Eine Hand voll Highlands (Teil 20)
Die Definition der Whiskyregionen ist ja auch etwas willkürlich muss ich sagen. Ich habe heute Deanston und Glenturret im Review, die sich ja doch recht südlich in Schottland befinden. Glen Garioch liegt dann wiederum fast komplett im Osten und man würde es wahrscheinlich spontan der Speyside zuordnen. Und Balblair wiederum ist im Norden. Nun eigentlich ist es ja auch egal, Hauptsache die Drams schmecken!
Teithmill 2014 – Phil & Simon Thompson
Ich weiß jetzt nicht ob hier die Namensrechte nicht mit dem Fass kamen, aber es ist schon sehr offensichtlich das es sich hier um einen Deanston handelt. Die Destillerie ist in der alten Mühle am Fluß Teith in Perthshire. All das steht auch hier auf der Flasche. Nach 10 Jahren im Refill Hogshead wurden 299 Flaschen mit 54,2% abgefüllt. Link zur Whiskybase
Nase: Malz und Hefe. Butter auf hellem Toast. Ein wenig Banane, unreife Ananas und andere helle Früchte. Mit der Zeit kommt noch nasser Kiesweg dazu.
Mund: Würzige, leicht scharfe Zitrusnoten. Dabei sehr rund und weich im Mundgefühl. Bitterstoffe von Fruchtschalen. Brotige Noten. Dazu geben Honig, Vanille und ein paar Kräuter eine gute Struktur.
Abgang: Am Ende wird es nochmal etwas getreidiger. Milde Bitterstoffe, Zitrus und Malz. Das war es dann aber. Für 10 Jahre ordentlich aber nicht überraschend.
Fazit: Lecker. Die Frucht-zu-Malz-Rate ist besonders gut. Das macht mir auf diese Art viel Spaß. 87/100
Teithmill 2014 – Phil & Simon Thompson
Ein Fehler in der Matrix. Der selbe Lachs springt zum zweiten Mal die Treppe hinauf. Nein es ist einfach das Schwesterfass. Das durfte 11 Jahre reifen und ist dann mit 54,1% in 305 Flaschen gebracht worden. Link zur Whiskybase
Nase: Helles Nougat, heffige Noten, dazu ein gut gereifter Käse. Und – haltet mich für verrückt – Reis. Oder der Duft von Reis, eine Stunde nachdem er gekocht wurde. Trocken und leicht staubig kommt er daher. Leicht fruchtig und auch grasig.
Mund: Würzig, in eine grüne Richtung. Grüner Pfeffer und Limette kommt mir in den Sinn. Etwas Gebäck auch noch mal das Nougat. Ingesamt jetzt weniger intensiv.
Abgang: Salzig, einige Bitterstoffe. Der Käse kommt noch mal rum. Dann geht es wieder zur Frucht, viel mit Zesten. Die Bitterstoffe gehen dann in Richtung Milchkaffee.
Fazit: Die Nase ist wirklich faszinierend. Da könnte man die Analyse wahrscheinlich ewig betreiben. Insgesamt fand ich aber den 10-jährigen einen Tick spannender. Ist aber vielleicht auch dem direkten Vergleich geschuldet. 86/100
Glen Garioch 12-year-old Ars Goetia #5 Asmodeus – Whic
Aus der Ars Goetia Serie kam zum Black Friday 2025 die fünfte Abfüllung Asmodeus. 12 Jahre, 46% und ein Bourbon Cask mit 300 Flaschen stehen in den Büchern. Link zur Whiskybase
Nase: Intensive Süße, Honigwaben und überreife Früchte. Vielleicht auch etwas Malzzucker. Dazu kommt Omas Käsekuchen mit den Dosenmandarinen drin und der vollkommen unnötigen Gelantinedeckschicht. Den kennt jeder, oder? Irgendwelche pflanzlichen Noten finde ich auch noch. Die offiziellen Notes passen hier gut zu meinem Eindruck.
Mund: Weich und rund. Etwas Zitrone, Vanille immer noch die betörende Süße. Dann kommen blumige Noten und etwas Nüsse.
Abgang: Gut trinkig. Immer noch mit Zitrusfrüchten. Ein paar leichte Bitterstoffe. Nicht zu aufregend am Ende.
Fazit: Die Nase ist durchaus betörend. Insgesamt ist er sehr stabil und in einem guten P/L-Verhältnis. Mindestens mal als er im Angebot war. Ich sag das ja sehr selten, aber hier vermisse ich keine Fassstärke. Auch die 46% scheinen mir in Ordnung. 87/100
Glenturret Batch 2 – That Boutique-y Whisky Company
So ganz kann ich die Nomenklatur von TBWC nicht nachvollziehen. Hier scheint es ein Small Batch Glenturret zu sein, von dem es vorher schon mal eines gab. Dieses hier hat 365 50cl Flaschen und wurde mit 35 Jahren und 47,7% abgefüllt. Das wiederum spricht in meinem Buch eher für ein Single Cask. Aber zu Fässern gibts dann gar keine Angaben. Link zur Whiskybase
Nase: Erdbeeren und Vanille. Und das superintensiv. Dahinter eine trockene und leicht laktische Note. Dann wird es wieder fruchtig. Feigen, Äpfel, Orangen und Aprikosen. Tendenziell eher getrocknet als frisch. Dann gibt es noch einen Schwung Gewürze. Vor allem Zimt.
Mund: Wieder Apfel und Erdbeeren. Dann einiges an Holz. Honig und Tabak. Zimt und Vanille. Dazu noch etwas Leder.
Abgang: Die deutliche Holznote setzt sich fort. Die über 30 Jahre im Fass lügen nicht. Jetzt werden die Fruchtnoten etwas heller und frischer. Allerdings auch ein paar vergorene Komponenten. Vanille und Erdbeeren bleiben als Konstante. Bitterstoffe sind nicht viele vorhanden, dafür eine angenehme Tiefe. Honignote.
Fazit: Ich hab kurz überlegt, ob mich die Holznote stört. Aber ich glaube, dass ist bei dem Alter vollkommen normal. Vielmehr muss man die Fruchtigkeit bei dieser Reifezeit feiern. Und das mache ich gerne. 90/100
Balblair 2000
Single Cask Balblairs, in Fassstärke, mit dieser Farbe – die haben ihren ganz eigenen Markt. Da kommt man bei einem 14-jährigen dann auch schon mal auf 500€+. Von diesem hier, abgefüllt für Aromatniy Mir, einem Spirituosenladen in St. Petersburg, gab es 597 Flaschen mit 51%. Zum Fass gibt es keine Angabe, aber ich rate mal: Sherry… oder Cola 😉 Link zur Whiskybase
Nase: Stark gegerbtes Leder, poliertes Holz, Kirsch-Tabak, eingekochte Früchte. Pflaumenmus, Blaubeermarmelade, solche Dinge. Briocheteig und Vanillejogurt.
Mund: Die würzigen Noten weichen eine Zeit lang. Es kommen wieder die dunklen Früchte, jetzt kommen Rosinen dazu. Außerdem dunkle Schokolade und Kaffee. Danach ist der Tabak und das Leder wieder da.
Abgang: Deutlich milder als im Taste. Es bleiben die Bitterstoffe. Schluckt man schnell, dann kommt eine schöne Süße-Säure Balance und auch eine leichte Schwefelnote. Die aber vollkommen ok ist. Außerdem ist da auch noch eine kühlende Mentholnote.
Fazit: Irgendwie hab ich das schon vorhergesehen. Komplett im Sherry versenkt. Für 14 Jahre ist er auch weit gereift. Ich weiß allerdings nicht ob dieses Profil wirklich will. Das ist ein sehr guter, aufgespritteter Sherry. Kein sherryfassgereifter Whisky. 89/100
Fruity, fruity, fruity!
Schön! Das Profil der Fruchtbombe, dass der Glenturret aufweist, gefällt mir heute am besten. Da werde ich versuchen noch ein paar mehr Samples von über 30-jährigen Glenturret zu kriegen. Das hat mich neugierig gemacht. Die Deanston fand ich aber auch spannend, wenn auch etwas eigenwillig. Dass der Sherry Balblair auch gut ist muss ich nicht betonen. Nur eben nicht mein Wunschprofil.
Mehr zu: Balblair, Deanston, Glen Garioch, Glenturret, Eine Hand voll Highlands (19)
Bilder: Eigene Anfertigung und freundliche Überlassung der Whiskybase
Samples: Eigene Flaschen, privat gekauft und kostenlos von whic.de zur Verfügung gestellt (Glen Garioch)





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