Whiskyfässer vor der Glen Moray Destillerie mit deren Namen in Druckbuchstaben

Whisky aus dem Tal (Teil 4)

Heute habe ich eine schöne Vertikale zusammengestellt. Die Whisky stammen alle aus Destillerien, die sich nach den Tälern benannt sind. Tal heißt auf gälisch „Glen“, also wisst ihr nun was euch erwartet. Fünf Speysider, ein Highlander. Los glents.

Glenallachie 2014 – Murray McDavid

Wir beginnen mit dem jüngsten Kandidaten für heute. Ein Glenallachie aus dem Saint-Emilion Wine Barrique. Mit knapp 10 Jahren und 58,3% wurden 311 Flaschen von Murray McDavid abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Karamell, Toffee, dunkle Schokolade. Dazu Waldbeeren, Tabak und trockener Rauch. Leider auch deutlicher Alkohol, der das Bild etwas trübt.

Mund: Das geht auch gleich so weiter, die Zunge wird direkt in Gefangenschaft genommen. Sehr würzig und fast scharf. Nach ein wenig Kauen und Zugabe von Speichel wird es besser. Dann kommt eine malzige und brotige Note, die ich ganz gut finde. Immer wieder funkt das Weinfass dazwischen, mit roten Früchten und Tabak. Das ist aber noch im Rahmen.

Abgang: Schleimhäute werden leicht pelzig, die Bitterstoffe breiten sich immer mehr aus. Im Wesentlichen habe ich jetzt noch Blaubeeren, Tabak und zerriebene Fruchtkerne.

Fazit: Da bin ich zwiegespalten. Aromatisch kann ich einiges damit anfangen. Das Weinfass ist auch nicht zu dominant, wenn auch präsent. Aber der Alkohol ist nicht gut eingebunden. Auch Wasser und Luft helfen da nicht drüber weg. Schade. 83/100

Glenrothes 2009 Black Friday Edition – Master of Malt

Neben dem Undisclosed Islay (Link) hat Master of Malt auch einen 16-jährigen Glenrothes zum 2025er Black Friday abgefüllt. 16 Jahre im Oloroso Sherry Butt ergaben dann 630 Flaschen mit 58,5%. Link zur Whiskybase

Nase: Zwei Tropfen Rosenwasser in einer Rinderbrühe. Dazu Sojasauce und Balsamicoessig. Außerdem Tabak und schwarzer Tee. Ein paar gekochte Früchte, ausgelutschte Vanille, weißer Pfeffer und Five Spice.

Mund: Sehr konsistent zur Nase. Jetzt schieben sich etwas mehr Bitterstoffe und Süße dazu. Der Tee wird auch intensiver.

Abgang: Eine erfrischende Zitrusnote kommt zu den Bitterstoffen und das Rosenwasser steigt wieder ein. Dann wird der Tee gesüßt und es geht langsam dem Ende zu.

Fazit: Da brat mir einen nen Storch. So ein Ding muss man für den Preis erst mal raushauen. Intensiv, vielschichtig und wirklich lecker. Wenn auch extrem vom Oloroso dominiert. 87/100

Glen Moray 2005 – Phil & Simon Thompson

Bei diesem Bottling passen die Daten irgendwie nicht zusammen. 16 Jahre soll er im Bourbon Barrel gewesen sein, aber 2005 gebrannt und 2025 abgefüllt. War er zwischendrin mal drei Jahre nicht in einem Fass? Ich weiß es nicht. 127 Flaschen mit 56,1% wurden auf jeden Fall abgefüllt. Link zur Whiskybase

Nase: Vanille und grüne Früchte, etwas Gebäck, ein paar Röstaromen. Vanillekipferl mit grünem Apfel. Dazu noch Holzaromen.

Mund: Knackige Säure, Pfeffer, Tabak. Deutliche Bitterstoffe, Zitrusschalen, Holz und ein leichter Muff. Vegetale und kräutrige Noten.

Abgang: Kühlende Kräuter und frische Früchte. Dann wird es schnell trocken bis laktisch. Etwas Bitterstoffe, aber nicht zu viel.

Fazit: Nur in Teilen das was ich von einem Glen Moray erwarte. Die intensiven Kräuternoten passen irgendwie nicht ins Bild. Die Qualität ist aber unbenommen. 85/100

Glen Garioch 19-year-old – Living Souls

Der Indi-Bottler Living Souls macht mittlerweile auch in Deutschland die Runde. Ende letzten Jahres habe ich mit meinem Local Dealer Michael ein wenig über die Menschen dahinter gesprochen – alle mit langen und breiten Backgrounds in der Whiskyindustrie. Dabei hat er mir dann einen Glen Garioch von ihnen, den er zufällig offen hatte eingeschenkt. 48% Trinkstärke, 1st Fill Sherry Butts, unbekannte Anzahl an Flaschen. Link zur Whiskybase

Nase: Marmeladige Sherrynoten. Süß und tief. Erdbeere aus dem Garten und jede Menge Waldbeere. Dazu dezente Tabaknoten, auch Schwarztee und passenderweise Zitrone.

Mund: Weich und rund spült er durch den Mund. Die Trinkstärke hat jede Kante weggenommen. Er ist harzig-holzig. Die Beeren sind sehr präsent. Weiterhin würzig und süß – aber nicht zu süß.

Abgang: Schnell wird es trocken im Mund. Dann dominiert auch die Würze über die Süße. Es bleiben kompakte Tabaknoten und der Schwarztee. Könnte gerne etwas länger bleiben.

Fazit: Fein gealtert und gleichzeitig heftig im Ausdruck. Widerspricht sich gefühlt, ist aber so. Die (hohe) Trinkstärke ist einerseits recht gut, weil er damit wirklich stimmig und rund wird. Andererseits glaube ich, dass dem Abgang ein paar Prozent mehr gut getan hätten. Egal wie, schönes Ding und fair bepreist! 87/100

Glen Grant 1998 Dornoch Castle 25th Anniversary – Phil & Simon Thompson

Ein weiteres Bottling aus der Serie zum 25ten Jubiläum der Thompson-Familie im Dornoch Castle Hotel. Den hatte ich vor Ort in der Bar. 195 Flaschen mit 52,3% wurden aus dem Refill Hogshead abgefüllt Link zur Whiskybase

Nase: Sehr viel Frucht, vor allem viel Zitrone gelbe Äpfel und Birne, milder Pfeffer, Kekse und Keksteig, mit der Zeit dann florale Noten,

Mund: Sehr weich und rund. Keinerlei Schärfe. Schön süß, Zuckersirup, Puderzucker und Honig. Wieder viel Frucht mit dominanter Zitrone. leichte Tabak- und Holznoten. Überraschenderweise auch Rosinen.

Abgang: Gut balancierte Bitterstoffe. Vor allem Eiche und Zitronenabrieb. Dazu ansteigende Trockenheit und am Ende eine leichte Mineralität und Salzigkeit. Macht Lust auf mehr.

Fazit: Was für ein geiler Dram. Ich beiße mir gerade in den Allerwertesten, dass ich ausgerechnet davon keine Flasche gekauft habe. 90/100

Glenrothes 1996 – Phil & Simon Thompson

Und gleich noch so ein Jubiläumsbottling und noch ein Glenrothes. In einem refill Hogshead drufte er fast 30 Jahre ruhen. 184 Flaschen mit 45,1% konnte man daraus noch abfüllen. Link zur Whiskybase

Nase: Honigsüße, Eichenwürze, leicht laktische Noten. Zuckerguss, Kräuter, dann ein deutlicher Gebäck- und Vanilleeinschlag.

Mund: Orangenschalen und Öle, deutliche Tannine, Wachs und noch deutlich mehr von den Holznoten. Dazu Mandeln und Honig.

Abgang: Mandeln, Zitronen, die Eiche wird immer tiefer und auch bitterer. Wachs, Vanillezucker, gleichzeitig salzige und leicht fleischige Noten.

Fazit: Gute Tiefe, das Alter ist mehr als erkennbar. Gleichzeitig ist er immer noch fast schon trinkig. Gefährliches Zeug. Sehr gut! 89/100

Und muss ich auch Wandern im finsteren Glen…

… so hab ich dann gerne einen guten Dram dabei. Keine biblischen Ereignisse in meinem Tastingglas, aber viel gute bis sehr gute Drams. Das hätte einen schönen Flight ergeben. Allerdings vielleicht nicht in der Reihenfolge, wenn es am Stück sein sollte. Preis-Genuss-Sieger war ganz klar der Black Friday von MoM. Das ist ja dann auch dem Ziel des Shopping-Feiertages entsprechend. Beim Genuss-Genuss-Sieger ist der Glen Grant vorne. Wobei mir die Erfahrung mit Glenrothes, die nicht aus Sherry odgl. abgefüllt wurden, fehlt. Vielleicht ist der Vertreter hier besser oder schlechter als man erwarten sollte. Muss ich wohl weiter forschen 😉

Mehr zu: Glen Garrioch, Glen Grant, Glen Moray, Glenallachie, Glenrothes, Whisky aus dem Tal (3)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, aus der Whiskybar in Dornoch, vom Whisky Baron eingeschenkt (Glen Garrioch) und von whic.de zur Verfügung gestellt (Glenallachie).