Reisebericht Schottland 2026 – Teil 4: Ullapool
Tag 7
Wir ließen die Region Lochaber hinter uns, die Reise führte uns noch weiter nach Norden. Unterwegs stand abermals eine Burg auf der Agenda, was sonst eigentlich? Diesmal war es Invergarry Castle am Ufer des Loch Oich. Von der ehemaligen Festung der MacDonells sind heute zwar nur noch Ruinen erhalten, für einen kurzen Stopp lohnt sich die Anlage aber allemal.
Zur Mittagszeit erreichten wir Drumnadrochit am Loch Ness. Im Fiddlers Highland Restaurant stärkten wir uns für die restliche Strecke nach Ullapool. Dort kamen wir nach rund anderthalb weiteren Stunden Fahrt nach Nordwesten. Nach dem Check-in wurde zunächst das Quartier inspiziert, ehe wir am Hafen und Strand des Städtchens einige Sonnenstrahlen, Cider und Burger genossen.
Später zog es uns ins Arch Inn. Dort wurde das Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Paraguay übertragen. Das ernüchternde Spiel musste in der Halbzeitpause mit einem HP12 gekontert werden:
Highland Park 12 Jahre – Spicy & Well-Rounded
Amerikanisch & europäische Eiche: Refill, 1st Fill, Sherry Seasoned / 40% Vol. / Link zur Whiskybase
Nose: Ein Duo aus grünem Apfel und Zitrone steigt aus dem moderaten Sherry auf. Minimal Peat, ist bald verschwunden. Bisschen Heide im Billighonig, ansonsten wenig HP zu entdecken. Ziemlich zimtig, tut ihm tatsächlich gut. (80)
Taste: Dünn im Geschmack, dennoch scharf und würzig. Heide und Peat sind noch das Beste am Malt. Der Sherry zeigt sich höchstens in Form von 0815-Honig. (79)
Finish: Trockenes Eichenholz, würzig bis pfeffrig. Der Peat wird jetzt sichtbarer, öliger, vegetativ und kräuterig. (79)
Fazit: Wow, ist der schwach und fantasielos. Nochmal ein Downgrade dieses lange Jahre stabilen Standards. Sagen wir es so: Der Whisky passte recht gut zum Spielverlauf.
Tag 8
Der Vormittag stand ganz im Zeichen des Stac Pollaidh. Aufgrund der Wetterverhältnisse waren nur wenige Wanderer unterwegs, sodass wir den markanten Hügel fast für uns allein hatten. Ein angenehmer Nebeneffekt war, dass wir unterwegs mehrfach Rotwild beobachten konnten.

Oben angekommen wurden wir mit einer epischen Aussicht belohnt. Die umliegenden Lochs, Berge und die raue Landschaft der Northwest Highlands machen den Stac Pollaidh für mich zu einem echten Kraftort. Ein besonders entspannter Frosch schien das ähnlich zu sehen und genoss den Ausblick ebenfalls in aller Ruhe.
Am Nachmittag erhielten wir die Nachricht, dass unsere gebuchte Tour zu den Summer Isles aufgrund mangelnder Teilnehmerzahl abgesagt worden war. Die Enttäuschung verdauten wir während eines ausgedehnten Strandspaziergangs.
Der Tag schien damit bereits in ruhigeren Bahnen zu verlaufen. Während ich im Pub gerade Getränke besorgte, klingelte jedoch das Telefon. Der Veranstalter der Bootstour war am Apparat und teilte mit, dass für die Tour am nächsten Morgen um 9 Uhr kurzfristig zwei Plätze frei geworden waren. Nach kurzer Beratung trafen wir die Entscheidung, unsere Planung für den morgigen Tag anzupassen und die Gelegenheit zu nutzen. Drei Stunden auf dem Speedboot bekamen somit den Vorzug vor einer Wanderung zu den Bone Caves.
Die freudige Nachricht wurde anschließend mit einem fassstarken Raucher begossen:

Lagavulin 12 Jahre – SR 2022
Refill American & Virgin Oak Casks / 57,3% Vol. / Link zur Whiskybase
Nose: Es dauert gefühlt ewig, bis sich die kalte Zigarettenasche und der Lagavulin-Diesel ausgetobt haben. Doch endlich finden auch Eiche, Vanille und Zimtzucker (mit Apfel und Banane) ihren Weg an die Nüstern. Grillabendaromen mit Honigmarinade – irgendwann wird’s dann doch ein brauchbarer Dram. (84)
Taste: Wieder endlos kalte Asche, diesmal ergänzt um Iod und Bandagen. Der Alkohol ist überhaupt nicht gut eingebunden, das macht viel kaputt. Würzig, harzig und süßlich – viel los auf intensivem aber uninteressantem Level. (82)
Finish: Jetzt geht die Tendenz eher zur Lagerfeuerasche, trotz der ganzen Bandagen und des Gipses. Aber die Eiche und der Diesel machen keine gute Figur. (82)
Fazit: Ich kann mir nicht helfen, aber diese dieseligen Lagavulin wirken immer zu jung und unreif auf mich. So auch hier, es kommt insgesamt zu wenig. Dem 8-jährigen Standard somit nicht unähnlich.
Tag 9
Gespannt machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Hafen. Nach dem Anlegen der dicken wasserdichten Overalls bestiegen wir die Selkie, ein oranges Speedboot, das uns hinaus zu den Summer Isles und darüber hinaus bringen sollte. Das Wetter meinte es gut mit uns. Es war bewölkt, nahezu windstill und trocken – gute Voraussetzungen für die Suche nach Wildlife.
Lange warten mussten wir nicht. Noch während Ullapool in Sichtweite war, zeigten sich die ersten Schweinswale. Kurz darauf ließ sich eine neugierige Gruppe Gemeiner Delfine blicken, die das Boot ein Stück begleitete. Im weiteren Verlauf der Tour konnten wir mehrere Seehunde beobachten. Auch ein Seeadler zeigte sich und hielt in der Nähe seines Nachwuchses Wache. Nach einer in den 70ern gestarteten Wiederansiedlungsaktion gibt es davon inzwischen etwa 200 Brutpaare in Großbritannien. Dazu kamen zahlreiche Seevögel, die die Küstengewässer der Region bevölkern.
Nachdem wir die Summer Isles hinter uns gelassen hatten, ging es hinaus auf das offene Meer. Die Sicht war hervorragend. Am Horizont zeichneten sich Skye sowie Lewis and Harris ab. Was allerdings weiterhin fehlte, waren die erhofften Wale. Stattdessen begegneten uns einige Papageitaucher, die in ihrer typisch drolligen Art dicht über die Wasseroberfläche flatterten und dabei wirkten, als hätten sie nur teilweise Kontrolle über ihre Flugmanöver übernommen.
Wir befanden uns bereits auf dem Rückweg und die Hoffnung auf eine Walsichtung schwand langsam, als plötzlich direkt neben dem Boot ein Zwergwal auftauchte. Mehrfach durchbrach er die Wasseroberfläche und zeigte seine Rückenfinne, bevor er ebenso unauffällig wieder in den Tiefen verschwand. Einer von zahlreichen tollen Momenten auf der Tour.
Der Rückweg erfolgte in vollem Tempo. Kurz vor Ullapool legte Käpt’n Carlos noch einige enge Kurven ein und sorgte damit für einen ebenso unterhaltsamen wie aufregenden Abschluss der Bootsfahrt. Ein Ausflug, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Anschließend deckten wir uns im örtlichen Tesco mit Proviant ein, verstauten alles im Auto und nahmen Kurs auf den nördlichsten Abschnitt unserer Reise.
Mehr zu: Highland Park, Lagavulin
Drams selbst erstanden | Bilder eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase (HP12 & Lagavilin)




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