More Bowmore 2
Sicher nicht erst mein zweiter Bowmore-Beitrag, aber eine klare Reihe gab es bisher dennoch nicht. Kein Grund dabei zu bleiben, denn ich hatte einige Gelegenheit für weitere Verkostungen. Unter anderem weil ich in 2025 vor Ort war. Um ein paar fantastische Eindrücke reicher habe ich nicht nur die Chance auf Drams im Visitor Center genutzt, sondern auch danach noch für ein paar Independent Bottler Eindrücke.
Bowmore 2006

Bowmore Handfilled sind nichts alltägliches. Man kann sie nur vor Ort kriegen und es gibt auch nicht immer welche. Das ich die Chance hatte gleich drei davon zu samplen war umso toller. Man muss allerdings zugeben 3mal 3cl für 75 Pfund… Das erste Sample war 17 Jahre im ex-Bourbon Cask, abgefüllt mit 55,3%. Link zur Whiskybase
Nase: Fruchtig. Da sind Südfrüchte. Für mich sticht dabei heraus Ananas, Grapefruit und auch deren Schale. Ganz dezent kräutrig geht das über zu Mandeln und Marzipan. Er ist auch leicht erdig. Oder ist das eher Kohlenstaub? Auf jeden Fall kein Torfmonster.
Mund: Zitronig-würzig. Auch etwas Ingwer und Chili. Dann wieder die Grapefruitschale. Dazu Vanille, mineralische Noten und dann geht es leicht süß wieder in die Fruchtecke. Jetzt sind sie etwas überreif.
Abgang: Schöne Bitterstoffe, durch die Fruchtigkeit natürlich mit dem Eindruck von Fruchtschalen. Nochmal kommen die Mandeln und der Ingwer durch. Es bleibt Eichenwürze, ein wärmender Eindruck und eine Idee von Torf.
Fazit: Sehr lecker. Sehr, sehr lecker. Ist ein wenig her, dass ich einen dieser getorften Fruchtsalate im Glas hatte. Ich mochte sie früher, ich mag sie immer noch. Und das ist einer der besten bisher. Yes! 92/100
Bowmore 1996
Der zweite im Reigen ist eine Oloroso Sherry Reifung von stolzen 27 Jahren. Knapp über 50% Fassstärke stehen in den Büchern. Link zur Whiskybase
Nase: Kurz ist der Alkohol sehr präsent, aber dann kommt sehr schnell das Oloroso-Fass durch. Leder, Tabak, Trockenfrüchte, Hustensaft. Aber auch Marzipan und einige Südfrüchte. Dann kommt langsam die Eiche durch. Antique Möbel, lederne Bucheinbände. Eine Schale Nüsse, Twix mit dunkler Schokolade. Extrem komplexe Nase.
Mund: Extrem geht es weiter, jetzt mit eine Würzmischung aus Eiche, Braten- und Weihnachtsgewürzen. Abgebunden zu einer Brühe. Das geht dann über in einen Reigen an Bitterstoffen. Kaffee, Amaro, Tabak, Kakao. Zum Ausgleich, wenn man das überhaupt so sagen kann, kommt eine leichte Säure dazu.
Abgang: Im Abgang tue ich mich schwer die Komplexität noch heraus zu kitzeln. So viele Bitterstoffe. Ja, die Fruchtnote ist immer noch erkennbar. Aber das bildet leider keinen Gegenpol.
Fazit: Ein langes High, dass am Ende für mich zu anstrengend wird. Dass ist für mich in der Kategorie „too much“. Verwunderlich, das man das Destillat noch erahnen kann. Damit reiche es immer noch für 90/100
Bowmore 2007 50 Years of the Bowmore Visitors Centre
Zuletzt wieder ein 17-jähriger. Abgefüllt anlässlich der 50-jährigen Jubiläums des Besucherzentrums. Gefinished wurde in einem Château Léoville Poyferré Weinfass. 58% hatten die 240 Flaschen. Link zur Whiskybase
Nase: Es beginnt sehr süß. Sirupartige Fruchtigkeit, Karamell, Puderzucker. Als zweite Schicht kommen dann dunkle Trockenfrüchte. Feige, Dattel und Pflaume. Danach schwenkt es in würzige Noten, mit Tabak, trockener Erde und Leder.
Mund: Die Süße ist immer noch gut vorhanden, aber nicht mehr so dominant. Die Würze geht eher in Richtung Küche, mit Pfeffer, Piment und einem Hauch Nelke. Dazu stabile Bitterstoffe und eine ölige Textur.
Abgang: Eine angenehme Säure von den Früchten gegen die Bitterstoffe und die leichte Süße. Erde und Kohle geben herzhafte Noten dazu und am Ende bleibt noch der Eindruck von kühlendem Menthol.
Fazit: Hervorheben möchte ich die Schichten, die sich im Geruch ausbilden. Das ist wirklich sehr spannend. Als ich ihn das erste mal im Glas hatte war noch nicht ganz so überzeugt. Mit deutlich Luft und etwas Abstand gefällt er mir schon besser. In den kann man sich eintrinken. 86/100 und 88/100.
Bowmore 2014 – Phil & Simon Thompson
Ein Bowmore mit Anlehnung an das Schwimmbad vor Ort, dass mit der Abwärme der Destillerie beheizt wird. Nett. In den 290 Flaschen sind 11 Jahre Reifung im Refill Barrel und 56,8%. Link zur Whiskybase
Nase: Pfeffer, vergorene Früchte, Nugatcreme. Dann kommt Blumenerde, Vanille und Parmaschinken. Damit setzt dann auch Salz und eine maritime Note ein.
Mund: Süß, salzig und pfeffrig trifft er auf der Zunge auf. Grapefruit und Grapefruitschalen, unreife Ananas. Dazu kommen malzige Noten, ein paar Röstaromen und Schokolade mit Milchcreme. Der Rauch ist dezent, es sind wieder eher erdige Töne, die der Torf beisteuert.
Abgang: Wärmend. Deutliche Süße, schokoladige Bitterstoffe, leicht prickelnde Fruchtigkeit. Dazwischen verläuft sich noch ein Madeleine mit Zitrusabrieb. Im Ofen verbrennt harziges Holz.
Fazit: Ein wenig charaktervoller als die Tempest Originalabfüllungen, die es mal gab. Aber man spürt den Vibe. Ingesamt ist er weniger trinkig als diese, aber das kommt von größerer Tiefe. Schönes Ding! 87/100
Bowmore 2006 – Phil & Simon Thompson for Kirsch Whisky
Es geht weiter mit der Darstellung von bedeutenden Gebäuden. Hier ist mal wieder das Dornoch Castle zu sehen, denn es ist eine Abfüllung aus dem Zyklus zum 25ten Jubiläum der Thompsons als Betreiber. Im Rahmen dieser Reihe sind auch einige für den deutschen Importeur Kirsch abgefüllt worden. Hier ein 19-jähriger aus Refill Oak. 199 Flaschen mit 51,4% waren es insgesamt. Link zur Whiskybase
Nase: Käsekuchen mit tropischen Früchten, dann eine intensive maritime Note und deutliche Mineralität. Der Kuchen geht über in rohen Teig und Butterscotch. Außerdem eine ganze Menge an Kräutern, nassem Tabak und auch grasigen Noten.
Mund: Erstmal cremig, mit viel Zitrone. Dann wird es salzig, mineralisch und trocken. Danach kommen eingelegte Früchte. Jetzt wird auch die rauchige Seite etwas deutlicher betont. Seetang, Lagerfeuer am Strand, etwas salzverkrustetes Heidekraut.
Abgang: Mit dem Torf geht es weiter, der langsam aber sicher etwas erdiger wird. Dazu eine dezente Rauchnote und vor allem jede Menge Zuckersirup und ein wenig Honig. Dann kommen Bitterstoffe dazu, Milchkaffee, Tabak, etwas Leder.
Fazit: Schon lecker, aber er kann den 2014er nicht übertrumpfen. Er ist bestenfalls im Erwartungshorizont für einen fast 20 jährigen Bowmore, vielleicht sogar etwas darunter. 87/100
Bowmore 2004 – Phil & Simon Thompson
Zum Abschluss der 21-jährige für den eigenen Markt. Er stammt aus refill Casks, ist also ein Small Batch. 289 Flaschen mit 51,8% gibt es dennoch nur. Das lässt entweder lecke Fässer vermuten oder aber dass die Fässer geteilt wurden. Link zur Whiskybase
Nase: Jede Menge Früchte. Papaya, Grapefruit, Limette und Banane. Frisch und auch vom Grill. Daneben liegt weißfleischiger Fisch auf dem Feuer am Strand Außerdem gibt es Kochschinken mit Kräuterkruste. Speichelfluss setzt ein!
Mund: Ananas, Melone, Papaya. Noch frisch, aber sie fangen an zu gären. Es prickelt auf der Zunge. Danach kommen wieder die Grillaromen. Jetzt sind wir nicht mehr am Strand sondern eher im Hafen. Es kommen ein paar Mineralölnoten und dreckiger Rauch dazu. Aber nicht zu viel, die komplexe Struktur der Fruchtvielfalt bleibt erhalten. Da ist auch noch Seetang und Muschelkalk.
Abgang: Papaya, Mango, Honigmelone. Dezenter, gut strukturierter Rauch. Vor allem in Richtung Asche und glühende Kohlen. Was lange bleibt ist jede Menge Salz und ein wenig Seetang.
Fazit: Sehr lecker. Liegt nur ganz knapp unter dem handfilled von oben. Ich freue mich wirklich sehr, dass die Brüder zum Jubiläum so tolle Bottlings auffahren konnten. Dazu kann man sie nur beglückwünschen. Und uns auch, wenn wir die Chance haben sie zu trinken. 91/100
Stay hyped!
Zmindest diese wenig alltäglichen Bottlings rechtfertigen den Bowmore-Hype. Und da brauche ich auch keine Kollaborationen mit Luxuswagen oder sonstige Marketingspielchen. Ehrliche getorfte Südfruchtlimo mit Salzrand. Das wäre meine Beschreibung für guten Bowmore. Davon hatte ich hier sehr viel.
Mehr zu: Bowmore, More Bowmore 1
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Vor Ort in der Destillerie und bei Malt Rocks gekauft, sowie eigene Flaschen






Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.