Whisky Island (Teil 13) – Arran „vs.“ Tobermory
Eine kurze Unterbrechung in Astrids tollen Reiseimpressionen. Ich mach heute nur einen kleinen Hopp, von Insel zu Insel, und das auch nur virtuell. Auch wenn ich natürlich lieber vor Ort wäre.
Arran 10-year-old Arran Barley Batch 001
Ein neuer Standard von Arran. Gebrannt ausschließlich aus Gerste (Optic) direkt von der Insel. Gereift wird in 1st Fill Bourbon Barrel and 2nd Fill Sherry, abgefüllt mit 50%. Der erste Batch umfasst 18000 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Süß, mineralisch, zitronig. Etwas Meer und Küste. Dann kommen fruchtige Noten von Apfel und Pfirsich. Frisch und auch in Butter geschwenkt. Dann noch Honig, Röstmalz und Vanillepudding.
Mund: Etwas Pfeffer, Zitronenzeste, Vanille, die Äpfel werden jetzt mit Brandwein abgelöscht. Gebäcknoten kombiniert mit exotischeren Früchten.
Abgang: Die maritimen Noten kommen wieder stärker durch. Salzig und trocken. Dazu Vanillezucker, Zitrone, Milchkaffee, Getreide, angebranntes Karamell.
Fazit: Ein wirklich guter Standard, der den normaler 10-jährigen ergänzt. Er hat ein trockenes und deutlich weniger süßes Profil. Die 50% funktionieren auch sehr gut. Gefällt mir gut. 86/100
Arran 2011 Private Cask for Whiskybase.com
Schwer das korrekt zu interpretieren. Ich denke das war ein Private Cask, dass dann zu einem großen Teil für die Whiskybase abgefüllt wurde. Auf jeden Fall ist es ein Refill Bourbon Barrel gewesen mit 55,1% und 177 abgefüllten Flaschen tragen dieses Label. Link zur Whiskybase
Nase: Sehr fruchtig und süß. Dosenfrüchte und Eingelegtes. Vor allem Birnen aber auch Lychees. Dazu kommt eine würzige Komponente. Zimt, Vanille und Salz. Honig mit einem deutlichen Einschlag in Richtung „Wald“. Dahinter kommt noch eine malzige Komponente
Mund: Weiterhin schön fruchtig. Apfel und Birne in einem Gebäckstück. Vanille, Pfeffer, Menthol und Eichenwürze. Sehr weich für 55%.
Abgang: Sehr konsistent, zu Geruch und Geschmack. Milde aber gut strukturierte Bitterstoffe kommen noch dazu. Pfirsichschalen, etwas leicht metallische Kaffeenoten (was auch immer das ist)., Eichenwürze und Vanille sind auch noch vorhanden.
Fazit: Schönes Einzelfass. Sehr charaktervoll. Auf einen Arran wäre ich nicht gekommen. Eher auf einen Fruchtschnapps aus dem Bourbon Cask oder so. Schön! 87/100
Arran 2013 Private Cask für Flickenschild
Zum 120ten Jubiläum des Zigarrenmachers aus Itzehoe hat man sich einen Arran abfüllen lassen. Ein Sherry Hogshead mit 59% wurde in 319 Flaschen gefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Würzig, viel Tabak und Leder. Trockenfrüchte dahinter, vor allem Sauerkirschen. Auch Schwarztee und Kräuter sind irgendwo dabei. Treibholz mit Salzkruste. Überraschend viel Vanille dafür wie stark das Sherryfass zu wirken scheint.
Mund: Erst weich und ölig. Dann schnell würzig, pfeffrig und mit einer knackigen Säure. Zitrone und Schwarztee. Dann kommt Schwefel bzw. leicht ranzige Butter und eine tiefe Holznote. Die Kirschnote kriegt Schokolade an die Seite.
Abgang: Saure rote Früchte. Dunkle Schokolade. Auch wieder der Tabak. Die Bitterstoffe geben eine gute Tiefe. Der Alkohol ist jetzt sehr präsent. Wärmend, fast betäubend. Die Süße hält ihn in Balance.
Fazit: Mal wieder was für den persönlichen Zwiespalt. Gutes Fass, aber es dominiert den Whisky. Zu wenig maritim, zu wenig Früchte, der Brennereistil ging irgendwie verloren. Kann man trotzdem sehr gut trinken. 84/100
Tobermory 2010 – Claxton’s
13 Jahre reifte dieser Whisky und erhielt am Ende ein Finish in einem 1st Fill Rum Barrel. Abgefüllt wurde in Claxton’s Warehouse No.1 Serie. 50,5% hatten die 284 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Sehr fruchtig und fast schon prickelnd geht es los. Pfirsich, Mango, Cocos. Der Alkohol ziept ein wenig in der Nase. Außerdem gibt es noch deutliche grüne Noten.
Mund: Ein billiger Fruchtcocktail am Strand. Eukalyptus, Meeresbrise und Gischt treffen auf eingelegte Früchte und einen zu hohen Fruchtsaftanteil im Getränk. Das klingt jetzt negativer als es ist. Eigentlich trinkt sich das ganz gut.
Abgang: Leicht metallisch, nur sehr leichte Bitterstoffe. Milchkaffee-Niveau. Etwas Tabak, vielleicht eine Idee von Rauch? Aber das kann ja gar nicht sein, oder? Die Früchte sind jetzt nur noch im Form vom Saft aus der Dose da.
Fazit: Ich tue mich ja häufig schwer mit Rum-Finishes. Hier ist das Ergebnis recht trinkig. Allerdings dafür dann auch wieder zu teuer. 85/100
Ledaig 2020 – James Eadie
James Eadie hat in der Serie Distilleries of Great Britain & Ireland Commemorative beschlossen, dass fünf Jahre reichen müssen für ein Refill Barrel und zwei Refill Hogshead. 1015 Flaschen mit 52,6% gibt es. Link zur Whiskybase
Nase: Jugendlich torfig, etwas Birne, ein paar Bitterstoffe, Vanille. Er ist keinesfalls leise, aber fast zurückhaltender als ich erwartet habe. Zitrone, Salz, maritime Noten.
Mund: Süß und fruchtig. Honig und Zitrone. Nach ein paar Runden im Mund wird es aschig und rauchig. Dann wird er pfeffrig und würzig und kriegt auch einen Vanilletouch.
Abgang: Ok, bis eben war ich noch recht angetan. Kriegt man viel fürs Geld, dachte ich mir. Am Ende ist aber, verständlicherweise, nur noch wenig vorhanden. Ist ja nur 5 Jahre alt.
Fazit: Der hat einen Platz im Whiskymarkt. Und ich finde nicht, dass er nur wie New Make schmeckt. Mit dem kann man einen very day Dram im Regal haben, den vielleicht nicht jede*r kennt gleichzeitig auch etwas für einen Smoky Highball. Wer hier die totale Single Malt Überraschung erwartet wir sich allerdings selbst enttäuschen. 84/100
Ledaig 2001 – Phil & Simon Thompson
Das ist mal eine Vertikale. Fast 20 Jahre Abstand in Destillationsjahr und Reife. Das wird schön. 😀 Langsam habe ich alle Jubiläumsbottling zum 25ten Jahrestag der Familie Thompson im Dornoch Castle. Aber ein paar hab ich noch. So wie diesen Ledaig. 24 Jahre im Refill Hogshead ergaben dann noch 158 Flaschen mit 52,2%. Link zur Whiskybase
Nase: Wunderschöne farmige Torfnote. Mineralische Vanillenote (was auch immer das ist), intensive, fast schon scharfe Zitrusnoten. Das ist aber nichts Negatives. Dazu noch grüne Äpfel.
Mund: Weiterhin der farmige Torf. Jetzt mit etwas erdigem dazu. Honig- und Zitrussüße. Dazu passend auch etwas Säure. Dann noch helle Misopaste.
Abgang: Die Süße wird intensiver. Der Torf wird medizinisch. Bitterstoffe von Tabak und Espresso. Dann wird es erst sehr schön fruchtig. Pfirsich und Zitronen.
Fazit: Fantastisches Bottling. Lange gereift, komplex, rund und dennoch ausdrucksstark. Was will man mehr? Toll! 90/100
Baseline
Die Baseline ist genau am richtigen Punkt. Sehr ordentliches Standardbottling, leckerer bezahlbarer every day Indie. Die sind genau am richtigen Punkt. Natürlich freue ich mich auch über die tollen Single und Private Casks, aber die Standards bilden nach den Blends nun mal das Rückgrat der Whiskyindustrie. Wenn da die Welt in Ordnung ist, dann auch beim Rest.
Mehr zu: Arran, Tobermory/Ledaig, Whisky Island (12)
Bilder: Titel: Arran sunset © User:Colin / Wikimedia Commons | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und kostenlos von Kirsch Whisky Import (Tobermory und Ledaig JE) zur Verfügung gestellt.






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