Reisebericht Schottland – Teil 10: Nachbereitung
Wieder daheim. Die zwei Wochen in den schottischen Landen sind wie im Flug vergangen. Doch einige Mitbringsel halten die Eindrücke und Erinnerungen umso lebendiger. Die mitgebrachten Samples versüßen zum Beispiel den einen oder anderen lauen Sommerabend.
Tomatin 2014 HI – Cask 4636
11 Jahre im Oloroso Cask bis 2026 / 52,6%Vol. / kein Eintrag in der Base
Über diesen Tomatin bin ich beim Mittagessen im Highlander Inn in Craigellachie gestolpert. Der Igel hat meine Aufmerksamkeit erregt. Auf dem Etikett steht, dass die 297 Flaschen exklusiv für Taiwan vorgesehen sind. Und, dass der Dram in Fassstärke, unchillfiltered und ungefärbt daherkommt.
Nose: Mit süßem Honig und hellen Gartenfrüchten ist der ziemlich freigibig, sogar ein bisschen gelber Muskateller schwirrt herum. Roher Plätzchenteig mit Mandeln, Vanille und viel Zitronenabrieb, der langsam aber sicher zu Ananas mutiert. Entwickelt sich schön, es wird noch wachsig, malzig und würzig. (87)
Taste: Wieder der florale Honig, die Wachse und die säuerlichen, tropisch-gelben Früchte tanzen miteinander. Aufgrund der Mandeln ein etwas grasig. Das Eichenholz trumpft mit einigen gemahlenen Gewürzen und schokoladigem Schmelz auf. (87)
Finish: Zum Honig kommt etwas Wachs dazu, während das recht stabile Eichenholz noch mit einigen Umamitönen und reichlich Würze aufwarten kann. Leicht pfeffrig und überaus nussig. (85)
Fazit: Die Farbe war der erste deutliche Hinweis auf die wirklich dezente Sherrybeteiligung, scheint 2nd oder sogar 3rd Fill gewesen zu sein. Nur ein μ Himbeere ist vom Oloroso übrig geblieben. Dieser Tomaton ist manchmal ungestüm, aber die meiste Zeit lieblich und insgesamt sehr schmackhaft. Das Profil erinnert mit stark an den 2011er Glen Elgin von Royal Mile Whiskies. Guter Fang jedenfalls vom Highlander Inn, die ganze Flasche konnte man vor Ort für ungefähr 70 Pfund, glaube ich, kaufen.
Dornoch 2020 – Cask 220
1st Fill Bourbon Octave 28.01.2020 bis 03.2026 / 56,6%Vol. / Link zur Whiskybase
Es bleibt tierisch, hier gucken einen zwei Ziegen verdutzt vom Etikett. Das Sample stammt aus Flasche Nr. 33 von 83 in der Castel Bar. Weiters steht da, dass Maris Otter-Gerste verwendet wurde, als Hefe Brewers Single R und die Maische 7 Tage lang fermentieren durfte.
Nose: Schokocreme-Bananentorte mit warmer Karamellsauce, dazu ein Tässchen Kaffee. Backpflaume, Johannisbeere und Rosenholz, säuerlich bis trocken adstringent (ich bekomme eine pelzige Nase). Das Eichenholz wirkt poliert, Bourbonkleberreste haften daran. Zur Nektarine gesellt sich gekochte, rote Paprikahaut. (86)
Taste: Rich and ripe. Banane und Nektarine verbünden sich mit Nüssen. In Kombination mit der Milchschokolade entsteht das Feeling eines 40-jährigen Grains. Ein paar Schnipsel vom grünen Rosenholz sind auch im Mix. Die Eiche punktet mit altem Holzrauch, Leder und Bitterschokolade. (88)
Finish: Ein ordentlicher Schwung rauchiger Eichenholzbretter, daran hängen auch Schokolade und Rosine. Hinter Honig und Banane wird es trockener, grasiger – die Mandeln sind da. (86)
Fazit: Die Reifedauer im Octave ist hervorragend getimed, der Whisky hat Reife und nicht zu viel Eiche. In der Nase ist er zu süß, das verhindert eine bessere Bewertung. Im Vergleich zum Fass 208 (vor Ort probiert) mit der extrem langen Fermentationszeit, ist er nur unwesentlich weniger fruchtig, dafür wesentlich ausgewogener. Toller Dornoch!
Glen Albyn 1979 GM – Cask 3857
Refill Sherry Puncheon 19.09.1979 bis 09.01.2023 / 56,4%Vol. / Link zur Whiskybase
Jetzt eines der Urlaubs-Highlights, ein Glen Albyn aus der Private Collection. Nach dem ausgibigen Tasting in den Hallen von Gordon & MacPhail wanderte ein Sample ins Reisegepäck. Nach 43-jähriger Reifezeit konnten lediglich 95 Flaschen abgefüllt werden.
Nose: Der ist richtig ölig, tief, fett und schwer: Rosinensirup mit Kohle, Gemüsebrühe. Der Sherry ist keineswegs eintönig, vor allem Heidelbeerkompott, Zwetschgendatschi und Kirschen sind unterwegs. Dazu passt warmer Schokoladenkuchen mit Karamellkern und Nougat. Kaum Eiche, sondern samtige Würze, wie Zimt, Haselnuss und Steinpilzpulver. Immer wieder läuft Bienenwachs durch’s Glas. (93)
Taste: Traumhaft – dem Sherry wohnt eine bemerkenswerte Säure inne, die auf hochwertige Palomino-Qualität aus Jerez hinweist. Die dunklen Früchte sind nicht mehr wirklich vorhanden. Dafür kleidet das antike Eichenholz alles mit einer trockenen Würze aus, Nelke, Zeder, Haselnuss und Tabak. Von letzterer macht sich auch Creme auf den Weg, nougatartig, schokoladig. Und dann wird es endlich auch fettig und metallisch, Schweröl und ein alter Stahlträger wälzen sich durch den Mundraum. Sogar ein wenig Bienenwachs und Zitrone kann ich wahrnehmen. (94)
Finish: Perfekte Balance aus samtigen Gewürzen, Holzrauch und Öl. Dermaßen greasy, dass es schon fleischig wird und Streichhölzer auf der Pirsch sind. Tabak, Nussnougat, Sherry – alles wunderbar ineinander verwoben. (93)
Fazit: Verdammt gut. Zwei Gesichter: Während in der Nase vorrangig der Süßwein das Wort bekommt, tritt im weiteren Verlauf das charakteristische Destillat mit seinen fettigen Elementen in den Vordergrund. Trotz seines hohen Alters bleibt das Fassholz stets zurückhaltend. 1A-Handwerkskunst aus dem Hause Gordon & MacPhail.
Bowmore 2004 PST für Highlander Inn
22 Jahre im Refill Bourbonfass / 49,9%Vol. / Link zur Whiskybase
Die Thompsons haben mich bis in die Speyside verfolgt. Dieser Bowmore war ebenfalls auf dem Bartresen des Highlander Inn zu finden. Im Gegensatz zum Tomatin war diese Abfüllung allerdings schon ausverkauft.
Nose: Beginnt Islay-mäßig mit malziger Asche, Ruß und Speck. Doch das tritt recht bald zurück und es wird fruchtig. Pfirsichcrumble, Zitrone und Apfel mit Zimt und Vanillesauce. Nüsse mit cremigem Karamell, später auch Galiamelone mit Bienenwachs. Weiter geht’s mit Mangospalten und Bittermandelmasse. (85)
Taste: Weiche Asche und wieder die Bittermandeln. Gefällt mir tatsächlich gar nicht so gut, hat was von stickiger Luft, Kümmel und Fuselalkohol. Das alles drängt all die gelben Früchte und Wachse zu sehr in den Hintergrund. Leicht fettig und immerhin die Salzlake hat gute Momente. (84)
Finish: Besser. Die Mandeln kommen nicht mehr abgestanden rüber. Viel von der flauschigen Asche, auch etwas Salz. Fettig und wachsig mit Andeutungen von gelbem Obst. (85)
Fazit: Schwierig einzuordnen. Vom Profil her dem 2004er Bowmore zum 25sten Castle-Jubiläum zwar recht nah, jedoch irgendwie schwach auf der Brust und mit diesem einen Fehler, der sich durch weite Teile des Malts zieht, sodass sich der Genusseffekt nie wirklich einstellt.
Gründe für eine Reise nach Schottland gibt es zu Genüge. Der Whisky hat mich dort hingelockt, die Natur hat mich zurückkehren lassen, die Kultur und die Menschen sind aber auch schwer in Ordnung. Ich werde sie wieder besuchen, die Burgen und Wasserfälle, Heidekraut und Schafe, die verschlafenen Städtchen und Lochs. Bis dahin erfreue ich mich am Nachklang der lokalen Gerstenprodukte.
Mehr zu: Bowmore, Dornoch, Glen Albyn, Tomatin
Bowmore, Dornoch und Tomatin privat gekauft, Glen Albyn Dreingabe von G&M | Bilder eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase





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