St. Magdalene & Linlithgow
Linlithgow ist ein kleines Städtchen zwischen Edinburgh und Glasgow. Früher waren dort einige Whiskybrennereien angesiedelt, darunter St. Magdalene von etwa 1753 bis 1983. Die meisten der folgenden St. Magdalene wurden bereits von Tobias verbloggt, mir schmeckt das alte Zeug aber auch ziemlich gut.
St. Magdalene 1982 GM – Rare Old
19 Jahre im Eichenfass bis 2001 / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Die meisten St. Magdalene stammen vom unabhängigen Abfüller Gordon & MacPhail. So auch dieser Messefund von der Village in Nürnberg.
Nose: Heidehonig mit wachsiger Aufmachung. Begleitet von Banane und süßen Zitrusfrüchten im Gummibärchen-Style driftet die Nase in verstaubte, würzige und holzige Gefilde ab. Nüsse, Cerealien und intensives Gras bleiben im Wachs stecken. Trockenpflaume verleiht dem Malt etwas Volumen. (87)
Taste: Ziemlich malzig, außerdem wirkt das würzige Eichenholz leicht modrig. Viele Nüsse und Mandeln, fast schon zu viele, sodass der Malt einseitig wirkt. Honig, Früchte und Gras sind zwar vorhanden, allerdings können sie an ihren tollen Auftritt aus der Nase nicht anknüpfen. (84)
Finish: Gibt ein ähnliches Bild ab – morsches Holz, intensive Gewürze und endlos Nüsse. Gras, Honig und Wachs gewinnen jedoch an Kraft. Zum Schluss können Asche und Schmierfett eine überraschende Wendung bieten. (85)
Fazit: Ein schwacher St. Magdalene, nicht nur die Trinkstärke betreffend, sondern auch im Hinblick auf die verwendeten Fässer. Oder die Flasche war schon zu lange geöffnet, ich habe vergessen zu fragen.
St. Magdalene 1964 GM
18 Jahre im Eichenfass / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Die Brown Label von Gordon & MacPhail trinke ich stets gerne, sie sind immer wieder für herausragende Überraschungen gut.
Nose: Vintage Honig aus einem vergessenen Vorrat, leicht angestaubt, aber sehr lebendig und durch die Verfeinerung mit Zimt, Nelken, Orangenscheiben und Bienenwachs sehr reichhaltig. Daneben gibt es unglaublich viele Details zu entdecken, seien es getrocknete Aprikosen, brauner Zucker, Marzipan, Tabak oder exotische bzw. kandierte Zitrusfrüchte. Tannine glänzen in Form von Kakao, Leder und Kaffee. Schwer und ölig. (92)
Taste: Sanft, aber nachhaltig breiten sich die Aromen aus. Erst sind da Bienenwachs, Honig und Gerstenmalz, dann folgen gemahlene Gewürze und verstaubtes Holz mit schokoladigen Tanninen, bevor Zitrusfrüchte und exotische Früchte in gelben, grünen und weißen Farben ausblühen. Leder und Tabak können sich hervortun. Diese Konsistenz, sämig wie feinstes Motor- oder Nussöl. (92)
Finish: Cremiger Kakao trifft auf Eichenholz und Gewürze. Es entsteht ein erdiges, bitteres, nussiges Habitat, in dem sich ein paar letzte Orangen wohlfühlen. Leder und Tabak weisen in Mitten von Motorölseen monolithische Züge auf. (91)
Fazit: Der wachsige Antiquitätenstyle der Brown Label-Serie vereint mit den lieblich-fruchtigen, sophisticated dreckig-öligen Ausprägungen alter St. Magdalenes – ein Festmahl für die Sinne.
St. Magdalene 15 Jahre CA
Eichenfass 02.1964 bis 05.1979 / 80° Proof / Link zur Whiskybase
Wenn man schon mal die Gelegenheit hat, zwei 1964er St. Magdalene nebeneinander zu stellen, dann soll man das auch machen. Die 80° Proof lassen sich in 45,7 Volumenprozente übersetzen. Meine Miniatur hat auf dem Transportweg leider ein paar Millimeter an Füllstand verloren, aber ich gehe davon aus, dass der Tropfen noch gut ist. Hier ist übrigens noch der Link zur großen Version.
Nose: Wie beim GM macht sich sofort der betörende Honig breit, verstaubt und würzig, auch ähnlich wachsig, aber im direkten Vergleich vielleicht einen Ticken mineralischer. Samtig smooth umschmeicheln zahlreiche schokoladige und nussige Nuancen die Nase. Nicht zu vergessen die Früchte, da bekomme ich Aprikose, kandierte Orange, Banane, weiße Grapefruit, Kiwi, insgesamt viel Tropik. Was noch? Puderzucker mit Petroleum und Olivenöl! (91)
Taste: Staub, Asche und Mineralien legen sich auf das Lampenöl. Mit Zitrusfruchtscheiben aromatisierter Honig tropft auf trockene Eichenholzdielen. Tabak, Zimt, Nelken und Brotgewürze fächern aus wie ein Kartendeck. Leicht metallisch mit Auszügen von Paraffinen, Nuss- und Motoröl. Ein altes, abgegriffenes Kartendeck. Weiße und grüne Fruchtreflexe halten sich tendenziell im Hintergrund auf. (90)
Finish: Walnüssöl in der Holzschale, Mandeln im Grasbett – und alles, was dazwischenliegt. Erdig, schokoladig, ledrig, würzig und später auch honig und kupfig. (91)
Fazit: In der Nase fruchtiger, schade, dass sich das nicht durch den ganzen Malt zieht. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, der hat auf allen Ebenen ähnlich viel zu bieten wie der GM. Auch, wenn mir einige deutliche Parallelen zwischen den beiden auffallen, so bekomme ich doch auch den Eindruck, dass der Fassmix unterschiedlich war. Jedenfalls ist der Cadenhead mindestens genauso ikonisch, obwohl er – eventuell aufgrund der Sauerstoffexposition durch die Leckage – weniger stabil wirkt.
Linlithgow 1975 SV – Cask 9613
Oak Wood 02.06.1975 bis 12.11.1999 / 49,7%Vol. / Link zur Whiskybase
Dieses 320 Flaschen starke Einzelfass aus der Vintage Collection von Signatory Vintage war für den Export in die USA bestimmt.
Nose: Ein Schwall öliger Diesel hat sich in den hellen Honig verirrt. Die Frucht ist erst grasig grün und unreif, Birne und Bergamotte zum Beispiel. Doch auch Spuren von Marillenknödel sind zu finden. Mandelmus, Karamell und Kaffeeschokolade sorgen für etwas Süße in einem ansonsten eher trockenen Malt. (88)
Taste: Recht würzig bis pfeffrig. Dahinter warten Gras und etwas Hefeteig. Zitrustöne tanzen auf der Zungenspitze. Die Textur ist extrem fettig, ölig und leicht dieselig. Weiche Asche und Mandeln wurden in Malzzucker und Honig gebettet. (88)
Finish: Nach 24 Jahren Lagerzeit sind natürlich etwas Eiche und Gewürze vorhanden. Er ist immer noch sehr fettig. Etwas Asche und Mandeln werden von Wachs und Umaminoten gefolgt. (87)
Fazit: Das Fass war hier relativ inaktiv, Viert-Befüllung oder so. Daher kommt die St. Magdalene-DNA gut zur Geltung, wobei es sich um einen äußerst fettigen Vertreter handelt. Etwas zu harsch vielleicht.
Linlithgow 1973 SR 2004
30 Jahre im Eichenfass / 59,6%Vol. / Link zur Whiskybase
Ein Bottling aus der Zeit als die Special Releases tatsächlich noch ’special‘ gewesen sind. Kein Einzelfass, sondern ein kleines Batch mit insgesamt 1.500 Flaschen.
Nose: Herrlich komplexe Bienenwaben haftet an hellem Eichenholz. Saftige Äpfel sind mit Salzen und andere Mineralien angereichert. Nüsse, Zimt und Biskuit schrauben den Grad an Würzigkeit etwas nach oben. Nektarreiche Blüten versprühen einen exotischen Frühlingsduft. Die tropischen Früchte sind der Knaller, teils unreif und daher etwas grünlich angehaucht: Banane, Mango, Mandarine, Papaya und Limette verbinden sich mit Manukahonig. (93)
Taste: Ein Revival des herrlichen Bienenwachses bahnt sich an, diesmal jedoch mit deutlich mehr gemahlenen Gewürzen und leicht rauchigen Holznoten. Dadurch entsteht ein kräftiges Auftreten, welchen von vielen Nuancen, wie Kaffeeschokolade, gesalzenen Paranüssen und Sauerampfer durchzogen ist. Die Früchte sind insgesamt etwas weniger ausgeprägt, dafür aber stets vielseitig und mit einer interessanten metallisch-säuerlichen Note versehen. (92)
Finish: Diverse Hölzer und Nüsse beschließen einen leicht trockenen bis grasigen Abschied. Vor allem Mandeln, gemahlene Gewürze und Salz ragen heraus. Das Bienenwachs zieht einen sanften Mantel darüber, während der säuerliche Klang der Früchte zu Ende vibriert. (92)
Fazit: Ein Wahnsinns St. Magdalene, da passt so viel zusammen. Nach drei Jahrzehnten noch so viel Kraft und Ausdruck auf der einen Seite, gleichzeitig so viele unterschiedliche Aromen auf einem Haufen, dass es grad so wuselt. Auch der Brennereicharakter ist noch vorhanden, das waren ganz tolle Fässer.
Linlithgow 1982 CA – Authentic Collection
Oak Cask 12.1982 bis 03.1992 / 62,6%Vol. / Link zur Whiskybase
Mit 9 Jahren ist dies wohl einer der jüngsten bekannten St.-M was die Reifezeit betrifft. Abgefüllt wurde er zum 150sten Firmenjubiläum von Cadenhead.
Nose: Schöne Bourbonfassreifung, ich bekomme wachsigen Honig, Ananas, Klaräpfel und Shortbread. Ein wenig Malz und viel süßes Mandelmus äußern sich ebenfalls. Hefeteig mit Vanillearoma und Puderzucker interagiert mit mineralischen Tönen. Zitronensaft und Lebkuchen verstärken die süße Atmosphäre. (85)
Taste: Druckvoll, aber weniger akzentuiert. Obst, Honig, Hefeteig und die süßen Aromen sind allesamt noch da, nur werden sie diesmal von der Eiche und prickelnden Gewürzen (Kardamom) zur Seite gedrängt. Das ölige, sirupartige Mundgefühl wird greasy und dieselhaft. Alles in allem funktioniert das aber ziemlich gut. (87)
Finish: Aus den vorangehenden Mineralien werden Asche und Ruß. Richtig nice, das harmoniert hervorragend mit dem Grease und den Gewürzen. Mandeln und Wachs versuchen, das Finish lange zu konservieren. (89)
Fazit: Während die Nase noch unspektakulär und aufgrund des süßlichen Charakters nicht so ansprechend ist, wird dieser Malt beim Trinken deutlich kantiger und interessanter. Von 60+ ist nix zu merken und im Nachklang legt er nochmal eine Schippe drauf, mehr davon! Für einen so jungen Whisky ist das richtig klasse.
St. Magdalene 1982 SMWS 49.10 – Fairies dancing on the tongue
Eichenfass 10.1982 bis 09.1999 / 64,8%Vol. / Link zur Whiskybase
Diesen Dram hat mir Tobias zum 10-jährigen Blog-Jubiläum gegeben – vielen Dank dafür! Der Inhalt der 626 Flaschen zählenden Abfüllung soll laut Base zuvor in einem Sherry Butt gelagert haben, beim Tasting waren wir uns aber alle einig, dass das unwahrscheinlich ist. Wenn dann ein Rererererefill.
Nose: Langsam entwickelt sich eine richtig reichhaltige Honignote. Orange schwimmt wahlweise in Schweröl und Nussöl. Ein wenig kräutrig bis grasig, im Anschluss Salz- und Hefeteig. Die Frucht ist schüchtern, dennoch sind Aprikose, Mango, Ananas und Papaya zu entdecken. Mit viel Luft wird er würzig. (89)
Taste: Die 65% merkt man nur am Prickeln, dafür sorgt der Honig. Trockene, gemahlene Gewürze kontern die Süße, schöne Eiche, aber es bleibt stets ausgewogen. Gesalzene Kieselsteine mit minimal Asche. Kaum Frucht, höchstens Zitrone und Banane. (90)
Finish: Sanfter Rauch und Asche. Sehr fleischig mit Ozon und Diesel. Ziemlich viele Nüsse stürmen den Mundraum, und Gras. (90)
Fazit: Auch, wenn er in der Nase nicht sehr freigiebig ist, merkt man, dass der pre-90er ist. Erst am Gaumen kommt der typische, funky Style zum Vorschein, den ich abgesehen von alten Society-Bottlings nur von alten Cadenheads und Rare Malts kenne. Im Nachklang gibt er sich eindeutig als St. Magdalene zu erkennen.
Von sieben Kostproben waren vier richtig starke und zwei überdurchschnittlich gute dabei, mit so einer Ausbeute bin ich mehr als zufrieden. Ich kann zwar nachvollziehen, wenn dieser charaktervolle Stil bei Blendern nicht beliebt gewesen ist, aber für Nerds wie mich gibt es nur wenige Destillate, die spannender sind.
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Samples privat gekauft | Bilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase







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