Balvenie Castle by Stephane Farenga on Flickr under CC2.0 license

Die Lücken schließen (Teil 9)

Noch gibt es genug Lücken die zu schließen sind. Heute habe ich wieder sechs Drams, von Destillerien für die es bisher hier im Blog weniger als fünf Reviews gibt. Ansonsten gibt es keine weiteren Muster. Ein wilder Mix aus alten und neuen Dingen.

Roseisle 12-year-old Diageo Special Release 2024

Eines der wenigen offiziellen Roseisle Bottlings bisher. Die hoch flexible Destillerie ist eigentlich nur dafür da Blendmaterial für die Blends des Konzerns bereits zu stellen. First-Fill Bourbon and Refill wurden verwendet um eine unbekannte Anzahl Flaschen mit 55,6% abzufüllen. Link zur Whiskybase

Nase: Röstaromen, ein paar Seifenspäne, Rührei, Trauben, Vanille, Malz. Wilder Mix, aber dennoch recht rund.

Mund: Sehr süß und rund. Zuckerguss, Zuckerwatte, Äpfel, Vanille, Honig, ein paar Röstaromen. Nicht unbedingt aufregend, aber sehr trinkig.

Abgang: Erdbeeren, Vanille mit Salzkaramell. Ein paar Röstaromen. Dazu nochmal Honig und eine dezente Säure. Gute Struktur.

Fazit: Was macht man jetzt mit so einem Bottling. Als 50€ Supermarkt Bottling wäre das eine großartige Sache. Als Special Release, jenseits der 100€ … ich weiß nicht. 84/100

Auchroisk 2011 – Brave New Spirits

Brave New Spirits aus Glasgow haben diesen 13 Jahre alten Auchroisk aus einem Oloroso Sherry Barrique mit 56,6% abgefüllt. Insgesamt 335 Flaschen gab es. Link zur Whiskybase

Nase: Eher feine Sherry Noten. Die Würze des Oloroso kommt nur dezent durch. Etwas Brühe, etwas Tabak. Dazu eine deutliche Süße in Richtung Trockenfrüchte. Brombeeren und Zimt. Etwas trockener, süßlicher Rauch.

Mund: Deutliche Alkoholschärfe, leicht schleimiges Mundgefühl. Einiges an Bitterstoffen (zerriebene Fruchtkerne) und auch etwas Säure. Würze und Früchte halten sich in Balance.

Abgang: Salz, Vanille, Gebäck und dann fast nur noch Bitterstoffe. Jetzt vor allem verbranntes Kaffeemehl. Ab und an blitzen noch dunkle Früchte durch.

Fazit: Am richtigen Tag vielleicht. Heute fand ich ihn stellenweise zu anstrengend. Die Nase ist sehr vielversprechend, danach wird es herausfordernd. 83/100 Wasser zähmt ihn etwas, macht ihn leicht metallisch und stärker in Richtung Brühwürfel. 84/100

Speyburn 12-year-old Morisco Spirits

Andrea Morisco hat mit seiner Abfüllreihe Marble Collection auf dem Label Mosaike aus italienischen Kirchen nachempfunden. Wie die Kosmati, die im 12. Jahrhundert die großen Kunsthandwerker waren, will er dass bei seinen Whisky jedes Teil an seinem Platz ist. In diesem Fall haben wir einen Speyburn mit 55,2% aus einem 1st Fill Bourbon Cask. Nur 90 Flaschen hat Andrea abgefüllt. Das Label zeigt die Ornamente auf dem Boden und der Kanzel in der Kathedrale San Matteo in Salerno. Link zur Whiskybase

Nase: Sehr pures Destillat. Süß und malzig. Dazu noch Birne und etwas Kräuter, Gewürze, Kiesstaub und Blätterteig.

Mund: Würzig und wieder stark Destillatgetrieben. Birne, Tabak, Honig, Malz und Zitronenabrieb. Läuft ölig und rund durch den Mund. Das reimt und sich und was sich reim ist gut 😉

Abgang: Einige Bitterstoffe, Birne und etwas Pfeffer. Tabak und Kräuter. Sehr konsistent, wenn auch nicht besonders komplex oder tief.

Fazit: Einen so puren Malt hatte ich selten im Glas. Schön zu sehen, dass hier das Fass wenig mitzureden hatte. Damit kann man auch schön in Tastings einsteigen, wie ich aus Erfahrung sagen kann. 85/100

Glenlossie 2012 – Morisco Spirits

Noch ein wenig weiter südlich in Italien, in Monreal auf Sizilien, da steht die Katherale Santa Maria Nuova. Aus der stammt die Inspiration für das Label auf diesem Glenlossie. Die Reifung im Refill Bourbon Barrel ergab 287 Flaschen mit 52,8%. Link zur Whiskybase

Nase: Kräuter, Wiesenblumen, Honig. säuerliche Noten fast schon leicht laktisch, etwas Tabak, etwas Liebstöckel, weißer Pfeffer, Brotrinde, leicht metallisch.

Mund: Sehr würzig und noch deutlich süßer als in der Nase. Es kommen auch gleich ein paar Bitterstoffe dazu. Kompakte Intensität. Zitrusnoten kommen dazu.

Abgang: Süß und Sauer. Honig und Puderzucker mit künstlichen Zitrusnoten, dazu etwas frisches Schwarzbrot. Gute Struktur.

Fazit: Fordernd und intensiv, dabei noch schön klar im Destillat. Macht man wenig falsch, wenn man Glenlossie mag. Die Nase ist vor allem spannend! 86/100

Side-Burn 1989 – Phil & Simon Thompson

Satte 35 Jahre in einem Refill Cask mit der Bezeichnung „Bal.001“ – wenn das mal nicht Balvenie heißen soll. Abgefüllt wurde mit 51,1% in 333 Flaschen. Zu Ehren des 25ten Jubiläum der Thompson im Dornoch Castle. Link zur Whiskybase

Nase: Zu Begin verhalten, mit etwas Malz, Hafer und Wachs. Dann kommen langsam Früchte zum Vorschein. Heimische und tropische, vor allem grüne und gelbe Früchte.

Mund: Ein Frühstück im Glas. Müsli mit Vanille, Haferflocken, Ananas und Orange. Butter, Toast und Salz. Ein paar Nüsse und ein sehr heller Milchkaffee.

Abgang: Wieder viel Getreide, dazu Honig und Gartenfrüchte. Die Süße schmiegt sich gefühlt unendlich um die Schleimhäute. Dann wird es langsam immer wärmer, eine leicht kühlende Note und etwas Pfeffer kriechen die Speiseröhre raus. Bitterstoffe klopfen an die Rezeptoren. Die Früchte werden zu trockenem Weißwein. Dann kommt noch mal Wachs und auch Vanille. Bei dem Alter hofft man natürlich auf eine gewisse Länge und die Hoffnung wird hier gut erfüllt.

Fazit: Der fünfte Balvenie hier im Blog. Damit hat die Destillerie seinen Platz in der „Lücken schließen“-Reihe verloren. Aber wenn das so weiter geht, dann werde ich aber noch viele davon probieren. Das hier ist beeindruckend und ich bin mehr als begeistert vom Abgang. Normalerweise bin ich ja eher der „Nosing“-Typ, aber hier ist es mal genau umgekehrt. Kudos! 91/100

Aldunie 1998 – Phil & Simon Thompson

Passend zum Dram davor: Kininvie teilt sich ein Mashhouse mit Balvenie. Hier haben wir einen Teaspooned Kininvie aus zwei Refill Barrels. Ehrlicherweise ist das glaube ich die einzige Möglichkeit überhaupt an unabhängig abgefüllte Kininvie zu kommen. Verzicht auf Namensrechte und zwingend einen Blend draus machen. 368 Flaschen mit 52,5% sind hier auf jeden Fall rausgekommen. Link zur Whiskybase

Nase: Etwas Kokos, dezente Vanille. Dann ein ganzer Schwung an Früchten. Birne, Apfel, Banane (unreif). Getrocknete Blütenblätter und Wachs kommen hinterher. Honig und karamellisierender Zucker. Das ist sehr beeindruckend, wenn auch beim besten Willen nicht überwältigend.

Mund: Malzig und zitronig. Kann ich mir gut als Bonbon vorstellen. Dann kommen getrocknete Bananen und Heu. Wachs und Holz und wieder die Blumen.

Abgang: Fruchtig, süß aber auch sehr gut strukturiert. Am Ende bleiben Trockenheit, Wachs und Bitterstoffe (Kaffeemehl, Eiche) gefühlt für immer.

Fazit: Ich bin ähnlich beeindruckt wie beim Balvenie. Und ich verstehe, wieso der Malt von Kininvie Grundlage für diverse Blends wie z.B. Monkey Shoulder ist. Toll sowas probieren zu können! 90/100

Dufftown!

Die beiden Destillerien aus der kleinen Stadt in der Speyside im Council von Moray haben mich hier echt weggeblasen. Da bleibt es sicher nicht bei fünf Reviews. Das soll die anderen Kandidaten nicht schlecht reden, das war heute eine insgesamt hochwertige Auswahl. Aber der Abstand ist schon sehr deutlich.

Mehr zu: Auchroisk, Balvenie, Glenlossie, Kininvie, Roseile, Speyburn, Lücken schließen 8
Bilder: Titel: Balvenie Castle by Stephane Farenga on Flickr under CC2.0 license | Flaschen: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, bei Simple Sample gekauft und kostenlos von whic.de zur Verfügung gestellt (Auchroisk)