Convalmore Distillery

Reisebericht Schottland 2026 – Teil 8: Dufftown

Tag 13

Am nächsten Vormittag klapperten wir ein paar Brennereien ab. Erster Halt war Benriach. Im Visitor Centre nahm sich ein freundlicher junger Mitarbeiter viel Zeit für unsere Fragen. Dabei erfuhren wir unter anderem, dass Benriach Gerste der Sorte Laureate verwendet, die auf hohe Erträge ausgelegt ist, in Großbritannien angebaut und von Crisp Maltings bezogen wird. Als daraufhin erwähnt wurde, dass bei den Originalabfüllungen von Benriach 70 bis 80% der Aromen vom Fass und seiner Vorbelegung stammt und das auch so gewollt ist, kürzte ich den Besuch ab – nicht mein Beuteschema.

Longmorn präsentierte sich nur von außen, da die Brennerei sonntags geschlossen ist. Das Gelände machte jedoch einen sehr gepflegten Eindruck. Ähnlich verhielt es sich bei Coleburn. Die Brennerei produziert seit 1985 keinen Whisky mehr, wirkt von außen aber weiterhin gut in Schuss. Auch Speyburn konnten wir lediglich von außen besichtigen. Die Gebäude machen allerdings einiges her und der kurze Abstecher hat sich dennoch gelohnt.

Speyburn Distillery

Zum Mittagessen kehrten wir im Highlander Inn ein, bevor wir in Dufftown unser Quartier bezogen. Von dort machte ich mich auf den Weg zum Clocktower. Bei Speyside Tours hatte ich den Dufftown Distillery Walk gebucht. Viereinhalb Stunden schlenderten wir durch den Ort zu den aktiven und stillgelegten Brennereien der Stadt (ausgenommen Parkmore, das nur einmal kurz am Horizont auftauchte). Das Wetter zeigte sich wenig kooperativ und es regnete praktisch durchgehend. Die insgesamt zwölf Drams entlang der Strecke sorgten jedoch dafür, dass dieser Umstand zunehmend an Bedeutung verlor. Die Tour verging wie im Flug.

Neben vielen Informationen zu den Brennereien erzählte Tourguide Michelle zahlreiche Geschichten und Anekdoten, die den Rundgang ausgesprochen kurzweilig machten. Wer sich für die Whiskygeschichte Dufftowns interessiert, dem kann ich diese Tour nur empfehlen.

schwarze Baumstämme bei Pittyvaich – ein Ethanol-konsumierender Pilz ist für die dunkle Färbung verantwortlich

Im Gegensatz zum sonst so idyllischen Image, das die Whiskyindustrie zu zeichnen versucht, wurden auch die unromantischen Aspekte angesprochen: Der Alkoholismus, zu dem die Brennereiarbeiter früher oft neigten, was durchaus auch zu häuslicher Gewalt führen konnte; die Abhängigkeit von der Branche und dem Stellenabbau im Zuge der Automatisierung (teilweise ist nur noch eine Person pro Schicht mit der Whiskyproduktion notwendig, während bis in die frühen 80er jede Brennerei eine eigene Fußballmannschaft stellen konnte); das aktuelle Whiskyloch, entstanden durch die Gier der Konzerne (noch vor 5 Jahren wurde New Make für knapp über 14 Pfund pro Liter gehandelt, derzeit sind es etwa 2 Pfund); die sogenannten Tank Distilleries, deren New Make gar nicht auf dem Gelände direkt nach der Destillation in Eichenfässer gefüllt und vor Ort gelagert werden, sondern in großen Tankwägen zu zentralen Abfüllanlagen und riesigen Lagerhauskomplexen transportiert werden; die Abfallprodukte aus dem Maischen und Destillieren, die nicht mehr an die hiesigen Farmen als Tierfutter gehen, sondern zur Biogas-Produktion verwendet werden, sodass die Farmer teuer Soja aus anderen Kontinenten beziehen.

Pilzbefall bei Glendullan
Warehouse bei Glendullan – diese Gebäudewand wurde sieben Jahre zuvor in strahlendem Weiß gestrichen – seitdem hat sich der Pilz ausgebreitet

Die zwölf Tourdrams waren aus folgenden Brennereien, teils Originalabfüllungen, teils von unabhängigen Abfüllern, manche aus den 80ern, manche brandaktuell: Benriach, Pittyvaich, Dufftown (2x), Glenwyvis, Mortlach, Glendullan, Knockdhu, Glenfiddich, Kininvie, Balvenie sowie Convalmore (Titelbild). Ausführlich Notizen habe ich mir nicht gemacht, aber es war ein guter Mix, bei dem für jeden Geschmack was dabei gewesen ist.

Zurück in Dufftown machte ich noch zwei weitere lokale Whiskys ausfindig:

DoubleWood 12 Jahre

The Balvenie DoubleWood 12 Jahre

Traditional Whisky Casks & European Oak Sherry Casks / 40% Vol. / Link zur Whiskybase

Seitdem Mortlach die Preise nach oben schraubt, trinken die Einheimischen lieber Balvenie.

Nose: Bisschen viel Sherry für meinen Geschmack, aber noch im Rahmen. Wird dann tatsächlich noch schön wachsig und fruchtig – Orange mit Zimt. (84)

Taste: Der Sherry wird intensiver, dichter und dunkler. Die Tannine der Eiche kommen durch. Die Würze ist mir einen Ticken zu harsch. (80)

Finish: Das Wachs verharrt lange und hält die Eiche im Zaum. (81)

Fazit: Ganz okay für einen Standard, allerdings habe ich das Gefühl, dass hier ausschließlich der Sherry am Werk ist, das Destillat könnte genauso gut von einer anderen Brennerei sein.

Benromach aus Fass 440

Benromach 2014 – Cask 440

1st Fill Oloroso Sherry Hogshead 25.04.2014 bis 28.08.2025 / 59,8% Vol. / Link zur Whiskybase

Für den in Dufftown ansässigen Spirituosenladen Whiskybrother wurden 299 Flaschen exklusiv abgefüllt.

Nose: Trotz 1st Fill ist der Sherry gut dosiert, rote Trockenfrüchte mischen sich mit Schokolade und einer schweren Öligkeit, fast schon wachsig und fleischig. Die Eiche ist edelwürzig und weist eine leichte Rauchigkeit auf. Ein paar Haselnüsse galoppieren durch den Oloroso. (87)

Taste: Ein schwerer Dram, der Sherry und das Destillat drücken auf die Zunge wie Teer. Für 60 Umdrehungen aber gut trinkbar. Der Sherry geht etwas in Richtung Nougat mit Kirschmarmelade. Erneut bringt die Eiche gute Gewürze, auch Kohlestaub. (87)

Finish: Nussige Gewürze, Schokolade und Smoke. Leicht trocken und langanhaltend. Nussöl und ein paar Umamitöne. (87)

Fazit: Tolles Einzelfass, der Oloroso harmoniert wunderbar mit dem Destillat von Benromach. Man merkt, dass er nicht so alt ist, aber die Wucht in Kombination mit der Tiefe machen das mehr als wett. Naturgewalt.

Dann war’s Zeit für’s Bett. Eine Station hatten wir noch vor uns, bevor’s wieder in die Heimat ging.

Mehr zu: Balvenie, Benromach

Drams selbst erstanden | Bilder eigenangefertigt, Flaschenbilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase