Ein kleiner Schwarm Brownies
Mir sind wieder einige Brown Label-Abfüllungen aus dem Hause Gordon & MacPhail zugelaufen, drei Miniaturen und drei Samples aus Flaschenteilungen. Die Minis weisen nicht die besten Füllstände auf, bin gespannt, ob ich da lagerungsbedingte Abstriche bei der Qualität machen muss.
Bladnoch 1967 GM
15 Jahre im Eichenfass / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Start in den Lowlands, bei der am südlichsten gelegenen Whiskybrennerei Schottlands.
Nose: Karamell und Shortbread, garniert mit der grünen Frische von Spearmint oder Apfel. Hinter dem feuchten Holz gibt es Fruchtnoten zu entdecken, die ein wenig an Haribo Goldbären erinnern. Und dann ist da noch diese wachsige Honignote, die immer mehr ins Zentrum rückt. (84)
Taste: Auch hier vereinzelt Goldbären, hauptsächlich in Orange. Der Löwenanteil entfällt jedoch auf den wachsigen, ansonsten eher unscheinbaren Honig. Spuren von Nüssen deuten auf ein Refill-Sherryfass hin. Die Eiche wirkt erneut erdig und feucht. (84)
Finish: Ölig, nussig und fruchtig – die Sherryspuren werden deutlicher. Wachs, Mandeln und Honig haften am Eichenholz. (84)
Fazit: Nicht das übliche Brownie-Profil, was zum einen am vergleichsweise geringen Sherryeinfluss liegt, zum anderen am eher leichten Lowland-Style des Destillats. Immerhin ist der Brennereicharakter gut erkennbar, der mich allerdings – weder bei den alten, noch bei den modernen Abfüllungen – nicht abholen kann.
Glenkinchie 1964 GM
19 Jahre im Eichenfass / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Wir bleiben in den Lowlands, wechseln aber die Brennerei. Zu einem Bottling, das von Pinerolo nach Italien exportiert worden ist. Als dieser Malt gebrannt wurde, hatte Glenkinchie noch eine eigene Mälzerei.
Nose: Klebrige Trockenfrüchte und Karamell sind erste Vorboten eines Sherry-lastigen Old School-Malts. Nuss-Nougat-Creme, Bananenchips und Leder waten durch eine sehr ölige, buttrige Umgebung. Kirsch- und Blaubeermarmelade mit Zimt und Spuren von Asche stellen beeindruckende Elemente dar. Aprikosen und Pflaumen in Rumtopf. (93)
Taste: Nochmal ein Stückchen öliger. Die Frucht ist gelber als die Sherrynase es erwarten lässt, sie reichen von gelbem Pfirsich bis Banane. Doch auch all die dunkleren, beschwippsten Trockenfrüchte und der Nougat sind nicht fern. Das Eichenholz strotzt nur so vor gemahlenen Gewürzen, Nüssen und schokoladigen Tanninen. Staub, Asche und trockene Erdnussschalen stoßen auf Tabak. (93)
Finish: Die gemahlenen, erdigen und staubigen Gewürze stehen nun etwas mehr im Fokus. Eingebettet in Nüsse und öligem Sherry ziehen sie den Nachklang in die Länge. Tabak, Kakaopulver und Honig sorgen weiters für Harmonie. (91)
Fazit: Ein Malt mit extrem edlen und einladenden Strukturen. Die Aromen sind alle auf hohem Niveau miteinander verwoben, wobei der Whisky nie statisch wirkt, er ist immer ein bisschen in Bewegung und erscheint so von großer Komplexität. Auch der Sherry ist mehr fruchtig als süß, was von guter Qualität zeugt; allerdings empfinde ich ihn ab und zu als ein klein wenig zu intensiv, war wohl ein 1st Fill-Ausbau.
Miltonduff 1963 GM
21 Jahre im Eichenfass / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Nun zur ersten Miniatur. Der Füllstand lag knapp über der Oberkante des Etiketts, aber das muss nix bedeuten.
Nose: Ein Klecks Karamell klebt Malzkörner zusammen, welches relativ grün und dadurch irgendwie frisch wirkt. Recht schnell wird es fruchtig. Nicht sonderlich ausgeprägt zwar, aber mit ein wenig Geduld lassen sich immerhin Birne, Mandarine, Banane und Kirschmarmelade herausklamüsern. Würziges Wachs und ein verstaubter Ledereinband verleihen dem Malt Alter und Old School-Vibes. (88)
Taste: Würziges Gerstenmalz, diesmal stark zuckerhaltig, wie Melasse oder körniger Honig. Die Sternfrucht schält sich gut heraus, auch die Banane und feinste Sherrynuancen. Altes Leder und Eichenholz werden poliert. Löst sich in cremiger Zartbitterschokolade auf. (89)
Finish: Die Cremigkeit bleibt schokoladig, Kakao ist jetzt überall. Eiche und Leder verhalten sich ähnlich präsent. Staub und Bienenwachs überziehen Gaumen und Gerstenmalz gleichermaßen. (87)
Fazit: Faszinierendes Ding, in der Tat. Ist auf eine subtile Weise wesentlich vielseitiger und wandelbarer, als es mit ein paar Worten beschreibbar ist. Versteckt sich allerdings oft hinter den simpleren süßen und holzigen Elementen. Vom Profil durchaus als Brownie erkennbar, aber auf eine ganz eigene Art ungewöhnlich.
Aberfeldy 1966 GM
16 Jahre im Eichenfass / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Bei der nächsten Miniatur war der Füllstand sogar knapp unter Etikett-Oberkante. Aufgrund der anderen Base-Einträge vermute ich, dass es sich um einen 16-jährigen Aberfeldy handelt.
Nose: Leder und Zartbitterschokolade stehen dicht an dicht. Lediglich eine grüne Note, unreife Stachelbeere oder so, zwängt sich durch. Die Eichen-Gewürz-Kombi hat was sanft aschiges und verstaubtes. Karamelle und herrlich gelbfruchtige Bienenwachse schweben durch’s Glas. Haselnüsse und Kirschmarmelade werden von Kupfertönen umringt. (90)
Taste: Leicht adstringent. Nüsse und Kreidestaub schwimmen auf einem See aus geschmolzenem Zucker und Halbbitterschokolade. Dann und wann zeigt der Sherry auch seine fruchtigen Seiten. Dennoch dominieren weiterhin Leder und Tabak, sowie rauchige Hölzer und Gewürze. (87)
Finish: Schön dick und ölig. Schießpulvergeladen. Die Gewürze kann man gar nicht oft genug erwähnen, diese sind richtig gut in den Malt eingearbeitet und sorgen für intensive Momente. Das schokoladige Karamell und der nussige Sherry werden von einem Kupferstab begleitet. (87)
Fazit: Hervorragend, aber immer wieder quirky, wie man es von den Brownies kennt, die die lange Zeit bis zum finalen Genuss nicht optimal überstanden haben. Eine gut gelagerte Version dieses Aberfeldy mit besserem Füllstand wird es locker über die neunzig Punkte schaffen, dann sollte die Ausgewogenheit und Komplexität am Gaumen besser gegeben sein.
Dallas Dhu 1969 GM
15 Jahre im Eichenfass / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Bei dieser Mini hatte ich etwas mehr Glück, der Füllstand war gerade so noch in der Schulter.
Nose: Grüne Apfelstückchen und Kumquats stecken in Haselnusscreme. Sehr fruchtbetont, ein bisschen Banane, Sternfrucht und Aprikosenmarmelade sind auch dabei. Bienenwachs und Zimt bilden eine Brücke zu Eichenholz und salzigem Nussöl. (90)
Taste: Immer noch recht fruchtig, aber die würzigen Aromen treten ein wenig kräftiger hervor. Neben Eichenholz und süßem Malz, nehmen Nüsse und Möbelpolitur viel Raum ein. Bienenwaben halten dagegen. Zitrusfrüchte und Sternfrucht heben sich etwas von dem ansonsten oldschooligen Malt ab. Leichte Kupferfacetten. (90)
Finish: Malzig, metallisch und nussig. Die ölige Politur schlägt nochmal voll ein. Trockenheit macht sich breit, schokoladig und wachsig. (87)
Fazit: Richtig stark, wie sich Destillat und Fass miteinander verstehen und zusammenarbeiten. Die Aromen sind allesamt wunderbar aufeinander abgestimmt, ergänzen sich und formen einen rundum gelungenen Malt.
Glenrothes 1955 GM
29 Jahre im Eichenfass / 40%Vol. / Link zur Whiskybase
Brown Labels mit einer so langen Reifezeit sind eher die Ausnahme, daher habe ich mir dieses Highlight für den Schluss aufgehoben.
Nose: Leder- und Möbelpolitur springen einen förmlich an, Nüsse und Nougat gleich hinterher. Der Sherry ist fruchtig ausgeprägt, Kirschmarmelade hat einen großen Auftritt. Eichenholz und Pergament sind leicht verstaubt. Die Limette kommt überraschend und in Begleitung von Kupfer. Zimt, Nelken und Kakao sind subtil und allgegenwärtig. (92)
Taste: Sherry und Kirschmarmelade sind nochmal ein Stückchen präsenter, auch die angenehm trockene und würzige Eiche legt eine Schippe drauf. Der Malt ist extrem ölig, die Lederpolitur lässt grüßen. Tabak hat einen starken Einfluss. Nüsse und Nougat halten sich hier eher im Hintergrund auf. Staubig mit aschigen Ausflügen. (91)
Finish: Die Nüsse sind mit voller Kraft zurück, hauptsächlich Haselnüsse jetzt, sodass es auch einen leicht grasigen Touch hat. Mehr staubig als würzig. Der Sherry ist nur noch in Nuance da, Tabak und Kakao finde ich noch. (90)
Fazit: Ein satter, alter Old School-Sherrymalt – selbst, wenn ich den 50er-Jahre Brennereicharakter von Glenrothes kennen würde, könnte ich ihn hier wahrscheinlich nicht herausfiltern. Der Sherry wirkt jedoch nie dominant oder „zu viel“, er hat sich gut integriert und viele Sekundär-Aromen ausformuliert. Schönes Ding.
Wenn Trinkstärke sich so präsentiert, dann vermisse ich Fassstärke nicht. Bei den alten Bottlings von Gordon & MacPhail wird oft die geringe Trinkstärke moniert (auch von mir), aber ich hatte bei diesem Line-Up keinen Grund, mich zu fragen, was wohl mit ein paar Prozenten mehr möglich gewesen wäre – das waren abgesehen vom Bladnoch richtig gute bis hervorragende Drams.
Mehr zu: Aberfeldy, Bladnoch, Dallas Dhu, Glenkinchie, Glenrothes, Miltonduff
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Samples privat gekauft | Bilder mit freundlicher Genehmigung der Whiskybase






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