Mysteriöse Malts 3
Wie auch schon beim letzten mal bin ich einen Batch hinten dran. Die Serie 5 befindet sich aktuell im Markt (Serie 4 war für die USA, deshalb hier nicht verfügbar), der Vorgängen wird in diesem Beitrag verkostet. Und natürlich ist das nur ein kleiner Ausschnitt, denn das Feld der Möglichkeiten ist groß. Details könnt ihr auf der Webseite für die Abfüllungen nachlesen: Link.
Glen Grant 26-year-old – Phil & Simon Thompson
Die Reihenfolge hier in der Verkostung habe ich nach dem Öffnen festgelegt, um die vermuteten Aromen stimmig zu halten. Tatsächlich habe ich diese Flasche als letztes aufgemacht. Und ich war natürlich erfreut zu sehen, dass ich einen 26 Jahre gereiften Glen Grant trinken darf. 147 Flaschen aus einem Refill Hogshead wanderten in Series No.3 Link zur Whiskybase
Nase: Eaux de Vie oder hochwertiger fränkischer Obstbrand. Dazwischen auch frisch aufgeschnittene Obststücke. Birne, Apfel, Aprikose. Etwas Puderzucker darüber. Außerdem dann nochmal getrennt die Kerngehäuse und Samen.
Mund: Süß und salzig. Sehr rund und ölig. Die Früchte sind jetzt etwas herber. Fruchtschalen vor allem. Dazu noch eine Prise Pfeffer und etwas Kuchenteig.
Abgang: Ein saftiger Kuchen mit etwas Obstsalat dazu. Außerdem milder Tabak, milde Eichenwürze, Milchschokolade und -kaffee. Ein paar Röstaromen kommen noch dazu.
Fazit: Für sein Alter noch gut frisch. Die Verdünnung hat ihm vielleicht ein wenig die Alterswürde genommen. Auf der anderen Seite ist das im Preis-Genuss-Verhältnis immer noch sagenhaft. 88/100
Clynelish 11-year-old – Phil & Simon Thompson
Die räumliche Nähe zu Clynelish gibt den beiden Brüdern wahrscheinlich auch die gute Verbindung und den Zugang zu den Fässern. Denn davon haben sie mittlerweile schon einige in ihren Abfüllungen verwendet. Als Single Cask, in Blends und eben in den Mystery Malt. Hier haben wir einen 11-jährigen aus einem refill Hogshead. 356 Flaschen waren davon im Batch. Link zur Whiskybase
Nase: Erstmal präsenter Alkohol, dann eine durchdringende Süße und erst dann kommen Fruchtwachse in rauen Mengen. Danach kommen noch einige kräutrige Bitterstoffe.
Mund: Sehr süß und gleichzeitig sehr pures Destillat. Einige Bitterstoffe dazwischen. Salzkruste an einem Margarita-Gals. Sehr weiche und fast kaubare Textur.
Abgang: Weiterhin sehr süß und pur. Jetzt sind wir aber näher am bekannten Profil. Minerlische Note, Wachs und Politur. Dazu Baumwolle und mehlige rote Äpfel. Außerdem Bitterstoffe von kernen.
Fazit: Was machen wir jetzt damit. Am Anfang war er mir von schon zu pur. Und das ist für meine Verhältnisse wirklich ungewöhnlich. Aber ich muss zugeben, dass vergeht mit der Zeit und dann beginnt er Spaß zu machen. 86/100
Teaninich 13-year-old – Phil & Simon Thompson
Wir bleiben in der Gegend, jetzt allerdings geht es etwas in den Süden von Dornoch, der Heimat der Thompsons. 13 Jahre war dieser Teaninich in einem 1st Fill American Standard Bourbon Barrel und hat so 242 Flaschen zur dritten Ausgabe der MM beigetragen. Link zur Whiskybase
Nase: Weinige Süße und ein ganzer Bottich voll mit Äpfeln. Dann kommt Süßkram und Backzutaten. Kokosraspeln, Honig, Blätterteig,
Mund: Trockenblumen auf einer gewachsten Tischdecke. Dann kickt die Süße wieder rein. Puderzucker, Honig, Karamell und Vanille-Popcorn. Kokos und Früchte sind jetzt in einem Müsli.
Abgang: Eine etwas komische prickelnde Alkoholnote. Schwer zu beschreiben. Fast wie ein Whisky-Soda oder so ähnlich. Dann wird er trocken und dabei bleiben noch Kokos, Apfel, Honig und Vanille. Bitterstoffe sind nur sehr wenige vorhanden.
Fazit: Hat viel von einem Grain Whisky. Außer dem stechenden Alkohol, den man bei jungen Grains oft findet. Deshalb ist das hier nicht schlecht. Nur mit dem etwas speziellen Abgang konnte ich nicht so viel anfangen. 84/100
Annandale 07-year-old – Phil & Simon Thompson
Zum Schluß geht es noch in die Lowlands. Quasi direkt nördlich der Grenze zu England liegt Annandale. Für die diese Runde Mystery Malt wurden 294 Flaschen in American Standard Bourbon Barrels double oaked. Was auch immer das heißt. Wenns eine Doppelreifung war, dann 2x in der selben Fassart? Spannend. Link zur Whiskybase
Nase: Vanille und Käsekuchen, gleichzeitig etwas Lösungsmittel. Obwohl der Alkohol reduziert ist. Dann kommen Früchte, vor allem Äpfel. Das geht über in Vanille, Kokos und gelbe Trockenfrüchte.
Mund: Präsente Säure, etwas Pfeffer. Pappkarton wird mit der Zeit zu Graubrot. Honig, Apfel und Ingwer (mit Schale). Dann Bittermandel.
Abgang: Sehr viel Vanille und auch etwas Schwarzbrot. Auch etwas nussig. Die Äpfel sind weiterhin vorhanden und es mangelt auch nicht an Bitterstoffen. Vor allem Kaffeemehl. Mit der Zeit wird er erstmal laktisch und dann trocken.
Fazit: Für einen 7-jährigen erstaunlich Komplex. Allerdings – das ist wiederum erwartbar – wenig stimmig. Das ist ein Kampf, der durch die Sensorik wütet. Es ist aber nicht in dem Sinn eine Fehlnote dabei. Man muss die Puzzleteile nur mit dem Hammer einklopfen und dann passen sie schon. Irgendwie. 85/100
Noch auf dem richtigen Pfad?
Die Batches der Mystery Malt werden größer. Damit auch die vermeintlichen Nieten mehr. Ist das ein Problem? Nein, denn es gibt sie eben nicht, diese Nieten. Die Fassauswahl ist wirklich gut. Das Produkt funktioniert. Deshalb tauche ich auch wieder ins Mysterium ab, mir macht das öffnen der Whisky-Panini-Bildchen viel Spaß. Batch 5 steht schon hier.
Mehr zu: Annandale, Clynelish, Glen Grant, Teaninich, Mysteriöse Malts 2
Bilder: Eigene Anfertigung
Samples: Eigene Flaschen




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