Loch an Eilein Castle

Reisebericht Schottland 2026 – Teil 9: Pitlochry

Tag 14

Nach zwei genussreichen Tagen mussten wir der Speyside leider den Rücken kehren. Unsere letzte Nacht auf der Insel würden wir in Pitlochry verbringen. Die Straße gen Süden schlängelte sich durch schafgesprenkelte Landschaften und kurz hinter Aviemore schnürten wir noch einmal unsere Wanderstiefel, um den See Loch an Eilein zu umrunden. Der Weg führt mal mehr, mal weniger nah am Ufer entlang, stets jedoch durch knorrige Kieferwälder, Farne oder Heidekraut – ein perfekter Ort, um Natur zu tanken. Und immer wieder bieten sich schöne Ausblicke auf die Burgruine, die sich auf der einzigen Insel des Lochs befindet.

Der Herstellungsprozess der Heidekrautschmuckstücke in Bildern:
1 = Sammeln der Heidekraut
2 = Zurechtschneiden der Äste
3 = Reinigen
4 = Färben in verschiedene Farben
5 = Pressen - unterschiedlich gefärbte Äste werden unter großem Druck miteinander verpresst, wodurch ein sehr marmoriertes Farbmuster entsteht
6 = Kleinschneiden der gepressten Blöcke
7 = Drechseln
8 = Fräsen der Schmucksteinformen
9 = Glattschleifen
10 = Lackieren für Glanz und Schutz
11 = Fassen in die jeweiligen Metallfassungen
12 = Fertiges Schmuckstück

Am Nachmittag erreichten wir Pitlochry, ein kleines Städtchen mit vielen malerischen Ecken und viel Blumenschmuck. Ein Besuch bei Heathergems durfte natürlich nicht fehlen. Dort entstehen aus gepresstem und gefärbtem Heidekraut außergewöhnliche Schmuckstücke. Durch große Fenster kann man vom Verkaufsbereich aus den Handwerkenden bei der Herstellung sogar über die Schulter schauen.

Da sich etwas außerhalb des Ortes der unabhängige Abfüller Signatory Vintage und dessen Brennerei Edradour befinden, war es naheliegend, dass ich im örtlichen Pub auf eine entsprechende Whiskyauswahl stieß. Ich griff zu zwei fassstarken Singlecask-Whiskys:

eine von 221 Flaschen Pulteney 17J aus Fass 800024 aus den Beständen von Andrew Symington

Pulteney 2008 SV – Cask 800024

1st Fill Bourbon Barrel 27.05.2008 bis 08.08.2025 / 56,1% Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Mehr Vanille als Honig, trotz ein wenig Karamell also nicht allzu süß. Das äußert sich auch durch Heu und Mandeln. Limette-Zitrone ist dezent aufgebaut. Gelber Pfirsich und Banane legen sich auf’s Eichenholz. (85)

Taste: Weiterhin trocken, das helle Eichenholz hat alte Nüsse, Stroh und Vanille im Gepäck. Dennoch hat der Honig ein bisschen mehr Einfluss, doch er wirkt gut gereift und leicht wachsig. Die Frucht hat einige Auftritte, hauptsächlich gelb und leicht säuerlich. (86)

Finish: Mandeln und Heu, dazu gemahlenes Eichenholz. Staubiges Kerzenwachs konserviert die würzigen Elemente. Zum Ende hin auch ein bisschen Frucht. (85)

Fazit: Zum Glück kein sonderlich dominantes Bourbonfass, der Pulteney bekommt somit die Chance zu glänzen und nutzt sie. Der gefällt mir besser und besser.

Eine von 162 Flaschen Mortlach 17J aus Fass 800123 aus den Beständen von Andrew Symington

Mortlach 2008 SV – Cask 800123

1st Fill Bourbon Barrel 13.03.2008 bis 07.08.2025 / 48,9% Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Banane, Nektarine und Zitrone – sehr gelb, sehr fruchtig. Ziemlich feines Marzipan mit Puderzucker und Wachsplättchen. Mandarine gepackt in Süßgebäck. (88)

Taste: Minimale Säure vom nach wie vor sehr gelben Obst, ein Klecks Honig. Das Holz geht etwas in Richtung Sandelholz, samtige Würze. Dann – Auftritt Mandeln und Nüsse. Holzrauch macht sich breit. (87)

Finish: Wärme. Wieder Mandelmarzipan mit Puderzucker und Rumaroma. Bisschen holzig am Schluss. (86)

Fazit: Für einen Mortlach ist er relativ leicht am Gaumen, die Worm Tubs machen sich kaum bemerkbar. Eine insgesamt gelungene Verbindung von Fass und Spirit, beides kann seine Stärken einbringen.

Tag 15

Am nächsten Morgen standen die üblichen Vorbereitungen für die Heimreise an: Die Koffer wurden fluggerecht gepackt, die mitgebrachten Whiskys transportsicher verstaut und anschließend ging es zurück nach Edinburgh, wo wir unseren Mietwagen abgaben.

Da unser Flug Verspätung hatte, blieb noch genügend Zeit für einen letzten Absacker im Teuchters. Bei einem Cider ließen wir die vergangenen zwei Wochen Revue passieren, bevor es schließlich zum Gate ging. Gegen halb zehn Ortszeit landeten wir in München. Während die Reise durch Schottland über weite Strecken angenehm entspannt verlief, wartete auf den letzten Kilometern noch ein Kontrastprogramm, denn die Weiterfahrt mit Bahn und Zug kostete reichlich Nerven und sorgte dafür, dass wir die schottische Gelassenheit noch ein wenig mehr zu schätzen wussten.

Ganz vorbei ist die Reise allerdings noch nicht. Einige Samples haben den Weg mit nach Hause gefunden und werden in den verbleibenden Urlaubstagen nach und nach geöffnet.

Mehr zu: Mortlach, Pulteney

Drams privat erstanden | Bilder eigenangefertigt bzw. Flaschenbilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase