Kilchoman Brennblase

Kilchoman Fèis Ìle 2026

Während der Festivitäten in diesem Jahr hat Kilchoman zwei Online-Tasting gehalten und man konnte die Samples vorab kaufen. Diese Gelegenheit habe ich genutzt und mir die beiden Packs gekauft. Hier meine Eindrücke.

Limited Release Line-Up

Als erstes hatte man die Gelegenheit die aktuellen Limited Releases zu probieren, inklusive dem diesjährigen Festival Bottling (YouTube-Link zum Tasting).

Kilchoman 09-year-old 100% Islay The 15th Edition

Als erstes der aktulle 100%. Aus 54 ex-bourbon Barrels, destilliert aus 2014er und 2015er Concerto und Publican Gerste von der eigenen Farm. Abgefüllt wie üblich mit 50%. Link zur Whiskybase

Nase: Erdig und grasig bis kräutrig. Leicht metallisch. Dann malzig und fruchtig. Mit Birne, Banane und Zitrone. Vanille und Blüten.

Mund: Kohle, Asche und Erde. Aber auch einige Früchte, aus dem heimischen, europäischen Garten. Dazu Salz, Pfeffer und Kakaobutter.

Abgang: Packende Würze und eine trockene Süße. Dazu Seetang, deutlich bittere Grapefruitschalen und dann nochmal Kräuter und Asche.

Fazit: Ein ordentlicher Vertreter der 100% Islay Fraktion. Er kam mir zeitweise zu jung vor. Ist aber insgesamt sehr ausdrucksstark und möchte gerne probiert werden. 85/100

Kilchoman 10-year-old Loch Gorm 2026 Edition

Loch Gorm ist eine Standardabfüllung. Hier haben wir aber den ersten mit einer 10-Jahre-Altersangabe. Gereift wurde Ex-Oloroso Sherry Butts und mit 46% in 18000 Flaschen gefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: BBQ am Strand passt ganz gut. Aber kein Surf and Turf, nur Fleisch. Schön dick mariniert. Dazu Seetang, dunkle Schokolade und eine sehr nussige Note. Mit der Zeit wird die Frucht mehr. Orangenfrischestäbchen.

Mund: Aschig, zitronig, nussig. Dann wieder das Fleisch. Die Marinade hat sehr viele rote Früchte darin. Dazu kommt noch Orangenschale und damit auch einiges an Bitterstoffen. Das Mundgefühl ist fast ein wenig dünner als ich es mir wünschen würde.

Abgang: Würzig und fruchtig. Etwas Hustensaft. Dann wird er trocken. Die Bitterstoffe sind jetzt etwas leichtfüssiger, es kommt eine leicht quarkige Note zu den Früchten. Die Nüsse kommen aus Walnüsse zurück.

Fazit: Schöner Teil der Off-Core-Range, der sich in dieser bewusst wandelt, durch die Auswahl an Fässern. In dieser Rotation ist ein guter Whisky gelungen, der etwas weniger Oloroso-Würze hat, dafür aber andere Qualitäten mitbringt. 85/100

Kilchoman Maury Cask Matured

Vollständig in Maury Fässern gereift. Maury ist ein gespritteter portugiesischer Wein. Abgefüllt mit 50%. Wie viele Flaschen habe ich nicht rausfinden können. Link zur Whiskybase

Nase: Pfirsich, Paprikapulver, Schinken, Softpflaumen, getrockneter Pfirsich, leicht erdig, trockener Rauch. Dahinter kommt dann deutlich Karamell und etwas leichter Malz.

Mund: Tabak, Asche, Pfeffer, etwas Malz. Getrocknete Pflaumen, Feigen und Datteln. Mit der Zeit übernimmt die Süße. Fetter Sirup, ein paar Bitterstoffe dazwischen. Genauso erdiger Torf. Sehr weich und anschmiegend.

Abgang: Viele Bitterstoffe, Salz und Süße. Dann Tabak, saure rote Früchte und eine trockenes Mundgefühl. Am Ende bleibt eine metallische Note, wie von meinem billigen Löffel, im Mund.

Fazit: Hat seine Berechtigung würde ich sagen. Schönes Experiment und ich würde schon sagen, dass der Whisky gegen die Vollreifung stehen kann. Ich denk das ist möglich, da es insgesamt weniger als 5 Jahre waren. Diese Jugend werfe ich ihm auch irgendwie vor. 84/100

Kilchoman Fèis Ìle 2026 Calvados

Der FI ist dieses Jahr eine zweifache Reifung. 10 Jahre in Bourbon, 5 Jahre in Calvados. 637 Flaschen wurden dann mit 50,9% abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Extrem fruchtig. Calvados ist sehr präsent. Apfel, Zitrone, Mineralität, Käsekuchen, ein paar Kräuter dazu. Eine brutale aber geile Süße. Dahinter liegt etwas Vanille und ein sehr milder farmiger Torfcharakter. Sehr rund und weich, kaum Alkohol.

Mund: Sehr weich und rund geht es auch weiter. Hubba Bubba Apfel, zuckerreduziert mit etwas Pfeffer (sollte ein echtes Produkt werden). Dazu eine schöne Komplexität und Struktur durch pointierte Bitterstoffe und Torfnoten.

Abgang: Eine Tarte mit Apfel, Salz und Zimt. Wieder die Süße, kaum noch Bitterstoffe, kaum noch Torf. Dafür Äpfel in jeder Form. Hab ich schon weich und rund erwähnt?

Fazit: Sehr schönes Release. Getorfter Calvados in einem Single Malt Cask gereift. Und ich war an anderer Stelle schon mal sehr kritisch dem gegenüber, aber hier funktioniert es für mich sehr gut. 87/100

Founder’s Cask Exploration

Das zweite Tasting besteht aus Fassproben von älteren Fässern. Ausgewählt von Gründer Anthony Wills (YouTube-Link zum Tasting). Da es hiervon gibt es keine Flaschen, zumindest bisher, also habe ich mich für malerische Bilder aus den schweizer Alpen entschieden. War ein schönes Setting für ein Tasting 🙂

Kilchoman 2008 Founders Cask 08/93

Als erstes Casksample ein 18 Jahre gereifter, im 1st Fill Bourbon und mit der eigenen Gerste gebrannter Whisky. Er hatte beim Abfüllen 50,4%. Link zur Whiskybase

Nase: Wachs, Süße, Meer, cremige und florale Aromen. Honigwaben, reife Aprikosen, mineralische Zitrusnote, Asche,

Mund: Mehr Asche, Zuckersirup, Wachs und Harz, fast schon waldig. Gleichzeitig sehr salzig und mineralisch. Leicht würzig, Bitterstoffe von Zitrusschalen,

Abgang: Bitter, uhhh ist der im Nachgang bitter. Holzkohlegrill mit Käsekuchen drauf. Die Früchte kommen noch mal hinterher. Auch ein Pfefferpunch.

Fazit: Nett – sagt Priscilla. Tobias findet ihn besser als die vier limited Editions, das macht dann logische 88/100

Kilchoman 2006 Founders Cask 06/16

Als zweites wieder ein Fresh Bourbon, aber nicht mit eigener Gerste. 20 Jahre im Fass hatte er beim ziehen des Samples 50%. Link zur Whiskybase

Nase: Pilze oder Waldboden. Tropische Früchte, Sonnenblumenöl, Wachs, farmige Torfnoten, Priscilla: Traubensaft, altes Parfüm, Weinbrand, alte Wäsche, Liebstöckel

Mund: Wachsig, erdig und mineralisch. Zitrusschalen, auch etwas Säure. Limette und dann auch wieder der Waldboden. Dann kickt eine deutliche Süße rein.

Abgang: Schokolade, Esset Vollmilch, Milchpulver, Limette. Am Ende deutet sich noch mal der Farmyard Torf an. Aber eher als Idee.

Fazit: Priscilla: Geschmeidiger, zugänglicher, kaum Torf. Tobias: Spannend wo die Reise bei Kilchoman um die 20 Jahre hin geht. Schöner old style, der sich da einschleicht und mal wieder, wie auch bei vielen anderen, der Torf tritt ein Stück in dern Hintergrund. 89/100

Kilchoman 2009 Founders Cask 09/437

Das dritte Sample ist wieder 100% Islay, aber gereift in einem Refill Oloroso Butt. 54,4% und 17 Jahre hatte er beim Abfüllen. Link zur Whiskybase

Nase: Hohe Säure, rote Beeren, Tabak. Danach wird es leicht käsig, wenn der Torf rein kommt. Die Phenole bringen Gras und Wachs mit, sowie Kakaonibs.

Mund: Satte Bitterstoffe, vielschichtige und beerige Süße. Mit verschiedenem Zucker obendrauf. Dann kommen getrocknete Mango, Milchkaffee und florale Noten.

Abgang: Weiterhin sehr süß. Dennoch gute und tiefe Struktur. Buttrige Früchte, Tabak und auch Leder. Im zweiten Schluck kommt Schwarztee mit Zitrone.

Fazit: Die Süße ist mir fast einen Touch zu viel. Ansonsten ein geiler Dram, der gut gereift ist und gleichzeitig noch viel Punch hat. Schön. 90/100

Kilchoman 2007 Founders Cask 07/421

Als letztes dann ein Fresh Oloroso Butt aus „fremder“ Gerste. Abgefüllt mit 19 Jahren und 50,4%. Link zur Whiskybase

Nase: Erstmal ein Schwung erdiger, farmiger Torf. Dann geht es über in jedem Menge Wachse und Polituren. Das wiederum bringt grasige und süße Aromen hervor.

Mund: Süße und Würze im Kampf und in der Balance. Kirschhustenbonbons, Tabak, fetter Sirup, Softpflaume. Zitrusschalen und Wachs, grasige Noten. Kühlendes Mundgefühl.

Abgang: Kirschcola, helle Misopaste, trockene Textur, Tabak. Mit der Zeit kommen deutlich Bitterstoffe hinterher und wieder springt die Süße ein, um die Balance zu halten.

Fazit: Schönes Ding. Da kann man glatt unterwegs vergessen, dass der getorft ist. Dennoch kein Whisky, der vom Fass platt gedrückt wurde. Excuse aber ich muss zum zweiten mal hintereinander einem Sherry-Cask 90/100 geben. Ich liebe solche Ausnahmen von meinem eigentlichen Profil 🙂

Schöne Idee!

Ich finde gut, wie Kilchoman die Menschen, die nicht beim Festival sein können, doch mit einbindet. Und waren die Limited Editions nur ziemlich gut fand – die Single Cask waren wirklich extrem gut. Wunderschön ausgewählt und für mich überraschend gut sogar aus dem Sherry Cask. Gut gemacht!

Mehr zu: Kilchoman, Barley and Yeast Tasting 2020
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Direkt bei Kilchoman gekauft