Springbank Distillery by Lirazelf, C, via Wikimedia Commons

(Spring) Bankraub IV

Im Herbst werde ich selbst das erste Mal in Campbeltown sein. Sicherlich eine gute Ausrede um mehr Springbanks zu verkosten, oder? 😉

Hazelburn 2018 (Special Release Summer 2026)

Aus der Special Release Sommer 2026 von Springbank stammt dieser Hazelburn. Nur kurze sieben Jahre in Oloroso Fässern und dann mit fassstarken 47,9% in 9000 Flaschen gefüllt. Irgendwie klingt das ein wenig danach, als hätte man ältere Fässer die unter 40% gesunken sind in diesem „small“ Batch versteckt. Link zur Whiskybase

Nase: Richtig viel Blutorange und Grapefruit. Dahinter kommen würzige Noten von Pfeffer, Tabak und gelber Chartreuse. Außerdem sind da noch Trockenpflaumen und Weintrauben.

Mund: Würzig bis pfeffrig geht es los. Trockenes Holz und Sägespäne. Danach kommen gleichzeitig süße Noten und Bitterstoffe. Die Zitrusfrüchte sind jetzt Sirup. Außerdem ist da Kaffee und dunkle Schokolade.

Abgang: Auch hier wieder eine starke Würze. Zum Pfeffer kommt noch Menthol. Begleitend nochmal die Trockenfrüchte und der Tabak. Hintenraus dann eine Espressobohne in dunkler Schokolade, die auf einem Löffel Cocktailbitter serviert wird.

Fazit: Interessant, was die mutigen Leute in Campbeltown da so abfüllen. Die krassen Bitterstoffe und extreme Würze bestärken meine Theorie mit den älteren Fässern. Allerdings ist damit jetzt kein runde Whisky entstanden. Aber ein schöner Showcase. Nur leider schmeckt man den Hazelburn irgendwie nicht mehr. 87/100

Springbank 2015 Local Barley 2025

Der aktuellste Local Barley aus dem Winter 2025. Um genauer zu sein Bere Barley von der Clochkiel Farm. Diesmal 60% Bourbon, 40% Sherry. 8000 Flaschen mit 55,2% wurden Link zur Whiskybase

Nase: Blutorangen, eine tiefe mineralische Note und ich bin an irgendwie an einen Ausdruck zurück erinnert, den ich schon mal zu einem Local Barley gebraucht habe: Getorfte Fanta. Sollte mal jemand versuchen. Dazu kommt noch Hafer und Heu.

Mund: Klassicher Springbank Funk, wieder die Fanta und die Zitrusfrüchte. Ein ganzer Schwung Meerwasser.

Abgang: Leicht metallisch, weiterhin deutlich mineralisch. Zitrusnoten, ein wenig Ingwer. Honigsüße. Etwas Kohlenstaub.

Fazit: Nicht übermässig komplex, aber sehr intensiv und ganz klar Springbank. Was will man mehr von einem 10-jährigen? Vielleicht einen etwas günstigeren Preis 😉 Dennoch 90/100

Springbank 12-year-old Cask Strength Batch 28

Ein Klassiker der Springbank Releases. Der fassstarke 12-jährige ist bereits in der 28ten Auflage und diesmal gibt es eine reine Bourbon Cask Abfüllung. Anzahl der Flaschen ist unbekannt. Und er hat diesmal 55,5%. Link zur Whiskybase

Nase: Grüner Apfel, Vanillezucker, Quarzsand und Meerwasser. Dahinter ist nicht der Springbank-Funk, sondern ein Hauch Kuhstall. Das kommt überraschend. Dazu gibt es dann noch Zitrone, Ananas, Wachs und etwas Haferflocken.

Mund: Startet mit Zitrone. Dann kommt ein wachsiges Mundgefühl. Dann die Kombination aus Mineralität und Funk (wobei der sehr dezent ist). Dann noch etwas Limettensaft, Blätterteig und Vanille.

Abgang: Im Übergang ein paar bittere Fruchtnoten. Dann wird er gut wärmend. Wir enden mit Milchkaffee, Honig, einer trockenen Mineralität und kräftiger Fruchtsüße.

Fazit: So, jetzt hab ich ein Problem. Natürlich will ich ein reines Bourbonbottling mögen, ich muss ja sicherstellen, dass es davon noch mehr gibt. Ich mag die ja. Also im allgemeinen und häufig. Aber hier haben wir ein gutes Bottling, dass mich mehr wünschen lässt. Aber es ist natürlich immer noch mit dem extrem guten Grunddestillat ausgestattet. Also 86/100

Springbak 2012 Cage Bottling Rotaton 493

Oha! Ein Bottling aus dem Käfig. Der steht vor Ort bei Springbank und wenn man Glück hat, dann ist da was drin. Fassproben und ähnliche Dinge. Hier ein „Single Cask“ Refill Bourbon mit 9 Jahren und 60%. Link zur Whiskybase

Nase: Honig, Vanille, Hefeteig, Puderzucker, maritime Noten und die Apfelweintorte von der Schwiegermutter. Rezeptanfragen bitte per Mail 😉

Mund: Hat was von einem jungen Bowmore. Ein wenig rauchig, viel tropische Früchte. Der Alkohol wärmt und gibt Zitrus- und Pfefferschärfe.

Abgang: Sehr stark wärmend, die 60% lügen nicht. Darin versteckt sich dann auch noch die Springbank-Dreckigkeit. Oder der Funk. Nach einiger Zeit stellt sich ein sehr krispes Mundgefühl ein. Salzig, leicht kräutrig mit ein wenig Birne geht es dann zu Ende.

Fazit: Cage Bottlings sind ja immer auch deswegen gut, weil man sie mit seinem persönlichen Erlebnis verbindet. Quasi der Urlaubswein unter den Whisky. Ich muss aber sagen, als neutrale Instanz – denn es ist nicht mein Cage Bottling – das ist schon sehr schön und macht viel Spaß. 88/100

Longrow Peated (02/23)

Wir wechseln nochmal den Brennstil. Dabei fällt mir auf, den Longrow Peated, also den Standard, ohne Altersangabe, hatte ich schon öfter im Glas. Ein Review hab ich aber scheinbar bisher nicht geschrieben. Nun das hole ich hiermit nach. 46%, abgefüllt in Batches. Es ist ein Mix aus Bourbon und Sherryfässern, wie bei den meisten Standard Abfüllungen aus dem Haus Springbank, aber in welchem Verhältnis wir wissen es nicht. Link zur Whiskybase

Nase: Erdige Torfnoten, zusammen mit Erdnusspaste, gerösteten Äpfeln, Schinken mit Salzkruste. Dann kommen mineralische Noten und auch noch drei Tropfen Motoröl.

Mund: Salz ist erstmal sehr dominant. Dann kommt eine schöne Zitronennote. Saft, Abrieb, Fruchtfleisch. Leicht öliges Mundgefühl. Ein paar Bitterstoffe sind schon da. Aber die Süße dominiert. Der Torf ist sehr gut integriert.

Abgang: Salzig, trocken und gleichzeitig schön süß. Honig, Zitrone, wieder ein paar Nüsse, glasierter Schinken. Die Tornoten sind leicht rauchig und etwas stärker organisch, erdig. Die Bitterstoffe sind eher mild.

Fazit: Trinkig, lecker, ausdrucksstark. So mag ich meine Einsteiger-Standards. Natürlich nicht unendlich komplex, aber das ist schon ok in dieser Kategorie. 85/100

Longrow 17-year-old Online Tasting Week 2021

Zum Schluß noch ein Dram aus der Online Tasting Week, einem Phänomen der Corona-Pandemie. Abgefüllt wurde hier ein 17-jähriger mit 50,5% aus frischen Rum Barrels. Vollreifung! Link zur Whiskybase

Nase: Ananas, Kokos, Mandarine, Kochbanane. Honig und Karamell. Der Rauch ist eher zurückhaltend. Das ist doch ein Rum und kein Whisky.

Mund: Viele Bitterstoffe. Die Früchte sind jetzt vollreif. Die Ananas wird dominant. Der Peatlevel liegt eher bei Springbank als bei Longrow.

Abgang: Kokoswasser, weißer Pfeffer, auch die Früchte sind noch da. Schöne Mineralität. Es wird langsam trocken, in der Art von Quark.

Fazit: Qualitativ sicherlich in Ordnung, aber eine Rum-Fass-Vollreifung ist glaube ich einfach nicht mein Ding. Da es ein Bottling für die Nerds und Fans ist kann man das aber sicher machen. 84/100

Vorfreude

Steigt. Was mich hier wieder sehr begeistert hat ist die Vielfalt innerhalb von sechs Drams der gleichen Destillerie. Das dabei nicht alles für mich ein persönlicher Volltreffer ist, das stört mich nicht.

Mehr zu: Springbank, Springbankraub III
Bilder: Titel: Springbank Distillery by Lirazelf, C via Wikimedia Commons | Flaschen: Freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, als offizielles Tasting Kit und privat gekauft