Reisebericht Schottland 2026 – Teil 6: Dornoch
Tag 11
Nach zwei erholsamen Tagen mussten wir Loch Shin hinter uns lassen. Ein kurzer Abstecher zu den Falls of Shin, ein niedriger aber mächtiger Wasserfall, diente als Abschiedgruß. Der nächste Halt führte uns zu den Ruinen von Skelbo Castle. Von dort bietet sich ein schöner Blick über den Loch Fleet. Auf den Sandbänken konnten wir zahlreiche Robben beobachten, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen ließen. Grob geschätzt dürften es um die 80 Tiere gewesen sein.
Beim Rundgang durch die Ruine fiel mir noch ein Detail auf, das ich bei den anderen Ruinen nicht hatte: Im Mörtel zwischen den Steinen waren zahlreiche Muscheln, hauptsächlich Miesmuscheln. Im Nordseeraum wurde wohl mindestens seit dem 2. Jh. n. Chr. auf Muschelschalen als Bindemittel zurückgegriffen, so auch beim Bau dieser Burg im 14. Jh..
In Dornoch angekommen, bestimmte das Wetter den weiteren Tagesverlauf. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen führte uns der erste Weg zur Eisdiele. Vier Kugeln Eis später waren wir um zehn Pfund ärmer, aber durchaus zufrieden.
Anschließend zog es uns an den Strand. Der feine Sand, das klare Wasser und die überraschend freundlichen Temperaturen ließen fast so etwas wie Südsee-Feeling aufkommen. Zumindest bis man den Fuß etwas länger im Wasser ließ und daran erinnert wurde, dass man sich nach wie vor in Schottland befand.
Ein weiterer Stopp führte uns zu Tartan Creations Dornoch. Dort fanden zwei Haarbänder den Weg in unser Reisegepäck. Eines davon trägt das ausschließlich in Dornoch erhältliche Tartan-Muster „Pride of Dornoch“. Die Farben orientieren sich an der Distel, der schottischen Nationalpflanze.
Am Abend kehrten wir im Dornoch Castle ein. Hier begann nun der Whisky-fokussierte Teil der Reise.
Dornoch 2020 – Cask 208
1st Fill Bourbon Octave 13.01.2020 bis 03.2026 / 55,6% Vol. / noch kein Baseeintrag
Ein Dornoch in Dornoch. Auf den Backlabel wird eine Fermentationszeit von 23 Tagen angegeben! Einfach mal geschmeidig vor Weihnachten angesetzt (mit Brewers Single Rr) und im neuen Jahr wieder abgeholt. Aus Maris Otter-Gerste, 6 Jahre alt, aus Flasche 39 von 77.
Nose: Reife Fruchtigkeit in Honeycomb, Einzelheiten kann ich bis auf zermatschte Banane nicht erkennen. Karamell, das immer mehr zur Schokolade, besser gesagt Nougat, mutiert. Polierte Eiche bringt Haselnüsse und Gewürze. Später noch rote und schwarze Johannisbeeren. (86)
Taste: Jetzt laufen mir die dunklen Johannisbeeren sofort ins Netz. Würziges Eichenholz und Alkohol ringen miteinander. Tannine transportieren Nüsse, Leder und Zartbitterschokolade. Ein bisschen Banane schafft es an dem ganzen Gewusel vorbei. (83)
Finish: Trocken eichig und nussig. Die Schärfe bleibt leider. (82)
Fazit: Das Destillat von Dornoch hat grundsätzlich schon Potenzial, aber ich glaube, dass sich die überlange Fermentationszeit nachteilig ausgewirkt hat. Auch das Fassholz hat zu großen Einfluss, bei den kleinen Octave kann das eben schnell überhand nehmen.
Glenugie 1977 SV – Cask 5506
Hogshead 18.10.1977 bis 30.08.2005 / 46,7 % Vol. / Link zur Whiskybase
Immer eine Freude, einen Glenugie im Regal zu entdecken. Aus Flasche 169 von 220.
Nose: Erfrischende Noten von Zitrone, Limette und Grapefruit, die Gurke passt da bestens ins Bild. Aber damit hört die Frucht nicht auf: Apfel, Aprikose, Nektarine, Banane und Mango tummeln sich auf feinstem Bienenwachs. Tabak und Shortbread tauchen erst viel später auf. (89)
Taste: Nicht minder vielfruchtig, vielleicht nicht ganz so intensiv. Zu dem watteartigen Bienenwachs gesellen sich jetzt Eichen- und Sandelholz, würzig und tanninhaltig. Gips und Kreide sind kaum zu spüren. (87)
Finish: Tabak und Eichenholz, Mandeln und Gewürze. Es wird auch ziemlich wachsig, Kerzenwachs, kein Bienenwachs. (85)
Fazit: Ein bisschen fehlen mir die Glenugie-Marker. Ist nicht tragisch, denn abgesehen davon, dass der zu viel Holz abbekommen hat, ist es eine ordentliche Ex-Bourbon-Reifung.
Glen Elgin 2004 PST – Cask 801309
Refill Hogshead 10.03.2004 bis 2026 / 52,2% Vol. / Link zur Whiskybase
Noch was aus dem Hause Thompson. 22 Jahre alt, eine von 261 Flaschen.
Nose: Viel Bienenwachs und Honig, auch ein wenig cremiger Schmand mit Zimt. Beschwippste Banane mit einem Touch Limette. (86)
Taste: Ziemlich honiglastig, sodass andere Aromen es schwer haben, es gibt kaum ein Durchkommen. Zudem einen Ticken zu würzig für meinen Geschmack. Aber die Kaffeeschokolade mit Rosinen gefällt mir. (83)
Finish: Ähnlich. Wachsiger Honig und Eichenholz. (83)
Fazit: Ein wirklich dominantes Refill-Fass, das ist mir zu eintönig. Trotz seines Alters wirkt diese Elgin nicht sonderlich gereift, auch der Alkohol macht ihn unrund. Da hatte ich viel mehr erwartet.
Tobias hat mich noch auf einen Dram vom Laphroaig Cask Strength Batch 009 (Link zur Whiskybase) eingeladen, von dem er eine Flasche in der Bar stehen hat. Den hatte ich bereits verbloggt (Link zum Beitrag: Iod, Blut und Tränen), ich bleibe auch bei meiner Bewertung, ergänze die Notes aber um ein paar zusätzliche Aromen: Die Süße gesmoketer Früchte, Bacon, Karamell, Teer. Lieben Dank an Tobias für’s Teilen.
Ich habe an diesem Abend noch ein paar andere Drams eingetütet, aber die werden in einem anderen Rahmen hier beschrieben. Happy ging’s in die Heia, mit der Aussicht, morgen in der Speyside anzugelangen.
Mehr zu: Dornoch, Glen Elgin, Glenugie, Laphroaig
Drams selbst erstanden, Laphroaig von Tobias spendiert | Bilder eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase (Glen Elgin)




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