Old & Rare Flight 025 – Abenteuerland

Wenn man in seine eigene Wohnung kommt, Abenteuerland von Pur läuft und der Tisch mit einem Tastingflight gedeckt ist, nun dann hat man entweder einen guten Freund, der einem zum jährlichen Geburstagstasting auflauert – oder einen wirklich komischen Einbrecher. Für Christian war es zum Glück ersteres. Diesmal durfte er sein Abenteuer ein wenig selbst steuern. Er hat einen Umschlag mit sieben Zetteln erhalten, auf denen Begriffe zu den Whisky standen. Sein Quest war: Ordne die Begriffe zu, nachdem du probiert hast. Er entschied sich für die Variante „komplett blind und am Ende alle gleichzeitig zuordnen. Alternativ hätte ich auch jeweils nach jedem Whisky angeboten. Aber es durfte heute mehr Abenteuer sein!

Christian: Was Tobias nicht erwähnt hat, dass ich eigentlich auf einen ruhigen Abend eingestellt war. Bis mir meine Frau gesagt hat das ich jetzt den Umschlag von Tobias öffnen soll, der deutliche Hinweise auf den Keller enthielt. Wahnsinnig tolle Idee und als alter Rollenspieler ist mehr Abenteuer immer mehr.

Ein Tisch mit sieben Tastinggläsern und Notizzettel
Das Tasting steht bereit.

Bruichladdich 2001 Blood Tub 772

Eine Flasche Bruichladdich 2001 Blood Tub 772

Wenn ich die Chance habe ein Blood Tub, dass Christian noch nicht kennt, ins Tasting einzubauen, dann muss ich die natürlich nutzen. 46%, 7 Jahre, 36 Flaschen – mehr Infos gibt es nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Cremige, aber auch würzige Sherrynoten. Gute Intensität die einem da schon entgegen fliegt. Pflaumenmus, Tabak, Leder aber auch etwas Schwefel.

Mund: Im Wesentlichen geht es so weiter. Pflaumen in unterschiedlichen Varianten, Rosinen dazu, ein paar Bitterstoffe sind schon da. Ergänzend auch noch etwas Wachs oder Politur.

Abgang: Trocken, leicht sauer und immer noch im würzigen Sherryrahmen. Dann schlagen die 46% zu und kürzen das Vergnügen ab. Leider.

Fazit: Schön, aber nicht over the top. Ich verstehe, dass man ihn reduziert um vielleicht noch 1-2 Flaschen mehr rauszuholen, aber ich glaube auf 50-55% wäre der noch eine ganze Ecke besser. 87 von mir und 88/100 von Christian.

Die korrekte Antwort beim Rätsel war hier „Blood Tub“. Das hat Christian zielsicher getroffen.

Christian: Toller Start mit einem Blood Tub und wieder einer dieser Whisky wo man sich fragt was hätte sein können, wäre er Fassstark abgefüllt worden.

Bruichladdich 14-year-old WMD IV: Yellow Submarine [Reclassified]

Eine Flasche Bruichladdich 14-year-old WMD IV: Yellow Submarine [Reclassified]

Die vierte Instanz der Yellow Submarine hat Christian leider bei Release verpasst. Damit passt sie aber natürlich besonders gut in das Tasting. 14 Jahre in 75% Fist Fill Bourbon und 25% French Red Wine ergeben 54,2%, eine unbekannte Anzahl Flaschen und jede Menge Flipper, die schnelles Geld machen wollen. Link zur Whiskybase

Nase: Würzig und süß. Etwas Vanille. Helle Früchte, Apfel, Pfirsich, Aprikose. Aber auch ein paar Waldbeeren. Zu Anfang sticht er ein wenig in der Nase. Wenn der Alkoholdunst weg ist wird das dann zu Schwefel. Nicht schlimm aber doch merkbar. Darunter findet man noch Zitronenschalen und eine Meeresbrise.

Mund: Sauer und süß mit einem leichten Chili-Catch. Der erzeugt dann auch kurz eine deutliche Wärme. Dann kommt der Wein deutlicher heraus. Es wechselt sich ab zwischen Spätburgunder, gut gereift und einem schweren Wein mit Früchten und deutlicher Vanillenote. Vielleicht Syrah, wenn ich eine Traube nennen muss.

Abgang: Trocken und bitter. Blaubeeren die man im Mund zerdrückt und dann die Schale auf der Zunge behält. Auch etwas Tabak ist da und wieder der Schwefel.

Fazit: Ich denke nicht, dass der hier den alten Yellow Submarine das Wasser reichen kann. Unter dem Eindruck des Bloodtub und mit kritischem Blick auf die Weinfassreifung komme ich nicht über 86 Punkte. Christian spendiert 87.

Auch hier hat Christian „2026“ erraten, denn er wähnte ein aktuelles Bottling. Welches aktuelle Bottling es war hat er natürlich nicht erraten. Das wäre aber auch wirklich beeindruckend gewesen.

Christian: Da war ich tatsächlich nach der Auflösung enttäuscht. Von dem hatte ich mir mehr erwartet, aber das ist gerade das schöne an Blindtastings das man Erwartungen und Hype ausblendet.

Glenturret 1976 Natural Cask Strength

Eine Flasche Glenturret 1976 Natural Cask Strength

Ein Original Bottling in Fassstärke aus dem Abfülljahr 1986. Nicht gerade etwas dass man häufig antrifft. Dieser Glenturret wurde mit 58,7% als Batch abgefüllt. Eine Angabe der Flaschenzahl gibt es nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Sehr würzig, Holz und Pfeffer. Dazu helle Früchte, Haferflocken, Honig und Tabak. Außerdem Zitrusnoten und eine grasige Note, die ich eher in den Lowlands verortet hätte.

Mund: Deutlich süßer noch als die Nase. Die Konsistenz und das Mundgefühl sind dick und voll. Pfeffer und Getreide dominieren die Aromatik. Dazu noch ein paar Bitterstoffe, Mandeln und Limettenschalen.

Abgang: Hier kommen nochmal die Früchte voll durch. Jetzt als weiche Trockenfrüchte. Außerdem gibt es Puderzucker, Vanille und einen ordentlichen Schwung an Mineralität.

Fazit: Wunderschönes Bottling und für mich ein klarer Hinweis die 1970er Glenturret mal genauer zu betrachten. Gefühlt gabs auch ein wenig Old Bottle Flavor und ich denke die Flaschenreifung hat hier einiges bewirkt. 90/100 von uns beiden.

Hier kam die erste Verwirrung auf. Christian war durch Ausschlußprinzip und weil er ihn so gut fand bei „Orkney“ gelandet. Aber es war „1976“, ein ganz besonderes Jahr.

Christian: Es ist immer etwas ganz besonderes Whisky aus seinem Geburtsjahr trinken zu dürfen. Und auch hier hat sich wieder der Vorteil des Blindtastings bestätigt. Glenturret ist sonst eher nicht meine Komfortzone, dieser hat mich aber sehr positiv überrascht.

Springbank Barley to Bottle 2025

Das Sample habe ich von Simple Sample und dort war auch eine der lila Flaschen, die zur Barley to Bottle Tour gehören abgebildet. Ich vermute allerdings eher, dass es sich in Realität hierum handelt: Link zur Whiskybase Ein handfilled mit 59,1%, dass man vor Ort abfüllen konnte. Ich komme darauf, weil das Sample auch aus 2025 ist und 59,1% stark ist. Der Zufall wäre schon groß, wenn jemand beim Blenden genau diesen Wert zufällig auch getroffen hätte. Wir werden es nie erfahren, deshalb lieber probieren.

Nase: Mineralisch und zitronig. Dezente süß und eine leichte Rauchfahne mit dem üblichen Funk dazwischen. Irgendwo im Mix sind noch Früchte und trockene Luft voll von Gewürzstaub.

Mund: Weiterhin süß und fruchtig. Die Mineralität ist jetzt in den Rauch eingezogen. Wenn es der handfilled vom Link oben ist, dann kann ich Archers Tasting Notes bzgl. Multivitamintablette gut verstehen. Oder ist das jetzt eine „Projektion“Inception“, weil ich seine Notes gelesen habe?

Abgang: Wärmend, würzig und immer noch recht rauchig. Auch der Frucht-Karotte-Mix ist noch da. Eigentlich bin ich mir mittlerweile recht sicher, dass es ein handfilled ist.

Fazit: Schöner und sehr trinkiger Springer, der uns beide zu 87/100 Punkten bewegt.

„30.09.2026“ hat Christian korrekt mit der Sprinbank Barley to Bottle Tour verbunden – denn an diesem Tag werden wir er eine solche machen – und mit diesem Whisky in Verbindung gebracht.

Christian: Wenn wir dann im Herbst selber blenden, dann wird das noch besser!

Zumindest vom Spaß her, den wir haben werden, hat er sicher recht 😉

Scapa 21-year-old

Eine Flasche Scapa 21-year-old Batch 2024

Scapa sind generell nicht so häufig zu finden. Nach dem Reboot des Branding gibt es mittlerweile einen 21-jährigen der als Batch in Fassstärke abgefüllt wird. Dieser hier ist aus 2024, American Oak gereift und mit 52,9% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Süß und fruchtig. Floral. Vanille. reife und überreife Früchte bis hin zu Marmelade. Banane, Aprikose, Pflaume. Und eine Prise Salz.

Mund: Butterkekse, tropische, Früchte, helle Schokolade, salzig und süß, Muskat, ganz entfernt etwas Heidekraut

Abgang: Fruchtig, Kokos, Walnuss, sehr rum-ig, nach ein paar Schlucken kommt deutlich Holz dazu. Das ergibt ein schönes rundes Bild.

Fazit: Relativ fragil, da hätte ich weniger Prozent vermutet. Er fällt aber nicht zusammen und bleibt auch schön lang. Und vor allem: Es ist schon sehr lecker! 89/100 von mir und 88/100 von Christian. Hier liegen wir ausnahmsweise beide über dem Base-Durchschnitt. Und das bei einem Original Bottling. Verrückt.

Hier hat Christian das „Cask Sample“ angesetzt. Weil das der einzige Whisky war, bei dem ich mitschreiben wollte. Damit hat er richtigerweise erraten, dass ich davon nur die 2cl in meinem Glas habe und nicht mehr nachtasten kann. Aber der Zettel war hier falsch, mein Cask Sample ist etwas größer. „Orkney“ wäre es gewesen. Nach der Auflösung war er sich aber sicher, dass es ein Scapa sein muss. Denn alte Scapa haben in letzter Zeit unser Interesse geweckt.

Christian: Ich sage es immer wieder wir müssen mehr alten, fassstarken Scapa trinken.

Brora 1983 – Signatory Vintage

Ein Cask Sample mit dem Label "1983 Brora Signatory Vintage Tasting Sample 53,4% 29th August 2001 Silent Stills Coming Soon"

Auch hier, wie beim Springer, ist es nicht ganz eindeutig, welches Bottling wir hier getrunken haben. Ich konnte vor ein paar Jahren vom Whiskykanzler das rechts abgebildete Cask Sample erstehen. Es teil uns die Stärke und das Abfülljahr mit und das Signatory es in seiner Reihe Silent Stills abfüllen möchte. Und da gibt es einen entsprechenden Brora aus dem Jahr 1983: Link zur Whiskybase. Aber die Alkoholstärke von 53,4% passt nicht genau überein. Nachdem erst einen Monate später abgefüllt wurde und beim Botteln sicher exakter gemessen wird als bei Samples, nehme ich aber an der genannte Link führt zum finalen Bottling dieses Samples.

Nase: Honig, Eiche, Wachs. Dazu trockener Rauch, Tabak und ledrige Äpfel. Eine gewisse Pfefferschärfe kommt durch den Alkohol.

Mund: Wieder jede Menge Wachs, im Mix mit Honig oder Sirup, einer leicht grasigen Noten. Sonnenblumenöl und Phenole.

Abgang: Bitterstoffe, Zitrusnoten, Mandarinen. Und wieder Gras. Dann etwas dichterer Rauch. Dezente Mineralität, vielleicht etwas dreckige Vanille. Ich hab das Gefühl erst jetzt fängt er an seine komplexe Seite zu zeigen.

Fazit: Leider geil. Ich glaube den hätte man mir als St. Magdalene unterjubeln können. Da gebe ich gerne 92/100 und schwelge dahin. Christian findet ihn auch richtig gut und gibt 91/100. Falls jemand den verlinkten SV offen hat, ich würde gerne vergleichen. Gerne als Sampletausch oder ich kaufe euch ein paar cl ab. Meldet euch einfach, wir finden eine Lösung.

Hier vermutet Christian „once was lost“, weil er denkt es ist ein Brora. Und die Destillerie wurde ja 2021 wieder in Betrieb genommen. Gleichzeitig richtig und falsch. Das hier ist natürlich das „cask sample“. Ich bin dennoch beeindruckt.

Christian: Wieder etwas ganz besonders und beeindruckend was Tobias so aus der Kiste zieht. Brora Cask Sample trinkt nicht jeder, echt verrückt. Was kommt als nächstes Cask Sample? Port Ellen?

Ardbeg 1993 – Cadenhead’s

Eine Flasche Ardbeg 1993 Cadenhead Authentic Collection

Zum Abschluss ein 26 Jahre alter Ardbeg von Cadenhead. In der Authentic Collection mit 53,7% aus einem Bourbon Hogshead in 240 Flaschen abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Intensive Rauch- und Torfnoten. Das geht von der Küste, ins Torfmoor zum abgebrannten Lagerfeuer direkt in die Aschetonne. Dahinter liegen Seetang, Honig und Südfrüchte.

Mund: Die Asche wird immer mehr und kriegt noch einen leichten medizinischen Touch an die Seite. Weiterhin ist er schön süß aber nicht mehr ganz so fruchtig. Dafür taucht noch Zigarrentabak auf.

Abgang: Asche, Holz und Rauch. Dazu jetzt deutlich Vanille aber auch wieder der Tabak. Insgesamt ist er jetzt recht erdig.

Fazit: Christian ist seelig und gibt satte 92 Punkte, die er kurz darauf auf 91,49 runter korrigiert. Zwischen zwei einzelnen Punkten ist ja bekanntlich eine sehr große Range. Ich bin gleich bei 91/100.

Hier hat Christian „1976“ vermutet. Denn die Ardbeg der 70er sind legendär und er ist sich sicher das ist ein Ardbeg. Und ein richtig guter. Nun, wieder richtig und doch falsch. „Once was lost“ war hier gemeint, denn dieser Ardbeg stammt aus einer Zeit, bevor die Destillerie geschloßen war.

Christian: Ich bin eigentlich kein so großer Fan von Ardbeg aber dieser hat mich echt abgeholt, sehr typische Ardbeg Asche die sogar ich erkannt habe und superlecker. Stark was Ardbeg auch abseits von Hypebottelings kann.

Eine Zettel mit verkürzten Tasting Notes für sieben Whisky und einem Graphen mit den Achsen y="Lecka!" und x="Tasting". Darauf eingeordnet die Einschätzung zu den sieben Whisky, inklusive Zuordnung der Hinweise

Ob ihr wirklich richtig steht…

… seht ihr, wenn das Licht angeht. Oder in diesem Fall: wenn Tobias nach und nach auflöst. Ich muss sagen Christian hat das beeindruckend gemacht und es hat uns beiden auch wieder sehr viel Spaß gemacht. Auch wenn er teilweise falsch lag hat seine Begründung immer Hand und Fuß gehabt. Und das er Brora und Ardbeg korrekt detektiert hat – respekt!

Christian: Vielen Dank für den tollen Abend. Das war eine Menge Spaß und ich werde mich unter Umständen revanchieren. Man weiß es nicht ….

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Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Bei Händlern gekauft