Zurück in der Walhalla
„We drink and rejoice from the chalice […]
Valhalla, you are calling me home
Valhalla, new day dawning
Valhalla, this is where I belong“
Judas Priest, Halls of Valhalla (2014)
Auch in diesem Jahr konnte ein Tasting in der Walhalla zu Regensburg organisiert werden. Und so ging es am dritten Juliwochenende mit den Genussmenschen ins Whiskymuseum, um einen Abend lang die dortigen Chesterfields zu besetzen. Gastgeber Pit Krause hatte tief in seinen Whisky-Reserven gekramt und neun Flaschen zum Aufreißen ausgewählt.
Doch bevor es so weit war, widmete er sich den Erstbesuchern und erläuterte zunächst die Hintergründe des Whiskymuseums und zeigte Ausschnitte aus dem Imagefilm. Im Glanze der illuminierten Vitrinen umriss Pit grob die Historie des edlen Wassers des Lebens und machte das eine oder andere Thema anhand von Exponaten erfahrbar. Besonders erfreulich war, dass Pit dabei auch den Einfluss von Frauen auf den Whisky beleuchtete, sowohl im Allgemeinen, als auch durch einzwei Anekdoten über starke Frauenfiguren im Whiskybusiness. Im Laufe der Einleitung fielen außerdem noch folgende Stichworte: Tzatzikifässer, päpstliche Segnung, Bernsteinzimmer, Junggesellenabschied, Mammutjagd, Nascar-Rennen – Whiskyinteressierte wissen: damit ist die jahrhundertelange Geschichte des Whiskys im Wesentlichen abgedeckt. Und dann konnten die Gläser erstmals befüllt werden:
Potter 26 Jahre Ca
Bourbon Barrel bis 04.2016 / 58,3%Vol. / Link zur Whiskybase
Der flüssige Teil des Abends wird mit einem Corn Whisky eröffnet. Von der in British Columbia angesiedelten Cascadia Distillery, die 1958 von einem Mr. Potter gegründet worden war. Gebrannt wird auf Column Stills, seit 2006 allerdings nur noch eine Woche pro Jahr (zwecks Lizenzerhaltung). Ein Einzelfass von Cadenhead mit einer 204 Flaschen großen Auflage.
Nose: Erst mal Alkohol, Mais und Kleber, da bin ich empfindlich. Hinter heller Eiche und Keks warten einige Fichtensprossen. Neben Honig und Wachs finde ich außerdem eine Kleinigkeit Holzrauch.
Taste: Wieder Kleber und Alkohol. Trotz Karamell zeigt er sich leicht trocken und nussig. Dazu milde Töne von Vanille und Banane.
Finish: Erstaunlich viel Fichte. Es wird wachsig und würzig, dann treten noch einige Tannine auf den Plan.
Fazit: Manche Strukturen erinnern mich an Grain Whisky, aber es ist nicht verwunderlich, dass es da Parallelen gibt. Mit seinen 26 Jahren fühlt er sich dann auch recht jung und unrund an. Immerhin ist die Zunge jetzt tapeziert. (81)
Littlemill 1992 SCC – Cask 20
Bourbon Hogshead 27.02.1992 bis 28.02.2013 / 55,6%Vol. / Link zur Whiskybase
Der österreichische Abfüller Single Cask Collection steht hinter dieser Abfüllung – ein gerade so 21-jähriger Littlemill mit einem Output von 318 Flaschen.
Nose: Fängt mit gesalzener Brezn in Honig an, geht über in Marzipan und mündet in Aprikosen, Zitrone und schließlich dunkle Beeren. Auffallend sind auch die getrockneten Kräuter und Brennnesseln.
Taste: Cassis im Littlemill hatte ich bisher noch nie, spannend. Seine mineralischen und grün-weißen Fruchtkomponenten sind hingegen sehr vertraut. Kiwi und Aprikose garniert mit Kräuter und feinem Wachsüberzug.
Finish: Blanchierte Mandeln und Gras, sehr charakteristisch. Das Wachs bleibt lange erhalten.
Fazit: Ein starker Littlemill aus dem allerletzten Produktionsjahr. Das Hogshead tut ihm gut, genau mit solchen Fässern kann man das Destillat dieser Brennerei zum Glänzen bringen. (89)

Springbank 21 Jahre
Eichenfässer / 46%Vol. / Link zur Whiskybase
Von 1995 bis 2005 gab es einige Batches 21-jährigen Springbanks in diesem Flaschendesign. Anhand der Etiketten-Merkmale verorte ich diese Version als 2001er Abfüllung, aber so gut kenne ich mich da nicht aus. Pit meint, dass auch Fässer mit deutlich älterem Brand in diesen Batches gelandet sind, und, dass Springbank in den 60ern und 70ern die wohl besten Sherryfässer zur Verfügung hatte, die es jemals auf dem Markt gab.
Nose: Reichhaltig, aber irgendwie auch filigran. Viel Wachs, Unmengen an Rosinen und Pflaumen, sowie dickflüssiges Nussöl. Der antiken Eiche mutet was rauchiges, staubiges an. Weiter geht’s mit Nektarine, Marmelade, Mango und Kirsche. Zum spanischen Schinken passen salzige Haselnüsse und Marzipan.
Taste: Ja, der Sherry ist schon extrem gut. Fruchtig, unter anderem Nektarine jetzt. Darüberhinaus cremig und wachsig. Fette Haselnüsse thronen über den gemahlenen Gewürzen und dem Eichenholz.
Finish: Immer noch cremig. Wachs und Sherry liegen eng aneinander. Abgesehen von Eiche und Gewürzen bleibt auch was aschiges, mineralisches zurück, Umami-Style.
Fazit: Solche Abfüllungen sind mitverantwortlich für die hervorragende Reputation der Destille. Hochwertige Sherryfässer in Verbindung mit charaktervollem Destillat findet man heute nur noch selten. Mit so einem Dram kann man sich lange beschäftigen und immer wieder neue Details entdecken. (91)
Bushmills 1996 – Madeira Casks Finish
23.10.1996 – 31.05.2022, Re-Casked am 14.12.2002 / 50,3%Vol. / Link zur Whiskybase
Dieser Ire wurde exklusiv für den deutschen Markt abgefüllt und ist Teil der Causeway Collection. Während seiner 25-jährigen Laufbahn lagerte er erst Oloroso- und Bourbonfässern, dann wurde er für weitere 19 Jahre in 1st Fill Madeira Wine Casks befördert.
Nose: Kirscheis in rauen Mengen. Rote Beeren, insbesondere Erdbeere. Nüsse in Nussform, aber auch in der Gestalt von Nougat. Dazu gibt’s Kastanie.
Taste: Total rot, Beerenmeer und Kirschgalore. Samtige Eiche und angestaubte Gewürze als Kontrapunkt. Nougat taucht wieder auf.
Finish: Kaffee und Cassis, diese beiden Aromen lungern häufig in der Nähe eines Bushmills herum. Datteln und Pflaumen ziehen das Finish in die Breite, das Wachs ebenso.
Fazit: Nicht ganz so ikonisch wie die Basaltformationen, aber dennoch nicht von schlechten Eltern. Der Madeira-Einfluss ist ganz okay, aus Bourbonfässern wäre er mir vielleicht lieber gewesen. Pit erzählt noch zwei interessante Aspekte zu Irish Whisky, die mit bislang unbekannt waren: Der Brand reift etwas schneller als sein schottisches Pendant, was an den wesentlich größeren Potstills liegt, die auf der grünen Insel verwendet werden; das typische Beerenaroma kommt von der ungemälzten Gerste, die dem Malz beigemischt wird. Die chemischen und physikalischen Hintergründe hierzu sind gewiss spannend. (90)
Aberlour A’bunadh Batch #10
Spanish Oak Oloroso Sherry Butts bis 2003 / 59,8%Vol. / Link zur Whiskybase
Der A’bunadh soll bei Einführung und ein paar Jahre danach zu den qualitativ besten No-Age-Statement-Abfüllungen gehört haben. Pit vermutet auch, dass die verwendeten Fässer damals noch länger reifen durften als bei den heutigen Batches.
Nose: Rosinensaft pur. Saftiger Sherry mit allem, was dazugehört: Bienenwachs, Trockenpflaume, Nuss. Die Mango ist genial, der Kardamom gut dosiert.
Taste: Gewürze und Eiche wirken trocken adstringent. Dem gegenüber stehen saftig-klebriger Sherry, Backpflaume und Dattel. Das Wachs hat eine versöhnliche Funktion. Über allem liegt die Frische des Kardamom wie ein sanftes Vibrato.
Finish: Erst Kaffee und Kardamom, später Leder und Sherry.
Fazit: Gereift und wuchtig. Die 60 Umdrehungen sind kaum wahrnehmbar, stattdessen rückt der außergewöhnlich gut komponierte, feinsinnige Facettenreichtum in den Fokus. Hat alles, was ich bei den aktuellen Sherryfasswhiskys vermisse. (91)
Laizhou Peated Bourbon Cask
1st Fill American Bourbon Casks bis 2025 / 50%Vol. / Link zur Whiskybase
Die Laizhou Distillery ist ein Megaprojekt in der chinesischen Provinz Sichuan. Seit 2021 werden dort Fässer mit New Make befüllt. Dort gibt es sowohl Pot Stills als auch Column Stills, inzwischen hat auch die hauseigene Küferei den Betrieb aufgenommen. Der Whisky kann also nur um die vier Jahre alt sein, denn auch in China muss der Sprit mindestens drei Jahre im Fass verbracht haben, um sich Whisky nennen zu dürfen. Für diese spezielle Abfüllung wurde zu 100% medium peated Gerstenmalz verwendet.
Nose: Birne und Zitrone starten, dicht gefolgt von Asche und speckigen Elementen. Ein süßes Profil, sogar mit etwas Obst aus dem Smoker.
Taste: Ein BBQ wird veranstaltet, Asche und Honigmarinade inklusive. Bisschen jung ist er und einen Fahrradreifen hat er, aber auch Früchte (Birne). Gewürze durchdringen den Malt.
Finish: Viel Asche und Ruß, der BBQ ist immer noch im vollen Gange. Fleisch und Obst liegen auf dem Rost.
Fazit: Pit hat uns diesen Tropfen wortreich als Ardbeg vorgestellt und ihn aus einer Airigh nam Beist-Flasche (Batch 1) eingeschenkt – ich habe ihm geglaubt. Dementsprechend waren wir verblüfft, als wir nach dem ersten Schluck seine wahre Identität erfahren haben. Der hat mir besser als viele Sonderardbegs gefallen, Islay-Vibes sind vorhanden. Die 50€ für eine ganze Flasche sind es wert. An dieser Stelle soll ich Pit ausrichten, dass er ein Luder ist. (85)
Bowmore 2004 SMWS 3.339 – So wonderfully close, yet so wonderfully far!
17 Jahre im 2nd Fill Bourbon Hogshead 16.02.2004 bis 2021 / 57,1%Vol. / Link zur Whiskybase
Im Jahr zuvor befand sich ein Schwesterfass 3.338 im Line-Up, am selben Tag gebrannt und ebenfalls 17 Jahre in einem zweitbefüllten Hogshead. Der hat geschmeckt und so war die Freude groß.
Nose: Intensiver Käsekuchen (ohne Rosinen), da muss ich mich erst mal durchbeissen. Bald stoßen Salz, Honig und BBQ hinzu. Das Pflaster stellt eine kleine Zäsur dar, bevor es mit gelber Frucht weitergeht: Mango, Zitrone, Aprikose. Wachs und Fichte machen es sich gemütlich.
Taste: Salz und Mango, sowie Asche und Birne. Die farbenfrohen Früchte breiten sich aus, denn es folgen Nektarine, grüne Melone und Gurke.
Finish: Die Frucht wird jetzt wieder gelber, auch die Melone. Asche, Salz und BBQ erinnern daran, dass dieser Dram von Islay stammt.
Fazit: Erwartungen übertroffen. Der ist verdammt gut gereift und begeistert mit seiner lebhaften Obst-Sektion, die bestens mit den maritimen Aromen harmoniert. Davon gab’s nur 201 Flaschen – wer hat noch was übrig und ist bereit zu teilen? (91)
Port Ellen 1982 DL – Cask 5157
Refill Butt 11.1982 bis 05.2009 / 50%Vol. / Link zur Whiskybase
Die zweite geschlossene Brennerei an diesem Abend. Wobei Port Ellen ja kürzlich wiederbelebt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Konzentrieren wir uns auf dieses Einzelfass aus Douglas Laings Beständen, lediglich 235 Flaschen konnte man dem Butt entlocken.
Nose: Gips mit Iod, Muscheln mit Salz, reife Zitronen – alles sehr standesgemäß. Ein Würfelzucker wird mit Ballistol statt Absinth beträufelt, auch gut. Den Zitronen entspringen Stachelbeeren. Weiters zwei Seiten Pergament.
Taste: Ölige Textur. Das salzige Meer ist ganz nah. Neben den üblichen Zitronen, treten auch reifere gelbe Früchte zutage.
Finish: Relativ viel Asche, die hatte ich bisher eigentlich nicht vermisst, das kleine Pflaster auch nicht. Salzig und umami, gepaart mit säuerlichem Zitrus.
Fazit: Ein eher durchschnittlicher Port Ellen, mir hat ein wenig die Tiefe, die Virtuosität gefehlt. Meckern auf hohem Niveau, aber nach dem Bowmore hatte er einen schweren Stand. Bei dieser Gelegenheit hatte Pit einen Wattwurm in seinem Glas ausfindig gemacht – immerhin hat er eine besondere Beziehung zu diesen possierlichen Tierchen und kann nachweislich (Fotomaterial bitte zu mir) von sich behaupten, dass er weiß, wie Wattwürmer schmecken. (87)
St. Kilian 2021 – Cask 6506
ex Amarone 20.04.2021 bis 07.04.2025 / 59,7%Vol. / Link zur Whiskybase
Dann war auch schon Zeit für den letzten Dram des Abends, einem peated St. Kilian. Von den insgesamt 43 Halbliterflaschen hatte Pit zwei ergattert, um sie mit uns zu teilen. Die Abfüllung trägt den bewegenden Beinamen ‚Princesses last gift‘.
Nose: Der Amarone zeigt sich sofort mit roter Marmelade. Nougat und Leder formen ein dichtes Aroma. Der Peat äußert sich einerseits als Aschehauch, andererseits als Tabak und feiner Holzrauch. Was Pit als ‚Pferdedecke‘ bezeichnet, ist bei mir ein Turnsäckchen, das selbstständig auf der Aschenbahn seine Runden dreht (frei nach Han’s Klaffl). Und dann noch Zitrus.
Taste: Kastaniennougat, falls es sowas gibt. Asche begleitet von Iod und einem trockenen, tendenziell grobkörnigen Sandstrand. Die Gewürze hab ich gleich gefunden, den Amarone bemerke ich nur subtil.
Finish: Gewaltig, fleischig, pfeffrig. Schokoladiges Eichenholz mit ein paar Ascheflocken.
Fazit: St. Kilian plus Peat plus Amarone plus Viertelfass scheint eine Erfolgsformel zu sein. Jedes Element agiert auf Augenhöhe, alles bringt seine eigene Intensität mit, die dann fachgerecht miteinander verwoben werden. Ein toller Abschluss. (85)
Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Pit hat uns auch dieses Mal verwöhnt. Es war eine unterhaltsame Aneinanderreihung schöner Momente, herausragender Drams und angeregter Tischgespräche. Ein großer Dank geht an alle, die diesen denkwürdigen Abend möglich gemacht haben.
Mehr zu: Aberlour, Bowmore, Littlemill, Port Ellen, Springbank, chinesischer Whisky, deutscher Whisky, kanadischer Whisky, (nord)irischer Whisky
Samples privat gekauft | Bilder eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase








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