Der sechste Besuch bei Caol Ila
Eine weitere Reise zum Sound of Islay. Heute mit einer kleinen Vertikale mit einem gigantischen Finale. Aber wir müssen „klein“ anfangen.
Caol Ila 2014 „Thuja“ – Islay Cask Company
Wir beginnen mit einem 10 Jahre gereiften Vertreter. Er wurde von der Islay Cask Company in ihrer Cask, Plants & Blossoms Reihe abgefüllt. Der Thuja durfte am Ende noch in ein Chardonnay-Fass. 246 Flaschen mit 50,7% wurden gebotteled. Link zur Whiskybase
Nase: Dämpfige Noten, Saunaaufguss, Sojasauce, Umaminoten, dazu auch Rauch und Asche. Aber auch fruchtige Noten. Birne und Zitrone.
Mund: Würzig, prickelnd fruchtig und süßlich. Irgendwas fleischiges. Dann kommt Fischsud mit Trockenfrüchten. Leicht weinige Noten. Irgendwas nussiges bilde ich mir auch noch ein.
Abgang: Das Noten bleiben. Meer, Rauch, Früchte. Ein Tick Metall kommt noch dazu. Und dann noch mal die Nüsse.
Fazit: Gut trinkig. Eigentlich bin ich ja bei den Weinfässern immer besonders kritisch. Aber hey, wenns schmeckt, dann schmeckt es eben. 85/100
Caol Ila 2010 – Berry Bros & Rudd
Als nächstes geht es zum könglichen Lieferanten BBR. Hier hat man für die London Whiskyshow 2024 einen 13-jährigen CI mit PX Finish als „Showcase“ abgefüllt. 260 Flaschen mit 57% gab es. Link zur Whiskybase
Nase: Asche, Karamell, Blaubeermus, Vanille, Schokolade, immer wieder drückt eine größere Menge an Früchten raus. Dahinter ein Lagerfreuer oder Beach-BBQ.
Mund: Prickelnd, etwas Pfeffer, erdige Torfnoten. Fruchtige Noten, eine schöne Süße, Leder und dezent Tabak. Und die Caol Ila Asche.
Abgang: Viele Bitterstoffe, etwas Säure, kaum noch Frucht. Kaffee, dunkle Schokolade, Tabak. Erdiger Torf und Asche.
Fazit: Gelungenes Bottling, deutlich weniger Süße als befürchtet. Guter Stoff! 89/100
Caol Ila 2011 „Wunderkammer“ – Morisco Spirits
Aus Andrea Moriscos Wunderkammer kommt auch ein 13 Jahre alter CI und zwar aus dem First Fill Oloroso. 307 Flaschen mit 57,3% gab es von „Element III“. Link zur Whiskybase
Nase: Asche, erdige Torfnoten, Lagerfeuer. Intensive Süße. Beeren, Trockenfrüchte, Zitrone. Außerdem ein prägnanter, trockener Holzton. Fleischige Noten, intensive, fast schon wie Wild. Pfeffer, Salz und Kräuter, passend dazu.
Mund: Pfefferkruste um das Stück Fleisch. Ein riesiger Schwall an Umami. Sojasauce, Balsamico. Dann kommen Bitterstoffe. Kaffeemehl, dunkle Schokolade, Kohlenstaub. Eine kräutrige und maritime Seite kommt dazu.
Abgang: Deutliche Süße. Dicke sirupartige und fruchtige Glasur auf einem Stück Fleisch. Das liegt auf einem Rost über einem Feuer. Die Bittstoffe und Röstaromen lassen den Speichelfluss beginnen. Ein Dressing aus Zitrone, Asche und Kräutern gibt es dazu und eine gut reduzierte Bratensauce.
Fazit: Ja. Das ist wirklich so intensiv wie es sich liest. Und ich habs gefeiert. Das Fass hat ganze Arbeit geleistet. Aber es schafft es nicht den Caol Ila Spirit komplett zu verdrängen. Gut so! 90/100
Black Friday 16-year-old – Elixir Distillers
Der Black Friday Whisky 2022 bei der Whisky Exchange war ein 16 Jahre alter Caol Ila. 2000 Flaschen mit 53,2% wurden abgefüllt und am Tag des Konsums mit dem üblichen Hype unters Volk gebracht. Link zur Whiskybase
Nase: Tiefe Torfnoten, Asche, maritimer Rauch, Gischt und auch Seafood. Zitronen und Pfirsiche auf dem Grill. Honigsüße.
Mund: Präsenter Alkohol bringt eine Pfeffernote. Das löst sich schnell. Er wird süß, kriegt eine Gebäcknote und wird gleichzeitig erdig-torfig. Da ist auch wieder der Fisch. Der Torf wird jetzt sehr dreckig, teerig und auch leicht medizinisch.
Abgang: Der Eindruck bleibt dann auch im Abgang. Eine Kombination aus Süße und der kräftigen Torfnote. Die Tiefe ist dadurch begrenzt, aber das macht ja manchmal auch den Spaß aus.
Fazit: Lecker und korrekt einsortiert. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass er für manche too much ist. Ich finde er ist was er ist: ein ehrlicher, kräftiger Caol Ila. Keine Schnörkel, kein Schnickschnack. 86/100
Caol Ila 1995 – Willson & Morgan
Eine „Barrel Selection“ von W&M. 18 Jahre im Oloroso Sherry Butt ergeben dann 494 Flaschen mit 58,6%. Link zur Whiskybase
Nase: Speck, Barbecue-Sauce, Asche in der Luft, auch einiges an Zitrone und jede Menge maritimer Einfluss. Das ist sehr intensiv aber auch sehr lecker. Der Speichelfluss beginnt sofort. Wenn ich mich wieder konzentriere, dann finde ich noch Rauch und jede Menge Beeren und dunkle Früchte. Oder vielleicht geräucherte Trockenfrüchte?
Mund: Wunderschönes Süße-Säure-Spiel. Honig und Beerensirup gegen Pfeffer, Chili und Ingwer. Danach wieder der Speck und die maritimen Noten. Es geht langsam fast schon Richtung Surf&Turf. Außerdem Zitronenmarinade und heiße Kohlen. Dazu auch noch milde Zigarren und Nougat und auch Fruchtsaft.
Abgang: Die geräucherten Trockenfrüchte wurden in dunkle Schokolade getaucht. Die Bitterstoffe machen ihn schön tief. Der Abgang ist aber definitiv der schwächste Part – auf einem extrem hohen Niveau.
Fazit: Was für eine Bank. Und hey, der hat fast 60% und trinkt sich quasi wie Limo. Ich übertreibe, aber das wirklich viel trinkiger als es sein sollte. Großartiger Whisky, der nur im Abgang noch besser hätte werden können. Und man kann durch das massive Olorosobrett immer noch das Destillat schmecken. Wow! 91/100
Caol Ila 1984 – Gordon & MacPhail Private Collection
Geht da noch mehr? Zumindest versuchen wir es. Aus der Private Collection von G&M. 36 Jahre im Refill American Hogshead. Gerade mal 177 Flaschen mit 53,9% gab es davon. Link zur Whiskybase
Nase: Kühle Menthol und Kräuternoten, sowie etwas Lakritz. Dahinter getrocknete Ananas und Zitrone. Ich bilde mir auch dezente Vanillenoten und tatsächlich etwas Speck ein. Im Moment ist er aber noch verschlossen. Wir geben ihm mal etwas Zeit. Nach 20 Minuten an der Luft kommen Unmengen an tropischen Früchten. Das ist schon fast auf Bowmore Level.
Mund: Erst weich und süß. Dann kommt langsam Zitrone und Asche und plötzlich sind wir in kristallklarem Caol Ila Business. Maritim, mit Seetang, Noriblätter, Asche, Gischt, dezenter Rauch. Aber auch die Mentholnote darf noch mitspielen. Außerdem grüner Apfel. Nach einiger Zeit kauend werden die Noten eher gediegen. Politur, Eichenwürze. Fein.
Abgang: Trocken, einige Gebäcknoten, dann kommt die Mentholnote zurück. Diesmal mit einem deutlichen Einschlag zum Mentholtabak. Minze mischt sich darunter und das Holz macht sich Raum. Und wie ein guter Kräuterbitter ist er darin unendlich. Nimmt kein Ende. Und ich will auch nichts anderes mehr trinken, um das nicht zu ändern.
Fazit: Vergleiche ich das mit dem W&M, ich mag es einfach noch einen Tick mehr. Das ist Clean und eigenständig und macht mir Spaß. So lecker. Fantastische Zeug und würdig für die Private Collection. 92/100
Line goes up
Naja gut, ein kleiner Dämpfer zwischendrin, aber ingesamt wirklich eine beeindruckende Vertikale. Wenn man sich überlegt ein tolles Zeichen. Ist doch Caol Ila noch immer eines der besser verfügbaren Islay-Destillate. Vielen Dank an Daniel, der viel dazu beigetragen hat, dass ich immer brav an CI dran bleibe.
Mehr zu: Caol Ila, 5ter Besuch
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flasche, privat gekauft und getauscht






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