Reisebericht Schottland 2026 – Teil 5: Loch Shin

Tag 9 (Fortsetzung)

Da die Wanderung zu den Bone Caves der kurzfristig ermöglichten Bootstour weichen musste, war der erste Zwischenhalt auf dem Weg nach Norden zur Abwechslung mal eine Burgruine: Ardvreck Castle am Loch Assynt. Die Lage direkt am Ufer des Lochs auf einer kleinen Landzunge verleiht dem verfallenen Ort eine besondere Stimmung. Das vom Torf dunkel gefärbte Wasser, die umliegenden Berge und die windumtoste Landschaft wirkten ursprünglich, zugleich romantisch und düster.

Ardvreck Castle am Loch Assynt
a Wasserfoi

Lange konnten wir die Aussicht allerdings nicht genießen. Heftiger Regen setzte ein und wir machten uns auf den Weg zum nahegelegenen Allt Chranaidh Wasserfall, der vom Loch na Gainmhich gespeist wird. Der Weg dorthin war zwar nicht besonders lang, verlangte aber volle Aufmerksamkeit. Über nasse Felsen, schmale Pfade und reichlich Matsch ging es dem Ziel entgegen. Bereits unterwegs waren wir so durchnässt, dass man meinen konnte, der Wasserfall hätte uns längst erreicht. Als wir schließlich vor den herabstürzenden Wassermassen standen, bot sich ein tosender Anblick: Das Weißwassers donnerte in die Tiefe und die Gischt benetzte die grünen Felshänge des Talkessels.

Anschließend führte uns die Route weiter durch die malerische Landschaft rund um Kylesku hindurch. Es folgte ein 33 Meilen langer Single Track-Abschnitt, der sich an einer Reihe einsamer Lochs entlangschlängelte, bevor wir eine charmante Selbstversorgereinheit unweit des Loch Shin erreichten.

Der Abend verlief ausgesprochen ruhig. Nach den vielen Eindrücken des Tages war das genau das Richtige. Die Unterkunft lag angenehm abgeschieden und bot die Ruhe, die ich mir von diesem Abschnitt der Reise erhofft hatte. Da es Anfang Juli so hoch im Norden nicht wirklich dunkel wird, konnte man noch lange den Blick über die Landschaft schweifen lassen.

Tag 10

Offenbar hatten die vergangenen Tage mehr Energie gekostet als gedacht. Mein Körper meldete jedenfalls recht deutlich Schlafbedarf an, sodass der Vormittag größtenteils verschlafen wurde. Tatsächlich waren Matratze und Kissen auch die bequemsten, die ich jemals in Schottland vorgefunden hatte. Erst gegen Mittag war an weitere Unternehmungen zu denken. Am Nachmittag machten wir uns zu einem Spaziergang entlang des Loch Shin auf. Das Wetter zeigte sich von seiner windigen Seite. Während die Böen kräftig über das Wasser fegten, hatte das Ganze zumindest einen Vorteil: Von Midges fehlte jede Spur.

Walliser Schwarznasenschafe

Später durften wir Gastgeber John bei der Fütterung seiner Tiere begleiten. Neben vier zotteligen Highland Cattle und einigen Hühnern gibt es dort auch ein Gehege mit Rotwild. Einige der Kälber waren erst wenige Tage alt, doch bereits sicher auf ihren vier Beinen unterwegs. Die Hirschkühe nahmen die angebotenen Pellets direkt aus der Hand. Die Highlights waren jedoch die vier Walliser Schwarznasenschafe. Mit ihrem flauschigen Fell, den schwarzen Gesichtern und ihrer gutmütigen Art sorgten sie schnell dafür, dass wir Überlegungen anstellten, wie wir sie ins Flugzeug zurück nach München bekämen.

Während der Fütterungsrunde erzählte John viel über die Tiere, ihre Vorlieben beim Futter, ihr Verhalten und einige Anekdoten über ihre Haltung.

Am Abend setze ich mich noch mit einem Banff auseinander, den ich einige Tage zuvor im Fiddler’s in Drumnadrochit gesampelt hatte:

Banff von Hallmark of St. James

Banff 1976 HSJ

Eichenfass 08.1976 bis 04.2000 / 55,4% Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Blumiger Honig und verstaubtes Wachs in rauhen Mengen, was sich bald mit Vanille und gedecktem Apfelkuchen vermischt. Ebenso schwingt eine konstante Zitronennote mit, mehr süß als sauer. Die Eiche hält sich eher im Hintergrund auf, doch der Zimt ist spielfreudig. Ich meine, auch einen Hauch öligen Peat zu vernehmen. (89)

Taste: Der Alkohol drückt doch recht ordentlich auf die Tube und treibt Honig und Wachs vor sich her. Das vergeht dann aber und es wird entspannter. Staub und Peat rücken in den Mittelpunkt, es entsteht eine ölige, leicht vegetative Textur. Eichenwürze und Andeutungen von Frucht locker das auf. (87)

Finish: Würziges Eichenholz, Mandeln und Wachs verharren am längsten. Honig und Öl verbinden sich sehr gut, und darauf schwebt der Peat. (88)

Fazit: Wunderbar ölig, der Banff, und konsistent im Aromenbild. Das Alter kommt gut zur Geltung, wie man so schön sagt. Bis auf die Alkoholspitze sehr ansprechend, bei gleichzeitig hohem Komplexitätslevel.

Inzwischen hatte der Wind nachgelassen und das Blöken der Lämmer und Mutterschafe auf den umliegenden Weiden war nun deutlich zu vernehmen. Eine gute Geräuschkulisse, um sanft einzuschlafen. Derart ausgeruht trugen uns die Flügel am nächsten Tag weiter nach Osten.

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Sample selbst erstanden | Bilder eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase (Banff)