Whisky Island (Teil 12)
Die Whisky-Enthusiasten verweilen dieser Tage mal wieder auf einer speziellen schottischen Insel. Auf Islay ist das Whiskyfestival Fèis Ìle in vollem Gange. Das ist doch eine gute Gelegenheit stattdessen die anderen Inseln unsicher zu machen.
Highland Park 17-year-old „John Rae Arctic Explorer“
Ein limitiertes Original Bottling von Highland Park. Das ist immer eine willkommene Abwechslung zu den „Secret Orkneys“. Was wir hier zu Ehren des Artic Explorers haben ist auch mit 17-Jahren kein Kücken mehr. Abgefüllt mit 54,8% aus ex-bourbon, refill und sherry seasoned American Casks in insgedamt 1212 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Das ist viel los. Es beginnt mit Heidekraut, warmem Getreide, Walnuss, Honig und Apfel. Dann kommen ein paar Trockenfrüchte, etwas Harziges und dezenter Rauch.
Mund: Süße und Säure sind gut in Balance. Stärker drücken sich da schon Holznoten durch. Auch wieder intensiv ist das Heidekraut. Früchte sind auch noch da. Sie bringen etwas dunkle Schokolade mit.
Abgang: Salzig, jede Menge Kohle, immer noch eine gute Menge an Früchten. Vielleicht irgendwas aus einer Bowle? Die Holznoten sind auch weiterhin sehr präsent. Bitterstoffe gehen in Richtung Tabak und Kaffee
Fazit: Gute Balance zwischen Fässern und Destillat, auf einem sehr intensiven Niveau. Eine Freude das probieren zu dürfen. Eine Flasche aus dem Sekundärmarkt würde ich mir nicht holen. 88/100
Highland Single Malt Scotch Whisky 18-year-old – Phil & Simon Thompson
Moment mal, habe ich mich da verirrt? Das ist doch laut Label kein Inselwhisky. Ja, aber wenn man sich mit dem Standpersonal und den Abfüllern unterhält, dann findet man raus, dass dies ein Secret Orkney ist. Bzw. wenn man die Flasche umdreht, dann kann man es auf dem Backlabel auch lesen. Irgendwie. Anyways: 48,5%, 18 Jahre, keine weitern Infos. Link zur Whiskybase
Nase: Kalk und Kiesweg, ein paar muffige Früchte, nor allem Äpfel Honig, Heidekraut und ein Schwung Gischt. Dann kommt metallischer Rauch.
Mund: Weich und rund. Fast schon samtig. Dann kommen Zitrusnoten, dezenter Rauch, Röstaromen, Heidekraut und wieder Kiesweg.
Abgang: Zitronen, Schwarztee, Heidekraut. Am Ende erstaunlich kuhstallig. Das kenne ich von HP gar nicht unbedingt.
Fazit: Schönes, gut bepreistes Bottling. Echter Trinkstoff, wie man so schön sagt. Made for sharing. 86/100
Old Orkney 1999 – Unbekannter Abfüller
Ein Secret Orkney, vermutlich ein geteiltes Private Cask. Denn das Bourbon Barrel hatte nur 40 Flaschen darin, das ist dann doch unwahrscheinlich. Abgefüllt wurde für Whisky Kabinett, ich weiß allerdings nicht was das genau ist. Vielleicht ein Laden oder ein Club. Das Label ist auch wirklich gelungen und erinnert an alte Highland Parks und das dürfte dann der letzte (unnötige) Hinweis auf den Inhalt sein. 52,5% und 19 Jahre stehen zu Buche. Link zur Whiskybase
Nase: Da ist Honig, Salz und Heidekraut. Außerdem etwas Rauch und Vanille. So wie man es sich von einem Bourbon HP einfach wünscht.
Mund: Erstmal Zitrone, mit einem leichten Zwicken auf der Zunge. Dann wird es mineralisch, bis wieder der Honig und das Heidekraut kommen. Mit der Zeit mogelt sich etwas Brioche und auch Tabak rein.
Abgang: Am Ende bleibt er süß und kräutrig. Ich habe noch etwas Zigarrenasche, lecker Bitterstoffe und dann ganz spät noch mal die Zitrone
Fazit: Für mich ein archetypischer Bourbon HP. Und die mag ich. Man könnte vielleicht noch darüber streiten, ob das alter erkennbar ist. Aus meiner Sicht kommt daher der ausgewogene und runde Charakter. Schönes Ding! 89/100
Ledaig 2011 – The Whisky Jury
Ein 13-jähriger Ledaig aus einem Refill Hogshead. 317 Flaschen mit 56% wurden abgefüllt und der belgische Abfüller The Whisky Jury erzeugt schon mal leichte Vorfreude. Die hatten schon viele gute Sachen am Start. Link zur Whiskybase
Nase: Phenolische Noten, Lampenöl und eine torfige Süße. Diese geht kurz ins Malzige über um dann von Zitrus abgelöst zu werden. Dazu gibt es Gischt und Seeluft, Apfel, Leder und ein Käsebrot.
Mund: Erstmal sehr salzig. Dann fällt direkt eine cremige bis samtige Textur auf. Diese wurde von etwas Pfeffer unterbrochen. Danach kommen vegetale Bitterstoff. Sonnenblumenöl auf getrocknetem Seetang und Matsutakepilzen. Apfelschalen und auch bittere Torfnoten. Dazwischen ist immer noch eine schöne Süße.
Abgang: Die Dominante sind jetzt die Bitterstoffe. Jetzt vor allem erdigen Noten, aber auch noch mal Gräser und Seetang. Etwas Pfeffer, auch die salzigen Noten. Zitronenschale und eine Zitrusmarinade.
Fazit: Sehr leckeres und ausdrucksstarkes Bottling. Einziger Kritikpunkt: ihm fehlt die Dreckigkeit. Bei einem Ledaig unter 15 oder 20 Jahren hoffe ich immer auf diese rauen, fast schon brutalen Torfnoten. 88/100
Raasay Dùn Cana (2025)
Die dritte dieser jährlichen Abfüllungen von Raasay. Zuerst wird er ex-Rye Casks gereift, um dann in Oloroso & PX Sherry Quarter Casks gefinished zu werden. Er wird dann auf 52% gebracht. In diesem Batch wurden 14300 Flaschen abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Recht intensiv. Eine gemüsige Note, Zucchini mit Dill. Zusammen mit deutlicher Säure und kuhstalligem Torf. Dahinter wartet eine schöne Fruchtnote.
Mund: „Gut integrierter Alkohol“ ist mein erster Gedanke. Dann bemerke ich wieder die Säure. Dazu gibt es geräucherte, dunkle Schokolade, Himbeeren und Kirschen.
Abgang: Ein Schluck Kaffee, dunkle Schokolade, Salzflocken auf den Früchten und ein Erdofen, der beginnt seine Wärme zu entfalten.
Fazit: Fand ich wirklich spannend, hat mir in der Samplegröße Spaß gemacht. Ich bin mir allerdings nicht sicher für wen das dann in der großen Flasche ist. 14000 Flaschen sind viel und das ist schon spezieller Whisky, kein „Crowdpleaser“. 84/100
Torabhaig 2018 – Islay Cask Company
Noch eine der neueren Insel-Destillerien: Von der zweiten Destille auf Skye tauchen so langsam auch einige unabhängige Abfüllungen auf. Diese heir von der ICC habe ich auf der Village in Nürnberg probiert und dann beschlossen ich muss eine Flasche mitnehmen, um sie zu teilen. 60%, sieben Jahre 1st Fill Bourbon, 247 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Sehr pures Destillat. Dazu viel Küstenrauch und Seetang, Salz in der Luft. Dazu Kräuter, Vanille und Zitrone. Mit viel Luft kommt der Torf stärker durch.
Mund: Pfefferschärfe und dreckige Vanille gehen über in Rauch und Honig. Gepaart mit Gartenfrüchten und den maritimen Rauchnoten.
Abgang: Süß und salzig. Kaum Bitterstoffe. Ein paar kratzen ganz mild an den Rezeptoren. Zitronensaft und Honig auf Kräutern und Fisch. Schöne Wärme, sicher auch wegen des hohen Alkoholgehaltes. Aber ich hab trotzdem nicht das Bedürfnis Wasser rein zu tun.
Fazit: Ein schöner Dram, dessen Jugend ihm gut zu Gesicht steht. Das Destillat ist maritim, kräftig aber nie überbordend, auch bei 60%. Gute Auswahl! 87/100
Auch andere Inseln haben schöne Whisky …
… pflegte mein Bruder immer wieder zu sagen. Und recht hatte er. Selbst der Ausreißer nach unten war hier kein Desaster, sondern eher besonders und außerhalb meines Wunschspektrums. Sogar das Original Bottling hat mir wirklich gut gefallen, obwohl es mit den sherry seasoned Casks schon meine Brauen lüpfen lässt. Fìor mhath!
Mehr zu: Highland Park, Raasay, Tobermory (Ledaig), Torabhaig, Undisclosed Islands, Whisky Island (11)
Bilder: Titel: Torabhaig Distillery by A.B. | Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, privat getauscht und von Whic.de kostenlos zur Verfügung gestellt (Raasay)






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