 – Phil & Simon Thompson

Zum Abschluss gibt es noch eine reifere Abfüllung. Ein refill Hogshead, dass nur begrenzt über die Webseite der Thompsons verfügbar war. 130 Flaschen mit 49,4% gab es vom 25-jährigen. Link zur Whiskybase

Nase: Irgendwo zwischen Apfelstrudel und Apfelmus. Auch etwas Gehäuse. Die Pfirsichvariante von Softpflaumen. Ein Apfelmüsli mit hohem Anteil Haferflocken. Feines Wachs oder Öl wird auf glattem Leder aufgetragen.

Mund: Kurz leicht würzig, dann wieder intensiv fruchtig. Es geht immer mehr in Richtung heller Trockenfrüchte. Es wird deutlich komplexer. Politur, Wachs, leichtgewichtige Bitterstoffe. Das Mundgefühl wechselt langsam von samtig weich zu trocken.

Abgang: Für das Alter noch sehr frisch und lebendig. Knackige Säure, helle Früchte im Wachspapier eingepackt. Mittlere Bitterstoffe. Kaffeemehl, helle Röstung und Apfelkerne. Ganz am Ende wird es noch salzig.

Fazit: Komplexität-, Reife- und Leckerskala kurz vor Anschlag. Sowas abfüllen zu können muss die Brüder in Dornoch in Verzückung versetzt haben. Mega! 91/100

Spot on!

Natürlich wünschen wir uns immer für 50€ den absoluten Überflieger kaufen zu können. Manchmal klappt das auch. Viel wichtiger ist aber aus meiner Sicht, dass die Bottlings preislich korrekt einsortiert sind. Eine höherer Preis sollte eben auch das Genusserlebnis steigern. Heute war das so. Und gleichzeitig hatten alle fünf Bottlings etwas für sich. Schön!

Mehr zu: Clynelish, Wax on, wax of 2
Bilder: Titel: Alan Jamieson, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons | Eigene Anfertigung
Samples: Eigene Flaschen