Reisebericht Schottland 2026 – Teil 1: Edinburgh

Tag 1

Die Anreise zum Flughafen verlief zunächst so, wie man es von der Bahn gewohnt ist: nicht ganz ohne Unregelmäßigkeiten. Dennoch kamen wir pünktlich an und der Direktflug nach Edinburgh brachte uns ohne weitere Zwischenfälle nach Schottland.

Am frühen Abend konnten wir in unsere Unterkunft einchecken, danach zog es uns auf den nahe gelegenen Greyfriars Kirkyard. Durch die schiefen Grabsteine und jahrhundertealten Mausoleen mit teils gruseligen Verzierungen entfaltet dieser Friedhof eine ganz eigene Atmosphäre, einfach beeindruckend.

steinerne Gräber des Greyfriar Kirkyard

Edinburgh zeigte sich an diesem Tag allerdings ungewohnt sommerlich. Es war der heißeste Tag seit fast vier Jahren und entsprechend groß war der Durst auf die ersten Guinness der Reise. Zusammen mit Burgern ließen wir uns diese im Pub direkt neben dem Friedhof schmecken.

Anschließend besuchten wir kurz Bow Bar, wo es den ersten Dram und gleichzeitig den Abschluss des Abends gab:

Benriach 2008 SWCo – Cask 24804

Palo Cortado Hogshead 22.12.2008 bis 22.05.2025 / 52,3% Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Viel flüssiger Honig, später folgen getrocknete Datteln. Leicht teigig mit Bitterstoffen.

Taste: Ja, der Honig geht nicht weg, dicht und klebrig, lediglich die flüssigen Datteln finden da noch Platz. Hat mit Palo Cortado nicht mehr viel zu tun, eher PX.

Finish: Honig-Dattel-Paste, keine neuen Erkenntnisse.

Fazit: Wie bei Puuh der Bär – Honig aus dem Tontopf naschen. Nur Sherry, kein Destillat. Ich mag zwar Datteln, aber den muss ich nicht nochmal haben. (79)

Tag 2

Auch am nächsten Morgen setzte sich das für Edinburgh eher untypische Sommerwetter fort. Bei bereits ungewöhnlich hohen Temperaturen machten wir uns auf den Weg zum Arthur’s Seat. Bevor wir den Gipfel in Angriff nahmen, legten wir einen kurzen Stopp bei St Anthony’s Chapel ein. Die Ruine liegt direkt am Weg und bietet bereits schöne Ausblicke auf die Stadt.

Ruinen der St Anthony's Chapel

Oben angekommen, nahmen wir uns Zeit, um die Aussicht zu genießen. Bei dem klaren Wetter konnte man weit über Edinburgh und die Umgebung blicken. Auch wenn der Aufstieg bei diesen Temperaturen etwas schweißtreibender war als gedacht – die Mühe wurde definitiv belohnt.

Ausblick auf Edinburgh mit dem Salisbury Crags im Vordergrund

Der Abstieg führte uns über den Südhang. Dort sind noch immer die Folgen des Feuers vom August 2025 zu sehen. Verkohltes Wacholdergeäst erschafft einen unwirklichen Anblick.

verkohlte Wacholderstämme über Edinburgh

Zurück in der Stadt stand erst einmal Flüssigkeitszufuhr auf dem Programm. In der Whiskybar The Abbey gab es gut gekühlte Erfrischungsgetränke. Ich nutzte die Gelegenheit außerdem für einen 25-jährigen Ben Nevis von Milroy’s:

Ein 96er Nevis von Milroy's

Ben Nevis 1996 Soh – Cask 20

Refill Sherry Butt 09.02.1996 bis 28.06.2021 / 47,6% Vol. / Link zur Whiskybase

Nose: Ein cremiger 96er, Käsekuchen, Schmand und Marzipan. Dann kommen immer mehr die Gartenfrüchte durch, namentlich Pfirsich, Apfel und Quitte. Ein paar Kleckse Honig und Sherry tropfen auf würziges Eichenholz. (89)

Taste: Relativ trockene Eiche mit einer guten Portion verschiedener Gewürze. Hinter dem Marzipan lauern säuerliche Früchte in Gelb, Grün und Weiß. Obendrauf gibt’s Datteln und Schoko-Karamell. (88)

Finish: In Leder eingewickelte Zartbitterschokolade und Eichenholz. Der trockenfruchtige Sherry wirkt jetzt am intensivsten. (85)

Fazit: Für einen 25-jährigen Whisky überraschend alkoholisch. Trotzdem ein Nevis mit Potenzial, nur leider bekommt ihm der moderne Sherry nicht.

Da die Hitze doch mehr Kraft gekostet hatte als erwartet, gönnten wir uns anschließend eine Siesta. Gut ausgeruht machten wir uns später wieder auf den Weg, um um 23 Uhr Ortszeit dem schottischen Team im Duell gegen Brasilien die Daumen zu drücken.

Am nächsten Morgen kann ausgeschlafen werden, bevor es mit einem Leihwagen an die Westküste geht – Bericht folgt.

Mehr zu: Ben Nevis, Benriach

Drams selbst erstanden / Fotos eigenangefertigt bzw. mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase (Ben Nevis)