Reisebericht Schottland 2026 – Teil 7: Elgin

Tag 12

Nach dem Frühstück zog es uns ein zweites Mal an den Strand von Dornoch, um den feinen Sand unter den Füßen zu spüren. Die Ebbe erlaubte einen Spaziergang tief ins Reich der Muscheln und Wattwürmer.

Einige Minuten Fahrt Richtung Süden brachte uns zum Giraffengehege, wo wir die Langhälse streichelten. Die A9 trug uns nach Inverness, die A96 nach Forres, wo uns ein Hinweisschild auf die seit den 80ern inaktive Brennerei Dallas Dhu aufmerksam machte. Spontan beschlossen wir einen Schlenker einzulegen. Mittlerweile hat sich Aceo beziehungsweise Murray McDavid auf dem Gelände der gut erhaltenen Dallas Dhu angesiedelt. Da deren Fassphilosophie allerdings nicht unbedingt meinen Vorstellungen entspricht, fiel der Besuch entsprechend kurz aus.

Dallas Dhu Distillery - DDD

Anders verhält es sich mit der Elgin Cathedral (Titelbild). Die Ruine zählt zu den bekanntesten historischen Stätten der Region und ist definitiv einen Besuch wert.

Am Nachmittag wurde ich im Headquarter von Gordon & MacPhail vorstellig. Ich hatte die Single Cask Selection gebucht. Vor Ort stellte sich heraus, dass keine weiteren Teilnehmer angemeldet waren. Das Tasting war somit eine Privatveranstaltung. Und was soll ich sagen – es waren geniale zwei Stunden betreutes Trinken.

Die Dame von G&M ist sehr kompetent, seit 13 Jahren im Whiskybusiness unterwegs und man merkte, dass auch sie mit Herzblut für das edle Malzgetränk brannte. Wir unterhielten uns erst einmal über den vor drei Jahren angekündigten Ausstieg von G&M als Independent Bottler (das bestehende Fasslager reicht aber noch für die nächsten drei Generationen), die Fassphilosophie (Qualität & Refill ermöglichen lange Reifedauer) und die zweite Brennerei im Portfolio des Abfüllers – The Cairn. Wie es der Zufall will, hatte ich Tags zuvor im Dornoch Castle das sehr junge Erstlingswerk von Cairn im Glas (Bericht folgt) und als ich nun meine Enttäuschung darüber, dass man bei Cairn nicht wie ursprünglich angekündigt 12 Jahre mit dem ersten Single Malt gewartet hatte, sondern kürzlich dieses eher durchschnittliche Inaugural Release auf dem Markt gebracht hatte, wurde mir mitgeteilt, dass dieser Schritt notwendig gewesen war, um den Markennamen The Cairn zu sichern. Offenbar reicht es nicht, eine Destillerie mit dem Namen zu betreiben, man muss außerdem einen entsprechenden Whisky auf den Markt bringen. Tatsächlich bestand wohl die Gefahr, dass ein anderes Unternehmen (welches, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, das weiß nur die Familie Urquhart) diesen Namen wegschnappte. Weitere Interessante Info: Bei Cairn setzt man ausschließlich auf 1st Fill Fässer – merkt man beim First Peek leider.

Dann ging’s los mit dem ersten Dram – da ich mir nicht die Zeit genommen habe, kunstvoll ausformulierte Notes zu verfassen, werfe ich euch bei den fünf Whiskys nur die Hauptaromen auf’s Display:

Benrinnes

Benrinnes 2006 GM – Cask 17601804

Refill Bourbon Barrel bis 23.03.2026 / 56,5% Vol. / Link zur Whiskybase

139 Flaschen, die exklusiv für den Shop in Elgin abgefüllt worden waren. Das Destillat wurde teilweise dreifach gebrannt (wie es z.B. bei Mortlach noch üblich ist), eine Praktik, die bei Benrinnes bis 2007 angewendet wurde. Die Brennerei nutzt Worm Tubs, um den New Make abzukühlen, wodurch er einen schwereren Charakter als bei Shell & Tube Kondensatoren erhält (weniger Kupferkontakt bedeutet mehr Schwefelverbindungen). Das Refillfass enthielt wahrscheinlich mal Jim Beam, zumindest bezog G&M damals Bourbonfässer von dort.

Nose: honey, nuts, wax, lemon, little oak, tropical, overall soft

Taste: oak, spicy, smoke, nuts, pepper, lemon

Finish: earthy, pepper, oak, fruits, oily & heavy, banana, almond

Fazit: Der dezent rauchige Part kommt überraschend, aber i like it. Sanft in der Nase, am Gaumen kommen die Worm Tubs zur Geltung. Guter Einstieg. (86)

Linkwood

Linkwood 2009 GM – Cask 22605907

1st Fill Sherry Hogshead bis 18.11.2024 / 53,8% Vol. / Link zur Whiskybase

329 Flaschen exklusiv für den UK-Raum. Das Gespräch drehte sich gerade um die Reparatur undichter Fässer – heutzutage kommt dabei Schilf zum Einsatz, doch meine Betreuerin hatte von einem inzwischen im Ruhestand befindlichen Küfer erfahren, dass in den 80er Jahren lecke Fassdauben gewöhnlich mit Blei abgedichtet worden waren…

Nose: lovely decent 1st fill nose, woodsmoke, raisins, plums, waxes, cherry, velvety, apricot, peach, cinnamon, clove

Taste: nougat, cinnamon, cloves, apricot, wax, more decent sherry, banana

Finish: oak, soft spice, stewed fruit, wood dust, nuts

Fazit: Bleifrei. 2009 war ein guter Jahrgang bei Linkwood. Die Qualität des Sherrys sagte mir zu. War überrascht, dass es davon noch Flaschen im Shop gab, jetzt eine weniger. (88)

Scapa

Scapa 2001 GM – Cask 1079

1st Fill Bourbon Barrel bis 16.02.2026 / 51,9% Vol. / Link zur Whiskybase

Um die Jahrtausendenwende lag Scapa eigentlich in einem Dornröschenschlaf. Doch gelegentlich fuhr das Team von Highland Park einige Destillationsläufe, um das Equipment in Schuss zu halten. Bei einem dieser Ausflüge wurde dieses Fass befüllt. Eine Besonderheit von Scapa ist, dass ihre einzige Wash Still eine Lomond Still ist. Sie wurde 1959 unter Hiram Walker installiert. Inzwischen wurden die beweglichen Metallplatten entfernt, um die Reinigung zu erleichtern, aber es ist immer noch mehr als genügend Kupfer übrig, um einen außergewöhnlich hohen Reflux zu erzeugen. 196 Flaschen, exklusiv für Elgin.

Nose: light honey, heather, oily, flowery, shortbread, little spice, green apple & banana (getting tropical), lemon

Taste: fruity & oily, vanilla, spices, little wax

Finish: oily, oak, vanilla, lots of nuts

Fazit: Ein schönes Stück Geschichte. So einen alten Scapa bekommt man nicht alle Tage und es ist klar, dass Scapa dem Nachbarn von HP in nichts nachsteht. Das gewichtige Destillat und das 1st Fill Fass passen gut zueinander. (87)

Miltonduff - oder doch Mosstowie?

Miltonduff 1984 GM – Cask 9222

Refill Bourbon Barrel bis 17.11. 2022 / 56,2% Vol. / Link zur Whiskybase

Aprospos Lomond Stills – von 1964 bis 1981 operierte man in der Miltonduff-Brennerei auch mit zwei dieser besonderen Stills (1x Wash & 1x Spirit), Mosstowie nannte man den damit produzierten Whisky. Doch in den 80ern ließ die Nachfrage der Blendindustrie nach und man ersetzte die Lomonds bei Miltonduff durch normale Pot Stills. Den Quellen nach geschah das in 1981. Aber derlei Informationen aus so frühen Zeiten sind wohl nicht immer akurat. Die Geschmacksprofile einiger Miltonduffs aus den 80ern lassen die G&M-Mitarbeitenden vermuten, dass die Lomonds bei Miltonduff länger aktiv gewesen sein könnten, so auch dieser hier. Da ich bereits ein paar Mosstowie verkosten durfte ( u.a. hier), hab ich da mal explizit darauf geachtet. Das Fass 9222 gab nach 38 Jahren übrigens nur noch 81 Flaschen Whisky her, den Rest bekamen die Engel.

Nose: finest nougat, oranges & lemons, vanilla custard, ripe apples & pears, beeswax, apricot, polish, nuts, marmalade, tropical yellow (passion f. et al.)

Taste: banana, citrus, cantuccini, lots nuts, spicy oak, little honey, grassy, olive oil, wax, apricot, the faintest whiff of smoke

Finish: nutty biscuits, smoky, some Bourbonfruits, venison, umami, nougat, cinnamon

Fazit: Mein Tipp = Mosstowie. In der Nase weniger, aber auf der Zunge verhärtet sich der Verdacht. In jedem Fall spannend. Unabhängig davon ein herausragender Malt und ein gutes Beispiel dafür, wie versiert G&M im Bezug auf extralange Lagerung ist. (92)

Benromach

Benromach 1982 GM – Cask 3024413

Seit dem 30.11. 1982 20 Jahre 1st Fill Sherry + 19 Jahre Pinot Noir aus dem Burgund bis 05.10.2022 / 59,9% Vol. / Link zur Whiskybase

Eine Private Collection-Abfüllung aus G&M’s anderer Hausbrennerei. Weil das Equipment zu großen Teilen deinstalliert worden war, benötigte G&M nach dem Kauf in 1993 etwa fünf Jahre, um Benromach wieder zum Laufen zu bringen. Der derzeitige Spirit Safe stammt beispielsweise aus der längst geschlossenen Destille Millburn. Doch dieser Benromach wurde noch vor der Schließung mit den alten Brennblasen gebrannt. Nach 39 Jahren und 10 Monaten Lagerzeit konnte man noch 207 Flaschen aufziehen – man beachte den hohen Alkoholgehalt!

Nose: cinnamon, earthy, red berries, raisins, polished, saw dust, nougat, highend spice, custard, various garden fruits, wax

Taste: dry oak, lots spices, deep Sherry & top quality wine, raisins & berries, nougat

Finish: very woody, not too much though, some sweet wine, nuts chocolate

Fazit: Sieh an, auch eine Rotwein-Reifung kann gelingen. On par mit einigen der großen Sherry-Whiskys der 70er. Erstaunlich, wie gut der Alkohol eingebunden ist. (91)

Ein Wahnsinnstasting und eine meiner erinnerungswürdigsten Whiskyerlebnisse ever. Einen herzlichen Dank an die Mitarbeiterin von G&M, gut ausgesucht. Neben dem Linkwood hab ich mir noch einen Refill-Tomatin eingepackt und ein ganz besonderes Sample (wie immer: Bericht folgt), als Dreingabe gab’s noch eine schicke Glaspipette.

Glücklich und zufrieden hab ich nach dem Dinner in der Hotelbar noch einen weiteren Gordon & MacPhail geschlürft:

Glen Elgin

Glen Elgin 2005 GM – Cask 18604902

1st Fill Sherry Hogshead bis 16.08.2024 / 57,8% Vol. / Link zur Whiskybase

Wenn man schon in Elgin hockt, kann man auch mal einen Elgin trinken. Wieder eine UK-Abfüllung, die 249 Flaschen blieben auf der Insel.

Nose: Von der Optik her ein relativ heller 1st Fill Sherrywhisky, doch die Trockenfrüchte fehlen keineswegs. Rosinen (mit Nuancen von Dattel) mischen sich mit wachsigem Honig und Cantuccini. Gelbgrüne Zitrustöne und eichige Tannine bilden einen gewissen Kontrast. Reichlich Zimt. (88)

Taste: Sehr würzig, der Alkohol schlägt ziemlich zu. Nach 30 Sekunden komme ich wieder zu Bewusstsein und durchlebe den Schmerz. Am Horizont verspricht Nougat Linderung, der Malt bietet einen guten Nussmix. Die Textur bekommt was fleischiges, schweres. Unter die schokoladigen Tannine schleicht sich ein Hauch Zitrus. Oder Minze? (87)

Finish: Die Nüsse stürzen sich auf das trockene, alte Eichenholz. Paraffine und Kakaopulver bedecken die Geschmacksknospen. (87)

Fazit: Heute hatte ich schon einige Single Cask mit teilweise weit über 50%, aber das ist der erste, der unbedingt Wasser benötigt. Gewiss kein schlechter Dram, aber mir fehlt die Fruchtigkeit. Er hat dennoch durchaus einige Dimensionen in petto und rechtfertigt seinen Status als Einzelfassabfüllung. Ich glaube, das ist einer dieser Whiskys, die immer besser schmecken, je mehr man davon probiert.

Mehr zu: Benrinnes, Benromach, Glen Elgin, Linkwood, Miltonduff & Mosstowie, Scapa

Drams selbst erstanden | Bilder eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase (Linkwood, Scapa, Benromach, Glen Elgin)