Der Gebrüder Thompson ihr Zeuch
Bei Keine halben Drinks landet man früher oder später zwangsläufig bei Phil und Simon in Dornoch. Tobias teilt und verbloggt fleißig Flaschen von diesem unabhängigen Abfüller und so wurde auch meine Aufmerksamkeit geweckt.
Die beiden Brüder verhielfen erst der Whiskybar im Dornoch Castle Hotel zu ihrem renommierten Ruf, dann verkünstelten sie sich mit einer winzigen Brennerei in einer ehemaligen viktorianischen Feuerwache direkt daneben, heute bekannt als Dornoch Distillery. Parallel dazu entstanden unter dem Label Thompson Bros unabhängige Abfüllungen, die irgendwo zwischen Nerdprojekt, Qualitätsversprechen und kontrollierter Eskalation pendeln. Inzwischen arbeiten die Brüder an der deutlich größeren Struie Distillery, einer modernen Brennerei, mit der sie ihre Vorstellung von „old-style whisky“ – andere Gerstensorten, lange Fermentationen, ungewöhnliche Hefen, alte Produktionsmethoden – künftig in größerem Maßstab umsetzen wollen.
Glen Garioch 27 Jahre PST
2nd Fill Barrel bis 2025 / 46,3%Vol. / Link zur Whiskybase
Beim letzten Stammtisch wurde auch eine Flasche aus dem fünften Batch der Mystery Malts beigesteuert. Da noch ungeöffnet haben wir uns den Spaß einer Blindverkostung gegönnt und haben hernach nicht schlecht über diesen alten Garioch gestaunt, lag die Wahrscheinlichkeit einen solchen Volltreffer zu landen doch bei lediglich zweihundertfünf zehntausendsiebenhundertachtel.
Nose: Unglaublich wachsig, die Bienenwabe tropft direkt in die Nase. Es dauert ein wenig, bis es Zimt, Salz und Shortbread da durchschaffen. Dann dreht der Obstkorb voll auf: Diverse Zitrusfrüchte, Aprikose und Banane verzücken die Sinne. Mandelzucker, falls es sowas gibt. (88)
Taste: Vanille pur, dann Honig. Das Obst mäandert eher gemächlich dahin. Die Mandeln sind da zackiger, sie durchdringen den Malt von hinten bis vorne, mutieren zum Marzipan. Tabak, Harz und Zucker in Nuancen. (88)
Finish: Die Mandeln werd‘ ich nimmer los. Eiche und Schwefel eilen zur Hilfe. Einer von der Sorte, die sich festsetzt. (87)
Fazit: Ein sehr typischer Glen Garioch, die Wachselemente sind schon very signature. Vom Alter her hätte ich ihn allerdings jünger geschätzt, da er ziemlich straight forward unterwegs ist. Sorry für den ganzen anglizistischen Einstreu.
Glen Garioch 1998 PST – Cask 4670
2nd Fill Barrel 10.11.1998 bis 2025 / 53,8%Vol. / Link zur Whiskybase
Wie es der Zufall will, hatte ich am Tag nach dem Stammtisch diesen Garioch aus dem Versandkarton befreit. Wurde dann natürlich der Vergleichbarkeit wegen parallel verköstigt. Insgesamt 190 Flaschen ergab das Fass.
Nose: Mandelmus und Shortbread wurden mit einer dünnen Wachsschicht überzogen. Aprikose macht es sich gemütlich. Zitrusfrüchte, kandierte Ananas, Melone und Wachs nehmen immer mehr Fahrt auf. Eichenholz punktet mit Gewürzen und Streichholz. (89)
Taste: Melone, Ananas und Zitrusfrüchte treffen sich zum Schwimmen im Wabenhonig. Trockene Zimtnoten und sanfte Tannine kündigen das Eichenholz an. Mandeln und Nüsse ziehen Umamitöne mit sich. Das Bourbonfass war eins der aktiveren 2nd Fills. (89)
Finish: Der Umamipart ist recht flott unterwegs, zieht an den Mandeln vorbei, läuft auch dem Eichenholz den Rang ab und mündet in voluminösem Schwefel. Leicht wachsig und würzig. (88)
Fazit: Alles ein bisschen intensiver als beim Mystery Malt, außer vielleicht das Wachs, das ist bei GG eh immer hochmotiviert. Von den Aromen her ziemlich ähnlich gestrickt halt. Bisschen mehr Frucht hatte ich mir erhofft.
Aldunie 1998 PST
2 Refill Barrels 07.09.1998 bis 09.2025 / 52,5%Vol. / Link zur Whiskybase
Hinter dem Begriff Aldunie verbirgt sich ein geteelöffelter Kininvie. Kininvie ist eine Single Malt Brennerei auf dem Gelände der Brennerei Balvenie. Das Maischen passiert noch mit dem Equipment von Balvenie, wobei man im Anschluss auf etwas längere Fermentationszeiten setzt. Im Stillhouse von Kininvie befinden sich zwei Spirit Stills, die in ihrer Form derer der benachbarten Glenfiddich-Brennerei ähneln, und eine etwas größere Washstill. Dieser 27-jährige Aldunie entstand aus einem Mini-Batch von 2 Fässern, die zusammen 368 Flaschen ergaben.
Nose: Cremig und vor allem fruchtig, denn Banane, Apfel, Melone und Kiwi legen sofort los. Helles Holz, Vanille und Karamellspuren betonen die Fassauswahl. Malzbonbons und wachsiger Honig, allerdings ohne den Whisky zu süßlich wirken zu lassen. Marihuana. Die offiziellen Verkostungsnotizen sind ziemlich akkurat, sogar die Stachelbeere kann ich entdecken. (90)
Taste: Die Frucht wird einen Ticken grüner. Gewürze werden langsam zur treibenden Kraft. Zusammen mit Gerste und Eichenholz wird sie in Honig gebadet. Wachs und Mandeln, wenn auch nicht ganz so viel wie bei den beiden Glen Garioch. Auch die sanften Tannine zeugen von einem guten Reifegrad. (89)
Finish: Mandeln und Wachs stehen auf einem stabilen Fundament, voluminös, ölig und fleischig (beinahe so schwefelig wie die Garioch). Eiche und Gewürze sind erdig ausgeprägt. Auch Honig meldet sich. (88)
Fazit: Viel Obst im Gepäck und viele klassische Marker einer vernünftigen Bourbonfassreifung. Nicht übermäßig komplex gestrickt, jedoch einer von der Sorte „was er macht, macht er gut“. Ein intensiver Speysider, der mich abholen kann.
Side Burn 1989 PST
35 Jahre in Refill Casks 21.10.1989 bis 09.2025 / 51,1%Vol. / Link zur Whiskybase
Aus dem gleichen Eck, wie der Aldunie: Mit Sideburn, in dem Fall Side Burn, meistens jedoch Burnside bezeichnet man einen mit Glenfiddich geteelöffelten Balvenie.
Nose: Eine freundliche Begrüßung aus Blütenhonig und Bienenwachs. Gelbe Früchte und etwas verstaubte Eiche unterstützen das Wachs. Mango, Zitrone und Orange breiten sich aus, lebendig und zestig. Mandelmus, Schuhcreme und edle Gewürze fügen sich ein. (91)
Taste: Lebendig und gelb, die Kombination aus Mango und Maracuja sowie der feinen Säure erinnert in Ansätzen an alte Bowmore aus den frühen 70ern. Vanillesauce, Eichenholzstaub und gemahlenen Gewürze bilden ein stabiles, erdiges Fundament. Viel Tabak mit etwas Gerste darin. Mandeln in verschiedenen Variationen. (90)
Finish: Das erdige Eichenholz und die Gewürze sind auch hier federführend. Unmengen an Mandeln ziehen Schwefel und Wachs an Land. (88)
Fazit: Richtig schöner Obstsalat, nur etwas seltsam, dass ich die Frucht im Finish so gar nicht finden kann. Die Refill-Fässer ergänzen das Destillat jedenfalls glänzend. Aus Versehen habe ich mir zwei Samples aus unterschiedlichen Flaschenteilungen gesichert, da bin ich jetzt ganz froh drum.
Bowmore 2004 PST – Cask 28
Refill Casks 23.03.2004 bis 2025 / 51,8%Vol. / Link zur Whiskybase
Zum 25th Anniversary der Familie Thompson als Betreiber des Dornoch Castle Hotels wurde dieses Einzelfass abgefüllt. Wirklich ein Grund zum Feiern. Zum Glück wurden nicht sämtliche 289 Flaschen dieses Bowmore für die Party benötigt und so hat es auch ein großer Schluck zu mir geschafft.
Nose: Obst und feiner Rauch gehen Hand in Hand, Gebäckteilchen und Salz dackeln hinterher wie zwei Welpen. Die Fruchtsektion enthält Mango, Banane, Geleezitronen und Nektarinencreme. Bienenwachs kommt mit ein bisschen Verzögerung, dann wird es sogar bbqy. (90)
Taste: Mehr rußig als rauchig und kräftiger als in der Nase. Die gelben Früchte sind sehr intensiv und reichhaltig, Banane, Zitrone und Weinbergpfirsich. Aus Salzlake, Bienenwachs und Zuckersirup entwickelt sich ein öliges, speckiges Milieu. (90)
Finish: Asche und BBQ, die Früchte sind jetzt endgültig im Smoker abgetaucht. Eine Einheit aus wachsigen, speckigen, nussigen und salzigen Elementen schmeicheln dem Gaumen und bekräftigen den Wunsch nach Nachschlag. (90)
Fazit: 2004er Bowmore hatte ich ja schon einige, aber der hier schmeckt mir bislang am besten. Bewegt sich durchgehend auf hohem Niveau, die Kombination aus gereiften Früchten und fortgeschritten abgebautem Peat ergänzt sich wunderbar gegenseitig.
Bowmore 2014 PST
11 Jahre im Refill Barrel 11.06.2014 bis 12.2025 / 56,8%Vol. / Link zur Whiskybase
Noch ein zweiter, deutlich jüngerer Bowmore, ebenfalls ein Einzelfass. Die Auflagenstärke beträgt 290 Flaschen.
Nose: Kaum Rauch, dafür eine sehr cremige, laktische Nase, wie Käsekuchen. Oder Joghurt mit Honig und Pfirsichcrumble. Der Dram ist obstig unterwegs, mild aber komplex – mal schaut eine Banane vorbei, mal eine Zitrone und wann anders ist es eine Kiwi oder Beeren. Hinter Eiche und erdigem Kakao gibt es einige Salznuancen zu entdecken. (87)
Taste: Körniger Ruß, weiche Asche und speckige Bandagen – das fühlt sich schon sehr nach Bowmore-Filzpantoffel an. Die laktischen Elemente sind noch vorhanden, nehmen aber nicht mehr ganz so viel Raum ein. Von der reichen Frucht sind nur salzige Zitrustöne übrig. Wirkt jünger als elf. (83)
Finish: Viel erdige Asche und verkohltes Eichenholz glimmen. Bisschen Salz, bisschen Wachs, bisschen Speck. Geradlinig und lang. (83)
Fazit: Die Nase gefällt mir gut, es ist viel los, wenn auch manchmal etwas unbeholfen. Der Rest wirkt noch ziemlich unfertig und dennoch mit Potenzial, es ist einer dieser Malts, die ich länger im Fass gelassen hätte.
Und deshalb liebe ich diese alte Refill-Reifungen! Viel Frucht, das Destillat kann seine Vielseitigkeit zeigen und bei langen Lagerzeiten wird’s richtig virtuos. Der junge Bowmore tanzt etwas aus der Reihe, aber alle anderen sind auf einem sehr hohen Niveau unterwegs. Da haben die Brüder gute Fässer ausgewählt. Witzig, dass ich bei allen Nichtrauchern konsequent Schwefel im Finish gefunden habe. Die Drams hatte ich über mehrere Tage verteilt probiert und hatte zwischendurch auch andere schwefelfreie Whiskys im Glas. Aber das tut dem Genuss keinen Abbruch und ich freue mich schon auf den kommenden Schottlandurlaub, denn da führt mich mein Weg auch nach Dornoch.
Mehr zu: Balvenie, Bowmore, Glen Garioch, Kininvie
Samples privat gekauft, Mystery Malt von Wast | Titelbild eigenangefertigt, Flaschenbilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase






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