Bruichladdich, so wie sie kommen… (Teil 6)
Mal wieder eine Runde Laddie, die mir so nach und nach ins Glas gehüpft sind. Deshalb auch keine Vergleiche und auch keine sinnvolle Reihenfolge. Eben so wie sie kommen.
Bruichladdich 1969 Gordon & MacPhail
Wir starten gleich mal mit hohen Erwartungen. 1960er Laddie. Uhhhh. 27 Jahre in zwei unbekannten Fässern und mit 54,2%. Abgefüllt wurde in der längst beendeten Cask Strength Serie. Link zur Whiskybase
Nase: Menthol, Lakritze, Kräuter, Salbei, abgestandenes Bonbonglas von der Oma, dreckige Vanille. Schon ziemlich speziell aber es macht neugierig.
Mund: Grapefruitschale, wieder die Lakritze, weißer Pfeffer, weißer Pfirsich und getrockneter Salbei. Was wurde hier abgefüllt?
Abgang: Salzzitrone, heller Kaffee, Röstmalz, trocken, Birne, leicht laktisch. Er ist weiterhin recht wild aber ich bin trotzdem nicht abgeneigt.
Fazit: Christian ist er heute zu nichtsagend. Er mag keine Punkte geben. Tobias mag die Nase, ehrt das Alter und ist aber nicht final in den Sternen. Außerdem ist das schon irgendwie speziell. 88/100
Bruichladdlich 2006 X4+18
Ein relativ aktuelles Bottling, ich glaube aus 2025. Hier wurde mal wieder ordentlich experimentiert. Vierfache Destillation, 18 Jahre Reifung. Bourbon 1st Fill und Rivesaltes im Verhältnis 3 zu 2. 2400 Flaschen mit 63,5% wurden abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Sehr fruchtig. Der Rivesalte spricht zu mir. Pfirsich, Trauben, gelbe Pflaumen, goldene Kiwi. Dann kommt Eichenwürze und Pappkarton. Dann wechselt hin zu intensiver Süße und einer fleischigen Noten. Mariniertes Kochfleisch?
Mund: Umspielt würzig bis scharf die Zunge. Der hohe Alkoholgehalt ist zu merken. Aber das hält die Früchte nicht davon ab richtig Gas zu geben. Jetzt geht es eher in die Südfrüchte. Mango, Papaya, Banane. Aber auch wieder Traube und Pfirsich. Dazu eine schöne Honignote.
Abgang: Wärmt natürlich ganz ordentlich. Aber er ist auch weiterhin schön fruchtig. Dazu kommt noch Milchschokolade und ein Biskuitteig. Die Länge ist ganz ok, aber er am Ende ist er nicht mehr so prägnant. Eher trocken und leicht metallisch.
Fazit: Ich hatte den schon mal probiert und war damals ziemlich unbegeistert. Jetzt ist das Sample mit 2cl Rest für mehrere Monate in meinem Schrank. Und was soll ich sagen: die Luft hat ihm extrem gut getan. Meine absolute Empfehlung! So kriegt er heute 88/100 Ich hab übrigens auch noch mit Wasser gespielt, das bietet sich ja bei 63% an. Das braucht es aber meiner Meinung nach nicht und es nimmt ihm auch etwas die Fruchtigkeit.
Bruichladdich 2005 – Malts of Scotland
Thomas Ewers hat sich zum 20ten Jubiläum seines Unternehmens Malts of Scotland einen 19 Jahre alten Laddie abgefüllt. 114 Flaschen mit 53,8% kamen aus dem Oloroso Quarter Cask. Link zur Whiskybase
Nase: Nussig und süß. Preiselbeeren, Pflaumenmuss, Erdbeersirup auf einem Erdbeerkäsekuchen. Sägespäne und Holz.
Mund: Würzig, leicht weinig. Schwarztee, Tabak, tiefe Holztöne. Die Früchte werden jetzt eingekocht und angebrannt.
Abgang: Wärmend. Pfeffer, ein Hauch Schwefel und Metall. Milchkaffee, Schokolade 65%, angebrannter Zuckersirup. Die Früchte sind fühlen sich jetzt beschwipst an.
Fazit: Sehr lecker. Tolles Bottling für ein Jubiläum. Der Abgang nimmt ihm ein wenig den letzten Punkt zur magischen Grenze, aber 89/100 hat er allemal verdient.
Bruichladdich 2002 – Bottled for Friends of Bruichladdich Sweden
Ein Single Rum Cask. Ohje. Rum Cask… genau mein Ding. Aber hey, wir bleiben offen. 23 Jahre im Fass und immer noch 57,2%. Ordentlich. Abgefüllt wurde für die Freund in Schweden. Link zur Whiskybase
Nase: Grüne Früchte, Äpfel, grüne Ananas vielleicht? Könnte aber Rum Cask Einbildung sein 😉 Zitronige, leicht seifige Note.
Mund: Sehr fruchtig, leicht malzig. Mineralisch, salzig bis pfeffrig würzig. Etwas Lakritze oder Salmiak. Nach ein paar Runden kommt eine gute Struktur durch Bitterstoffe.
Abgang: Trocken fast laktisch. In die Richtung von Skyr oder Magerquark. Dann aber doch cremig. Hinten raus schöne Zitrusnoten.
Fazit: Christian: Für ein Rum-Cask bocklecker: 89/100, Tobias mag ihn auch sehr. Stimmig, lecker, trinkig. Also ich ihn das erste mal im Glas hatte fand ich ihn sogar noch besser als jetzt bei der Analyse. 89/100
Bruichladdich 2003 Private Cask Hans-G. Lund
Noch ein Private Cask, diesmal ein Bourbon Hogshead. 21 Jahre, 250 Flaschen, 58,1%. „A Fine Dram“, findet Herr Lund. Link zur Whiskybase
Nase: Erdbeermus, Sägespäne und Zitronenabrieb. Danach kommt Vanille und ein paar hellere Früchte. Nach einiger Zeit kommt eine malzige bis brotige Note.
Mund: Salzzitrone, cremiges Mundgefühl, einige Gebäck- und Brotaromen. Dann wieder die hellen Früchte. Ein paar grasige Noten dazu. Getreidekaffee und Milchschokolade.
Abgang: Dezente Holznote, Kantholz. Cremig und fruchtig. In der Entfernung etwas Vanille. Dann kommt Wärme. Damit wird er langsam trocken und Bitterstoffe kriechen herauf. Es bleibt aber mild. Außerdem glaube ich etwas metallisches zu schmecken.
Fazit: Sehr schönes Bourbon Cask Bottling. Es fehlt vielleicht eine kleine Kante hier und da. Aber ich würde mich freuen, wenn das mein Private Cask wäre, ich wäre zufrieden. 88/100
Bruichladdich 1993 Diaspora Valinch
Ein Valinch abgefüllt für das Homecoming Scotland Event in 2009, das 250 Jahre Schottland feierte. Diaspora benannt, weil viele Menschen heute außerhalb Schottlands leben, die sich selbst weiterhin als Schotten bezeichnen. Gereift wurde in Bourbon und dann gab es ein Mourvèdre & Syrah Cask Finish. 400 Halblitter-Flaschen mit 52,6% wurden befüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Erst mal dämpfig und metallisch. Dann kommen rote Früchte, Trauben, Johannisbeeren, Himbeeren. Und Zitrusfrüchte, vor allem Zitrone, Blutorange und helle Grapefruit. Dann Honig, Wachs, Sonnenblumenöl, Malz Vanille, Karamell und trockenes Papier. Anschließend noch die Gewürzabteilung. Tabak, Leder, Pfeffer, Thymian, Zimt, Lorbeer. Wow, das ist mal ein komplexes Bottling.
Mund: Samtig bis ölig. Direkt ein paar Bitterstoffe, bevor der Alkohol den Eindruck von weißem Pfeffer hervorbringt. Dann kommt wieder Blutorange, gewachste Fruchtschalen, Johannisbeeren. Die Aromenvielfalt und -dichte nimmt im Taste deutlich ab.
Abgang: Eichenwürze, Silberlöffel, leicht bitzelnd und betäubend. Dann kommen Bitterstoffe raus. Zitrusschalen, milder Tabak, Kaffeemehl (helle Röstung). Am Ende bleibt ein leicht saurer und fruchtiger Eindruck im Mund und der Alkohol hinterlässt eine wärmend und gleichzeitig kühlenden leicht mentholigen Eindruck
Fazit: Tolles Bottling. Wäre er durchgehend so komplex wie in der Nase, dann wäre das einer für die Geschichtsbücher. So ist der „nur“ wirklich verdammt gut! 90/100
Hitster
Na das war doch mal wieder zufriedenstellend. Jeder Versuch ein Treffer und am Ende auch noch ein Hauptpreis. Mehr kann man ja quasi gar nicht verlangen. Von historischen Bottlings zu modernen Experimenten. Alles hat hier geliefert. Stark!
Mehr zu: Bruichladdich, …so wie sie kommen (Teil 5)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft






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