Alle Port Charlotte (Teil 23)
Ein halbes Jahr ist schon wieder vergangen, seit ich zuletzt hier Port Charlottes begutachtet habe. Das ist natürlich fast schon zu lange, das Blog hat ja den scherzhaften Beinamen „keine halben Port Charlotte“. Also nicht lang schnacken, in die Tasten hacken.
Port Charlotte 2003 – Acla da Fans
Aus einem Barrel hat man bei Acla einen 21-jährigen PC abfüllen können. Die schönen Retro Ski-Labels gefallen mir immer gut und passen natürlich auch in die Schweiz, wo der Abfüller sitzt. 53,4% hatte er beim Abfüllen, wie viele Flaschen es gibt weiß ich nicht. Link zur Whiskybase
Nase: Tropisch fruchtig, mit einigem an Seetang. Bleistiftspäne, kandierte Ananas, milde Lagerfeuervibes, etwas Erde und Kieselsteine. Eine Vanillehafermilch.
Mund: Asche, Kiesel, helle Früchte, das ganze kocht langsam auf dem Gasofen ein. Ein Gebäck, ein Milchkaffee, etwas Pflaumenmus. Jemand steckt sich eine Vanillezigarillo an und geht zum Glück direkt weg.
Abgang: Kräuter, Salz, Kristallzucker, Zitrone, dezenter Zigarrenrauch, Vanille, etwas erdige Noten, Muschelsuppe und Seetang. Mit der Zeit deutlich trocken.
Fazit: Christian sagt 89, ich bin bei 90. Das ist ein sehr gut gereifter Bourbon PC. Erinnert mich an den von Angus vor ein paar Jahren. Schön!
Port Charlotte Pl1 – Speciality Drinks Ltd
Der ersten von vier Port Charlotte, die von Speciality Drinks (heute Elixir Distillers) in der Reihe der Elements of Islay abgefüllt wurden. Glatte 60% hatte der 1st Fill Sherry gereifte Whisky. Auch hier ist keine Info bekannt, wieviele 50cl Flaschen es gibt. Link zur Whiskybase
Nase: Veilchen, süß und rauchig, Bonfire, keine Erde, irgendwas mit Meeresfrüchten und BBQ, dann kommen rote Früchte und eine reichhaltige Säure
Mund: Sehr viel Kohle und Kohlenstaub, rote Früchte, schöne Süße. Geht wieder mal in Richtung BBQ Marinade für Meeresfrüchte. Stimmig. Erste Bitterstoffe tauchen auf. Jetzt ist das Grillgut plötzlich eher Schwein. Kruste lackiert und schwarz gegrillt.
Abgang: Das Schwein hat jetzt einen Apfel im Mund. Die Hitze vom Feuer klingt langsam aus. Etwas Vanille und Zimt kommen auf. Der Speichel macht sich langsam rar. Länge ist sehr ordentlich.
Fazit: Sehr ordentlich. Gutes Gesamtbild. Vielleicht ein Tick zu wenig Port Charlotte/Kuhstall? 88/100 von Tobias und Christian
Port Charlotte 2002 Robin’s Portuguese Inspiration – Malts of Scotland
Robin Laing hat schon einige Bruichladdich Abfüllungen bei Malts of Scotland erhalten und dieses Mal ist es ein Port Charlotte aus dem Ruby Port Barrique. 194 Flaschen mit 54,9% wurden befüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Erstmal stechender Alkoholdunst. Kurz atmen lassen. Mittlerer kuhstalliger Torf, deutliche Süße und ein Schwung Blutorange. Trockener Rauch, fein geriebene dunkle Schokolade, Waldbeeren. Mit der Zeit wird der Kuhstall immer intensiver. Mit viel Luft nimmt das aber auch wieder ab und geht mehr in Richtung Saunaaufguss.
Mund: Cremig und süß, mit ein paar würzigen Stichen auf der Zunge. Dann kommt Schwarztee, Tabak und insgesamt deutlich Bitterstoffe. Mit einigen Runden im Mund kommen fleischige Noten und Beerentrester.
Abgang: Etwas Pfeffer, geräucherter Schweinebauch, Limette, Schwarztee, zerriebene Brombeeren, Tabak und Menthol Mit der Zeit extrem trocken.
Fazit: Die Nase hätte ich ja wirklich ewig analysieren können. Dann fällt er aber für mich etwas ab. Beziehungsweise ist einfach nicht ganz in meinem Profil. Gut ist er aber sicher dennoch. 88/100 Leider wird das wohl der letzte der Reihe sein, denn Robin ist im Dezember 2025 verstorben. Rest in Peace!
Port Charlotte 2005 Distillery Valinch Feis Ile 2018

Zu Feis Ile 2018 hat mein ein 2nd Fill Oloroso Sherry Butt rausgerollt und über 950 der 50cl Flaschen abfüllen lassen. 59,3% und 12 Jahre stehen zu Buche. Link zur Whiskybase
Nase: Relativ verhalten, trotz der hohen Alkoholstärke. Erstmal nur relativ viel Holz und Pfirsicheistee. Dann beginnt der Alkohol sich im Glas aufzubauen. Trockener Rauch, dunkle Früchte, Tabak. Dann kommt Kochfleisch, dezente Vanille und der Rauch kommt jetzt von Kohlenfeuer. Außerdem Seetang und Gischt.
Mund: Fruchtig, leicht sauer. Würzig, salzig und süß. Auch Bitternoten und etwas Umami. Die Geschmacksbereiche sind in guter Balance und werden gut bedient. So richtig was konkretes rauskitzeln kann ich, bis auf etwas Milchschokolade, aber irgendwie nicht.
Abgang: Kohlenrauch, dunkle Schokolade aber auch Milchschokolade und Beeren. Jetzt mit einer deutlicheren Säure, Honigsüße und das Holz blitzt wieder durch.
Fazit: Stabiles Bottling, dass immer wieder Spaß macht. Aber dennoch hat es ein paar Unwuchten und Beliebigkeiten für mich. Hätte ich davon eine Flasche vor Ort mitgenommen? Sicher. Würde ich sie mir heute im Sekundärmarkt holen? Sicher nicht. 85/100
Port Charlotte 10-year-old – Islay Scotch & more
Christian Drittler, der Mann hinter Islay Scotch & more hat mittlerweile über 20 Fässer abgefüllt. Die meisten davon von Islay. So wie hier. 10 Jahre, Fresh Sherry Hogshead, 312 Flaschen und 63%(!). Link zur Whiskybase
Nase: Kurz kommt der Alkohol hoch, wird aber sehr schnell durch jede Menge Kuhstall ersetzt. Dann geht es tief in die Sherry Noten. Leder, Politur, Schwarztee, Zitrone, trockener Rauch und irgendwann dann auch noch Trockenfrüchte.
Mund: Erstaunlich weich für 63%. Tiefer Rauch, Pfeffer Zitrone, Schwarztee, Aprikose und milde Fruchtnoten. Irgendwie ganz schön flach.
Abgang: Süß, rauchig, leicht salzig. Kandierter Ingwer, Zitrone, Tee. Am langen Ende wird es wieder trocken.
Fazit: Hm. Funktioniert schon Sherry und Port Charlotte, wie immer. Allerdings ist mir der hier zu flach. 87/100. Und nachdem ich jetzt nachgekuckt hab: Ich bin heute scheinbar ganz schön grantig unterwegs. Ungewöhnlich, dass ich so weit vom Whiskybasedurchschnitt weg liege. Eigentlich hatte ich den hier übrigens auch schon mal im Glas (Link). Ein Teil der Abfüllung ging an den Nürnberger Whiskystammtisch
Port Charlotte 2010 BC:09 Distillery Valinch
Zum Abschluss noch ein hand-filled Valinch, den ich sogar selbst abfüllen durfte. Ein 1st Fill Bourbon mit 56,1%. 322 50cl Flaschen wurden von den Besuchern im August 2025 gezapft. Link zur Whiskybase
Nase: Intensiv erdig, rauchig. Jede Menge Kelp. Helle Früchte, Apfel, Birne, Pfirsich. Nur wenig erdiger Torf, aber er ist da.
Mund: So geht es weiter. Außerdem Asche, getrocknete Zitronen, deutliche Süße, Honig, Toffee,
Abgang: Vanille, Gebäck, Milchkaffee, Kondensmilch, Farmyard, schöne wärmend, leicht mineralisch. Sautierte Apfelspalten.
Fazit: Schönes Bourbon Cask Bottling, das mich natürlich emotionalisiert, weil ich es selber abfüllen konnte. Aber er ist ehrlicherweise nicht am oberen Ende dessen was möglich ist. 88/100
Gemischte Gefühle
Wie immer an der Stelle: PC wird hier besonders kritisch betrachtet und auch gerne getrunken. Deswegen ist „nur einmal 90“ und vor allem, dass zwei Valinchs keine 90 schaffen, schon fast negativ. Eigentlich sind das aber alles mindestens gute, teilweise sogar sehr gute PC Abfüllungen. Für Freunde von lange gereiften Bourbon Casks empfehle ich einen Blick auf den Acla zu werfen. Zumindest wenn man ihn mal irgendwo auf einer Messe oder als Sample kriegen kann. Er war preislich anspruchsvoll, aber das liegt auch einfach daran, dass es so lange gereifte PCs kaum gibt. Probieren möchte auch für den Robin Laing empfehlen, der mich positiv überrascht hat. Ruby Port Fans geben hier vielleicht sogar noch 1-2 Pünktchen mehr.
Mehr zu: Bruichladdich, Port Charlotte, Alle PC Teil 22
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen und privat gekauft





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